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23.10.13Leser-Kommentare

Komplexes simplifiziert: Die Krise des Journalismus in zehn Sätzen

Journalismus steckt in einer Krise, aus der einige wenige Kapital schlagen. Wir fassen die Situation in zehn Sätzen zusammen.

Journalismus in der KriseJournalismus steckt in der Krise. Auch wenn mein Kollege Jan Tissler die Tätigkeit des Online-Journalisten als Traumberuf bezeichnet und es mit Quartz, Aeon Magazine oder dem angekündigten Projekt von eBay-Gründer Pierre Omidyar und Guardian-Investigativreporter Glenn Greenwald durchaus hoffnungsvolle Ansätze gibt, bekleckern sich die bekanntesten und im Hinblick auf Metriken erfolgreichsten Shootingstars, allen voran BuzzFeed und die Huffington Post, nicht gerade mit journalistischem Ruhm. Ihre häufig aus dem Web zusammkopierten Fast-Food-Inhalte mögen Server an die Auslastungsgrenze bringen, die Rettung der Demokratie durch sorgfältige Recherchearbeit und aufwändig produzierte Geschichten ist von ihnen aber in der aktuellen Form nicht zu erwarten. Auch wenn BuzzFeed verstärkt auf Investigatives setzen möchte.

Der Aufstieg von Huffington Post und BuzzFeed wurde möglich, weil die Macher dieser Angebote die elementare Krise des Journalismus im digitalen Zeitalter frühzeitig erkannten und auf ihr zumindest für eine bestimmte Zeit funktionierende Geschäftsmodelle errichteten. Diese Krise ist komplex, lässt sich aber ganz im Sinne der netztypischen journalistischen Trends auf einige wenige, leicht überspitzte Sätze herunterbrechen. Die Krise des Journalismus in zehn Sätzen

Qualitativer, investigativer Journalismus kostet viel Geld und lässt sich durch die bisherigen Online-Erlösmodelle nicht refinanzieren.

Medien mit Bezahlschranken versprechen Qualitätsinhalte, bieten jedoch nur die übliche Standardkost.

Die im Netz beliebtesten und damit am meisten Werbeeinnahmen generierenden Artikel sind häufig die, in die am wenigsten Arbeit investiert wurde.

Die Aufmerksamkeitsspanne der meisten Leser ist extrem kurz.

95 Prozent der frisch publizierten Inhalte und Meinungen existieren in ähnlicher Form bereits x-fach im Web und sind damit eigentlich überflüssig.

Schnöder Nachrichtenjournalismus ist ein überholtes Modell, für das die Masse nicht bezahlen wird und dessen Mehrwert sich für Leser in Grenzen hält.

Was Leser bei Nachfrage einfordern ("Qualität", "journalistische Tiefe", "Wahrheitsgehalt"), entspricht nicht dem, womit sie sich in einer freien Minute locken lassen (Gerüchte, Boulevard, schlüpfrige Überschriften, Listen mit Katzenfotos).

Viele Texte werden nur deshalb publiziert, weil Redaktionen ihre Publikationsquoten und damit verbundenen Seitenaufrufe erreichen wollen.

Die Demokratie braucht kein Print, aber sie braucht Journalismus.

Niemand weiß wirklich, wie es weitergeht.

(Illustration: Web news concept)

Kommentare

  • Andy Lenz

    23.10.13 (09:28:50)

    nein! z.b. wird dieser text/blog gerade mit einem FedEx wallpaper banner mit zweistelligem TKP umschlossen. es gibt soooooooo viele gegenbeispiele für deine 10 thesen und es gibt so viele aussichtsreiche plattformen. natürlich bekommt doch boulevard mehr reichweite als B2B-stuff oder tiefgängige journalistische texte. finde ich auch nicht gut, aber war schon immer so. werber zahlen auf trashigen plattformen viel geringere preise als auf qualitativen angeboten und huffpo scheint nicht gerade rentabel zu sein... "krise des journalismus" muß als "chance des journalismus" begriffen werden. es war noch nie so einfach wie heute mit verlergerischen produkten erfolgreich zu sein. das ist doch auch euer blogwerk modell. oder bin ich dir gerade wieder, ähnlich wie bei deinem google+ rant, auf den kommentarbyte leim gegangen? ;)

  • Martin Weigert

    23.10.13 (09:52:38)

    Du siehst also keine Boulevardisierung des Netzjournalismus? SPON ist doch dafür der beste Beweis. Natürlich ist es auch eine Chance. Und natürlich gibt es "viele aussichtsreise Plattformen". Doch das ändert meines Erachtens nach nichts an den oben beschriebenen Dynamiken und Problematiken. "es war noch nie so einfach wie heute mit verlergerischen produkten erfolgreich zu sein. " Das kommt drauf an, wie man "einfach" und "erfolgreich" definiert. Natürlich ist es heute einfacher, sich zu niedrigen Kosten in der Nische zu positionieren. Diese Nische kann auch durchaus größer sein. Doch beim Reichweitenjournalismus - also die bisherige Domäne der Tageszeitungen und Nachrichtenmagazine - trifft diese Aussage meines Erachtens nach nicht zu.

  • Andy Lenz

    23.10.13 (10:00:23)

    ob nun bild oder buzzfeed oder?

  • Martin Weigert

    23.10.13 (10:08:53)

    Der Unterschied ist meines Erachtens nach folgender: Im Printzeitalter kamen abgesehen von den überzeugten Bild-Lesern nur wenige Bürger mit dem Boulevard in Kontakt - weil sie schlicht nicht bereit waren, dafür Geld auszugeben. Entweder aus Prinzip oder aus Furcht, ihren Status in der Peer Group zu gefährden. Im Digitalzeitalter entfällt diese Barriere. Selbst FAZ-Leser kommen nun mit Boulevard in Kontakt, müssen dafür keinen Cent bezahlen und ihnen bleibt auch das Stigma und die Scham erspart, der mit dem Erwerb der Bild-Zeitung verbunden wäre (wenn nicht vor anderen, dann vor ihnen selbst). Es ist ja kein Zufall, dass Menschen so empfänglich für reisserische Schlagzeilen und Gerüchte sind. Wie beim Konsum von Junk Food, Zucker, Nikotin oder Gambling steuert uns unser Gehirn zu derartigem Verhalten - obwohl wir ahnen, dass wir dadurch nicht wirklich zufriedener, glücklicher oder informierter werden. Frei ist davon niemand. Versuchung verspürt jeder. Nur ist es heutzutage weitaus einfacher, dieser nachzugeben. Und die Versuchungen lauern überall Ich glaube, dies ist der entscheidende Grund, warum im Netz selbst die seriösesten Publikationen stärker in Richtung Boulevard rutschen.

  • Eva

    23.10.13 (10:50:12)

    Spannende Thesen. Mehr davon!

  • rittiner & gomez

    23.10.13 (10:56:06)

    recht haben sie. all zu oft lesen wir im print nach, was wir kostenfrei im internet schon gelesen hatten.

  • Jochen (Exciting Commerce)

    23.10.13 (14:34:56)

    Kann mich Andys Verwunderung nur anschließen. Im Special Interest Bereich klappts doch schon wunderbar mit den Erlösmodellen. Irgendwann wird auch das General Interest Segment lernen, dass "Relevanz vor Reichweite" gilt. Und wenn nicht, dann werdens ihnen Bezos, Omidyar & Co. schon beibringen. Ich bin da zuversichtlicher denn je. Das Problem sind aus meiner Sicht die TKP-Jünger in der Vermarktung. Wo wäre ein - ich schreib das mal bewusst so - "Medienhaus" wie Google, wenn es nach TKP abrechnen würde? Relevanz muss eben anders vermarktet werden als Reichweite. Wer aber Relevanz vermarkten will, der bereitet der belanglosen Boulevardisierung schnell ein Ende.

  • Martin Weigert

    23.10.13 (15:41:40)

    Dass etwas im Special Interest Bereich funktioniert, heißt für mich per se nicht, dass dies auch im General Interest Segment so geht. Denn am Ende sind die Nutzungsmotive bei Fachmedien ganz andere als bei journalistischen Angeboten, bei denen der Leser nicht unmittelbar ein berufliches Interesse oder eine spezifische Kaufintention hat. TKP ist ein zweiseitiges Schwert, imo. Einerseits fördert es das Masse-statt-Klasse-denken. Andererseits ist es auch ein Trugschluss, zu glauben, ein Werbemittel, das nicht geklickt wird, sei automatisch ein ineffektives Werbemittel. Imagewerbung ist ja grundsätzlich darauf ausgerichtet, durch möglichst viele Kontakte im Alltag der Konsumenten ihre Wirkung zu entfalten. Sprich, ein nicht geklickter Banner hat trotzdem einen Effekt, zumindest als Teil einer länger angelegten Kampagne. Dafür von Werbetreibenden nichts zu verlangen, wäre meines Erachtens nach falsch. Mal hypothetisch: Was wäre, wenn es von heute auf morgen nur noch CPC/CPA gäbe: Nutzer würden deshalb nicht mehr klicken. Der Werbemarkt würde einbrechen, und die meisten Onlinemedien mit ihm. Oder es entstünden irgendwelche hochkreativen Werbeformen, die Nutzer wie wild klicken lassen, ohne dass diese Anzeigen der Qualität des Angebots schaden oder an der Trennung von Redaktionellem und Werbung rütteln. Das erscheint mir aber eher wie ein Traum. Am Ende ist die Werbefinanzierung an sich das Problem. Paid Content funktioniert aber in aktueller Form auch kaum. Was bleibt, sind wohl wirklich die Mäzene, Querfinanzierungen und - vielleicht - Crowdfunding.

  • Jochen (Exciting Commerce)

    23.10.13 (16:28:42)

    Man könnte es ja auch mal andersherum denken: Wofür sind Unternehmen bereit zu zahlen? Für Kontakte, für Leads, für Umsatz, für Interesse, für Aufmerksamkeit, für Zugehörigkeit, für Zugang, was noch? All das sind Hebel, die relevante Medien nutzen könnten, um Unternehmen für sich zu gewinnen. Für all diese Hebel sind Modelle denkbar, die weder nach CPC/CPA noch nach TKP-Logik arbeiten. Unternehmen zahlen einen Jahresbeitrag (gemeinhin etwas ungeschickt als Sponsoring bezeichnet) oder sie engagieren sich in anderer Form für bestimmte Themen und Aspekte. Das Thema Content Marketing kommt ja nicht deshalb so hoch, weil Unternehmen so wahnsinnig viel Lust hätten, neben ihren Produkten auch noch Medieninhalte zu produzieren. Sie tun sich einfach wahnsinnig schwer damit, relevante Medien mit zielgruppenrelevanten Inhalten zu finden, wo sie sich einbringen und positionieren könnten. Die Streuverluste sind einfach zu hoch. Streuverluste zu minimieren – genau das aber sollte die Kompetenz der Medien sein: Sie sollten ihr Publikum kennen, für das sie arbeiten, es mit relevanten Inhalten binden und für interessierte Unternehmen erschließbar/attraktiv machen (die Zielgruppen wohlgemerkt, nicht die Inhalte!). Da macht es keinen großen Unterschied, ob das nun Special Interest oder General Interest ist, wenn die relevante Zielgruppe gut bedient wird. Man muss sich nur davon verabschieden, dass General Interest immer gleich Massenmedium heißt. Ich persönlich glaube, das wir künftig sehr viel spezifischere General Interest Medien haben werden. Und nicht die reichweitenstärksten werden die lukrativsten sein. Politico, Zeit und andere sind gute Beispiele.

  • Martin Weigert

    23.10.13 (18:42:39)

    Am Ende sind es eben auch Wertedebatten, bei denen man nicht ohne weiteres eine gemeinsame Linie findet. Ich persönliche halte jede Art des Denkansatzes "Wofür wollen Unternehmen zahlen" für problematisch, wenn es darum geht, hochwertigen, auf ein breites Interesse stoßenden investigativen Journalismus produzieren zu wollen. Kein Zweifel: Das Szenario, dass Markenhersteller zu (womöglich) renommierten Medienproduzenten werden, schließe ich nicht aus und verteufele es auch nicht grundsätzlich. Im Gegenteil. (siehe http://netzwertig.com/2012/11/21/marken-werden-zu-medien-wieso-konsumgueterhersteller-newsrooms-betreiben-koennten/) Bei bestimmten, wichtige gesellschaftliche, politische oder wirtschaftliche Fragen stellenden Inhalten aber kann ich mir nicht vorstellen, dass diese unmittelbar von Konzernen vorangetrieben werden, die diverse nicht für Außenstehende erkenntliche Agenden haben. Ich glaube nicht, dass sich so diese für eine Demokratie wichtige Funktion optimal ausführen lässt. Daraus ergeben sich für mich zwei unterschiedliche journalistische Marschrichtungen für die Zukunft: Solche, die direkt oder indirekt durch Unternehmen finanzierten beziehungsweise von deren Interessen gesteuert/beeinflusst werden und solche, die versuche, jede signifikante Abhängigkeit von der Wirtschaft auszuschließen, und die andere Finanzierungswege finden.

  • Dirk Hansen

    23.10.13 (19:55:08)

    Danke für den Mut zur Knackigkeit! Und dennoch: Auf diesem 10-Thesen-Level ist vermutlich alles richtig. Oder falsch. Wer nicht differenziert, wird schnell frustriert. Journalismus war selten ein lohnendes Geschäftsmodell und wurde entweder querfinanziert (Privat-Prinit/-Funk/-Online) oder subventioniert (öff.-rechtl. Rundfunk). Journalismus hatte nie eine feste Definition - war insofern immer in der Krisis - und reichte stets von qualitativ-investigativ bis bunt-boulevardesk. Vom Beruf des Journalismus haben kaum je alle diejenigen leben können, die ihn ausüben wollten. Auch im Internet-Zeitalter werden die Menschen professionelle Filme, Töne, Texte und Bilder, sicher auch unabhängige Nachrichten wahrnehmen wollen. Dafür werden sie auch zahlen (müssen). Vor allem stimme ich allerdings Ihrer letzten These zu: "Niemand weiss wirklich, wie es weitergeht." Aber dass es weitergeht, daran sollten wir im Detail arbeiten und darauf sollten wir vertrauen. Obwohl das etwas pastoral klingt.

  • Stephanie

    23.10.13 (23:08:39)

    Ich habe es schon soo oft gehabt, dass ich online etwas gelesen habe und dann zwei Tage später kommt meine Schwiegermutter / Ehemann / Kumpel / Arbeitskollege mit der Zeitung zu mir und erzählt mir die "brandneuen" News a la "Hast Du schon gehört?" Und oft es ist jetzt die Antwort: "Ja, weiß ich schon lang." Ich glaube, die Zeitung an sich wird irgendwann aussterben. Weil die meisten Zeitungsjournalisten zu unflexibel im Denken sind. Schade!

  • Michael

    24.10.13 (12:56:42)

    Ein riesiger Basismedienumbruch wie mit dem Internet führt zwangsläufig auch zur Krise des Journalismus. Verwunderlich wäre, wenn es nicht so wäre. Worin besteht die Krise wesentlich? Darin dass die Medienträger von Journalismus online völlig neu erfunden und entwickelt werden müssen - medial, formal, formatmäßig, technisch, technologisch (auch an Geräten, Software) multimedial, ökonomisch, finanziell, kommunikativ, interaktiv (in der Nutzerbeziehung). Ein Umbruch, der so riesig ist, dass er mehrere Jahrzehnte brauchen wird, um zu neuen, fest etablierten tragfähigen Strukturen auch im Journalismus zu führen. Derweil gibt es halt viel Chaos und Gezeter. Unsichere, aber auch interessante Zeiten für den Journalismus - weil ständig Neues entsteht.

  • Martin Weigert

    24.10.13 (14:36:51)

    Treffender Pragmatismus. Dumm nur, dass gerade in diesen Jahrzehnten ein starker Journalismus wichtig wäre.

  • Michael

    24.10.13 (17:08:28)

    Den Journalismus gibt es ja trotz Umbruch weiter. Es hat wohl noch nie soviel Journalismus gegeben wie seit dem Internet, auch in der Kommentierung des Medienwandels. Im Umbruch sind mit den neuen Medienträgern lediglich die Strukturen, Formate, Technologien, und die Ökonomie des Journalismus. Das bringt den Journalismus natürlich mit in gewisse unsichere Wirren, aber nicht soweit, dass er darüber wesentlich schlechter würde. Dazu darf man Journalimus nicht nur auf das z.T. auch leicht boulevardeske SPON reduzieren, davor gab es ja überhaupt kein SPON. Die Debattenköpfe wie Schirrmacher, Prantl, seit einiger Zeit Lobo publizieren und kommentieren nach wie vor. Hinzugekomen ist eine vielfältige Blogosphäre. Der Journalismus dürfte m.M. bereits mittelfristig sogar besser werden, als er eben ans neue Onlinemedium angepasst wird. Wozu in immer größer werdenden Informationsfluten m.M. auch eine gewisse Verknappung und Verkürzung aufs Wesentliche gehört.

  • Martin Weigert

    24.10.13 (18:35:49)

    Klar, Journalismus gab es noch nie so viel wie zuvor. Das sagt aber erst einmal wenig über die Qualität aus. Wobei ich auch nicht behaupten möchte, die sei heute schlechter als einst. Denn dem wird nicht so sein. Nur verteilt sich heute der gute Journalismus auf unglaublich viele Quellen, die gesichtet werden wollen und müssen. Es reicht nicht mehr wie im Printzeitalter, sich an ein einziges Medium zu hängen und damit einigermaßen solide und auch zeiteffektiv informiert zu werden. Denn die Noise ist im Netz gestiegen, wegen Page Impressions etc.

  • Michael

    24.10.13 (19:16:36)

    Gut, dass Du es ansprichst, das war mir im Nachherein auch noch eingefallen. Der Eindruck von der Krise des Journalismus wird wesentlich mit dadurch verschärft, dass es nie wieder ein so vergleichsweise wohlgeordnetes, begrenztes Angebot voneinander abgeschlossener Einzeltitel der Printpresse geben wird, das ja auch schon ein Bild des Überflusses abgab. Sondern eben einen riesigen ständig größer werdenden Ozean von Einzelartikeln kleinerer und größerer Journalismus-Anbieter, die sich unbegrenzt ins Internet ergießen können. Auch das stellt den Journalismus vor eine völlig neue Situation an Informationsmengen und der Ordnung dieser Mengen. Wenn man die Situation des Journalismus beurteilt, muß man sich also zuerst von seinen bisherigen geordneten und limitierten Print-Erscheinungsformen verabschieden und fortan viel größere, ungeordnetere, verbundenere, interaktivere Online-Maßstäbe an den Journalismus legen. Die Informationsmassen stellen neue technische wie strukturelle Anforderungen der Aggregation, wofür es neue Plattformen braucht. Ein Grundproblem der Krise des Journalismus ist also, dass sie allein mit bisherigen journalistischen Maßstäben kaum bewältigt werden kann, sondern zusammen mit neuen Onlinemedien neue Online-Maßstäbe für Journalismus entwickelt werden müssen.

  • Dirk Hansen

    25.10.13 (12:27:58)

    ... irgendwie beginnen die verhassten Gatekeeper langsam wieder zu fehlen..

  • Martin Weigert

    25.10.13 (13:46:39)

    Letztlich endwickeln sich ja allernorts neue Gatekeeper. Einzelne Individuen und Firmen mit Reichweite und Meinungskraft. Nach meinem Erkenntnisstand liegt das Folgen der Vielen den Perspektiven/Meinungen/Maßgaben der Wenigen in der menschlichen Natur. Die Frage ist, ob diese damit verbundene Verantwortung durch das Netz auf mehr Schultern verteilt werden kann als bisher. Ich glaube, dass dies möglich ist. Aber der Gatekeeper an sich wird meines Erachtens nach nicht verschwinden.

  • DJ Nameless

    28.10.13 (10:14:00)

    Ich will diese Gatekeeper ausdrücklich NICHT! Deshalb sind neben großen Presseportalen, auch Blogs wie dieser, Foren, private Homepages, usw. meine Informationsquellen. Dank des Internets kann jeder veröffentlichen, was er will, was der Vielfalt zugute kommt. Die zehn Sätze sind sicherlich schon sehr gut. Man kann aber eben noch ergänzen: "Veröffentlichungen im Selbstverlag lösen vielerorts professionelle Redaktionen ab; jedoch gibt es bis heute kein Geschäftmodell, welches die Selbstverlags-Publikationen gegenfinanzieren könnte." Das gilt natürlich auch für alle anderen Veröffentlichungsformen wie Filme, Fotos oder Musik.

  • Dirk Hansen

    28.10.13 (11:16:05)

    Wie auch immer man die auch Funktion nennt - "Kuratieren" oder "Gate-Watching" sind gerade in Mode - ihre Notwendigkeit bleibt. Und dies gerade weil die Menge der frei zugänglichen Informationen so sehr anschwillt. Die Kritik an den "Gatekeepern" ist letztendlich ein gewachsenes Misstrauen gegenüber Menschen (Journalisten) und Organisationen (Medien). Leider gibt es dazu auch eingigen Anlass. Auf der anderen Seite werden die Menschen jetzt nicht die ganze Arbeit allein machen oder von "neutralen" Algorithmen erledigen lassen können. Wer die bisherigen Lösungen verwirft, braucht neue.

  • Knut Kuckel

    29.10.13 (11:55:41)

    Betroffene Medien wollen uns gerne weismachen, der Journalismus stecke in einer Krise. Vielleicht, im Zuge des wirtschaftlichen Niedergangs mancher Medien. Der Journalismus wird weiter expandieren, nur muss er sich dazu veränderter Methoden bedienen. Medien, die ihre Zeit verschlafen haben, sollten weiter träumen. Die Chancen waren nie so gut, für Qualitätsjournalismus wie heute. Behaupte ich als "Fossil". Man sollte nur die Augen öffnen, dann wird man schnell fündig. Herzlichst, Ihr Kuckel

  • Michael

    30.10.13 (13:29:25)

    Journalismus steht mit den Informationsmassen im Internet vor folgender neuen Herausforderung: der extremen Verkürzung und Strukturierung von Kerninformationen. Man kann sich im Internet viel mehr informieren als noch in Printmedien. Folglich müssen die einzelnen Informationen in Artikeln kürzer, prägnanter, kompakter, pointierter herausgearbeitet werden als in Printmedien, wo sich noch mehr ausgemehrt werden konnte, weil man eben nur ein, zwei, drei, vier Titel las. Heißt, Online-Artikel brauchen Kurzzusammenfassungen der Kerninformationen eines Themas (sogenannte Abstracts) - die dann natürlich im Artikel weiter ausgeführt werden können. Mir die Kerninformationen mühsam aus dem Fließtext z.B. dieses interessanten netzwertig-Themas herauszupicken, habe ich im riesigen Internetmeer leider garnicht mehr die Zeit. Und so hat mich dieser lange Artikel inhaltlich leider kaum erreicht: http://netzwertig.com/2013/10/29/voicesphere/

  • Michael

    15.11.13 (16:43:30)

    Printjournalismus hat außerdem auch in folgender Hinsicht noch einen kleinen Vorteil: Solange man noch auf Internetseiten warten muß, haben Papiermedien gewisse Vorteile in der Handhabung. D.h. Seiten sind sofort da, wenn man sie aufschlägt. Das Warten auf einen PC oder Internetdateien im Datenstau macht Onlinemedien in der Handhabung noch etwas sperrig. Sind Internetseiten aber erstmal sofort da ohne irgend eine Verzögerung, ist auch dieser letzte Usabilityvorteil der Printmedien verschwunden. Ganz abgesehen davon, dass digitale Medien in sämtlicher anderer Hinsicht auch in der Handhabung schon längst effektiver sind, z.B. Suche oder Suchen in der Seite oder Archivierung

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