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16.08.10Leser-Kommentare

Kompatibilität von iPhone-Apps: Die Fragmentierung des iPhone-Ökosystems

Mit iPhone 4 und iOS 4 erhalten App-Entwickler neue Funktionalität für ihre Anwendungen. Erste Fälle von App-Inkompatibilität mit älteren iOS-Versionen deuten gleichzeitig auf eine unerfreuliche Fragmentierung hin.

 

Mittlerweile hat sich die erste Euphorie (und auch Kritikwelle) rund um das iPhone 4 gelegt. Zwar scheinen Lieferengpässe nach wie vor für längere Wartezeiten zu sorgen, aber spätestens in einigen Monaten wird sich die vierte Generation des Apple-Smartphones fest im Markt etabliert haben. Für App-Entwickler steigen dadurch auch die Anreize, die Features der mit dem iPhone 4 veröffentlichten neuen Version des iPhone-Betriebssystems (iOS 4) auszunutzen - primär natürlich im Hinblick auf Multitasking, das mit iOS 4 möglich geworden ist.

Zwar fehlen mir aktuelle Zahlen zur Verbreitung von iOS 4, aber es ist davon auszugehen, dass ein Großteil der im Markt befindlichen iPhone 3Gs mittlerweile ebenfalls per Firmware-Update auf iOS 4 aktualisiert wurde. Was übrig bleibt, sind iPhones der ersten Generation (gut möglich, dass diese kaum noch im Einsatz sind) sowie das iPhone 3G, das sich zwar auf iOS 4 aktualisieren lässt, aber dadurch unglaublich langsam wird (auch wenn angeblich eine Lösung unterwegs ist)

Ich gehöre zu den Menschen, die noch immer ein iPhone 3G im Einsatz haben. Seit einem Jailbreak kürzlich bin ich vollkommen zufrieden mit dem Gerät und plane aktuell keine Erneuerung (auch wenn ich kurze Zeit mit einem Wechsel zu Android liebäugelte). Ein Upgrade auf iOS 4 steht aufgrund des oben erwähnten Problems auch nicht an.

Doch leider befürchte ich, dass alle iPhone 3G-Freunde inklusive mir demnächst sehr viel häufiger über ihre Smartphones fluchen werden: Nämlich dann, wenn sie versuchen, eine Applikation zu installieren, die vermeldet, dass sie iOS 4 benötigt.

CliqsetZweimal ist mir dies nun schon passiert. Einmal bei der Test-App eines neuen Webdienstes und einmal bei der Anwendung des neuen Social-Web-Aggregators Cliqset.

Als ich diese über den App Store herunterladen wollte, erhielt ich die Mitteilung, dass sie nicht mit meiner iOS-Version kompatibel sei. Eine kurze Nachfrage bei Cliqset ergab, dass dies nicht beabsichtigt war, und dass demnächst eine auch für ältere iPhones einsetzbare Software im App Store auftauchen wird.

Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass aus solchen Ausnahmen demnächst die Regel wird. Für Entwickler von iPhone-Apps ist es nämlich zusätzlicher Aufwand, an iOS 4 angepasste Applikationen inklusive Multitasking auch für ältere Varianten des iPhone-OS bereitzustellen. Zumindest hat mir das ein Entwickler so erklärt (wer mehr Details zu dem Prozess hat, darf diese gerne in einem Kommentar veröffentlichen).

Da sowohl das iPhone 4 als auch das aktuellste iOS relativ neu sind, ist es momentan noch unwahrscheinlich, dass eine große Zahl an Applikationen schlagartig nicht mehr für iPhone-Käufer der ersten Stunde zur Verfügung steht. Doch je länger das neue Modell und die frische Firmware im Markt erhältlich sind, desto geringer wird der Anteil älterer Systeme sein, und desto eher könnten Entwickler auf eine Rückwärtskompatiblität verzichten - entweder, weil es ihnen zu aufwändig ist, oder weil sie ihre Apps so bauen, dass sie ohne Multitasking ohnehin nur halb so gut wären.

Dass Software ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr für veraltete Betriebssystem angeboten wird, ist üblich und mir als Windows-Nutzer nicht fremd. Doch wenn man bedenkt, dass es auch heute noch jedes neue Windows-Programm für das 2001 veröffentlichte Windows XP gibt, werden die veränderten Rahmenbedingungen und der deutlich schnellere Innovationszyklus im Bereich von Smartphones deutlich.

Ausrichten lässt sich gegen die Entwicklung wenig. Apple wäre jedoch gut beraten, App-Entwicklern nahe zu legen, für eine Kompatibilität zumindest mit iOS 3 zu sorgen - nicht nur hinsichtlich des Erreichens einer maximalen Reichweite, sondern auch, um iPhone-Käufer der ersten Stunden nicht durch ein zu frühzeitig eintretendes Gefühl der Vernachlässigung in die Hände der Konkurrenz zu treiben.

In den Augen von Android-Anwendern ist es womöglich nur fair, dass sich auch iPhone-Besitzer zukünftig mit der Inkompatibilität von Apps herumschlagen müssen. Immerhin ist die durch unterschiedliche Versionen und Gerätetypen verursachte Fragmentierung dort seit jeher sehr viel stärker ausgeprägt und ein allgemeines Ärgernis.

Kommentare

  • Quagmire

    16.08.10 (15:21:56)

    "...um iPhone-Käufer der ersten Stunden nicht durch ein zu frühzeitig eintretendes Gefühl der Vernachlässigung in die Hände der Konkurrenz zu treiben." Die Konkurrenz (Android) hat doch genau das gleiche Problem mit der Fragmentierung, die sogar ein größeres Ausmaß hat, weil die Gerätelandschaft viel breitgefächerter ist. Giggedy

  • Martin Weigert

    16.08.10 (15:22:51)

    Steht ja auch am Artikelende. Aber bisher war es für uns iPhone-Nutzer so schön, sich darüber keine Gedanken machen zu müssen ;)

  • Flokass

    16.08.10 (16:01:14)

    Wieso sollten solche Fehler kommen? Jeder iPhone 3G/3GS-Benutzer kann kostenlos auf das iOS 4 upgraden.

  • Martin Weigert

    16.08.10 (16:02:18)

    Erst ordentlich lesen, dann kommentieren. Einfache Regel. Ich beschreibe ja, warum dieses Update nicht für jeden in Frage kommt.

  • Lucas

    16.08.10 (16:35:05)

    Kommentieren, ohne den Artikel gelesen zu haben, ist immer genial ;-).. Martin hat das Problem vieler iPhone OS Entwickler sehr treffend umrissen. Android leidet leider schon seit seinen Anfängen unter dieser Kinderkrankheit.

  • Götz

    16.08.10 (19:44:27)

    Bevor die App-Entwickler sich da selbst verpflichten, müßte Apple zuerst eine Supportgarantie (wann ist EOS? EOL ist ja schon) für ältere Versionen abgeben, wie lange noch Sicherheitslecks gestopft werden. Wenn Apple das für iOS 3.x nicht mehr tut, dann kann man es Entwicklern nicht übel nehmen, dass sie das ausblenden - wirklich einsetzen könnte man iOS 3.x dann nicht mehr lange.

  • Martin Weigert

    16.08.10 (19:52:05)

    Gute Ergänzung, stimmt.

  • marco

    17.08.10 (09:10:53)

    Was bringt eine Supportgarantie? Das hat ja nix damit zu tun, ob die User auf 4.0 upgraden oder nicht. Ich denke wenig iPhone User checken das und entscheiden dann abhängig davon. Um den Entwickler entgegen zu kommen, müsste Apple eher dafür sorgen, dass die User zum umsteigen gezwungen werden, das machen sie aber nicht indem das neue OS schlechter (langsamer) wird... Solange das neue OS besser und gratis ist, sehe ich kein Problem die User zu zwingen.

  • Martin Weigert

    17.08.10 (09:20:13)

    Du würdest mich als iPhone 3G Nutzer also zum Upgrade zwingen, selbst wenn dann das iPhone unglaublich langsam und dadurch fast unbrauchbar wird?

  • Manuel

    17.08.10 (12:50:51)

    Solange das neue OS besser und gratis ist, sehe ich kein Problem die User zu zwingen. "Besser" ist ein subjektiver Begriff. Wenn nach einem erzwungenen Update nur eine Kleinigkeit nicht mehr funktioniert werden in Blogs und Foren Reklamationen auftauchen. Diese verunsichern dann auch Benutzer welche das Feature gar nicht brauchen und schaden so dem Ruf des Herstellers. Es muss nicht mal sein dass etwas nicht mehr funktioniert, es reicht schon wenn eine Funktion anders zu bedienen ist. Das habe ich bei einigen Migrationen von Office 2003 nach 2007 erleben müssen. In jeder Firma gibt es ein paar Leute die ein Feature finden welches früher einen Klick weniger benötigt hat. Diese erzählen dann gerne rum wie schlecht die neue Version sei. Da hilft alles schulen nichts. (Gut in Firmen ist das kein so grosses Problem da die verfügbare Software kein Wunschkonzert ist.) Des weiteren sehe ich einen Konflikt zwischen Abwärtskompatibilität und technischem Fortschritt. Wenn Updates erzwungen werden müssen alte Anwendungen auf dem neuen System noch laufen. Das mag von Version 3 auf 4 noch gehen, aber irgendwann will man vielleicht das API mal grundlegend überarbeiten.

  • marco

    18.08.10 (09:09:21)

    Bei "besser" ist "nicht langsamer" inklusive :) Sind wir mal ehrlich, bis zum 4.0 update war jede neue Version wirklich ausnahmslos besser. @Manuel “Besser” ist ein subjektiver Begriff. Das stimmt, soeben habe ich mich ertapt das neue Design von JIRA 4.1 "schlechter" zu finden als das von 4.0. Ich finde jedoch 1 Woche jammernde User (bis sie sich gewöhnt haben) weniger schlimm als eine fragmentierte OS Landschaft. Ausserdem müssen sich die User eh mit gezwungenen Updates anfreunden, bzw machen dies jetzt schon. Ganz einfach weil immer mehr Applikationen Websites sind und es da bekanntlichermasen keine Versionen gibt, Stichwort Facebook News Feed.

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