<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

09.05.14Leser-Kommentare

Kolportierte Übernahme von Beats Electronics: Apples gespaltene Haltung zum On-Demand-Streaming

3,2 Milliarden Dollar soll Apple für den Kopfhörer-Hersteller Beats Electronics auf den Tisch legen wollen. Das US-Unternehmen betreibt auch einen On-Demand-Streamingdienst, der allerdings bisher in der Branche als Enttäuschung gilt. Das passt zu Apples gespaltener Persönlichkeit, was digitale Musik angeht.

BeatsApple steht laut Medienberichten vor der Übernahme des Audiospezialisten Beats Electronics. 3,2 Milliarden Dollar soll der Konzern für das 2008 von Dr. Dre und Jimmy Iovine gegründete Unternehmen zu zahlen bereit sein, sofern die Verhandlungen einen positiven Abschluss finden. Es wäre eine der größten Akquisitionen Apples, das sich traditionell eher auf kleinere, technologiegetriebene Deals konzentriert.

Grundsätzlich erschiene ein derartiger Schritt aus mehrfacher Hinsicht logisch. Apples Barreserven belaufen sich auf 150 Milliarden Dollar. Auch ein Zukauf im neunstelligen Bereich wäre finanziell also keine große Sache. Pro Quartal erwirtschaften die Kalifornier einen Gewinn in dreifacher Höhe des kolportierten Betrages. Die Premium-Kopfhörer, mit denen sich Beats bei Musikfreunden einen Namen gemacht hat, dürften für das seit jeher musikaffine Apple eine willkommene Erweiterung der Produktlinie darstellen. Der Umsatz des Audioexperten soll bei rund einer Milliarde Dollar jährlich liegen. Darüber hinaus betreibt Beats seit Anfang des Jahres eine On-Demand-Musikflatrate namens Beats Music. Auch diese wäre Teil des Deals, glaubt man den Berichten, und würde Cupertino endlich, nach Jahren heimlicher argwöhnischer Blicke auf Spotify & co, einen vollwertigen Streamingdienst bescheren. Und nicht zuletzt würde der Griff nach Beats den Ruf von Apple als Unternehmen mit hohem Coolness-Faktor und einem Verständnis für die Bedürfnisse urbaner, musikverrückter Leute stärken. Wobei dieses Argument, sollte es einer der Beweggründe für die Offerte sein, nach Ansicht von Om Malik nichts Gutes für die Marke Apple hieße. Denn bislang war die Firma nie darauf angewiesen, ihren Markenwert durch einen Imagetransfer aufzupolieren.

In jedem Fall handelt es sich augenscheinlich um eine Akquisition, die für Apple viel Sinn ergäbe, und deren Preis moderat genug ausfällt, um daraus keine allzu hohen Erwartungen entstehen zu lassen. Denn insbesondere der Streamingservice hat bislang im Markt keine signifikante Position erreichen können. Das Branchemagazin Billboard bezeichnete die ersten 100 Tage nach dem Launch als "Enttäuschung". Trotz Marketingausgaben in Höhe von mehreren zehn Millionen Dollar sollen bislang nur rund 200.000 zahlende Abonnenten gewonnen worden sein. Und während Beats Music zum Debüt nichts zuletzt wegen diverser unkonventioneller Features und einem schönen Äußeren gute Kritiken erhielt, steht der Dienst derzeit nur in den USA zur Verfügung. Das heißt, dass Apple im Falle einer Akquisition nicht etwa einen ausgereifeten Streamingservice unter sein Dach holt, mit dem es sofort global gegen Marktführer Spotify in den Kampf ziehen kann. Stattdessen handelt es sich bei Beats Music eher um den Fötus eines solchen Angebots. Um daraus tatsächlich den längst fälligen, weltweit verfügbaren On-Demand-Nachfolger von iTunes zu erschaffen, müsste Apple noch einige Hand anlegen. Was natürlich die Rechteverhandlungen beinhaltet. Denn diese dürfte Beats Music bisher nur im US-Markt hinter sich gebracht haben.

Apple blickt im digitalen Musiksegment ohnehin auf ein Dilemma: Einerseits haben das Unternehmen sowie die Musikwirtschaft wenig Interesse daran, die lukrativen Umsätze aus den iTunes-Musikdownloads zu stark durch einen von Apple forcierten On-Demand-Musikdienst zu kannibalisieren. Allerdings sorgte die Konkurrenz, von Spotify über Deezer bis zu Rdio, im vergangenen Jahr erstmals für einen Rückgang der digitalen Musikverkäufe über iTunes. Apple bleibt also nichts anderes übrig, als irgendwie zu reagieren. Ein im Herbst in den USA lancierter personalisierter Radiodienst namens iTunes Radio war der erste Schritt, zielt allerdings auch nur darauf ab, die Song-Verkäufe anzukurbeln. Das dürfte auf Dauer nicht genügen. Quasi widerwillig wird Apple daher noch ein Stück näher an die Geschäftsmodelle der Musikflatrates heranrücken müssen.

Genau diese Haltung spiegelt sich in der Übernahme von Beats Audio und Beats Music wieder: Anstatt einen bereits überall etablierten Streaming-Service mit branchenüblicher, signifikanter Free-Komponente zu kaufen, verleibt sich Apple einen Service ein, der abgesehen von zeitlich begrenzten Marketingkooperationen nur gegen Bezahlung genutzt werden kann und weder im Heimatmarkt noch international überhaupt etabliert ist. So stellt man sicher, dass die Cash-Cow iTunes bei Nutzern nicht schneller als nötig in Ungnade fällt. In diesem Lichte wirkt der Vorstoß eher halbherzig. Und untypisch für Apple.

Kommentare

  • Thomas L.

    09.05.14 (11:40:13)

    Leute, das ganze ist nur ein aus dem Ruder gelaufener, fünf Wochen alter Aprilscherz: http://www.geekout.de/index_files/Apple-kauft-Beats-Geruecht_ist_aufgewaermter_Aprilscherz.php

  • PS

    09.05.14 (14:02:57)

    Das einzige, was bei Beats-Kopfhöhrern nach meinen dafürhalten und auch der Stiftung Warentest (http://www.test.de/Kopfhoerer-Testsieger-zum-Schnaeppchenpreis-4695958-0/) Premium ist, ist der Preis. Ich hatte mal das Vergnügen, so ein über 100 EUR teures Teil für mein Patenkind reparieren zu dürfen. Aua. Das war billigstes China-Plastik, wie ich es eigentlich sonst nur von den Kopfhörern kenne, die man sich im Flugzeug kaufen kann. Und für das Geld gibt's echt schon richtig gute studiotaugliche Kopfhörer anderer Marken.

  • Robert Frunzke

    09.05.14 (23:48:48)

    Ich hoffe inständig, dass das wirklich nur ein ausgearteter Aprilscherz ist! :( Das Image von Beats war noch nie besonders gut - ganz einfacher Test: frage einfach irgendjemanden in Deinem Bekanntenkreis nach seiner Meinung zu Beats-Kopfhörern. Na? Überraschung: fast alle finden es sch***e, nur in den Medien hat es ein positives Image. Zum Glück wird das nicht der Untergang von Apple sein, ihre Kasse bleibt auch danach noch randvoll, aber diese Aktion wird auch keine Lorbeeren einfahren.

  • DJ Nameless

    10.05.14 (15:46:13)

    PS schrieb: "Das einzige, was bei Beats-Kopfhöhrern nach meinen dafürhalten und auch der Stiftung Warentest Premium ist, ist der Preis. für das Geld gibt’s echt schon richtig gute studiotaugliche Kopfhörer anderer Marken." Richtig. Von namhaften Marken wie Sony oder Sennheiser hat es sogar bessere Kopfhörer für unter 20 €. Martin Weigert schrieb: "die Bedürfnisse urbaner, musikverrückter Leute stärken" Solche Leute sind aber doch bei iTunes, Spotify & Co. eh falsch aufgehoben. Angebote wie www.musik-train.de bringen da mehr. DJ Nameless

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer