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30.03.12

Kollaborativer Konsum: fashionlend macht den Kleiderschrank zur Erlösquelle

fashionlend möchte Besitzer großer Garderoben dazu animieren, ihre Kleidung zu vermieten. Sein Debüt feiert das Startup aus Wien in den Städten New York, San Francisco, Los Angeles and London.

 

Eine wachsende Zahl von Startups entwickelt Onlineplattformen und Geschäftsmodelle rund um kollaborativen Konsum. Im Vordergrund steht dabei der Gedanke, dass es für jede nicht benutzte Ressource irgendwo eine Nachfrage gibt. Die Aufgabe liegt darin, Anbieter und Nachfrager miteinander in Kontakt zu bringen. Airbnb und 9flats machen dies für private Unterkünfte, tamyca, Nachbarschaftsauto und weitere für Fahrzeuge und Leihdirwas.de sowie frents für alle nur denkbaren Alltagsgegenstände.

Das Prinzip, im Privatbesitz befindliche Ressourcen gegen Bezahlung zu vermieten, müsste sich auch auf einen anderen wichtigen Aspekt des Lebens übertragen lassen, so der Gedanke der zwei Wiener Karim Saad und Dzenid Muratovic: Kleidung. Mit ihrem gerade für New York, San Francisco, Los Angeles and London gestarteten Onlinedienst fashionlend wollen die zwei Gründer eine kollaborative Nutzung von Bekleidung ermöglichen.

Airbnb für Mode

fashionlend ist damit also ein "Airbnb für Mode". Diese Beschreibung mit Bezugnahme auf den Pionier des gemeinsamen Konsums klingt aufgrund ihrer inflationären Nutzung zwar etwas platt, hat aber den Vorteil, dass die Funktionweise sofort allen klar ist.

Menschen mit einer große Garderobe, die sich nicht an einer "Fremdnutzung" selbiger stören, können einzelne Kleidungsstücke und Accessoires über fashionlend zur Miete anbieten. Nutzer, die für einen speziellen Anlass auf der Suche nach einem bestimmten Outfit sind, können dieses über fashionlend finden und sich, sofern sie mit dem jeweiligen Mietpreis einverstanden sind, anschließend mit der vermietenden Person Verbindung setzen.

Bestätigt diese die Vermietung für den gewünschten Zeitraum, einigen sich beide auf einen Übergabeort, an dem ein von fashionlend zur Verfügung gestelltes, verpflichtendes Übergabeprotokoll inklusive Angabe eventueller Schäden am Kleidungsstück ausgefüllt und der Mietpreis gezahlt wird. Außerdem vereinbaren beide Parteien die Rückgabe.

Nicht ganz ohne Risiko

Die Prozess ist also nahezu identisch zu dem anderer Peer-to-Peer-Marktplätze. Allerdings fehlt bisher die zum Beispiel bei Airbnb verpflichtende Option, vorab online zu bezahlen. Die Geldübergabe erfolgt jeweils in bar. Ein weiterer Unterschied zu anderen Anbietern liegt im Fehlen einer Versicherung - was auch mit dem im Vergleich zu Kraftfahrzeugen oder Immobilien relativ geringen Warenwert von Kleidungsstücken zu tun hat.

Wer sich also entscheidet, einen seit langem unberührt im Schrank hängenden Anzug oder ein schickes Abendkleid über fashionlend zu vermieten, hat zwar durch das Übergabeprotokoll die Rahmenbedingungen für den Mieter abgesteckt. Bricht dieser jedoch die Abmachung, gibt es wenig, was das Startup aus Österreich tun kann. Insofern empfiehlt es sich, im Vertrag auch eine Kautionssumme festzulegen und das jeweilige Kleidungsstück erst nach deren Überreichung auszuhändigen.

Internationalisierung aus der Ferne

Obwohl das fünfköpfige fashionlend-Team in Wien angesiedelt ist, hat es sich als Launchmetropolen New York, San Francisco, Los Angeles and London ausgesucht - ohne jedoch mit Personal vor Ort präsent zu sein. Eine derartige Strategie ist für ein junges, zudem bisher vollkommen eigenfinanziertes Startup aus dem deutschsprachigen Raum eine ziemlich harte Nuss - denn ohne lokale Kräfte, welche für Bekanntheit sorgen und durch tatkräftiges Word-of-Mouth die Zahl der zur Vermietung stehenden Kleidungsstücke erhöhen, werden Besucher von fashionlend nach einem kurzen Blick auf das bisher sehr begrenzte Angebot wieder enttäuscht abziehen - und dann womöglich nie mehr wiederkommen.

Gleichzeitig muss man dem Startup aus der Alpenrepublik Respekt für den Mut zollen. Die Gründer können aufgrund ihres Bootstrapping-Ansatzes zwar nicht auf das Kontaktnetz von Business Angels oder VC-Firmen zurückgreifen, haben jedoch einen erfahrenen Berater im Silicon Valley, der die Aufgabe des "Türöffners" übernehmen soll. Ohne die zumindest moralische Unterstützung von in der US-Internet- und Fashion-Branche verankerten Multiplikatoren nämlich dürfte der aus der Ferne gesteuerte Markteintritt in den USA extrem schwierig werden.

Baldiger Start in Berlin

Eine grundsätzliche Abneigung gegen externes Kapital (und Know-how) hegen Saad und Muratovic allerdings nicht. In den nächsten Monaten wollen sie nach passender Unterstützung Ausschau halten. Auf der Roadmap steht außerdem der Launch in Berlin und Paris. Zudem ist eine baldige Implementierung einer Online-Payment-Lösung vorgesehen.

Zum aktuellen Zeitpunkt ist die Nutzung von fashionlend sowohl für den Vermieter als auch den Mieter kostenfrei. Mittelfristig wird wie bei anderen Marktplätzen dieser Art eine bei erfolgreicher Vermittlung fällige Provision als Erlösquelle dienen.

Zu den Konkurrenten von fashionlend gehören der auf Designerkleidung fokussierte Dienst opnuu aus Großbritannien sowie der auf den Tausch und Verkauf von Mode spezialisierte US-Anbieter I-Ella .

Jedes Mal, wenn ein neuer Alltagsbereich vom Trend des kollaborativen Konsums eingenommen wird, stellt sich aufs Neue die Frage, inwieweit genug Anbieter bereit sind, ihre Ressourcen (gegen Bezahlung) zur Verfügung zu stellen. Dank fashionlend (und der wahrscheinlich noch wachsenden Zahl an Wettbewerbern) werden wir bald wissen, wie die Antwort im Bekleidungssegment lautet.

Link: fashionlend

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