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27.04.12 06:48

, von Martin Weigert

Klout: Umstritten, aber unausweichlich

Klout, das bekannteste Onlinewerkzeug zur Reputationsmessung, bietet viel Angriffsfläche. Trotzdem ist es an der Zeit, seine künftige Bedeutung im Wirtschaftsalltag zu akzeptieren.

Gibt es einen bedeutungsvollen Onlinedienst im Social Web, den wir bisher in unserer Berichterstattung etwas vernachlässigt haben, so ist es Klout. Einerseits handelt es sich dabei um einen reinen Zufall und um eine Priorisierung anderer Themen. Gleichzeitig trieb zumindest mich persönlich auch immer die Hoffnung um, derartige Werkzeugen zur Reputationsmessung auf Basis von Einfluss und Reichweite bei Social Networks seinen nur ein Übergangsphänomen für eine ausgereiftere, leistungsfähigere und nachhaltigere Lösung. Denn bisher war mein Eindruck des kalifornischen Dienstes (sowie seiner zahlreichen Nachahmer und Konkurrenten), dass er sich sehr leicht überlisten ließ und dass die zentrale Kennzahl "Klout Score" wenig über die tatsächliche Reputation von Nutzern aussagt. Doch mittlerweile glaube ich, dass es Zeit ist, die Quasi-Dominanz von Klout als künftiger Standard der Reputationsanalyse von Personen im Netz anzuerkennen - egal was man persönlich von dieser Entwicklung hält.

Klout führt auf Basis zahlreicher Kriterien ein Analyse jeder bei den tonangebenden sozialen Netzwerken (primär Facebook und Twitter) registrierten Person durch. Das Ergebnis ist die Klout Score, die irgendwo zwischen 1 und 100 liegen kann. Je höher der Wert ist, desto mehr Einfluss und Reichweite rechnet Klout einem zu. Firmen können ausgewiesenen Multiplikatoren über den Dienst Sonderangebote und Goodies zukommen lassen oder über Klouts Entwicklerschnittstelle auf die Klout Score von Konsumenten zugreifen, um sie in Kategorien einzuordnen und ausgehend von diesen unterschiedlich zu behandeln. Mittlerweile existieren Berichte, nach denen Bewerbungen aufgrund einer zu niedrigen Klout Score gescheitert sein sollen. Hotels wie das The Palms Hotel in Las Vegas prüfen die Klout Score ihrer Gäste, um darüber zu entscheiden, ob sich ein kostenfreies Upgrade des Zimmers empfiehlt. Je stärker Anwender bei Facebook, Twitter & Konsorten verdrahtet sind und je mehr Nutzer ihre Beiträge lesen und weiterverbreiten, desto größer ist ihr Potenzial als inoffizielle Markenbotschafter.

Jürgen Vielmeier bezeichnete Klout gestern bei Basic Thinking recht treffend als "Schufa fürs Web" (Johannes Kuhn vom SZ Digitalblog kam der selbe Vergleich in den Sinn). Während die Schufa im Auftrag von Unternehmen die Kreditwürdigkeit der Verbraucher prüft, analysiert Klout ihre Eignung als Multiplikatoren und Influencer. Firmen erhalten auf dieser Grundlage die Möglichkeit, ihr Servicelevel an den jeweiligen Einfluss der Konsumenten anzupassen. Wer im Social Web kein Gehör findet und wenige Follower besitzt, dessen Tweets und Status Updates über Erfahrungen mit Unternehmen wiegen weniger stark als die eines hochgradig vernetzten Power Users, dessen Inhalte von unzähligen Personen weiterverbreitet werden, so das nachvollziehbare Kalkül.

Im Gegensatz zu prinzipiellen Kritikern des Reputationsscorings auf Basis von Einfluss im Social Web störte ich mich bisher vorrangig an der Ungenauigkeit der Klout-Messung. Ich habe schon Twitter-Spammer gesehen, die eine durchaus beachtliche Klout Score über 60 aufwiesen. Auch die Tatsache, dass der US-Jungstar Justin Bieber mit einer Klout Score von 100 nach Erkenntnis des kalifornischen Startups einen größeren Einfluss hat als Barack Obama (Klout Score 93), stellt die Validität der Klout-Algorithmen in Frage - es sei denn, man sieht Klout Scores tatsächlich als reinen Indikator der Onlinereputation, der vollkommen von Image und sozialer Stellung einer Person im "realen Leben" losgelöst ist. Doch eigentlich wollen wir im Jahr 2012 ja genau diese Separation von Online und Offline hinter uns lassen.

Letztlich spielt es keine Rolle, wie man persönlich zu Klout oder ähnlichen Angeboten wie dem britischen Dienst PeerIndex steht: Der Zug ist abgefahren, die Reputationsanalyse von Onlinenutzern (alias Konsumenten) erweist sich trotz ihrer noch existierenden konzeptionellen Schwächen als zu attraktiv für die Wirtschaft, als dass sie wieder verschwinden wird. Die Eitelkeit der Menschen tut ihr Übriges: Selbst wer eine tiefe Abneigung gegen Klout hegt, hat mit großer Wahrscheinlichkeit schon einmal nachgeschaut, welchen Status einem der Dienst zumisst.

Besonders interessant ist Klout für Firmen auch deshalb, weil es selbst für nicht bei dem Dienst registrierte Anwender ein Scoring anbieten kann. Zumindest zu (fast) jedem Twitter-Nutzer liefert die Klout-API eine Klout Score, wie die Klout-Erweiterung für Chrome illustriert. Die Praxis, Daten über Anwender zu sammeln, die sich nicht aktiv für eine Mitgliedschaft bei Klout entschlossen haben, brachte dem Unternehmen bereits einiges an Kritik ein.

Klout belohnt Massentauglichkeit, nicht Individualität. Die Einteilung der Reputation anhand einer Skala von 1 bis 100 ist zu eindimensional, um den tatsächlichen Einfluss eines Menschen wiedergeben zu können. Und die intransparente Datensammlung des Unternehmens sorgt verständlicherweise für eine gewisse Beunruhigung. Trotzdem gibt es kein Zurück mehr. Firmen werden in zunehmendem Maße die Klout Score in ihre Scoring-Prozesse einbeziehen - ob wir wollen oder nicht. Deshalb das eigene Twitter- oder Facebook-Verhalten zu ändern und künftig viele süße Katzenbilder zu publizieren, um mehr Shares zu erhalten und so die Klout Score zu verbessern, wäre sicher keine sinnvolle Konsequenz. Wenn man aber das nächste Mal ohne Zusatzkosten einen deutlich größeren Mietwagen erhält als gebucht oder aus dem Fenster des Hotelzimmers auf Mülltonnen blickt, dann könnte die eigene Klout Score der Grund dafür sein.

Link: Klout

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Kommentare: Klout: Umstritten, aber unausweichlich

Da du das schon erwähnst: Ich hab mich gerade hier gefragt, wo Kollege Kuhn vom SZ Digitalblog eigentlich seine Themen recherchiert, nach welchem Schema er Beiträge aufbaut, welche Screenshots er verwendet und wo er die Idee her hatte, Klout mit der Schufa zu vergleichen. Na ja, egal... Zu Klout jedenfalls: Am besten, man würde das einfach ignorieren. Vielleicht ist's auch nur ein Modetrend, der schnell wieder verschwindet. Hoffe ich in diesem Falle zumindest.

Diese Nachricht wurde von Jürgen Vielmeier am 27.04.12 (07:27:55) kommentiert.

Arbeite im Rahmen einer Projektarbeit an der Hochschule Luzern an etwas ähnlichem: http://soziometrie.ch. Dabei steht das Prestige der einzelnen User aber nicht im Vordergrund, sondern dient vor allem als Rangierungskriterium. Der Hauptzweck ist das Finden von (relevanten) Twitterern zu bestimmten Themen.

Diese Nachricht wurde von puyol5 am 27.04.12 (07:35:40) kommentiert.

Ich kann Jürgen nur zustimmen. Klout geht hoffentlich ganz schnell wieder vergessen bzw. schwappt gar nie so richtig über den Teich zu uns. Sonst beginnen wir, andere Menschen nach irgendwelchen Algorithmen zu beurteilen, die auf Annahmen gründen, die ohnehin beim Individuum nicht zutreffen.

Diese Nachricht wurde von Manuel Reinhard am 27.04.12 (07:36:13) kommentiert.

Schwanzvergleichsmethoden kommen und gehen. Der Technorati Rank war früher mal der Masstab für die eigene Wichtigkeit. Und wer kennt heute noch Technorati? Niemand. Bei Klout dürfte das ähnlich verlaufen. Es ist nur dann wichtig, wenn man es wichtig nimmt.

Diese Nachricht wurde von Matthias am 27.04.12 (07:41:21) kommentiert.

Ihr habt wohl alle einen wichtigen Abschnitt überlesen:

Der Zug ist abgefahren, die Reputationsanalyse von Onlinenutzern (alias Konsumenten) erweist sich trotz ihrer noch existierenden konzeptionellen Schwächen als zu attraktiv für die Wirtschaft, als dass sie wieder verschwinden wird
Ich glaube, für viele Firmen wird Klout einfach eine so wichtige Rolle spielen, dass der Dienst damit automatisch seine Existenzberechtigung erhält. Was wir alle dann von Klout halten, spielt keine Rolle - denn unsere Score existiert ja auch ohne unsere aktive Partizipation.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 27.04.12 (07:43:54) kommentiert.

Gelesen schon, aber glauben tu ichs nicht. Viele Firmen merken erst langsam, dass die Social-Media-Aktivitäten ihrer Mitarbeiter von Interesse sein könnten. Die werden in unseren Breitengraden noch lange nicht auf den Geschmack von Klout kommen. Und die, die es bereits kennen, sind tief genug in der Materie um nicht nur blind auf diesen einen Wert zu vertrauen.

Diese Nachricht wurde von Manuel Reinhard am 27.04.12 (08:18:20) kommentiert.

@ Jürgen Vielmeier Ich hatte den Basicthinking-Artikel gestern nicht mitbekommen, sonst hätte ich eine andere Überschrift gewählt. Wenn Sie darauf bestehen, kann ich den Titel auch ändern. Sie hätten mich auch unter @kopfzeiler darauf hinweisen können, dann würde mich der Hinweis auch ohne Querverweis erreichen.

Diese Nachricht wurde von Johannes Kuhn am 27.04.12 (08:39:06) kommentiert.

@Johannes Kuhn: In dem Fall nehme ich meine Kritik zurück und sage: Zwei Doofe, ein (richtiger) Gedanke. ;)

Diese Nachricht wurde von Jürgen Vielmeier am 27.04.12 (09:01:54) kommentiert.

Den Abschnitt habe ich auch gelesen, allein mir fehlen die Belege :-). Zwei einsame Artikel (wired und gigaom), zumal -wie üblich- aus den USA, können höchstens als anecdotal evidence angesehen werden und nicht als Beleg dafür, dass Klout in den USA oder gar Europa/Deutschland/Schweiz tatsächlich so relevant ist und bleiben wird, wie du im Artikel behauptest.

Diese Nachricht wurde von Matthias am 27.04.12 (09:42:35) kommentiert.

Tja, die USA ist in diesen Dingen Europa zumeist einige Jahre voraus. Dass also erste Beispiele von dort kommen, ist keineswegs eine Schwäche der These, sondern der natürliche Lauf der Dinge in der Webbranche. Hier noch ein paar Praxisbeispiele How To Use Klout For Business, 7 Examples http://socialfresh.com/klout-how-to/

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 27.04.12 (09:48:28) kommentiert.

Wenn man klout tatsächlich im recruiting verwendet, sollte man doch eher die Reputation des Ex Unternehmens des Bewerbers heranziehen statt das des Bewerbers. Beispiel: Wenn ich Marketingleiter von Firma xy bin, ist die Reputation meines Arbeitgebers meine Aufgabe und NICHT die Selbstdarstellung meiner Person in sozialen Netzwerken.

Diese Nachricht wurde von Daniel am 27.04.12 (11:06:31) kommentiert.

@Jürgen Vielmeier ;-)

Diese Nachricht wurde von Johannes Kuhn am 27.04.12 (16:12:30) kommentiert.

Ist das nicht Pierre Bourdieu für Arme? Ich habe ein wenig mit dem Kunstbereich zu tun, und da ist Reputation sicher einer der Hauptfaktoren. Nur ist die so gar nicht an die Online-Präsenz gekoppelt, sondern wesentlich qualitativer bestimmt. Es kommt doch immer auf die Art des Zugangs an.

Diese Nachricht wurde von Paul Bademeister am 28.04.12 (06:52:11) kommentiert.

Bin da 100% Martins Meinung! Klout ist bereits etabliert und wegwünschen hilft da leider genau null. Leider bietet Klout noch keine Perks in Deutschland an... Die Idee Multiplikatoren bzw. Superspreader zu belohnen ist aus Marketingsicht doch genial! Mein Tipp: perkartige Deals werden schon bald zu einem gewohnten Social Media Marketing Instrument.

Diese Nachricht wurde von Andy Lenz am 28.04.12 (08:31:06) kommentiert.

Der Author-Rank ist mächtig im kommen, Klout nur eine von vielen Begleiterscheinungen davon, insofern stimme ich martin zu:

Der Zug ist abgefahren, die Reputationsanalyse von Onlinenutzern (alias Konsumenten) erweist sich trotz ihrer noch existierenden konzeptionellen Schwächen als zu attraktiv für die Wirtschaft, als dass sie wieder verschwinden wird

Diese Nachricht wurde von Ludwig am 29.04.12 (19:26:40) kommentiert.

Klout Score ermöglicht es schnell das Social Media Marketing zu optimieren indem man den Fokus auf die Verteiler mit hohem Score legt. Deshalb ist es für Unternehmen auch finanziell interessant.

Diese Nachricht wurde von Hansjoerg am 30.04.12 (07:20:00) kommentiert.

Und genau darum wurde und wird er mittlerweile auch in (Social) CRM-Systeme integriert. Salesforce z.B. bietet das neben Twitter-, FB- und LinkedIn-Integration auf Kontaktebene mittlerweile ootb an. Bei Enterprise-tauglichen Twitter-Clients wie Hootsuite ist das schon länger so. Auch Rapportive, das GMail Plugin, zeigt den Klout-Score an. Da führt wirklich kein Weg mehr daran vorbei. Es ist aber wie immer eine Frage der Nutzung, also wie setze ich es vernünftig ein.

Diese Nachricht wurde von gis am 30.04.12 (09:05:58) kommentiert.

Martin, ich denke nicht, dass das ganz stimmt. Nachdem ich Klout seit der Gründung verfolgt habe und mich dann irgendwann aktiv komplett mit allen Services abgemeldet und die Daten manuell gelöscht habe, ist mein Eindruck, dass ich tatsächlich keinen Klout Score habe. Stichproben durch Klout-"Mitglieder", die ich immer mal wieder machen lasse, zeigen, dass zurzeit für mich kein Score zu existieren scheint. Das ist übrigens mit einer ganzen Reihe von online recht einflussreichen Leuten so. Es mag also in etwas die Schufa sein (bezweifele ich allerdings), aber ein Unternehmen, das Klout ernsthaft zentral und nicht nur als einen minikleinen Baustein einsetzt, macht einen sehr großen Fehler.

Diese Nachricht wurde von Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach am 30.04.12 (11:29:20) kommentiert.

Bist du bei Twitter? Dann hast du eine Kloutscore.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 30.04.12 (11:38:49) kommentiert.

Martin: Dann sag ihn mir (@luebue), mir gelingt es nicht, ihn rauszufinden - ich bin mir recht sicher, dass ich dafür gesorgt habe, dass ich keinen Score habe. Aber bei so einem Service wie Klout kann man ja nie wissen, ob die sich an ihre eigenen Regeln halten.

Diese Nachricht wurde von Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach am 30.04.12 (13:09:24) kommentiert.

Du hast recht - ich habe das gerade mal mit der Klout Extension für Chrome getestet - zu 95 Prozent aller Twitter-Nutzer in meiner Timline zeigt Klout eine Score an (kann es wirklich sein, das sich alle aktiv bei Klout registriert haben? Würde mich wundern), ausgerechnet bei dir aber nicht.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 01.05.12 (06:45:20) kommentiert.

Ne, ich bin auch nicht bei Klout zu finden, habe mich aber auch ganz bewusst abgemeldet und meine Daten dort gelöscht.

Diese Nachricht wurde von Ruben am 01.05.12 (10:48:17) kommentiert.

habe gerade mal meinen Score ermittelt. 63. Das sagt eigentlich alles über die Wertigkeit des Tools. Kannste vergessen.

Diese Nachricht wurde von Frank am 20.08.12 (11:15:46) kommentiert.

Ach ja: Und ich bin Hip-hop Influencer. und das ist mal nur geil...

Diese Nachricht wurde von Frank am 20.08.12 (11:22:15) kommentiert.

naja...... http://sensiblochamaeleon.wordpress.com/2012/09/05/mit-dem-bedurfnis-nach-mehr-einflus-in-die-klout-falle/

Diese Nachricht wurde von SC am 28.12.12 (13:22:33) kommentiert.

Gut, ich bin damit nicht besonders früh dran, aber so geht es glaube ich vielen: Man ignoriert Klout und nimmt es bestenfalls am Rande wahr. Jetzt habe ich mir dieses Schulnotensystem für mein soziales Leben mal etwas genauer angeschaut und mich bewusst dagegen entschieden. Hier meine 5 Gründe für den Ausstieg aus Klout: http://buggisch.wordpress.com/2013/01/09/klout-nein-danke-5-gruende-fuer-einen-ausstieg/

Diese Nachricht wurde von Christian Buggisch am 13.01.13 (10:10:49) kommentiert.

Das denke ich auch. Nicht jeder Modetrend setzt sich mehrmals durch und bleibt ein einmaliges "Ereignis".

Diese Nachricht wurde von Susanne am 03.02.13 (22:25:39) kommentiert.
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