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18.01.13

Keine mobilen Websites: Einzelhandel und Gastronomie haben den Smartphone-Boom verschlafen

Smartphones und das mobile Surfen im Netz sind mittlerweile ein Massenphänomen. Doch Einzelhändler und Gastronomen haben diese Entwicklung völlig verschlafen: Mobil optimierte Websites sind noch immer eine Seltenheit.

Die meisten Medienwebsites bieten mobilen Nutzern mittlerweile für Smartphones optimierte Versionen ihrer Angebote. Statt auf aufwendigen Kreativleistungen und vielen bunten Bildchen liegt der Fokus bei diesen auf einer einfachen Navigation, auf für kleine Bildschirme und eine Bedienung durch Berührung angepassten Inhalten sowie auf möglichst speicherarmen Elementen. Auch im Jahr 2013 sind mobile Breitbandverbindungen nicht immer die schnellsten, zudem müssen viele Mobilfunknutzer aufgrund monatlicher Trafficlimits mit ihrem Datenverkehr haushalten. Niemand will pro vom Smartphone aufgerufener Seite ein Megabyte an Daten abrufen müssen.

Dummerweise hat die Nachricht, dass die mobile Internetnutzung dem stationären Webzugriff zunehmend Konkurrenz macht, viele andere Branchen noch nicht erreicht. Laut Accenture surfen 58 Prozent der User in Deutschland zumindest gelegentlich mobil im Netz (inbegriffen hier Smartphones, Tablets und Netbooks), in Österreich sind es 71 Prozent, in der Schweiz sogar 76 Prozent. Eine andere Studie von Anfang 2012 verdeutlicht nicht nur, wie die mobile Webnutzung im Laufe des Jahres zugenommen hat, sondern belegt auch, dass viele Menschen noch deutlich häufiger mobil online gehen würden, sofern die Übertragungsgeschwindigkeiten höher wären. Die Forderung nach einer schnelleren Surfgeschwindigkeit heißt im Umkehrschluss, dass mobile Anwender sich an zu langsam aufbauenden Websites stören - ein typisches Problem, wenn keine für Smartphones optimierte Variante bereitsteht. Der schwedische Blogger Henrik Torstensson beschreibt in einem aktuellen Kurzbeitrag das Versäumnis vieler Einzelhändler und Gastronomen, den Besuchern ihrer Sites eine schlanke Smartphone-Präsenz zu bieten. Was er moniert, kann gar nicht nachdrücklich genug kritisiert werden: Restaurants, Geschäften und stationären Servicebetrieben entgeht am laufenden Band Kundschaft, wenn wichtige Informationen wie Öffnungszeiten, Menüs oder Reservierungshinweise nur nach längerem Suchen auf einer für Großbildschirme und Festnetzinternetanschlüsse geschaffenen Website zu finden sind. Torstenssons drei Kriterien für eine vernünftige mobile Website: Speise- und Getränkekarten, die auch mit dicken Fingern bedient und eingesehen werden können, ein Design, das für die Displaydimensionen von iPhone und typischen Android-Geräten geschaffen wurde, sowie ein Verzicht auf Details, welche die Ladezeit unnötig verlängern.

Eine Stichprobe zeigt, wie verbreitet die Problematik noch immer ist: Ich habe einen Blick auf die in Berlin bekannte foursquare-Liste "The SoundCloud-Triangle" geworfen. Diese enthält Empfehlungen für 31 gastronomische Einrichtungen in der Nähe des SoundCloud-Hauptquartiers am Rosenthaler Platz in Berlin-Mitte. Von zehn zufällig ausgewählten, dort aufgeführten Restaurants, Bars und Cafés habe ich die Websites über mein iPhone angesteuert. Das Ergebnis ist desaströs: Selbst in der wohl am stärksten von jungen Netzmenschen frequentierten Gegend Deutschlands, in der an jeder Ecke Startups zu Hause sind, öffnen lediglich zwei der zehn geprüften Sites automatisch eine mobile Version; erkennen also, dass der Zugriff von einem Smartphone aus geschieht.

luigizuckermann.com: keine mobile Website

thebarn.de: keine mobile Website

lapausa.de: responsives Design, das sich an Bildschirmgröße anpasst

stoberholz.de: keine mobile Website

co-co.net: keine mobile Website

mein-haus-am-see.blogspot.com: mobile Website

manngo.de - keine mobile Website

transit-restaurants.com: keine mobile Website

alcontadino.eu: keine mobile Website

muretlabarba.de: keine mobile Website

Nicht einmal das hippe Sankt Oberholz, der Wallfahrtsort schlechthin für Programmierer, Entrepreneure, Designer und die digitale Bohème der Hauptstadt, kann eine automatisch ausgelieferte mobile Website vorweisen. Das noch hippere, von jüngerem Publikum frequentierte Haus am See dagegen stellt die Ausnahme von der Regel dar - dem Hosting bei Googles Bloggerplattform Blogspot.com sei Dank, denn diese beinhaltet ein mobiles Template.

Kleine Gewerbebetriebe und Gastronomen sind übrigens nicht die einzigen, die den Aufstieg des mobilen Internets verschlafen haben: Auch einige große Einzelhandelsketten versäumen es, beim Smartphone-Zugriff automatisch eine für die portablen Geräte angepasste Site zu präsentieren, und schicken Nutzer stattdessen auf ihre völlig überladenen Primärsites. Dies gilt etwa für edeka.de, rossman.de, rewe.de und kaufhof.de. aldi-nord.de, mediamarkt.de und saturn.de sind dagegen zeitgemäß und liefern mobile Sites aus. dm.de fragt, ob das mobile Angebot aufgerufen werden soll. Eine solche Rückversicherung kann mal nerven, mal aber auch recht praktisch sein.

Einzelhändler, Gastronomen und Dienstleistungsbetriebe mit stationären Filialen, die noch keine Smartphone-Website besitzen, sollten dies schleunigst ändern, wollen sie sich nicht Umsätze entgehen lassen. Nichts ist für existierende und potenzielle Kunden frustrierender, als bei -10 Grad und Schnee mit dem Mobiltelefon in der zittrigen Hand auf einer behäbigen Rich-Media-Website umständlich nach bestimmten Informationen suchen zu müssen.

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