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04.09.14

Kein Scherz sondern ein Millionengeschäft: PicoCandy bietet "Stickers as a Service"

Kaum ein Smartphone-Messenger kommt noch ohne Sticker aus. Ein Startup aus Singapur erkannte den Bedarf an einer zentralen Distributions-Plattform für die bunten Grafiken - und erwirtschaftet nach Angaben der Gründerin bereits ein Jahr nach dem Debüt 200.000 Dollar Umsatz pro Monat.

PicoCandyViele bekannte Chat-Messenger erlauben es Nutzern, einander Sticker zu senden. Die bunten und teilweise animierten Bildchen sind vor allem bei den Apps ein Kernelement, die sich an traditionell eine hohe Affinität für visuelle Spielereien mitbringende asiatische Anwender richten, sprich Line, WeChat und KakaoTalk. Aber auch bei uns verbreitete Services wie Facebook Messenger oder Viber springen auf diesen Zug auf, und selbst WhatsApp experimentiert mit Stickern.

Die Apps bedienen nicht nur eine offenkundige Nachfrage, sondern erschließen auch lukrative Erlösströme. Stickers - auch Emoji genannt - sind ein Millionengeschäft. Denn nicht gerade wenige Anwender sind bereit, für niedliche und exklusive Sticker Geld auf den Tisch zu legen. Doch wo kommen die Sticker eigentlich her? Bislang habe ich mir diese Frage nie gestellt. Doch das war ignorant. Denn es stellt sich heraus, dass die Bereitstellung und zentrale Distribution der Bildchen seinerseits ein attraktives Geschäftsmodell für ein Startup sein kann. StickerDie Augen geöffnet hat mir PicoCandy, ein von zwei US-Amerikanern in Singapur gegründetes Startup, das seine Dienstleistung "Stickers as a Service” nennt. Was wie ein Witz klingt, hat sich innerhalb eines Jahres zu einem ernstzunehmenden Wachstumsprojekt entwickelt: 200.000 Dollar setzt das Unternehmen pro Monat um, 500 Millionen User bekommen die über die Plattform verbreiteten Sticker jeden Monat zu Gesicht. Das berichtete Gründerin Geraldine Yong heute auf der Startup Asia-Konferenz  in Tokyo, zu deren Besuch ich mich kurzerhand nach meinem gerade abgeschlossenen Aufenthalt in Hongkong (siehe Bericht) entschloss.

Die Geschäftsidee ist eigentlich ziemlich simpel: Unabhängige Designer sowie Marken nutzen PicoCandy, um Entwickler und Startups zu finden, welche die Sticker in Apps integrieren. PicoCandy kümmert sich um alle Aspekte, die in diesem Prozess eine Rolle spielen, und setzt neben den “Listenfeatures” auch auf enge Kooperationen, in deren Rahmen maßgeschneiderte Kampagnen organisiert werden. Entwickler werden durch PicoCandy und dessen SDK in die Lage versetzt, mit wenig Aufwand einen eigenen Sticker Store einzurichten oder Lizenzen für einzelne Sticker-Pakete zu erwerben.

Laut Geraldine Yong befinden sich unter den Kunden von PicoCandy schwergewichtige Markenanbieter. Was Apps angeht, gehört Viber zu den größten Kunden. Mehr als eine Million Sticker befinden sich im Repertoire von PicoCandy. Ziel sei es, zu einer weltweit dominierenden Plattform für die Distribution digitaler Sticker aufzusteigen.

Für uns Europäer mag die Annahme, dass es Bedarf an einer speziellen Plattform für die Distribution von Stickern gäbe, abwegig erscheinen. Doch ein Blick auf die Art, wie mehr als eine Milliarde User im asiatischen Raum kommunizieren - nämlich sehr viel stärker als wir über Bildsprache - sowie der ungebrochene Emoji-Trend, der gar in rein bildbasierten Messengern wie Moji gipfelt, zeigen, dass Bilder als digitale Kommunikationsmittel leicht zu unterschätzen sind.

Mit erwarteten mehr als zwei Millionen Dollar Umsatz in diesem Jahr hat PicoCandy sich einen Markt geschnappt, der erst im Nachhinein offensichtlich erscheint.

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