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10.10.13Leser-Kommentare

Kaufen oder Mieten: Von der Mär, "Besitz" sei der bessere Medienkonsum

Konservative Medienromantiker verteufeln gerne die zeitlich begrenzte "Miete" digitaler Inhalte. Für sie ist nur der "Besitz" eine Option, alles andere nehmen sie nicht ernst. Doch diese Sichtweise ist überholt.

DVDs"Ich will Filme/Bücher/Musik besitzen" - so lautet eine verbreitete Reaktion gegenüber dem Streaming von Medieninhalten. Selbst wenn sich On-Demand- und Flatratemodelle langsam durchsetzen, sympathisieren noch immer Millionen mit der Idee, entweder einen physischen Medienträger zu erwerben und dann bis zum Tod an ihrer Seite zu haben, oder aber eine digitale Version für einen mit der physischen Variante fast vergleichbaren Preis zu kaufen, herunterzuladen und auf riesigen Festplatten oder Heimservern zu lagern. Es mag manchmal trifftige Gründe dafür geben, Medieninhalte nicht mieten sondern besitzen zu wollen. Audiophile Musikfans etwa stören sich an den Qualitätseinbußen beim Streaming (oder überhaupt bei digitalen Dateien). Fans einer Serien- oder Filmreihe schmücken gerne ihre Wohnung mit DVD-Boxen. Bildungsbewusste Akademiker stellen sich die Wände mit gut gefüllten Bücherregalen voll, um damit ein Statement abzugeben: "Wir lesen Bücher". In der Zeit vor dem Internet galten diese immerhin als Wissensquelle Nummer eins. Bis vor kurzem war das Konsumieren digitaler Medieninhalte außerdem noch umständlich und unbequem, weshalb der Kauf physischer Medienträger vorgezogen wurden.

Doch abgesehen von den verbliebenen Gründen contra Miete wirkt es oft, als ginge es den Verfechtern des "Medienbesitzes" vor allem ums Prinzip. Warum etwa sieht der Autor dieses Interviews mit Sascha Lobo den "Besitz" von Büchern als einzige Option? Hat er über diese Frage wirklich reflektiert oder ist ihm vor allem wichtig, dass die Dinge so bleiben, wie sie immer waren? Auch wenn man Erfahrungsberichte von iTunes-Serienkäufern liest und mitbekommt, wie viel sie zahlen, welche Hürden sich ihnen in den Weg stellen und was sie dafür wirklich bekommen - echter Besitz ist das wegen DRM freilich nicht - wird deutlich, wie viel bequemer und günstiger On-Demand-Konsum eigentlich ist (vorausgesetzt natürlich, Inhalte werden auf dieser Basis angeboten).

Klar, Kultfilmen, legendären Alben und vielleicht auch mancher zeitlosen Bestseller-Literatur widmet man sich mehrmals, auch noch nach Jahren. Aber machen wir uns nichts vor: Der Großteil der Medienträger in den Haushalten fungiert maximal als Raumschmuck, Staubfänger oder lagert in Kisten, Kellern und auf Dachböden.

Medieninhalte nicht zu besitzen sondern zeitlich begrenzt zu nutzen, ist freilich kein neues Phänomen. Mit dem Radio existiert eine ganze Mediengattung, die auf diesem Gedanken aufbaut. Sicher, früher hat man die besten Songs auf Kassetten aufgenommen. Weil es noch keine Streamingservices gab, die es einem ermöglichen, einen Hit ein paar Tage lang am Fließband zu hören, bis er einem zu Hals raushängt. Auch Bibliotheken boten (und bieten) eine Art Miete von Medien, und nahezu ohne Kosten.

Es scheint fast, als ist es erst mit dem Aufkommen von neuen, massentauglichen technischen Verfahren zur "Medienmiete" chic geworden, den Medienbesitz als Nonplusultra darzustellen. Dass die bisherige Notwendigkeit zum Kauf und das darauf folgende ewige Aufbewahren lediglich der Begrenzungen der bisherigen Trägermedien geschuldet sein könnte und nicht per se die optimalste Form des Medienbezugs darstellen muss, so weit denken wenige.

Wer unbedingt Medieninhalte besitzen möchte, der soll von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Wie eingangs beschrieben sind damit einige spezifische Vorteile verbunden. Doch es wäre zu begrüßen, wenn die Stigmatisierung von On-Demand-Konzepten und das Rühmen des Eigentums als einzig wahre Form des Medienkonsums ein Ende fände. Nüchtern betrachtet und in Anbetracht der tatsächlichen Nutzungsmuster leistet die Miete nämlich mindestens das Gleiche wie der Besitz - und lässt bei gleichbleibendem Budget noch Spielraum für den On-Demand-Konsum weiterer Medieninhalte. /mw

(Foto: stack of dvd on white with shadow, Shutterstock)

Kommentare

  • Sebastian Schack

    10.10.13 (11:47:33)

    Miete an einen entscheidenden Nachteil: Nicht ich als Konsument bestimme die Mietdauer. Klar, wenn ich nicht mehr zahle, habe ich keinen Zugriff mehr auf die Inhalte. Aber auch wenn Watchever oder Spotify dicht machen, bin ich meine Inhalte (inkl. Bewertungen, etc.) los. Und natürlich immer dann, wenn ein Vertrag zwischen Plattenlabel, Filmstudio oder TV-Sender und dem jeweiligen Streaming-Anbieter nicht weiter verlängert wird. So könnte ich ohne weiteres meine Akte-X-DVDs verkaufen. Denn es gibt Akte-X ja online zum Streamen. Aber wer garantiert mir, dass das in einem Jahr oder morgen auch noch ist? Genau. Niemand.

  • Michael

    10.10.13 (11:48:25)

    Wieso soll das Eine besser und das Andere schlechter sein? Es geht doch darum, dass jeder entscheiden soll, welche Form für ihn am besten passt. IPTV ist mittlerweile so gut gemacht, und die Angebote wie Movie-on-Demand endlich auch mit fairen Preisen, dass ich in diesem Bereich meine Meinung geändert habe. Denn ist so wie du es beschreibst: Nur die wenigsten Filme schaust du dir zweimal an. Und wenn, dann bist du mit unter 10 Franken immer noch günstiger als eine DVD/Blu-Ray zu kaufen. Anders sieht die Sache bei der Musik aus. Ich kaufe immer noch CDs, da nebst der reinen Medienform Dinge wie das Booklet, Songtexte, usw für mich sehr wichtig sind. Und nicht zu vernachlässigen auch die Möglichkeit jederzeit ab CD eine digitale Form in einer beliebigen Qualität generieren zu können.

  • Alexander

    10.10.13 (13:44:48)

    Ich denke, dass sowohl die physischen wie digitalen Medien koexistieren können. Dennoch gibt es bei letzteren für mich noch Nachbesserungsbedarf. Zum einen die Verfügbarkeit eines Dienstes, zum anderen z.B. bei Watchever auch die Aktualität bezüglicher neuer Serien/Filme. Klar, Kopierschutzmaßnahmen und Anmeldung bei Diensten Dritter sind zwar ziemlich einschränkend aber auch erforderlich. Wobei diese letztendlich eh unwirksam sind und nur den "ehrlichen" Kunden treffen. Das Verwenden von digitalen Wasserzeichen ist jedoch durchaus für mich akzeptabel. Bei Musik sollte man wie bei Bandcamp auch verlustfreie Formate wie FLAC wählen können. Auch nicht schlecht ist es beim Kauf von physischen Medien die digitale Variante dazu zu bekommen und man muss nur einmal dafür zahlen. Ich konnte aber selbst feststellen das man in der Regel Medien eben doch nur einmalig konsumiert, mal abgesehen von Musik. Grundsätzlich spricht vor allem der Preis für die digitalen Inhalte, so lässt das Budget natürlich mehr Spielraum. Schlussendlich kann man aber stets neu entscheiden welche Variante einem lieber ist.

  • Jürgen

    10.10.13 (16:19:57)

    Für mich beantwortet die Verfügbarkeit die Frage "Mieten oder kaufen?". Streaming ist toll, so lange man ein Netz in ausreichender Qualität zu einem plausiblen Preis hat und nicht gerade das Datenvolumen gedrosselt wird. Folglich kaufe ich Musik, die mir wichtig ist, der Rest kann gerne gestreamt werden.

  • Martin Weigert

    10.10.13 (18:49:22)

    "Aber auch wenn Watchever oder Spotify dicht machen, bin ich meine Inhalte (inkl. Bewertungen, etc.) los" "Aber wer garantiert mir, dass das in einem Jahr oder morgen auch noch ist? Genau. Niemand." Das stimmt natürlich. Aber a) kommen und gehen gerade diese Services auch nicht jedes Jahr - selbst wenn auch finde, dass Export- und Importmöglichkeiten von Playlists etc. oder eine Art zentrale, anbieterunabhängige Verwaltungsplattform Standard werden sollten - und b) bleibt am Ende wieder die Frage, was du verlierst, wenn Inhalte bei einem Anbieter "verschwinden", die du ohnehin nicht mehr konsumierst?! (Hier unterscheiden sich sicher Musik, Filme und Bücher stark - Musik hört man häufig auch noch nach Jahren, bei Filmen schaut man nur echte Klassiker häufiger, und Bücher liest ma wohl nur in seltenen Fällen mehrfach).

  • nk

    11.10.13 (03:17:51)

    Der Artikel enthält mehr für Besitz als gegen. Hier sind noch ein paar: - Verfügbarkeit ist nicht an Netzzugang oder Stabilität geknüpft - Verfügbarkeit ist nicht an Solvenz des Anbieters geknüpft, nicht an irgendwelche Rechtslagen o.ä. - Lokale Endgeräte arbeiten IMHO ökologischer (keine Server, Netzknoten .. die produziert und betrieben werden müssen) Der Vergleich mit dem Radio hinkt völlig, weil Radiohören 1. kostenfrei ist (resp. nicht mehr kostet pro Stunde oder so), sonst sähe das Konsumverhalten bedeutend anders aus 2. nicht nur ausgewählte Werke konsumiert werden 3. dort readktionelle Zusatzinhalte „gestreamt“ werden „wirkt es oft, als ginge es den Verfechtern des “Medienbesitzes” vor allem ums Prinzip“ Das kann man über die Apostel, die Streaming als dominierende Konsumform in naher Zukunft sehen, genauso sagen.

  • nk

    11.10.13 (03:18:15)

    (mehr Argumente)

  • Martin Weigert

    11.10.13 (09:11:35)

    "- Verfügbarkeit ist nicht an Netzzugang oder Stabilität geknüpft" Aber an Elektrizität. Zunehmend ist das Deckungsgleich (jaja es gibt Funklöcher. Aber Filme/Serien streamt man ohnehin meist von zu Hause aus, und Musikstreaming klappt bei guter Kompression selbst mit 2G) "- Verfügbarkeit ist nicht an Solvenz des Anbieters geknüpft, nicht an irgendwelche Rechtslagen o.ä." Das ist eher ein theoretischer Kritikpunkt. Seit ich streame, sind keine der von mir primär genutzten Dienste wieder von der Bildfläche verschwunden. Beim Besitz dagegen musst du entsprechende Software haben, um Dateiformate abzuspielen. Oder Hardware, um Medienträger abzuspielen. In meinem Haushalt existiert z.B. kein DVD Player. Gibt mir jemand eine DVD, habe ich ein Prolbem. "- Lokale Endgeräte arbeiten IMHO ökologischer (keine Server, Netzknoten .. die produziert und betrieben werden müssen)" Kann ich nicht kommentieren. Energieeffizienz aber wird zumindest stetig vorangetrieben.

  • nk

    11.10.13 (15:25:19)

    Sollte ich vorsichtig schätzen, gibt es mehr Haushalte mit für Streaming unzureichendem Netzzugang als ohne DVD-Player ;) Zudem darf man nicht vergessen, dass ja gerade proklamiert wird, dass Medienkonsum mobil wird. Auch die Verfügbarkeit schneller Mobilfunknetze sehe ich in ländlichen Gebieten sehr kritisch. Und es macht auch nicht den Eindruck, dass die Anbieter am Status Quo groß was ändern werden. So gesehen, finde ich die "Besitzstandswahrung" nicht als das dümmste Verhalten. Kaufen kann ja auch mp3 bedeuten und Endgerät mp3-Player, der heutzutage 8+GB Daten fasst und 10 Stunden mit einer Akkuladung läuft. Da dürfte selbst das effizienteste Netzstreaming gegen anstinken. Btw. ist Mieten ja letztlich die andere Seite der Medaille Cloud-Storage und ich bin nicht sicher, ob uns dieses Konzept auch noch mal schwer auf die Füße fallen wird. Nach Ihrer Argumentation wäre seine eigene lokale Datenhaltung dann letztlich ja genauso veraltet? Schließlich archiviert man die meisten alten Dateien doch auch nur mehr oder weniger.

  • nk

    11.10.13 (15:34:20)

    PS: "Seit ich streame, sind keine der von mir primär genutzten Dienste wieder von der Bildfläche verschwunden. " Siehe Leistungsschutzrecht kann sich die Realität für Unternehmen aber schnell ändern. Gerade, wenn die Dienste Einfluss gewinnen (siehe "Kleinanbieterrabatt" Vevo). Und schon kostet die 5-Euro-Flat auch einmal das X-fache oder der Betreiber stellt den Dienst in Deutschland ein. Oder bei etablierter Streamingnutzung drosseln die Provider die Verbindung oder erhöhen die Preise für Vielnutzer. Halte ich jetzt nicht für soo abwegig. Beides beeinflusst die Verfügbarkeit theoretisch nicht, praktisch aber genauso, als würde 1 h Radio ab sofort 5 Euro kosten.

  • Pascal

    11.10.13 (19:50:14)

    Eine 2TB Festplatte kostet etwa 70€, darauf passen mehr E-Books als ich in meinem ganzen Leben lesen kann. Oder Musik für das nächste Jahrzehnt. Oder ein ganzes Jahr Dauerberieselung mit TV-Serien. Daher sehe ich keine Notwendigkeit für Mieten oder Streaming. Einen Stream nehme ich einmal auf und dann bleibt der auf meiner Festplatte. Wenn die in einem Jahr voll ist kaufe ich mir höchstens eine neue Festplatte (oder zwei für mehr Datensicherheit).

  • MrPeng

    12.10.13 (07:50:55)

    Also ich bin froh dass es viele verschiedene Möglichkeiten zum Medienkonsum und -besitz gibt. Ein "besser" oder "schlechter" kann ich hier allerdings nicht erkennen. Auch kann ich nicht nachvollziehen warum jemand "konservativ" sein soll nur weil er lieber eine DVD im Regal als eine Datei auf der Festplatte haben will (ich selber zum Beispiel habe beides). Kann es sein dass hier nur eine Meinungsmache erfolgen soll?

  • Christian

    18.10.13 (15:23:32)

    Es gibt da auch noch andere Argumente für Besitz - Armut zum Beispiel. Ich nehme nicht an, das unser Autor jemals arm war oder schon mal Kontakt mit Armen Leuten hatte. Sowas kann mitunter ganz schnell gehen. Wenn man dann vorher was gekauft hat, ist man nicht von einem Moment auf den anderen vom kulturellen Leben ausgeschlossen. Und ja, Überleben ist eben nicht immer genug. Einfach mal ne halbe Stunde seine Lieblingsband hören zu können, ist für nicht wenig Leute schon mal Luxus. Das kann man übrigens auf die noch nie zusammen gebrochenen Streaming-Dienste anwenden. Die sind genauso schnell weg wie Lehman Brothers oder genauso schnell wie Millionen Menschen in der Euro-Peripherie aus dem Haus geworfen werden. Man kann das auch mal weiterspinnen, was wenn der Falsche was über deine IP-Adresse macht. Gibt schon Länder wo der Zugang dann mal schnell gesperrt wird. Schwubs ist Schluss mit lustig. So mal am Rande...

  • Martin Weigert

    18.10.13 (15:53:37)

    Natürlich ein bedenkenswerter Einwand. Anderseits ist es meines Erachtens nach keine sinnvolle Prämisse, bestimmte Entscheidungen im Leben nicht zu treffen, für den Fall, dass man eines Tages arm sein könnte. "Ich nehme nicht an, das unser Autor jemals arm war oder schon mal Kontakt mit Armen Leuten hatte. Sowas kann mitunter ganz schnell gehen. Wenn man dann vorher was gekauft hat, ist man nicht von einem Moment auf den anderen vom kulturellen Leben ausgeschlossen. Und ja, Überleben ist eben nicht immer genug. Einfach mal ne halbe Stunde seine Lieblingsband hören zu können, ist für nicht wenig Leute schon mal Luxus." Woher stammen diese Einsichten? Und was heißt "nicht wenige Leute"? Sprichst von zwei Prozent der Deutschen oder von 50 %?

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