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06.02.08

Kartenwechsel bei Premiere bestätigt: Die nächste Runde im Schwarzseherkampf

Nicht nur ARD und ZDF jammern über nichtzahlende Zuschauer - auch dem Pay-TV geht es nicht besser. Das von Premiere verwendete Verschlüsselungsverfahren Nagravision ist in der gegenwärtig benutzten Variante anscheinend nicht mehr dicht zu bekommen - also gibt es bald mal wieder neue Karten.

Früher war es Ehrgeiz der Hacker, den bösen Leo Kirch auszutricksen, was sie motivierte, das Pay-TV Premiere zu hacken. Wenn man selbst ein gültiges Abonnement hat, ist das nicht mal strafbar. Andernfalls allerdings sehr, denn es gibt ein spezielles EU-Gesetz, Spitzname "Lex Leo", das das Umgehen von Pay-TV-Verschlüsselungen unter weit höhere Strafen stellt, als es bei DRM, im Kino aufgenommenen Filmen und Tauschbörsen der Fall ist. Ertappte Karten-Hacker haben durchaus mit Knast zu rechnen, hier ist es keine reine Drohgebärde.

Premiere-Verschlüsselung

Gar nicht so einfach, an die Premiere-Programme zu kommen - für zahlende Kunden...

Heute ist es nicht mal mehr der böse Georg Kofler, den man auf dem Kieker haben könnte, da er nicht mehr Premiere leitet; auch gilt das Programm - im Gegensatz zur Anfangszeit von Kofler - als ziemlich uninteressant. Doch das Interesse an "Gehacktem" läßt deshalb nicht nach.

Lustig ist allerdings, dass der Bezahlfernsehsender erst den TÜV Rheinland benötigte, um herauszufinden, was die Sat-Bastler bereits überall von den schüsselbestückten Dächern pfiffen:

 

Ein Gutachten, das der TÜV Rheinland im Auftrag von Premiere erstellt und am 5. Februar vorgelegt hat, kommt zu dem Schluss, dass es kriminellen Hackern gelungen ist, mit modifizierten Digital-Receivern Pay-TV-Programme illegal zu empfangen. Die im Ausland hergestellten Receiver werden mittlerweile im größeren Umfang in Deutschland verkauft. Dies hat seit dem Weihnachtsgeschäft auch Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf und das Wachstum von Premiere.

Das System von Rupert Murdochs Pay-TV-Sendern gilt dagegen noch als ungeknackt, ebenso wie Conax, das für die "Thema"-Kanäle von Premiere zusätzlich benutzt wird, und Cryptoworks für die österreichischen Premiere-Kunden.

Also gibt es im 2. Quartal des Jahres mal wieder neue Chipkarten für die zahlenden Premiere-Kunden. Allerdings keine neuen Receiver, denn es wird nur zu einer neuen Nagravisons-Variante gewechselt, so Heinz Gruber von Mascom zu medienlese.com. Nagravision an sich sei auch jetzt nicht geknackt, aber die alten Schlüsselkarten. Der Sender kann den Verschlüsselungslieferanten auch gar nicht so einfach wechseln: Verträge mit Nagravision laufen bis mindestens 2012.

Zahlende Kunden mit nicht Premiere-zertifizierten Receivern und Modulen wie Alphacrypt müssen also nicht bangen, ob es für dieses ein Update gibt. Angesichts der Funktionseinschränkungen der Premiere-zertifizierten Receiver (ständige Jugendschutz-PIN-Abfrage, kein Export der Daten, verschlüsselte Festplatten, geringer Bedienkomfort) ist diese Variante trotz höherer Kosten für die Hardware (zusätzliches Modul!) durchaus beliebt, ebenso wie auch noch etliche Original-D-Boxen in Betrieb sind.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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