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14.11.07Leser-Kommentare

Kai Diekmann, "Der große Selbstbetrug": "Eigentlich sollte man es gar nicht ignorieren"

Bild -Chefredakteur Kai Diekmann hat ein Buch zur Lage und Zukunft Deutschlands geschrieben. Die deutschen Medien reagieren darauf mit Ignoranz oder flapsigen Sprüchen. Warum eigentlich?

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"Wie wir um unsere Zukunft gebracht werden" heisst der einigermassen bescheuerte Untertitel des Buchs, das Kai Diekmann geschrieben hat. Denn was immer wir in unseren Leben machen, das nicht den Tod zu folge hat - um unsere Zukunft, und auch wenn sie scheisse ist, werden wir nicht gebracht. Kann ein Chefredakteur einer Boulevardzeitung überhaupt schreiben? Oder reicht es, wenn der Herr über die Botenjungen, die eine Zeitung machen für Botenjungen, weiss, wie man ein Nacktbild auf den Titel bringt?

Die Antwort vorweg: Kai Diekmann kann schreiben. Er schreibt direkt, schnörkellos, sachbezogen. Es finden sich im Buch kaum Wiederholungen, die Behauptungen sind mit Zahlen abgestützt, die Argumentation ist schlüssig. Es findet sich sogar immer mal wieder Selbstkritik (dann, wenn die Bild-Zeitung eine andere Linie als die im Buch aufgestellten Argumente gefahren hat).

Zu Beginn eine Überraschung. Der zynische Bild-Boss Diekmann sieht nicht nur rund um sich Gutmenschen, er glaubt, er sei selbst einer!

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Och... - eigentlich ist er ein Gutmensch, aber weil er diesen fürchterlichen Job hat, muss er es verbergen? Aber wir nehmen ihm das doch mal ab. Auch wenn er schlussendlich für die Machenschaften seiner oft rücksichtslosen Reporter und Redakteure verantwortlich ist - Machenschaften, wie sie bildblog.de täglich aufdeckt.

 

Kommen wir aber zum Titel, zum grossen Selbstbetrug. Auf Seite 114 ist zu lesen:

 

Politische Lügen und unhaltbare Wahlversprechen sind nicht nur den Politikern anzulasten, sondern auch uns selbst. Denn mehrheitlich wollen wir die Wahrheit gar nicht hören. Wir fühlen uns ungleich wohler in der schönen Welt der Selbsttäuschung. Was wir nicht wissen, darum müssen wir uns auch nicht kümmern, geschweige denn sorgen. Bereitwillig verinnerlichen wir die von den Parteien genährten Illusionen vom Versorgungsstaat. Wie die Demokratie mitunter funktioniert, wenn sie nicht funktioniert, beschrieb der Publizist Claus Jacobi: "1956 wurden (umgerechnet) vier Milliarden Euro für Arbeit und Soziales ausgegeben. Ein halbes Jahrhundert später, 2006, sind es über 119 Milliarden Euro - das Dreissigfache. Grund: Der Staat füttert und fördert zu viele Menschen und es werden immer mehr Millionen. Wer denen aber etwas wegnehmen würde, verliert die nächste Wahl. Darum ist für den 'Sanierungsfall' Deutschland auch kein Sanierer in Sicht." Hinzu kommt, dass aus Schlungs-, Umschulungs- und Wiedereingliederungsmassnahmen ein ganz neuer Wirtschaftszweig gewachsen ist - eine Branche, die nur von Arbeitslosen abhängig ist.

Das sind nicht die einzigen Zahlen im Buch. Er liefert deren viele - und sie sind, jedenfalls für mich, durchaus beeindruckend.

Seite 67/68:

 

In den Jahren 2000 bis 2005 gab es 735 neue Gesetze. Das Bundesgesetzblatt wuchs von 2096 Seiten im Jahr 2000 auf 4744 Seiten im Jahr 2002 an - mehr als doppelt so viele Gesetze und Verordnungen in nur 24 Monaten! Der Paragraf 3 des Einkommenssteuergesetzes regelt, welche Einkünfte steuerfrei sind - auf zwölf eng beschriebenen Seiten. Er ist seit 1998 mit zehn Gesetzesnovellen an 20 Stellen geändert worden. Seit 2005 sind dazu vom Bundesfinanzministerium 48 Auslegungsschreiben an die Finanzämter herausgegeben worden. In den vergangenen zehn Jahren sind zu diesem Paragrafen 189 Entscheidungen des Bundesfinanzhofs und 360 Urteile von anderen Finanzgerichten ergangen. Es ist klar, dass in einem solchen Wirrwarr kein Mensch mehr durchblickt.

Seite 73:

 

Seit Mai 2007 bereiten die Parteien die nächste Erhöhung ihrer Staatszuschüsse vor - von 133 auf 142 Millionen Euro im Jahr. Nimmt man die Zuschüsse für die parteinahen Stiftungen und die Leistungen an die Bundestagsfraktionen hinzu, dann gehen rund 500 Millionen Euro Steuergelder pro Jahr für die Unterhaltung der Parteiapparate drauf. Der bekannte Parteienkritiker Hans Herbert von Arnim nennt die Praktiken der "politischen Klasse" ein "korruptives Netzwerk, dem durch die in eigener Sache gemachten Gesetze noch Vorschub geleistet wird".

Seite 74/75:

 

Etwa 84 Prozent der uns in Deutschland berührenden politischen Entscheidungen werden inzwischen von der EU getroffen. So wurden von 23.167 Gesetzen und Verordnungen zwischen 1998 und 2004 nur 4250 vom Deutschen Bundestag initiiert, alle anderen in Strassburg beziehungsweise Brüssel. Der ehemalige deutsche Bundespräsident Roman Herzog brachte es auf den Punkt, als er in der Welt am Sonntag schrieb: "Es stellt sich daher die Frage, ob man die Bundesrepublik Deutschland überhaupt noch uneingeschränkt als eine parlamentarische Demokratie bezeichnen kann."

Seite 75/76:

 

Von 2009 an erhalten die rund 800 Parlamentarier [die Europa-Abgeordneten] ein monatliches Grundgehalt von mehr als 7000 Euro, das jährlich erhöht und mit nur 22 Prozent besteuert wird. Nach 20 Jahren Parlamentszugehörigkeit berechtigt das Gehalt dann zur 70-Prozent-Pension, mit nur 63 Jahren. Ein Angestellter in Deutschland müsste circa 11.000 Euro verdienen, um auf das gleiche Nettogehalt plus Pensionsanspruch zu kommen, rechnet die Süddeutsche Zeitung aus. Unberücksichtigt blieben dabei freilich die Tagegelder in Höhe von derzeit 279 Euro, die während der 41 Sitzungswochen fällig werden. Ganz zu schweigen von den gestatteten Nebenverdiensten, scheint doch die parlamentarische Arbeit nicht tagfüllend zu sein. Lange Zeit besserte ausserdem die grosszügige Reisekostenregelung das Einkommen auf. Denn Europa-Abgeordnete liessen sich pauschal teure Flüge erstatten, auch wenn sie den Billigflieger genommen hatten.

Ist das alles in Ordnung oder sind das Zahlen, für die sich Journalisten interessieren sollten, um sie kritisch zu hinterfragen? Ich lese aus diesen Zahlen ungutes für Deutschland: Gesetzesflut, Bereicherung von Politikern und Funktionären, Verlust der Unabhängigkeit. Warum ist das kein Thema für die Zeitungen? Weil Diekmann von der falschen Seite kommt? Weil er der Chef ist von der grossen, bösen Bild-Zeitung? Weil er von der Konkurrenz (Springer-Verlag) ist? Ist es dann das Beste, das Werk mal totzuschweigen oder als lächerlich hinzustellen?

Man könnte es fast meinen, wenn man die bisherigen Reaktionen darauf liest.

Diekmann taztaz.de (Ausschnitt links):

 

Eigentlich sollte man es gar nicht ignorieren, das neue Buch des Bild-Chefredakteurs Kai Diekmann. (...) Aus dem Gestammel lässt sich jedenfalls kein Sinn pressen. Aber so ist das eben, wenn ein Boulevard-Schreiber wie Diekmann tagein, tagaus bei Bild die deutsche Sprache verhunzt, aber dann meint, als Mahner und Warner auf dem Buchmarkt auftrumpfen zu können. Wahrlich ein großer Selbstbetrug.

tagesspiegel.de:

 

Schuldzuweisungen an die Achtundsechziger scheinen wieder gefragt zu sein. Kai Diekmann, ein wichtiger Journalist mit viel Gel im Haar und Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung namens ?Franconia?, die an ihren geselligen Abenden gern historischen Themen auf den Grund geht (etwa ?Die verlorenen deutschen Siedlungsgebiete?), hat ein Buch geschrieben über alles, was in Deutschland so schiefläuft; man kann die Analyse etwa so zusammenfassen: Die Achtundsechziger sind schuld.

bildblog.de:

 

Wenn man all diese Tiraden zusammenzufassen wollte, bräuchte nur eine einzige Gleichung auf seinen Block zu kritzeln: "Deutschland = Absurdistan". Darauf kann man alles reduzieren, dann kann es wieder weitergehen, denn wem fallen dazu nicht noch mehr Beispiele ein? Schließlich ist das ganze Leben ja absurd.

amazon.de (Carla):

 

Dieses Buch ist im Bildzeitungsstil geschrieben. Der Versuch sich ein bischen intellektuellen Sprachstil anzuschminken verdeckt nicht die dahinterliegende,durchschaubare Bildmentalität.

Wer sich differenzierter mit dem Thema beschäftigen möchte sollte zu anderer Literatur greifen.

Eine Handvoll kurzer und oberflächlicher Rezensionen, zusammengerührt aus Vorurteilen und Ressentiments, aus der Warte des peinlich pikierten Establishments. Mich ärgert das. Ich habe das Buch bisher zur Hälfte gelesen und wahrscheinlich werden noch katholische Passagen folgen, mit denen ich kaum übereinstimmen werde. Dennoch bin ich der Meinung, dass ein Buch, in dem die aktuellen Probleme Deutschlands (und einiger anderer europäischen Länder) erkannt und auch adäquat ausgedrückt wurden, diskutiert werden muss. Natürlich ist es Ansichtssache, was die dringendsten Probleme sind, die zu lösen sind, aber hier steht wenigstens mal einer hin und zählt viele von ihnen auf, ehrlich, direkt und ohne jemanden zu schonen.

Der Spiegel zeichnete zwei 68er-Karikaturen aufs Titelbild und liess dann 10 ehemalige Revolutionäre miteinander diskutieren und brachte das als Titelstory. Das sah aber nur so aus, effektiv war die ganze Titelgeschichte ein Vorabdruck aus einem Buch. So zeigt man auch, dass man lieber keine Stellung beziehen möchte.

In der naserümpfenden Rezension von Nils Minkmar heisst es verharmlosend über die Auswirkungen der Revolution von 1968 (von der übrigens niemand annimmt, dass sie unnötig war, damals):

 

Denn wo sind die Achtundsechziger heute? Fröhlich in Rente, einen würdigen Gegner geben sie nicht mehr ab.

Ein seltsames Bild. Mir kommt es vor, als wären es mehrheitlich 68er gewesen (oder von dieser Revolution beeinflusste nachfolgende), welche die letzten Jahre und Jahrzehnte der Machtpositionen in Politik und Medien besetzt haben. Manche der Revolutionäre sind oder waren auch im Knast. Diekmann führt seinen Lesern dazu nochmals die Opfer der extremistischen Seite dieser Revolution vor Augen, schön im Bild-Stil mit dem Kreuzchen:

RAF Opfer

"Die Bedeutung der Studentenrevolte ist nur deshalb so groß, weil der Rest der Republik so langweilig und kreuzbieder war." schreibt beispielsweise Ulf Poschardt und meint auch, die 68er solle man nicht überschätzen. Dabei geht das Buch doch gar nicht um einen Generalangriff auf die 68er, wie überall zu lesen ist. Sondern es geht um die aktuelle Lage Deutschlands, die eine Folge der Unmöglichkeit ist, allen gerecht werden zu wollen. Warum setzen sich die Medien nicht einfach mit dem Inhalt auseinander?

Was den Politikern die Wähler, sind den Medien die Leser und die Werbekunden. Es ist ein Armutszeugnis, wenn man sich, aus Angst, nicht mehr gewählt oder gekauft zu werden, der Wahrheit verweigert. Wie sieht unsere Zukunft aus, wenn wir sowohl von den Politikern, als auch von den Medien nur das zu hören kriegen, was die meinen, wir hören wollen? Steuern wir so nicht auf direktem Weg in eine Günstlingswirtschaft? In eine opportunistische Gesellschaft, in der jeder seinen Anhängern sagt, was sie hören wollen?

Letzte Woche habe ich Sicko gesehen. Ein hervorragender Film, der auf journalistischem Weg das marode US-Gesundheitssystem aufzeigt. Wünscht man nun den US-Bürgern, dass ihre Medien und Politiker diesen Film totschweigen oder lächerlich machen? Nein. Und ebenso sollte man jemand, der die Wahrheit über das aktuelle Deutschland sagt, auch nicht totschweigen. Auch wenn er eine Zeitung verantwortet, die kaum über alle Zweifel erhaben ist (gibt es denn eine?). Gute Ideen können von überall her kommen.

Ich kann nur sagen, dass solange ich nicht eine negative Rezension dieses Buches lese, welche sich tatsächlich auf die von Diekmann aufgeführten Punkte eingeht und sich nicht nur an Oberflächlichkeiten aufreibt, nicht anders kann, als Kai Diekmann zu attestieren, er habe ein kluges Buch geschrieben. Wo sind die Argumente gegen den Vorwurf, man mache weiter, als gäbe es diese Zahlen alle nicht? Sind die zusammengetragenen Zahlen falsch? Sind sie bedeutungslos? Eine Antwort auf solche Fragen sollte doch von Journalisten zu erwarten sein. Bitte!

Machen wir den Schluss mit Franz Müntefering (SPD, Seite 141 im Buch): "Wer im Jahr 2016 noch an die Existenzsicherung der Rente glaubt, sollte lieber Lotto spielen."

Update am 14.01.2008, 09:10 Uhr: Nun ist doch noch eine ernsthafte Besprechung zu diesem Buch erschienen, in der FAS, von Stefan Niggemeier. Herausgekommen ist eine Ja-ja-schon-gut-Diekmann-Rezension, die wenig inhaltliche Unwahrheiten, aber auch nichts Lesenswertes entdeckt, nur eine lange und offenbar langweilige Litanei. Diekmanns Lob an Dieter Bohlen, der mittels seiner unangenehmen Kritiken Casting-Kandidaten zu mehr Qualität bringe, wird bemängelt, denn "das Konzept der Show besteht darin, Nichtschwimmern zu erzählen, sie könnten Olympia gewinnen, und ein wesentlicher Reiz für den Zuschauer, ihnen, begleitet von hämischen Sprüchen Dieter Bohlens, beim Ertrinken zuzusehen." In Diekmanns Ergüssen sieht er "das Leiden des weißen, heterosexuellen Mannes, der ununterbrochen auf irgendwelche Leute Rücksicht nehmen müsse, die weniger normal sind als er". "Seine Klagen über die Verlogenheit der Politiker und die Verkommenheit der Jugend, seine Forderungen nach weniger Bürokratie und besserer Erziehung" könne man auswendig mitsprechen.

Nun ja, eigentlich kann man die meisten Forderungen mitsprechen, wenn man sich etwas auskennt. Ob man sie beachtenswert findet oder nicht, kommt darauf an, wo man steht. Der Ruf nach mehr Ehrlichkeit und Selbstreflexion mag offenbar nur dann erhört werden, wenn er von der richtigen Seite her kommt - Dieter Bohlen und Kai Diekmann stehen augenscheinlich nicht auf der richtigen Seite.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Martin Hiegl

    14.11.07 (11:29:09)

    Einfach nur "Danke". Es ist wichtig, dass man dem Buch eine Chance gibst, auch wenn man den Autor nicht magst. Du hast das gemacht und den Inhalt bewertet und nicht den Autor - danke.

  • Florian Steglich

    14.11.07 (11:35:31)

    Äh. Diekmann der Mutige, der endlich mal die Wahrheit sagt und das Establishment gegen sich hat? Irgendwas stimmt da nicht, Ronnie. Weder ist die BILD das einzige Blatt noch Diekmann der erste Buchautor, der den Zustand des Landes beklagt. Und wer schreit am lautesten, wenn die Politik mal, wie Diekmann es fordert, den Bürgern "etwas wegnehmen würde"? Die BILD natürlich. Wieso verlieren denn Politiker die Wahl, wenn sie jemandem an die Pfründe wollen? Weil die BILD mit Lustschrei eine Kampagne beginnt. Und bitte: "Von den Opfern spricht fast niemand mehr", das schreibt er ernsthaft? Ponto, Buback, Schleyer, Herrhausen, Rohwedder "geraten allmählich in Vergessenheit"?? Was für ein Schwachsinn.

  • Martin Hiegl

    14.11.07 (12:21:37)

    Naja, es gibt eine handvoll Opfer, welche in den Medien besonders präsent sind/waren. Aber viel mehr Opfer als Schleyer, Buback und Ponto kenn ich als Spätgeborener nicht mehr. Von dem her stimmt es schon. Ich glaube, dass du den Punkt verfehlst, Florian. Natürlich gab es andere, welche ähnliches geschrieben haben und Dieckmann ist deswegen nicht mutig o.ä.. Die hatten allerdings nicht diesen Gegenwind bzw. wurde das Buch mit Interesse am Inhalt und nicht mit der Absicht der Demontage des Autors gelesen.

  • Jean-Claude

    14.11.07 (13:09:01)

    @Florian: Dass "Bild" keine Aufklärungsliteratur ist, habe ich verstanden. Die wollen - wie alle andern - mit möglichst viel Auflage möglichst viel Geld verdienen und fahren ihre Kampagnen entsprechend. Mehr steht nicht dahinter. Wie bei andern auch nicht. So weit einverstanden. Schleyer und Ponto etc. gehen nicht vergessen. Auch das stimmt. Die haben eine mediale Lobby. Die andern Opfer sind allerdinmgs vergessen. Und dass es Dutzende Morde waren, die nicht zu rechtfertigen sind, muss natürlich gesagt sein. Im übrigen: Viele Jüngere haben keine Ahnung, was damals wirklich geschah. Da ist so ein Buch schon per se spannend, egal aus welcher Ecke es kommt. Vor diesem Hintergrund kann man schon eine ordentliche Rezension dieses Buches erwarten.Auf den Widerspruch zwischen Buch und "Bild"-Alltag soll man ruhig eingehen. Das wäre ja schon an sich eine Story. Ich habe das Buch noch nicht gelesen. Aber die paar zitierten Stellen machen mich neugierig. Ich kann ja am Schluss immer noch alles Mist finden. Aber ich möchte wie Ronnie Grob auch wissen: Sind die Facts and Figures falsch? Sind die gezogenen Schlussfolgerungen naiv oder unsinnig? Beispiele bitte. Stand das alles schon x-fach in andern Medien? Wo? Wie ? Was? usw. Das macht Arbeit für den Rezensenten. Aber dafür wird er bezahlt. Die erwähnten Rezensionsbeispiele sind auch mir zu billig und machen argwöhnisch. Dieser ideologische Pro-oder-Contra-"68er"-Quatsch langweilt mich. Nach 40 Jahren sollte man dazu ein nüchternes Verhältnis haben: mehr facts&figures please! Es waren schliesslich wichtige Vorgänge damals, die bis heute nachwirken.

  • Florian Steglich

    14.11.07 (15:25:31)

    » Jean-Claude: "Und dass es Dutzende Morde waren, die nicht zu rechtfertigen sind, muss natürlich gesagt sein." Aber das ist doch kein Geheimnis. Die RAF ist nun wirklich ein gut dokumentiertes Kapitel deutscher Geschichte. Ich sag' ja nicht, dass Diekmann darüber nicht noch weitere Worte verlieren darf; aber Heldentum braucht's dafür nicht. Und eben auch nicht, um darauf hinzuweisen, dass wir in Deutschland zu viele und zu komplexe Gesetze haben etcetera. Sag bloß ... » Martin Hiegl: Ich sehe in der Person des Autors als Verantwortlicher für die BILD durchaus einen Grund für Gegenwind. Und ein Buch von Diekmann ist genausowenig vom Autor getrennt zu betrachten wie eines von Dieter Bohlen oder Eva Herman oder ähnlichen Autoren.

  • Martin Hiegl

    14.11.07 (15:40:05)

    Natürlich muss man Inhalt auch im Kontext betrachten und mit Kontext bewerten. Doch es muss dabei immer um den Inhalt gehen, welcher zuerst frei von Vorurteilen aufgenommen werden sollte. Das kann ich aus den oben zitierten Beurteilungen nicht herauslesen.

  • Jean-Claude

    14.11.07 (16:41:44)

    @Florian, Heldentum muss man Diekmann sicher nicht unterstellen. Aber er zeigt offenbar doch eine eigene Faszette der Geschichte von damals. @ Martin:Autor und Inhalt gehören sicher zusammen. Bei diesem Thema sowieso. "Bild" war "1968" wie "Vietnam" ein Reizwort. Es waren Kristallisationspunkte einer Gegenbewegung. Die Irrungen der RAF waren nur ein Teil davon, wenn auch der blutigste. Ich glaube übrigens nicht, Florian, dass Jüngere und ganz Junge darüber Bescheid wissen, trotz vieler Dokus. Der Widerstand kam ja nicht aus heiterem Himmel. In Westeuropa gab es noch drei faschistische Diktaturen (Spanien,Portugal, Griechenland), in den USA die Rassentrennung. In Frankreich regierte ein autoritärer Präsident, de Gaulle. Adenauers Demokratieverständinis war gleichfalls autoritär gewesen. Kann man sich heute alles kaum noch vorstellen. Das Aufbegehren hatte seine Gründe. "Bild" heizte auf seine Art die Stimmmung an. Insofern ist es natürlich schon interessant, was ein "Bild"-Chefredakteur 40 Jahre danach zu sagen hat. Das sollte man nicht einfach wegwischen, wie das in den erwähnten Rezensionen offenbar geschah.

  • Klaus Jarchow

    14.11.07 (18:19:58)

    Man kann ja vielleicht mit der Situationsanalyse noch konform gehen (die allerdings, so meine Erinnerung an die gesamte Springer-Flottille, sehr stark auf Zahlen der INSM gestützt ist). Wenn als Agenda aber immer das 'Solo für Angela Merkel' herauskommt, dann werde ich allmählich doch stutzig. Und wer als vermeintlicher 'Tabubrecher weit offene Türen einrennt und dabei den Gästen ins Büffet fälltt, der ist doch eher eine Lachnummer. So wie Diekmann beim vermeintlich 'heißen Eisen' der 68er, die doch wirklich noch entzauberter sind als die Bild-Zeitung. Demnächst holt er wohl das gute, alte Schreckbild des Kommunismus wieder aus der Kiste. Ich packe Diekmann längst zu den anderen in die Schublade mit der Aufschrift 'Rechter Alarmismus' - zum Schäuble und zum Pofallala. Aber nicht zu den Geistesriesen ...

  • Jean-Claude

    15.11.07 (12:47:03)

    @ Sorry, Klaus, mir scheint das etwas arg einfach. Dass "Bild" der konservativen Mehreit in der Bevölkerung näher steht, ist irgendwie logisch. Das ist Mengenlehre und insofern auch Sache des Marketings einer Boulevardzeitung dieser Grösse. In Deutschland scheint man "68" für eine deutsche Erfindung zu halten. Die RAF ist tatsächlich eine deutsche "Erfindung", aber das ist ein Auswuchs. In Italien gab es sie Roten Brigaden, die auch mordeten, deren Brutalität aber bald durch neofaschistische Gruppen übertroffen wurde, wo es allein bei einem Attentat Dutzende Tote gab (im Bahnhof von Bologna). "1968" steht ja nicht einfach für ein paar Rbatz machende Studis mit LSD in den Taschen ihrer Latzhosen. Der Ursprung lag in den USA mit der Bürgerrechtsbewegung, die letztlich sehr erfolgreich war, verbrämt durch den ganzen Hippikram drumrum. Danach gings in Paris los. Die verstaubte Regierung des Generals de Gaulle wurde gestürzt. In Prag kam es fast zeitgleich zum "Prager Frühling", womit, wie man heute weiss, der Zerfall des Ostblocks begann. In Portugal wurde die faschistische Diktatur Salazar durch einen Aufstand von unten gestürzt. Das alles war kein Kindergeburtstag. Erst danach ging es in Deutschland und andern Ländern richtig los. Es gab überall in den USA und in Europa eine sehr breite Welle der Unzufriedenheit mit den damaligen Herrschaftsverhältnissen. Es war ein breit abgestützter revolutionärer Schub, mit allen Irrungen und Wirrungen, die zu solchen historischen Entwicklungen gehören. Und eine Faszette davon ist sicher "Bild". Diekmann braucht doch kein Geistesriese zu sein. Er hat zweifellos eine beträchliche Machtposition. Das genügt, Näheres über ihn erfahren zu wollen. Wie er tickt, muss einen doch grad als Medienmensch interessieren. Allein schon darum verdient sein Buch eine ernsthaftere Analyse. Man kann es ja verreissen. Aber das muss man dann schon besser begründen.

  • Klaus Jarchow

    15.11.07 (13:15:57)

    Für mich ist es einfach eine Frage der Leseökonomie: Ungefähr 2.000 Bücher schafft ein Mensch in seinem Leben, das hat der Arno Schmidt mal ausgerechnet. Und ich sollte da ausgerechnet den Diekmann ... nee, es gibt so viele ergiebigere Bücher über den Zustand unserer Gesellschaft gibt! Befasst sich jemand natürlich speziell mit der neokonservativen Medienmacht, als hochspezialisierter Journalist oder Wissenschaftler, dann in Gottes Namen. Bei den '68ern' scheint mir im Diskurs immer etwas durcheinanderzugehen: Die 'Hedonisten', das waren eben nicht die 68er. Die wirklichen 68er - das waren bürgerliche Sekundärtugenden auf zwei Beinen. 'Eines haben wir beim Kommunistischen Bund damals gelernt, Klaus', sagte mir mal im vollen Ernst der Geschäftsführer eines grünen Landesverbandes, wo in der ersten Generation verdammt viele Leute mit waschechter 68er-Vergangenheit herumliefen: '... und das war ARBEITEN'. Man mag es ja nun glauben oder nicht, aber diese Leute konnten alle gewaltig was wegwühlen. Morgens um 5.00 Uhr vorm Fabriktor bei der Agitation des Proleten ging das los - und abends um 11.00 Uhr im Marx-Lektürekurs war noch lange nicht Schluss. Insofern sind sich 68er und moderne Medienmanager in ihrer Arbeitssucht schon mal ähnlicher, als es ihnen vermutlich lieb ist, auch, so weit es bspw. den 'Bierernst' betrifft. Bürger hie, Bürger da! Mit anderen Worten: Die 68er, die sich der Diekmann da aufbaut, die sind ein Popanz.

  • Florian Endres

    15.11.07 (21:55:54)

    hallo, Kai Diekmann hat in diesem Buch alle fundamentalen Fehler aufgezeigt und versucht zum nachdenken anzuregen um etwas zu verändern. Jeder der etwas Stolz hat das er aus diesem Land kommt sollte darüber nachdenken und zugeben das vieles was in diesem Buch ist richtig ist egal ober er den Autor mag oder nicht. Wir sollten die Augen auf machen und etwas ändern, dass wollte er damit bewirken. Ihm war egal ob sein Buch von manchen seiner Feinde danach lächerlich gemacht wird den er steht zu seiner Meinung. Danke Flo (18)

  • Klaus Jarchow

    16.11.07 (09:54:34)

    Ich wüsste nicht, was heutzutage am Herbeten des neokonservativen Senkt-die-Staatsquote-Kanons besonders mutig, wegbahnend oder tabubrechend sein sollte. Das ist medialer Mainstream ...

  • Ronnie Grob

    16.11.07 (12:22:36)

    @Klaus: So weit ich das überblicken kann, hat niemand Diekmann attestiert, er sei mutig. Dass das, was er schreibt, medialer Mainstream sein soll, überrascht mich aber. Ich glaube gerne, dass es "viele ergiebigere Bücher über den Zustand unserer Gesellschaft" gibt, aber ich bin trotzdem enttäuscht über die Zeitungen. Wieso langweilen sie mich einen Sommer lang mit Günter Grass und schreiben dann aber über ein Buch von Diekmann so, als hätten sie es nicht gelesen?

  • Klaus Jarchow

    16.11.07 (14:09:38)

    Das unser Mediensystem selbstreferentiell ist (s. Grass), das gestehe ich dir gerne zu. Ich bin auch nach wie vor eher Bücher- als Zeitungsleser. Trotzdem - Diekmann gehört für mich in diese auffällige Reihe neokonservativer 'Kassandrusse', ein Wort, das ich mir soeben aus Kassandra und Verdruss an der Moderne gebastelt habe. Gleich nebenan finden sich zum Beispiel Meinhard Miegel oder Frank Schirrmacher mit seinem Methusalix-Kompott, der letztlich auf Ernst Jünger als Bezugsgröße für das Heute rekurrieren möchte: ""Es ist, als würde man in einen Maschinenraum blicken, den Ernst Jünger in seinem in jeder Hinsicht so aktuellen Buch »Das abenteuerliche Herz« beschrieb" ...

  • Dipl.-Ing. Dominik Heinisch - CEO Jobbörse dooti.com

    18.11.07 (18:35:25)

    war kein gutes buch

  • Ronnie Grob

    18.11.07 (18:40:09)

    @Dominik Heinisch: Schöne Kurzkritik, aber warum war es kein gutes Buch?

  • Dipl.-Ing. Dominik Heinisch - CEO Jobbörse dooti.com

    18.11.07 (18:53:41)

    es fehlt die empathie aus meiner sicht?! auch im sachlichen bezug fehlt das, vorallem bei selbstkritik

  • Jean-Claude

    19.11.07 (10:05:55)

    @ Dominik Heinisch: Empathie ist die Fähigkeit, sich in die Einstellung anderer Menschen einzufühlen. Das ist bei einer zeitgeschichtlichen Rückschau viel verlangt und kaum möglich, nach meiner Meinung auch nicht nötig. Es ist ein subjektver Blick aus einiger Distanz auf die Ereignisse um 1968 und was daraus folgte. Man muss diese Sicht ja nicht teilen. Aber wenn sie intelligent ist, was bei Diekmanns Buch der Fall zu sein scheint, lohnt es, sich damit auseinanderzusetzen, gerade dann, wenn es mal aus einer andern Ecke kommt. Man lernt dabei. Jedenfalls geht mir das so, ohne dass ich sage: der Kerl hat sowas von recht. Es ist ja gerade der Trend, den man generell in Medien feststellen kann: Alle schreiben über die gleichen Themen das gleiche. Konfektionierte Einfalt. Das muss ich nicht gut finden.

  • Wussel

    29.11.07 (21:43:17)

    Das BGBl. war 2002 doppelt so dick wie 2000 weil das BGB mit immerhin 2400 Paragraphen und das zugehörige Einführungsgesetz neu veröffentlicht und damit auch neu abgedruckt wurden. SOviel also zu den bedeindruckenden Zahlen (zumindest in diesem Bereich wie von Diekmann gewöhnt eine Ente).

  • Teja Bernardy

    09.01.08 (19:11:32)

    Sorry, als zu spät Einsteiger in die Diskussion fange ich bei Ronnie Grob und seiner Hälfte-Rezension an, auch und obwohl ich das Werk nicht gelesen habe und mir solches nach den oben angeführten Zitaten auch nicht antun werde: Der Gutmensch von eigenen Gnaden, Diekmann hantiert also mit Zahlen? *1956 wurden (umgerechnet) vier Milliarden Euro für Arbeit und Soziales ausgegeben. Ein halbes Jahrhundert später sind es über 119 Milliarden Euro, das Dreißigfache. ...* Sieh mal an,die Zahlen von 1956 gelten für Westdeutschland ohne die sogen. DDR! Wieviel Arbeitnehmer haben bei Vollbeschäftigung dieses Aufkommen erwirtschaftet? War da nicht 1957 was mit Generationenvertrag, der so gründlich in die Hose gegangen ist, weil man das Ansparen für die Zahler vergessen/unterschlagen hat? Da war Kai Diekmann noch nicht einmal angedacht. Also mal fix erst die Zahlen auf ein Vergleichsniveau hochgerechnet, bester Kai, ehe es an die eigentliche Fälschung geht, oder wie Statistik sonst noch heißt. Die gebotenen Zahlen taugen schon mal nicht. Zur Abwechselung Zahlen aus meinem Nähkästchen: Erinnere ich mich richtig, wurde 1956 der Preis für 1 Semmel/Brötchen/Rundstück/Schrippe von 4 auf 5 Pfennig erhöht. Die dämlichen vier Buchstaben schlugen mit 10 Pfennig zu Buche, protestierten lauthals gegen den Lebensmittelwucher. Eine Gehaltsabrechnung von 1967, Kai lag noch feucht, bescheinigt dem Alleinverdiener für eine dreiköpfige Familie ein mtl. Gehalt von netto 479,63 DM, von dem noch für Frau und Kind private KV abgingen. Dennoch gehörte ein Automobil zur Familie. Sowas wie Zufriedenheit auch. Zumindest für die berufliche und private Situation. Und Diekmann tut, als habe nicht einmal Inflation stattgefunden. Er tut dann noch so, als wären seine verdreißigfachten Sozialaufwendungen Zahlungen aus dem Staatssäckel. Wer hätte das gedacht, nicht einmal Zahlen kann er ideologiefrei addieren?! Wo mir ein 1964 Geborener die 68er erklärt. also ungefähr mich selbst, mein Leben, Erleben, Deutungshoheit über mein Ich-war-dabei beansprucht, drücke ich ihm sein Franz-Schönhuber-Gebetbuch in die Hand, sonst rollen sich mir die Zehennägel auf. Angenommen, Ronnie Grob habe recht, Kai Diekmann könne schreiben, kann er, wie die Auszüge aus dem Werk zeigen immer nur vier Buchstaben, selbst da, wo es um Zahlen geht. Das mag taugen, um Kohls Memories zu redigieren, -wer könnte das nicht?- Ein klarer Blick aber und Kai Diekmann ist wie Brille mit Beleuchtung im Nebel. Wie die PIN-Mitarbeiter um Zukunft gebracht werden, hat er schon mal geübt. Die Zukunft dieses Landes ist zu wichtig, als daß man sie von solcher Deutungshoheit beackern lassen dürfte. Wo ich schon befürchten muß, mit den von Klaus Jarchow angedachten 2000 Buchtiteln so meine Schwierigkeiten zu haben, haben Versatzstücke á la Diekmann nichts zu suchen.

  • Ronnie Grob

    09.01.08 (19:25:53)

    @Teja Bernardy: Das ist ein Zitat von Claus Jacobi, das Diekmann hier anführt und wenn da steht, die Zahlen wurden umgerechnet, dann wurden wahrscheinlich auch Faktoren wie Inflation einbezogen. Falls tatsächlich die DDR vergessen ging oder beschönigte Zahlen verwendet wurden, dann könnte man sich ja auch auf das 20fache einigen. Übrigens, muss man einen bestimmten Jahrgang haben, um Ereignisse, die in der Vergangenheit liegen, erklären zu können?

  • Teja Bernardy

    09.01.08 (20:00:46)

    @RONNIE GROB: Klar wurden die Zahlen umgerechnet, von DM in EURO! Die Jacobi-Zahlen sind doch nichts neues. Die Semmel von 1956 kostet heute mehr als 20 Cent, was die vier Buchstaben kosten, weiß ich nicht, nehme aber mal 50 Cent an. Welchen Sinn soll es machen, sich auf Zahlen zu einigen, als säßen hier Schell und Mehdorn am Tisch? Da sind mir fast Markworts Fakten lieber! Ein Fakt ist, irgendwer und keineswegs der Staat, zahlt in die Kassen ein, aus denen die meisten "Sozialleistungen" wie Renten und Gesundheitskosten bezahlt werden. Vereinbart war bei Verabschiedung dieses Modells, der Staat gleiche, falls Unterdeckung eintrete, das Defizit aus. Tut er nicht und nie! Der Staat veranlaßt "Beitragserhöhung", siehe aktuell die Krankenkassen. Und Diekmann stellt gleich analog fest, "der Staat füttert und fördert zu viele Menschen". Das Getrommel wird nicht dadurch richtiger, daß Wahrnehmungsstörung seit 5 Jahrzehnten Standard ist. Das Geld wird erwirtschaftet und überwiegend von den Menschen in die Kassen eingezahlt. Die Menschen füttern sich selbst1 Aber die Initiative "Bedingungsloses Grundeinkommen" schafft die Futterkrippe schon auch noch ab. Dann, und besonders dann gibts Brot und Spiele. Für Ereignisse der Vergangenheit brauchts keinen Jahrgang. Doch lasse ich mich nur ungern belehren, was ich gefühlt, gedacht, beabsichtigt hätte. Auch das Umdeuten aktiven Erlebnisses, selbst noch passiver Teilnahme, möchte ich mir nicht gefallen lassen. Es langt, wenn Gegenwart und die Bemühungen, sie schriftlich erfassen zu wollen, redigiert werden. Im Sinne der vier Buchstaben mag ich weder Zeit noch mich selbst verbiegen lassen. Deutungshoheit ist das, was Kai Diekmann mit und ohne Jahrgangszertifikat am wenigsten zusteht. Für mich will ich sie gar nicht erst beanspruchen.

  • niklas wetzel

    10.01.08 (00:43:26)

    "Das Buch zeigt die aktuellen Probleme Deutschlands." und "Ich lese aus diesen Zahlen ungutes für Deutschland: Gesetzesflut, Bereicherung von Politikern und Funktionären, Verlust der Unabhängigkeit." Die Zahlen stammen von vor 1970, das heißt de facto, dass schon seit 40!!! Jahren diese schlechten Prognosen hätten herausgelesen werden können, ein Paradoxon nur, das die BRD noch existiert. Die in vielen Kritiken anderer Zeitung sind dies nur medienwirksame Zahlen, die wenig bis gar nichts mit Problematiken aufzeigen bzw. lösen zu tuen haben.

  • Teja Bernardy

    11.01.08 (03:43:45)

    @ RONNIE GROB: Nachdem ich drei Antwortversuche an die Fische verfüttert habe, -Spam-Filter?- jetzt also ein letzter Versuch: Klar ist das Jacobi Zitat "umgerechnet" worden, 1 (ein) Betrag aus 1956 von DM in Euro. Mehr steht da nun wirklich nicht. Da sitzen auch nicht Schell/Mehdorn und karten aus, wieviel Prozent 31 vom Hundert sind. Was soll denn das für eine Zustandsbeschreibung werden, bei der erst das in der Besprechung gerühmte Zahlenmaterial ausgepokert wird, sich die Diskutanten erst noch überlegen müssen, über was sie eigentlich diskutieren? Angenommen, besagter Autor könne schreiben, rechnen kann er nicht, zumindest nicht korrekt mit Zahlen umgehen. Im gleichen Zusammenhang dann referieren: "...Grund: der Stzaat füttert und fördert zu viele Menschen...". Der Gipfel der Anmaßung! der "Staat" hat Diekmanns höhere Schulbildung angefüttert, sein abgebrochenes Studium auch und er gehört heute zu denen, die in keine Sozialkasse einen Cent einzahlen. Im übrigen füttern die Sozialversicherten die Renten- und Krankenkassen, die der Staat lediglich beaufsichtigt. Per Gesetz hat der Staat sich verpflichte, ev. Defizit in den von den versicherten "selbbstverwalteten" Kassen auszugleichen, was er nicht und nie tut, statt dessen Beitragserhöhungen als Aufsichtsbehörde dekretiert. Und gleich der nächste Fehler in Diekmanns Wahrscheinlichkeitsrechnung Westzone 1956 gegen BRD 2007: Die Westzonenzahlen vor dem Generationenvertrag beinhalten nur Renten- und Krankenversicherung für nur Westler, die Zahl BRD-2007 beinhaltet alle dem Sozialsektor zuzurechnenden Leistungen. Diekmann vergleicht nicht Äpfel mit Birnen, er kreuzt Erdbeeren mit Stacheldraht. Vier Buchstaben sind sein System, sind Prinzip, nicht nur seins. NIKLAS WETZLE hat recht und Unrecht zugleich: Der Coctail der Katastrophenzahlen ist seit de facto seit 40 Jahren nichts neues, nur für einige ist neu, daß die miserablen Aussichten seit 60 Jahren bekannt sind. Selbstverständlich ist das hier keine Jahrgangsdiskussion. Wer einen Schluck aus der 68er Pulle nimmt, weiß wie er ihm heute mundet oder auch nicht, vom Anbaugebiet, Klima, Ausbau weiß er nichts. Kann er sich im Guide kundig machen, was immer noch nichts über die Qualität seiner Geschmacksnerven und die Gattin des Winzers sagt. Zu den Taninen der 68er gehörte damals der verkorkste Bodensatz höherer Mathematik, aus dem heute die Unheilsprognosen gelesen werden. Dumm wären sie, die 68er, hätten sie keine Fehler gemacht. Wie dumm aber ist es, ihnen die aktuellen Fehler in die Schuhe zu schieben! Zugegeben, insofern war mein auf Lebensalter fußender Einwand eher eine unerlaubte Abkürzung. Stand aber in der Polemik Diekmann nicht nach, oder? @ NIKLAS WETZEL: Der von Diekmann ausgebreitete Zahlenteppich wird ja schon seit 1948 gewebt. 68 war das Strickmuster mehr als deutlich, die Perspektive auch. Das Paradoxon des Überlebens für die BRD beruht zum einen darauf, daß Zahlen und Statistiken mit jeder beliebigen anderen Zahl oder Statistik widerlegbar und manipulierbar sind, sonst würde z.B. die Börse nicht funktionieren. Zum anderen bestimmen nicht Politik und nicht Politikergebnisse das Überleben, sondern Wirtschaft und Wirtschaften. Un schlußendlich sagt Diekmanns Buch nichts über die aktuellen Probleme Deutschlands aus. Nachdem es hier aber um das Buch, seine Werthaltigkeit und den Rezensionsansatz geht, soll das Thema hier nicht vertieft werden. Als nicht ganz unbedarfter Beobachter halte ich Diekmanns Vorstoß für einen Teil der Kampagne zur Vorbereitung in Richtung "Bedingungsloses Grundeinkommen". Dieter Althaus (CDU) leitet die Komission, die solche Pläne ausarbeitet.

  • Teja Bernardy

    12.01.08 (16:56:13)

    Mit einiger Verspätung wegen eines sehr zuverlässigen Spamfilters @ RONNIE GROB: "Ploitische Lügen und unhaltbare Wahlversprechen sind nicht nur Politikern anzulasten, sondern auch uns selbst", läßt der Autor Diekmann wissen. Klar, zuerst und besonders Kai Diekmann. Jacobis Zahlen wurden umgerechnet? Selbstverständlich! Die eine von 1956 ein (1) Mal: von DM in Euro. Das war`s, und alle Wahrscheinlichkeitsrechnung wird KiteKat. Mahlzeit. Die von DM in Euro umgerechnete Zahl aus 1956 für seit 1945 Pleite-Sozialkassen der Westbesatzungszone mit rd. 52 Mio. Einwohnern bei Vollbeschäftigung, von Versicherungsträgern getätigte Ausgaben bei vollständig anderer Buchführung und Bilanzierung, werden hier zum Vergleichsparameter. -Die ostzonalen Sozialkassen waren nicht weniger pleite. Ein Geschenk an u.a. Autobahnbau und Eva Herman!- Anno 2006 mit 4,5 Mio. Erwerbslosen bei 82.483.000 Einwohnern im Verein BRD und völlig auf den Kopf gestellter Kontierung seit und nach 57er Generationenvertrag das Gesamtvolumen aller Sozialausgaben incl. Kassenleistungen aus RV + KV als Staatsausgaben gegenrechnen zu wollen, ist so hanebüchen, daß es schon fast strafbar ist. Dann noch einfach unterschlagen, daß die Vereinigungssoziallasten den "selbstverwalteten" Sozialkassen aufs Auge gedrückt wurden, gibt erst den richtigen Kick. Da darf Hans Dampf in allen Kassen schwadronieren: "...Grund: der Staat füttert und fördert zu viele ...". -(Anm.: u.a. seit 1934 den damals Aalwegbahn genannten Transrapid!)- Abgesehen also vom Futterneid mokiert sich ausgerechnet ein Mann, dem der Staat den höheren Schulabschluß und das abgebrochene Studium einschließlich Franconia-Freizeitgesellschaft bezahlt hat. Hier sitzen nicht Mehdorn/Schell am Verhandlungstisch und karten aus, wieviel vom Hundert 31 und noch was Prozent sind. Jacobis Zahlen, von Diekmann unter Inanspruchnahme der Kronzeugenregel zitiert, vom Rezensenten ausdrücklich beschworen, lassen "Einigung" vom 30- aufs 20-fache schlicht nicht zu, wären sie damit doch immer noch horrend falsch, dient andererseits der Zahlensalat ohnehin nur der vorurteilsverpflichteten Meinungshoheit. Der Buchtitel sagts: SELBSTBETRUG! Ganz schön unverschämt auch, Leistungen der Sozialkassen als Staatsausgaben zu dekretieren. Der Staat ist nur aufsichtführendes Organ der "selbstverwalteten" gesetzlichen Kassen und hat sich im Generationenvertrag verpflichtet, ev. Kassendefizit auszugleichen. Genau das tut er nicht und nie. Er verordnet statt dessen aufsichtsrechtlich Beitragserhöhungen. Rahmenbedingungen, welche sich Unternehmensverbände herbeigelobbyt haben. Die restlichen, steuerfinanzierten Sozialausgaben sind nicht Verschulden des Staates, sondern seiner Gesellschaft, Gesellschaften und Kapitalgesellschaften. Wie man solche Kosten erzeugt, demonstriert PIN vor und nach Mindestlohn. Von Jacobis absoluter Zahl der 199 Milliarden die RV/KV-Leistungen abgezogen, was bleibt dann noch als "Leistung" des Staates, von denen Politiker und Diekmann heute behaupten, es seien Sozialleistungen? Klar, Lügen sind auch "uns" anzulasten, zuerst Diekmann, dem Verwender des Pluralis maiestatis. Vordergründige Alters-/Jahrgangsdiskussion ist keine Lebensalter- oder Generationenstreit. Es geht ausschließlich um Qualität! Wer einen Schluck aus der ollen 68er Pulle verkosten und den Gusto beschreiben will,sollte sich zuvor vergewissern, was er da zu sich nimmt, ehe er es wieder von sich gibt. -Im übrigen schmeckte nun mal 68 der Primeur anders als ein heute fast überlagerter 68er was auch immer!- Nur das Etikett von der Buddel, davon auch nur den Jahrgang abschreiben, das ist zu wenig. Ist schon notwendig, ein bißchen was zu wissen über Anbaugebiet, Klima, Rebsorte, Domaine, Kelter- und Reifeprozeß, Ausbau. Lagerung, Abfüllung. Zumindest der Kenner informiert sich. Zu Taninen und Bodensatz der 68er gehört, was Niklas Wetzel so erstaunlich findet: "Die Zahlen stammen von vor 1970, das heißt de facto, das schon seit 40!!! Jahren diese schlechten Prognosen hätten herausgelesen werden können". Aber ja doch! Es wurde gelesen! Es wurde herausgelesen! Dafür werden sie doch heute noch beschimpf, die 68er! Ihre Erkenntnisse und den fälligen Protest nimmt ihnen Diekmann heute noch übel, obwohl er von beidem völlig verschont bleibt. @ NIKLAS WETZEL: Nur ist es so, das alles war auch schon 1948 herauszulesen, hat aber 20 Jahre lang eine Gesellschaft mit Vorsatz unterlassen. Das Paradoxon BRD hat trotz der Zahlen überlebt, weil deren gesellschaftliche Interpretationsmöglichkeiten beliebig sind, die reale Wtschaftswelt eine andere, zudem ein Parallelstaat ist. Das Buch zeigt nichts von realen aktuellen Problemen Deutschlands. Die beliebige Zahlenauswahl, ihre Komposition gestattet ein vernichtende Urteil über ihre Verwender. Das Paradoxon lebt und überlebt, jeder Beliebigkeit von Zahlen zum Trotz. Jede Statistik läßt sich durch eine beliebig andere Zahl sofort ad absurdum führen, was mit deutlich wissenschaftlicher Akribie täglich einer wissenschaftsgläubigen Öffentlichkeit demonstriert wird. (So funktioniert übrigens auch das Börsenspiel.) Diekmanns Zahlen, woher auch immer er sie nimmt, dienen nur vermeintlich der Verifizierung von Sachverhalten. Tatsächlich bedienen sie nur vorurteilsfixierte Meinung zur begleitenden Kommentierung eines Mainstream, der derzeit bei Dieter Althaus und der von ihm geleiteten Kommission "Bedingungsloses Grundeinkommen" verwaltet wird. Hier werden aber nur Diekmanns Werk und Ronnie Grobs Buchbesprechung diskutiert, so daß die Erörterung der obigen Aspekte den Rahmen sprengen würde. Wer aus Diekmanns Konvolut etwas zur Bereicherung herauslesen mag, findet diese nicht so sehr bei Politikern und Funktionären, dafür bei Managern und Eliten, und Diekmann mitten drin. Er mag ernsthaft beteuern, ein Familienauto zum Preis von knapp 49.000,- Euro sei nun wirklich kein Luxus. Was ich nicht verstehe, warum bejammert er den Schaden, den ihm die Versicherung doch ersetzt? Warum kosten zwei Autos meiner Familie nicht einmal die Hälfte eines Diekmann-Schlittens?

  • Gwunderli

    26.02.08 (11:06:46)

    habe das buch gelesen. finde es sehr spannend, anregend und es erweitert die sichtweise. anscheinend sind die probleme in deutschland die gleichen wie wir sie in der schweiz haben.

  • Götz Henkel

    20.04.08 (19:38:37)

    Sehr geehrter Herr Diekmann.Meine Großmutter (selber jahrelang Chefredakteurin einer (lokalen) Tageszeitung gewesen)schenkte mir zu Weihnachten ihr Buch. Ich hatte es nun in meinem Ägyptenurlaub im April gelesen und muss sagen: TOLLES BUCH. Ich finde dieses Buch sollte jeder deutsche Bürger lesen, weil es einen Überblick verschafft was momentan in Deutschland "abgeht".In einem Punkt bin ich leider nicht mit Ihnen einig und zwar was die 68er betrifft. Ich fände es toll wenn eine Bewegung wie die damalige nochmal entstehen würde.MfG Götz Henkel

  • arbiter

    20.04.08 (23:06:08)

    Na gut, was also geht in Deutschland zur Zeit ab? Der Mann, der bei Maunz gelernt hat, wie man Verfassungen knackt, liest uns die Leviten, weil wir falsch wählen und weil die alten die Jungen ausnehmen: Roman Herzog. Sein Credo: die Verfassung muß geändert werden. Ein Blick auf seine Doktorarbeit, und jeder weiß, wohin die Reise geht. Ganz nebenbei hat er den Zustand, den er bejammert, als Politiker, Kultusminister, Verfassungsrichter, Bundespräsident mit festgeschrieben. Danke! Seinen Nachfolger verlangt es nach der Agenda 2020, nach Reformen, Reformen .... . Fragt er die Fachleute für "Reformen", zum Beispiel Jochen Kienbaum und Kollegen, sagen ihm die, 85% davon sind grundsätzlich für die Katz. Was für die Wirtschaft gilt, gilt für den von ihr abhängigen Staat nicht? Und CDU-Schlarmann in Hamburg, die Industrieverbände, die Initiative Neue Marktwirtschaft, die Konrad-Adenauer-Stiftung und Dieter Althaus in Thürigen zusammen mit der Initiative "Unternimm die Zukunft" arbeiten intensiv am "Bürgergeld", das auch der FDP herbeiflehenswürdig ist. Die politischen Kräfte, die den Schlamassel angerichtet haben, basteln den nächsten. Mittendrin Kai Diekmann, sein Massenblatt und Mathias Döpfner. Ja, Leute, es geht was ab in dieser Bundesrepublik! Auch wenn uns davon die Augen übergehen werden. Davon steht nichts bei Diekmann. Ein Kenner halt, der weiß, was er verschweigen muß.

  • Beate Steinfeld

    10.08.08 (20:31:07)

    Welch Tragik: Kai Diekmann könnte schreiben was er will, nur, kein aufgeklärter und durchschnittlich intelligenter Deutscher würde sein Buch kaufen wollen. Diekmann ist verbrannt. Man kann ihm weder vertrauen, noch Glauben schenken. Selbst wenn ein Buch von ihm zu 100 Prozent lesenswert wäre, würde es kein Bestseller werden. Bevor ich ihm ein Buch abkaufe, müsste Diekmann sich auf Seite 1 der Bild bei allen Menschen für seine Boshaftigkeiten entschuldigen - einen aufrichtigen Kniefall machen. Das wird er nicht tun. Und somit werde ich niemals ein Buch von ihm lesen. Bedauerlich ...

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