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15.08.11

"Kaffee bringen lassen für 4 Euro": Gigalocal startet seinen Marktplatz für Micro-Jobs

Nach mehreren Monaten der Vorbereitung gibt Gigalocal den Startschuss für seinen Marktplatz für lokale Micro-Jobs. Nutzer in Berlin können bezahlte Kleinstaufgaben inserieren, die andere Personen in der Umgebung zeitnah erledigen.

 

Eines der in diesem Jahr ambitioniertesten Startup-Projekte aus Deutschland ist Gigalocal. Schon seit einigen Monaten rührt das Unternehmen aus Hamburg die Werbetrommel für seine Micro-Job-Börse. Fast 50 Mitarbeiter basteln an dem von Hanse Ventures mit Unterstützung von Holtzbrinck Ventures und den Business Angels Heiko Hubertz und Edgar Berger angeschobenen Dienst, bei dem Anwender spontane Mini-Dienstleistungen nachfragen, die von anderen Usern in der Nähe gegen eine kleine Bezahlung erledigt werden.

Zwar existieren auch in den USA erste Dienste, die Menschen über kleine Erledigungen und Hilfeleistungen in Kontakt bringen möchten, aber ein Proof-of-Concept in Form sprudelnder Gewinne oder einer gelungenen Akquisition fehlt bisher.

Einige Wochen später als ursprünglich geplant lüftet Gigalocal am morgigen Dienstag offiziell seinen Vorhang - die iPhone- sowie Browseranwendung sind aber bereits seit einigen Tagen online, im Laufe des heutigen Nachmittages wird auch die Android-App veröffentlicht. In der aktuellen Beta-Phase funktioniert der Dienst nur in Berlin, der Rollout in alle urbanen Regionen Deutschlands bis Ende des Jahres ist geplant. Nutzer in der Schweiz und Österreich müssen sich vorerst gedulden.

Im Zentrum stehen bei Gigalocal so genannten "Gigs" - Dienstleistungen oder Lieferungen von Waren. Die Plattform kann verwendet werden, um sich von Menschen in der Umgebung einen Kaffee oder etwas zu Essen bringen zu lassen, um Hilfe für den Transport von Möbeln zu finden, eine Bohrmaschine zu mieten oder die eigene Wohnung aufräumen zu lassen.

Legen Nutzer einen neuen Gig an, spezifizieren sie, was sie haben möchten, bis wann sie es benötigen, wie viel sie dafür zahlen würden und wo die Erfüllung der Dienstleistung oder die Übergabe der Ware stattfindet.

Jeder Gig ist öffentlich auf einer nach Art der Dienstleistung filterbaren Karte sichtbar. Der erste User, der einen Gig akzeptiert, erhält den Zuschlag und kann per Chat oder über eine kostenlose, keine Privatnummer entlarvende Telefonverbindung mit dem Nachfrager in Kontakt treten. Gig-Ersteller können einen Auftragerfüller ablehnen, woraufhin der Gig erneut gelistet wird. Über eine Bewertungsfunktion sollen Anbieter von Gigs im Nachhinein angeben, inwieweit dieser zu ihrer Zufriedenheit ausgeführt wurde. Die Bezahlung regeln Anwender unter sich.

Nutzer auf der Suche nach einem Nebenverdienst können Benachrichtigungen mit örtlichen und zeitlichen Kriterien einstellen, um informiert zu werden, wenn besonders attraktive/lukrative Gigs in der Umgebung angeboten werden.

Für Privatanwender fallen für die Nutzung von Gigalocal keinerlei Gebühren an, und auch wer sich mit dem Erfüllen von Gigs ein Mini-Zubrot verdient, muss keine Provision zahlen. Die Monetarisierung soll laut Gigalocal-Mitgründer Sebastian Diemer durch gewerbliche Anbieter erfolgen, die als Premium-Partner auf der Plattform auftreten und von Usern eingetragene Gigs erfüllen. Derzeit läuft dafür die Akquisition lokaler Händler und Dienstleister.

Neben der grundsätzlichen und zum jetzigen Zeitpunkt noch offenen Frage, ob und wie eine Peer-to-Peer-Dienstleistungsplattform von Nutzern angenommen wird, ist das Vorhandensein von Maßnahmen zur Verhinderung von Missbrauch eine der entscheidenden Voraussetzungen für einen Erfolg von Gigalocal. Eine Verantwortung für die Leistungserbringung übernimmt das Startup nicht, ist aber logischerweise auf die Nutzerzufriedenheit angewiesen.

Neben dem Bewertungssystem soll auch die Möglichkeit, im Falle von zivil- und strafrechtlichen Streitigkeiten auf eine Aufzeichnung des über das Gigalocal-Telefonsystem geführten Gespräches zugreifen zu können, Störenfriede und Personen mit fragwürdigen Absichten abschrecken.

Ein konkrete Prognose, wieviele Gigs bis Ende 2011 über Gigalocal erledigt werden, ließ sich Mitgründer Sebastian Diemer nicht entlocken. Erreicht hat das Startup sein Ziel nach Diemers Aussage, wenn Nutzer nicht mehr ins Branchenbuch schauen und stattdessen Gigalocal ansteuern.

Eine gewisse Ähnlichkeit hat Gigalocal mit dem ebenfalls aus Hamburg stammenden Dienst spreet . Dessen Einsatzzweck ist allerdings weiter gefasst als der von Gigalocal und beschränkt sich nicht nur auf kurzfristige Dienstleistungen in der Umgebung, sondern auch auf anderweitige Kontaktaufnahmen.

Link: Gigalocal

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