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07.08.08Leser-Kommentare

Journalistische Einfallslosigkeit: Mehr Format wagen!

Blogger werden belehrt, dass sie erst journalistischen Stilformen pauken möchten, bevor sie sich einzumischen wagen – dabei brauchen neue Medien neue Formate.

Ob Buchdruck, Rundfunk oder TV - neue Medien brauchen neue Formate. Kaum ein Satz erscheint einleuchtender. Und kaum ein Satz wird im Falle des Web 2.0 weniger befolgt. Blogger müssen sich hier von Journalisten im Netz belehren lassen, dass sie doch - bitteschön! - erst einmal die grundlegenden journalistischen Stilformen aus der Holzhausener Schule pauken möchten, bevor sie sich in den Diskurs der Granden einzumischen wagen. Insofern treffen jene Peitschenhiebe, die der Kollege Jakubetz dort in seinem JakBlog an die realitätsverweigernden 'Angehörigen der Holzklasse' austeilt, in meinen Augen einfach nur die Richtigen. Hier ein Auszug aus der Philippika:

 

"Trotzdem bleibt leider mein Eindruck, dass sich viele (auch jüngere) Journalisten dieser Realität nicht stellen wollen. Dass sie immer noch glauben, es reiche aus, sich einen gmx-Account zuzulegen und zweimal am Tag nachzuschauen, was Spiegel Online so schreibt. Man muss einfach ein paar Schritte weiterdenken und eventuell mal begreifen, dass die Auswirkungen des Netzes als Medium viel mehr und ganz andere sind, als dass man Texte jetzt auch auf einem Bildschirm lesen kann. Dass man dadurch beispielsweise jetzt ein Stück weit befreit ist von diesen ganzen entsetzlichen Formatzwängen und den grauenvollen Kompromissen, die man vielleicht noch machen musste, als Henri Nannen den ?Stern? gründete und eine ?Wundertüte? auf den Markt brachte, in der gefälligst für jeden etwas drin zu sein hatte'.

Neue Formen braucht das Land!

Ich habe einfach mal die Probe aufs Exempel gemacht, um dem wahren Rezeptionsverhalten der Leser im Netz ein wenig näherzukommen. Viele 'unumstößliche Wahrheiten' haben sich dabei für mich schlicht als Medienmythen entpuppt. Da ich begreiflicherweise valide Daten am ehesten dort erhalte, wo ich sie selbst im Zugriff habe, betrachte ich hier einfach jenes Blog, das ich unter dem nom de guerre Chat Atkins als Linkabwurfstelle eingerichtet habe. In dieser Sargnagelschmiede probiere ich seit zwei Jahren alle möglichen Stilformen einfach mal aus, vom Artikel über die Polemik, vom Gedicht über den fingierten Dialog, von der Satire über die Rezension, von der Erzählung über den Aphorismus, bis hin zu Stilformen, für die ich noch gar keinen Namen habe.

Ein Unikum führt in dieser Kasperbude unter etwa 2,500 Beiträgen die ewige Bestenliste an. Am ehesten könnte ich den Text als 'Reprozension' bezeichnen. Ich hatte damals einfach einen Text aus einem Gemeinschaftsblog 'reproduziert', das mich deshalb unwiderstehlich zum Spott reizte, weil es sich verwegenerweise 'Die literarische Zukunft Deutschlands' nannte. Ohne diesem Anspruch auch nur ansatzweise nahe zu kommen. Parallel zur Reproduktion 'rezensierte' ich dann den Text, indem ich einen 'fortlaufenden inneren Kommentar' einschob. Unter den 'Most Read Stories' steht die neue Textform, die in keine Schublade des klassischen Journalismus mehr passt, einsam an der Spitze. Das muss noch keine Regel sein, ich weiß, aber zum Indiz taugt das Faktum allemal.

KILL statt KISS: Keep it Long & Lovely

Weiter im Text: Die KISS-Regel ('Keep it Short & Simple') lernt jeder Volontär, sobald sich erstmals eine Redaktionstür hinter ihm schließt. Vor allem dann, wenn er 'Online' schreiben muss: 'Kein Mensch liest lange Texte am Bildschirm', wird ihm dort auf der Stelle beigebimst, man dürfe die Geduld des eiligen Lesers nicht überstrapazieren. Ach, wirklich?

Der meistkommentierte Text in meinem Blog ist dieser hier: Er steht auf Platz 8 der Bestenliste und umfasst - zählt man die 44 Kommentare mit - schlappe 28.000 Zeichen. In dieser Länge dürfte ein Text sogar die Geduld des engagiertesten ZEIT-Feuilletonlesers ermüden. Die Kommentatoren aber - von 'wonko' über 'donalphons' bis 'mark 793' - schlugen sich allesamt durch den kilometerlangen Rattenschwanz aus Meinungen und Gegenmeinungen hindurch, der sie zusätzlich noch mit widersprüchlichen Ansichten konfrontierte.

Übrigens ein schönes Beispiel dafür, dass Texte im Web 2.0 mehrere Autoren haben können (oder sollten) und dass dieser 'Dialog' - besser wohl: 'Multilog' - die Form künftig entscheidend prägt. Kurzum: Auch die KISS-Regel kann der 'Journalist der Zukunft' getrost (mitsamt der AIDA-Regel) in die Tonne treten. Im Netz darf jeder gern auch lange Texte schreiben, Hauptsache, sie sind nicht langweilig: Keep it Long & Lovely! Und er muss lernen, dass seine Leserschaft dabei ein Wörtchen mitredet ...

SEO ins Klo!

Die Überschrift über dem ersten der erwähnten Texte lautete: 'Hannibal Lektor', die zweite 'Zoff auf dem Kiez'. Beides stilistisch recht gute Überschriften, aber wahrlich keine Headlines im Sinne jener Google-Anbeter, die da meinen, das alles einer 'Search Engine Optimization' bedürfe. Die anderen meiner Texte verfahren ähnlich - mit anderen Worten: Mir ist SEO völlig humpe! Die Sargnagelschmiede steht trotzdem in Dirk Olbertz' Non-Commerce-Blogimperium derzeit auf dem sechsten Platz (wenn man Alexa mal trauen will), hinter Lanu, Rebellen ohne Markt, Powerbook-Blog, dem Community-FAQ-Blog von blogger.de und Ahoi Polloi.

Lanus 'Heul nicht - sag was!', das führende Blog auf dieser Liste, geht sogar noch viel radikaler und kryptischer vor, als ich dies tue: 'Wird eng' heißen die Headlines, 'Ist alles wieder total supi in Deutschland' oder 'Gotteslästerung'. Bei ihr haben die folgenden Copy-Texte dann oft den Charakter einer antiken Papyrusrolle, wo der Leser mit Hilfe der angeführten Links und mit viel archäologischem Blogwissen erst einmal halbwegs zu begreifen trachtet, was die Frau möglicherweise mal gemeint haben könnte. Der Aha-Effekt ist nach der Übersetzung dann umso größer - auch rollt dem geneigten Leser nur hier unversehens Hademar Bankhofers Kopf vor die Füße.

Anders ausgedrückt: Hier, wo der Leser erst einmal nur Bahnhof versteht, steht er zugleich ganz vorn auf der Lokomotive - mit der Nase im Blogwind. Noch anders ausgedrückt: Blogtexte sind keineswegs simpel, den angeblichen Tagebuchstil und den Katzen-Content, den pflegen eher die Journalisten im Netz, denen die Offline-Kollegen etwas vom Bloggen vertellten, bevor jene an die Online-Front abkommandiert wurden.

Kurzum: SEO ist nur da wirksam, wo nichts Eigenes existiert, wo jemand mit billig zusammengeklaubten Fremdtexten und mit Themen, die überall schon lang und schlapp durchgehechelt wurden, noch ein wenig Restklickrate abstauben will. Denglish formuliert: 'SEO is for Sissies and Late Adopters!' Ein echtes Me-Too-Instrument im Marketing-Mix ...

Platz ist immer genug da!

Das Internet aber ist und bleibt unendlich groß. Daher dürfen wir auch mit Texten exzessiv verfahren. Es gibt hier keinen Seitenumbruch mehr, keinen Platzmangel, keine Themen, die geschoben werden müssen. Raus damit - das ist, was zählt. Nur Ödnis steht einem Erfolg im Wege. Ein Text sei daher vor allem anderen 'lesenswert'!

Hier greift dann die letzte Regel, die im neuformatierten Medienuniversum künftig Gesetzescharakter haben wird: Sei niemals langweilig. Schluss mit dem Objektivitätsstil, mit dem Ideal des 'neutralen Berichterstatters'. Für den Restbedarf an Langeweile - pardon: Seriosität, dafür gibt es längst SpOn, gewissermaßen das 'Google' unter den deutschsprachigen Tageszeitungen im Web 2.0. Einen weiteren Klon davon, den braucht kein Mensch. Eigenes ist daher gefragt, weit ab von reuters und dpa, dazu Ausprobieren und mit Formen spielen, fast so, wie das Kind mit den Backformen. Für junge Journalistikstudenten heißt dies alles aber, Richard Dehmel paraphrasierend:

'Wenn dein alter Professor spricht,

Glaub' ihm nicht! Glaub' ihm nicht!'

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • XiongShui

    07.08.08 (11:23:32)

    Schön. Dann mache ich ja nicht allzuviel verkehrt ;-). Ausreichend Leser habe ich ja auch, trotzdem treibt mich die Frage um, warum niemand kommentiert.

  • Brenrhad

    07.08.08 (13:18:29)

    Danke, diese Worte schaffen Motivation. Ich glaube, daß wir noch lange nicht den subsummierten Konsens-Weg gefunden haben, wie Kommuniktion im Netz funktioniert (Theoretikern folgend: eigentlich funktionieren soll). (Es folgt banale Weisheit, Netzkenner diesen Absatz bitte überspringen) Und zwar deswegen, weil das Netz, bzw. seine Publikationsform/-plattform einerseits so unendlich viel freier in den Möglichkeiten ist und andererseits sowieso dauernd weiter entwickelt wird. Das Netz ist viel mehr als eine beengte Menge Platz mit Buchstaben und statischen Fotos, die als Konglomerat erst auf Papier gedruckt und dann am Kiosk oder im Briefkasten landen müssen und auf Rezipienten treffen, die 16 Minuten S-Bahn-Zeit haben und ihren Konsum als Ritual betreiben. Journalismus wird zu erheblichen Teilen mit den Wegen und den Zäunen beschäftigt, als mit der Herde und dem Weiden. Mit jedem sich öffentlich meldenden Individuum kommt ein neuer Versuch, ein neuer Stil. Regeln aus alten Medien, die sich an den Grenzen der dortigen Publikationsformen orientieren, sind nichts anderes als Hypothesen, die sich - anderen gleichgestellt - hier erst bewahrheiten müssen. Da wir - endlich - viele Menschen sehen, die zuvor nie in Erscheinung getreten sind (aufgrund von wie geschlossene Schotten wirkenden Gatekeepertums nie treten konnten) muß es rein mathematisch eine andere Landschaft von Kommunikationsansätzen geben, weil die Ausgangsgruppe anders aufgestellt ist. Dann entstehen Ausdrucksformen, die über Texte und Bilder hinausgehen. Pods, Videos, Samples, Collections, Collagen, Exe-Art sind nach anderen Kriterien gebaut. Und die Konsumenten lernen gerade, für ihre Rezeption ebenfalls andere Kriterien auszubilden. Wunderbare Aussichten. Zeigefinger-Journalisten und Verleger sollten sich nicht wundern, wenn ihnen der Finger beim andauernden herum-mahnen abfriert.

  • Stefan Mathys

    07.08.08 (13:28:03)

    Ganz Recht hat Herr Jarchow. Die journalistischen Stilformen kann man im Web hinter sich lassen, was aber auch nicht heisst, dass man sie vergessen sollte: Versatilität ist gefragt. Was mich schon eher stört ist erstens, dass es immer wieder Leute gibt, die mit ihrer journalistischen bzw. sprachlichen Formlosikeit die Inhaltslosigkeit ihrer Aussagen zu überpinseln suchen, und zweitens, dass nicht so sehr der Stilformverlust sondern der Anstandsverlust zum Problem wird. Und der grassiert in den Blogs. Ist ja auch nicht leicht in den Griff zu bekommen. Es braucht Moderation, und die wird dann auch gleich als Zensur verstanden. Nicht einfach die Sache...

  • Zappadong

    07.08.08 (13:55:00)

    Endlich jemand, der sich von KISS verabschiedet. Ich persönlich habe ebenfalls gerne "Fleisch am Knochen". Und auch ich mag ausgefallene Formen. Insofern decken sich meine Vorlieben und auch meine Beobachtungen mit dem Verfasser des Textes. Was den Anstand betrifft: Das hängt vom Blog ab. In jenen Blogs, in denen ich regelmässig mitlese und häufig auch kommentiere, habe ich nur sehr, sehr selten ausfallende Kommentare gelesen; die Mehrzahl der Kommentare setzt sich differenziert und ergänzend mit dem Geschriebenen auseinander. Ich denke, wer einen guten Blog betreibt, ihn auch gut (und transparent) betreut, hat weniger Probleme mit dem Anstand als die jekami-Blogs, wo jeder ungefiltert und auch vom Betreiber unkommentiert (oder ungemahnt) den grössten Haferkäse schreibt (oder wo die Betreiber provokationsmässig noch einen draufsetzen). Das einzige "Problem", das ich habe, teile ich mit Xiong Shui: Ich würde in den meisten Blogs gerne mehr Kommentare lesen.

  • Mara S.

    07.08.08 (14:11:00)

    Als "nur" Leserin, und ab und zu Kommentiererin, sind für mich Internet-Artikel dann spannend wenn sie einen klaren Standpunkt beziehen, ohne polemisch zu werden. Von klassischen Medien (Zeitungen etc) erwarte ich etwas anderes, den auch mein "Konsumverhalten" vor dem Bildschirm ist anders als meine Leselust angesichts von Bedrucktem. In dem Sinne sind Blogs ideal, meist (nicht unbedingt) kurz und knackig. Hinsichtlich der Umgangsfragen beim Kommentieren: wenn in den von mir frequentierten Internetmedien in der Hinsicht zweifelhafte Kommentare auftauchten haben sich diese meist von selber erledigt. Unfug macht auch für Provozierende nur dann Sinn, wenn sich andere provozieren lassen. Ein wenig Geistesgrösse angsichts offensichtlicher Kindereien scheint mir da doch der angemessen Umgang.

  • bugsierer

    07.08.08 (14:21:17)

    ach, chat atkins ist klaus jarchow. gar nicht gewusst. welche freude. - klasse text, herr kollege.

  • gerhardb

    07.08.08 (15:26:37)

    Ich mache gerade folgende Erfahrung. Da schreien Journalisten nach eine BLOG (ja wir wollen auch so was), und dann stellt man ihnen etwas dahin, ja dann - dann passiert nichts mehr. Schreiben ist ja so schwer, vor allem "online". Nun muss ich sie immer und immer wieder ermuntern - so schreib doch mal was!

  • Thinkabout

    07.08.08 (15:48:32)

    @bugsierer + @Klaus Jarchow - jaah, atkins und Jarchow - das passt irgendwie zusammen. @Stefan Mathys: Ich hoffe nicht, dass Sie sich irgendwo als Gatekeeper bewerben: Denn wenn Sie den Anstand allzu schnell bemühen, setzen Sie sich dem Verdacht aus, nicht zwischen der eigenen Rhetorik und der Ihrer Kritiker unterscheiden zu können. Es ist ein Unding, immer mit dem Bannstrahl zu drohen, statt auf den nachhaltigen Einfluss der eigenen Stilvorgaben zu setzen. Wenn Sie moderieren, ist das gut und recht. Richtig spannend aber wird es, wenn Sie moderat darauf reagieren, wenn Sie flugs erkennen, dass man auch Sie, huch, irgendwie moderieren kann: Man darf sich auch selbst mal von einer Diskussion überraschen lassen und den Finger aus der Moralinsäure gar nicht rauslassen, nur weil man sich ein bisschen erschreckt hat. Und Ihr Satz: Was mich schon eher stört ist erstens, dass es immer wieder Leute gibt, die mit ihrer journalistischen bzw. sprachlichen Formlosikeit die Inhaltslosigkeit ihrer Aussagen zu überpinseln suchen, muss ich den so lesen, wie ich ihn tatsächlich verstehe: Dass Sie ihn vor allem auf Blogs beziehen und allen Ernstes behaupten wollen, das wäre nicht auch ein Problem der Printmedien (wenn überhaupt)? Ihre Einschätzung der Blog-Kommentare wurde oben schon widerlegt. Dieser Erfahrung kann ich mich nur anschliessen. Können Sie mir zudem erklären, warum das Problem fehlender Kommentarqualität ein so starkes Problem vieler Holzmedien ist, die sich im Internet versuchen? Könnte es nicht damit zu tun haben, dass gerade sie nicht begriffen haben, was die Kommentarfunktion einer Online-Plattform ausmacht? Keine Moderation, zu der ich die "stumme" Vorselektion hinzu zähle, ist genau so verheerend wie der Anstandswauwau, der lieber einmal zu früh bellt als gar nicht.

  • Klaus Jarchow

    07.08.08 (16:04:55)

    @ gerhardb: Es ist ja für ihn auch vieles ungewohnt. In einem Blog gibt es nicht mehr den breiten redaktionellen Rücken des 'Bruchhausener Torfkuriers', hinter dem man sich als anonym schreibender 'Berichterstatter' verstecken kann - nee, da steht plötzlich dieser Heini Stinkstiebel höchstselbst und als Individuum in der publizistischen Landschaft herum. Und Kunststückchen soll er plötzlich machen. 'Ja, bin ich denn Rastelli?', denkt der sich da ... dass das Spaß macht, erschließt sich ihm erst später. @ zappadong: Trolle zieht immer ein bestimmter Geruch an - genauer kann ich mich gar nicht ausdrücken. Und sie müssen sich in der Kommentarspalte als Überflieger - zumindest subjektiv - fühlen können. Wenn sie aufgrund messerscharfer Abfertigungen jedesmal wie ein begossener Pudel unter dem Gegröhl des Publikums durch die Manege ziehen müssen, versuchen sie's ein Blog weiter. @ Stefan Mathys: In einem Blog könnte jemand die eingeführten journalistischen Stilformen sogar benutzen, um sie zu parodieren. Vermutlich mit großem Erfolg. Vielleicht serviere ich uns hier noch mal eine pseudo-echte Kolumne wirrsten Weltmanntums à la Degler oder Jörges. @ Brenrhad: Was es eigentlich bedeutet, wenn zwischen den 'großen Toren von Kiew' (also zwischen den Gatekeeper-Medien) weit und breit keine Stadtmauern mehr stehen und deshalb auch keine Sau mehr die Tore dort am Kiosk passiert und brav den Zoll bezahlt und die jeweilige Meinung tankt, sondern künftig alles über die mikromedialen Brachflächen dazwischen direkt nach Infotanien hinein gelangt, das haben wir alle noch gar nicht recht begriffen, glaube ich. Gegen den Sturm solchen Wandels war Gutenberg wohl ein mediales Lüftchen - allerdings dauert es auch noch ein paar Jährchen.

  • XiongShui

    07.08.08 (16:19:10)

    "Zischen den Toren von Kiew" (Klasse Metapher!) habe ich vier Jahre lang viel über das Bloggen gelernt, u.a. auch den Umgang mit Trolls: es lässt sich fast immer etwas Sachliches finden, das man dann aufgreifen und ernsthaft beantworten kann (zu dem Zweck darf man ruhig auch mal etwas missverstehen). Das macht die meisten Trolle mürbe.

  • Krusenstern

    07.08.08 (18:43:41)

    Mit 80 Prozent Ihres Beitrages bin ich einverstanden, ich würde ihn sogar als brillant bezeichnen, den Rest buche ich einfach unter Pareto-Prinzip ab: Ich kann auch gut ohne leben... Nur in einem Punkt bin ich mir nicht sicher: "Seriosität, dafür gibt es längst SpOn". Das müssen wir aber nicht zum Nennwert nehmen, oder ?!? Jürg

  • Klaus Jarchow

    07.08.08 (20:38:12)

    @ Krusenstern: Die 'Seriosität', die ich meine, die habe ich im Text in ironischer Brechung mit 'Langeweile' gleichgesetzt. Es ist eine Form der stilistischen Schlipsgeraderückerei, es ist das journalistische Spießertum in seiner kulturellen Selbstgewissheit, wo sich die Ein-Bildung deshalb als Mehrheit fühlt, weil die ganze Nachbarschaft im Café Einstein auch so denkt, wo sich dieses Erwartbare und Ewiggleiche Qualitätsjournalismus nennt und die publizistische Landschaft mit einer vorhersagbaren Einheitsmeinung und -moral vollzukleckern pflegt. Und zwar ungefähr seit Austs Zeiten. Seit dessen Ägide ist Holzhausen gewissermaßen die Heimat der Holzköppe geworden - mit einigen wenigen Ausnahmen, die sich aber an einer Hand abzählen lassen. Wenn der gesellschaftliche Durchschnitt beginnt, sich korporativ und zugleich elitär zu fühlen, bloß weil er die Grammatik beherrscht und im Angesicht der Macht Lippenlesen kann - was bekanntlich keine großen intellektuellen Fähigkeiten erfordert - , dann musste so etwas folgen. Dafür genügt aber dann ein Medium - und diese Funktion erledigt SpOn ja recht gut.

  • weltherrscher

    07.08.08 (20:41:44)

    das wichtigste haste aber vergessen: es ist völlig egal, was man auch immer denken mag, wie man was wo wie und warum auch immer machen sollte. bei blogs zählt nur das machen, also bloggen. ob nackt, so wie ich immer gegen china, oder im anzug ist einerlei. am ende lese ich etwas, verstehe den inhalt oder nicht, die meinung oder nicht. und bilde mir, im besten falle, eine eigene meinung. journalisten mögen das glaub ich nicht?

  • Peter

    07.08.08 (21:51:51)

    Sehr geehrter Herr Jarchow, wenn man so sprachgewaltig wie sie unterwegs ist, ist es sicherlich nicht schwer, immer spannend zu bleiben. Allerdings kann ich ihrer Argumentation nur begrenzt zustimmen: Die ganzen Damen und Herren Journalistenschüler leben einfach in der Realität - und für die Masse der Leser sind die Internet- und Blog-Inhalte bislang ausgesprochen irrelevant. Es mag sein, dass hier gewaltig etwas in Bewegung ist und kommt - aber im Moment sind doch die meisten Blog-Inhalte selbstreferenzielles Gemaule, das nichts bewegt. Gut, es mag jede Menge Holzmedien-Journalisten geben, die einfach nur ignorant sind - aber irgendwie lässt mich das Gefühl nicht los, dass die (und ihre jungen Nachfolger) in 20 oder 30 Jahren auch noch ganz gut von ihrem Holzmichl-Dasein leben werden. Insofern: Danke für die Forderung nach neuen Stilformen. Aber bitte etwas mehr Geduld und Gelassenheit im Umgang mit den Damen und Herren (Jung-)Journalisten.

  • Tom Schaffer

    07.08.08 (22:43:01)

    ich finde teile des artikels sind richtig, andere einfach nicht. ich finde zB das "KISS"-prinzip im wesentlichen einfach richtig. keep it short and simple bedeutet ja nicht, dass am ende ein kurzer text rauskommen muss. es geht nur darum, dass es so lang wie nötig aber so kurz & knackig wie möglich gehalten wird (und dadurch nicht ermüdend). nach diesem prinzip werden ganze bücher geschrieben. das von dir kritisierte KISS ist in wirklichkeit also genau das, was du als KILL bezeichnest. SEO ist genauso nützlich wie man das eigentlich nicht machen muss. kommt drauf an, was man erreichen will. die von dir zitierten überschrifts-gegenbeispiele mögen zwar in manchen blogs funktionieren, sie sind aber trotzdem doof. wenn ich eine überschrift lese, dann muss die vielleicht nicht verraten, was genau im folgenden text steht (darüber sollen sich andere streiten, das is mir wurst) aber sie muss für mich unbedingt interessant sein. "wird eng" ist imo weder das eine noch andere. wahr ist: man muss sich nicht vorschreiben lassen, wie man zu bloggen hat. journalisten die lieber traditionelle formen ausprobieren müssen das von dir auch nicht hören. die bekannten journalistischen formen haben sich ja nicht nur aus selbstzweck gebildet, sondern durchaus weil sie die erforderlichen zwecke erfüllen. btw. was du hier als "neue textform" anpreist, ist imo einfach unverständliche, überladene - sprich (ohne experte zu sein): schlechte - lyrik mit schwachen bildern.

  • Klaus Jarchow

    08.08.08 (06:44:15)

    @ Tom Schaffer: Wenn man KISS so interpretiert, wie du es tust, dann läuft es hinaus auf Schopenhauers Regel: 'Sage ungewöhnliche Dinge mit gewöhnlichen Worten'. Schaut man sich aber die Direkt-Marketing-Päpste (z.B. Vögele) oder die Lokalzeitungs-Granden an, dann haben sie es genau so ja nicht gemeint: Da darf ein Satz nicht mehr als maximal zehn Wörter umfassen. Und so klingt es dann auch - kurzatmig und wie aus der Stanzmaschine. Auch gilt bekanntlich die Regel: 'Ein Satz, ein Gedanke'. Daraus folgt zwingend: Kurze Sätze, kurze Gedanken. Sollte dieses 'Zu-Kurz-Gedacht' etwa das Grundgesetz im Journalismus sein? Ferner: 'J'accuse' oder 'Neues aus der deutschen Luftfahrt' - bekanntlich durchaus durchschlagskräftige Artikel der Pressegeschichte - glänzten nicht eben durch Headlines, die den nachfolgenden Inhalt auf der Stirn trugen. Ich glaube diesen Journalistenschulen den ganzen Sermon einfach NICHT, wonach ein eiliger Leser den Text (die Copy) deshalb noch liest, obwohl er doch meinen muss, aus Headline (und Lead) schon alles erfahren zu haben. Der ist vielmehr in der Regel 'einen Text weiter'. Eine gewisse 'Verrätselung' ist daher viel wirksamer, um den Leser bei der Stange zu halten, auch wenn man über die Beispiele streiten mag. Und wenn dir mein Stil überladen, unverständlich und lyrisch vorkommt, gelesen hast du ihn doch ... @ Peter: Diese Selbstgewissheit, angesichts rapide dahinschwindender Auflagezahlen das Hohelied Holzhausens zu singen, die bewundere ich. Ich nutze zwar auch Holzmedien, aber dabei handelt es sich mehr und mehr um Bücher, den ganzen flüchtigen 'Zeitungs-Content', den hole ich mir aus dem Netz. Für lau. Und ich bin kein Einzelfall. Dass jemandem Blogville als 'selbstreferenzielles Gemaule' vorkommt, das kann ich verstehen. Weil Außenstehende regelmäßig den 'Eingang' nicht finden, weil es gar keinen Eingang gibt. Noch nicht einmal Hauptstraßen. Das gnadenlos Fragmentierte eines Jedermann-Mediums macht die Orientierung schwierig, und man muss schon eine Zeitlang Bewohner gewesen sein, auch die kartographischen Vorarbeiten anderer nutzen, um sich halbwegs auszukennen. Blogcharts nutzen wenig ...

  • Zappadong

    08.08.08 (09:26:56)

    Kein Internet der Welt ersetzt mir die Zeitung am Morgen - um 6.15 Uhr kommt der Tagi (den ich gleich lese, bei einem Morgenkaffee) um ca. 9.00 Uhr die Lokalzeitung (die ich gleich lese, mit dem zweiten Kaffee des Tages). Insofern hoffe ich, dass es die gedruckten Medien noch lange gibt. Auf der anderen Seite möchte ich das Internet nicht mehr missen - weder die Newsportale noch die Blogs.

  • Tom Schaffer

    08.08.08 (11:35:02)

    Und wenn dir mein Stil überladen, unverständlich und lyrisch vorkommt, gelesen hast du ihn doch … ja, weil ich wissen musste, wovon du sprichst. ansonsten hätte ich ehrlich gesagt bei der zweiten zeile abgeschaltet.

  • Klaus Jarchow

    08.08.08 (11:45:34)

    @ zappadong: Ja - das 'Frühstück' mit dem Rascheln der Zeitungsseiten und die 'Haptik', das sind die beiden verbliebenen Argumente, die das Holzmedium noch zu servieren weiß. Auf die Dauer ein wenig zu wenig ...

  • thg

    08.08.08 (12:17:43)

    In Denglisch: Lieber Klaus Jarchow, ich würde Sie gerne kiss (en) für Ihre kill (ing) Nachricht bezüglich der verruchten Methodik des klassischen Journalismus - aber warum warten die Printmedien, bis sie tatsächlich keiner mehr haben möchte. Denn dann können Sie nicht mehr umsetzen, was jetzt eigentlich jeder schon wissen sollte: keep it just as fucking interesting as possible, as long as people pay attention and cash for it! Also: Ki Fi PPac.

  • Theodor

    08.08.08 (13:13:17)

    Man ist dieser Artikel eine Platitüde. Steht da irgendwas, das wir nicht seit bald 10 Jahren wissen?

  • Klaus Jarchow

    08.08.08 (13:48:26)

    @ Theodor: Ja, genau - das wussten medial Begabte doch alles schon damals, als es das Web 2.0 noch gar nicht gab ... @ thg: Die 'Printmedien', also die Verleger, versuchen im allgemeinen, die dahinschmelzenden Gewinne durch Einsparungen beim Personal und durch den Einsatz von genügsamen Content-Rittern und möglichst viel Me-Too-Ware zu kompensieren. Was dann wiederum die Sache mit der steigenden Qualität und der Orientierung am Leseinteresse schreibtechnisch unmöglich macht, weil schlicht in der Redaktion das nötige Können fehlt. Es ist wie in einem dahinsiechenden Restaurant: Die Lebensmittel werden mangels flüssigen Kapitals immer schlechter, das Personal immer desolater. Was die Gäste noch rapider ausbleiben lässt.

  • ritchie

    08.08.08 (14:33:10)

    Sehr lesenswerter Text, kann mich allen Punkte nur anschließen - ich schreibe und lese selbst ja auch viel lieber KILL als KISS Text. Naturgemäß (schließlich schimpf ich mich ja SEO-Berater) muss ich allerdings deinem letzten Absatz widersprechen: natürlich kommts drauf an, wie oben schon angemerkt wurde, mit welcher Intention man eine Seite betreibt. Aber die meisten Autoren werden ja gern gelesen und freuen sich, wenn sie ihr Publikum finden... SEO hat nicht nur mit der Überschrift zu tun. Grade bei den von dir angeführten Beispielen möchte ich anmerken, dass changing content ein immer wichtigerer Faktor wird, vor allem bei Seiten, die Google als Blogs "identifiziert" hat: wenn da immer mal wieder Leute kommentieren, sich aus Sicht des Spiders also der Inhalt ändert, dann führt das auch zu einem besseren Ranking... dass dann wiederum dazu führt, dass mehr Leute auf den Text verlinken etc. etc.; hier treten durchwegs starke selbstverstärkende Feedbackschleifen auf.

  • ritchie

    08.08.08 (14:33:55)

    Ups, sorry - hab vorher vergessen, die Benachrichtigung anzuhaken.

  • Frau Müller

    08.08.08 (16:01:06)

    @ Klaus Jarchow # 19 Sie finden Sinnlichkeit ein wenig zu wenig auf Dauer? Dann sticht bei Ihnen vielleicht das Argument der Nützlichkeit. Einige geballte Doppelseiten Tages-Anzeiger sind nicht nur der Trocknung von durchnässten Lederschuhen dienlich. Sie straffen auch eingetragene Gehfalten und stellen die alte Passform wieder her. Zum Zügeln von Porzellangeschirr sind Zeitungen unerlässlich. Zum Anfeuern des Cheminées sowieso. Kopfsalat bleibt in Zeitung eingewickelt länger frisch und harte Avocados kann man mit Zeitungspapier zur schnelleren Reife verhelfen. Aber man täte Zeitungen Unrecht, wollte man ihren Verdienst nur auf den Haushalt beschränken. Sie sind auch im veterinär-medizinischen Bereich äusserst nützlich. Ich machte diese Erfahrung, als meine Katze von einem stärkeren Unwohlsein befallen war. Da das Tier verschiedene Funktionen vorübergehend nicht unter Kontrolle hatte, legte ich das Wohnzimmer mit einem Vorrat an NZZ aus, der in längerer Abwesenheit gewachsen war. Bis zum nächsten Morgen hatte Coffee meine Meinung über Weltpolitik zutreffender ausgedrückt, als mir das je hätte gelingen können. ;-)

  • ritchie

    08.08.08 (16:27:35)

    Stimmt - in dieser Funktion sind Zeitungen unersetzlich, zumindest solange, bis biegsame Wegwerf-LCDs mit guten Saugeigenschaften den Markt überfluten.

  • Zappadong

    08.08.08 (17:14:41)

    Spotten Sie nur :-) Ich will trotzdem eine richtige Zeitung. Papier in der Hand. Blättern. Am Küchentisch sitzen ohne Bildschirm (da schaue ich dann eh noch den ganzen Tag drauf). Genau so, wie ich nie Bücher online lesen werde, werde ich auf meine Zeitungen verzichten wollen. Der Tag, an dem mein Briefkasten für immer leer bleiben wird, wird öde, sehr, sehr öde. Natürlich kann Internet mehr. Natürlich ist Internet umfassender. Natürlich ist Internet spannender. Wer einmal meine Lokalzeitung gelesen hat, weiss, warum man sich das nur als seit 1000 Jahren Einheimische antut. ABER und TROTZDEM: Ich will meine Zeitungen. Die grosse Tageszeitung fürs Weltgeschehen, die kleine, lokale für meinen total spiessigen Landlebenalltag (mit Todesanzeigen, Veranstaltungshinweisen, Job- und Wohnungsinseraten, dem Bericht über die lokale Kaninchenausstellung und den Artikel über die brandgefährlichen Sprengungen mitten in einem Wohngebiet, die Leserbriefe und und und). Nostalgikerin, ich.

  • k.u.stein

    08.08.08 (20:49:54)

    Neue Medien brauchen neue Formate- gefälliges Thema, guter Aufmacher, danke an Klaus Jarchow, Kommentare so zahlreich und bunt wie das Herbstlaub. Doch mir gleitet die Diskussion zu sehr ins Formale bis hin zu Holz vs. Bit ab. Neue Medien erlauben neue Inhalte ist mein Anliegen, wohl wissend, dass dies ein anderes, größeres Fass ist. Neue Medien erlauben nicht nur, sie brauchen auch neue Inhalte, neben klassischen. Was ich meine? Schwarze Materie, Mobilität anders als die Motorseiten der großen Tageszeitungen oder gar die ADACmotorwelt, panem et circenses: WM, EM, Olympia als Beispiele. Und, neue Inhalte brauchen neue Methoden, jenseits Recherche und Interview. Wunderbare Herausforderungen an die schöpferischen Geister. . . . und die Formate werden dem folgen.

  • Patrick

    09.08.08 (12:11:25)

    Als polemischer Einstieg: "Journalistische Einfallslosigkeit" fasst den Beitrag gut zusammen. Die Beispiele dienen mitnichten als Beleg für erfolgreiche neue Formate, sie zeigen hingegen die Schwächen der Blog-Formate in aller Deutlichkeit. Halbsatirische Bloßstellungen (das Literaturbeispiel) sind im Boulevard ein alter Hut und lange erprobt. Dass Meta-Streitereien unter Bloggern die größte Resonanz erfahren ist auch keine Neuheit und gehört zu den traditionell-selbstreferenziellen Themen der Blogosphäre. Das zeigt zugleich wie wenig Blogs auf dem Medienradar von nicht-Bloggern präsent sind. Es ist in der Tat bisher noch niemandem erfolgreich gelungen neue Darstellungsformen im Web zu etablieren. Welche, bei denen die Leser nicht das Gefühl haben, dass hier jemand einfach palavert und man sich dennoch unterhalten und informiert fühlt. Lösungsansätze hierfür sehe ich hier aber nicht.

  • Klaus Jarchow

    09.08.08 (13:06:17)

    @ Patrick: Man tau - selbst ist der Mann. Und das Netz ist groß. Also her mit den besseren Lösungsansätzen ...

  • McCain Fan

    09.08.08 (15:52:50)

    Ich habe schon seit 20 jahren kein zeitungsabo mehr. Ab und zu kaufte ich mir gedruckte zeitungen am wochenende. seit ca. 5 jahren decke ich die informationsbeduerfnisse, die durch printmedien abgedeckt werden, aus dem internet. dabei stelle ich fest, dass ich weniger und weniger auf internet-praeenzen der klassischen medienhaeuser gehe. betreffend kiss: eigentlich ist das die abkuerzung fuer keep it simple and stupid, nicht short and simple. das akronym kommt aus der software-entwicklung. wird dort leider nicht befolgt. leider wird es allerdings in den 'medien' mehr und mehr befolgt. stupid: - die 'medien' operieren unter dem paradigma, dass der konsument stupid sei. - die meldungen sind oft stupid (irrelevant), so hoehre ich seit wochen laerm um ein vermisstes kind in florida, wo die mama erst nach 31 (!) tagen die polizei kontaktierte wegen vermissten anzeige. ist das wirklich so wichtig? simple: - es wird angenommen, dass woerter mit mehr als zwei silben nicht mehr verstanden werden. - es wird angenommen, dass saetze mit nebensaetzen das semantische vermoegen der leser weit uebersteigt. ich selber klicke oft weg, wenn ein blog, kommentar oder artikel eine gewisse laenge ueberschreitet. meine toleranzgrenze ist bei etwa einer bildschirmseit. der text muss mich wirklich interessieren wenn er laenger ist.

  • ben_

    10.08.08 (10:38:18)

    Danke für den netten Artikel, auch wenn ich der Idee, dass Bloggen was mit Journalismus zu tun hat eigentlich skeptisch bis ablehnend gegenüberstehe. Ein Punkt in dieser Debatte aber, der mir mehr und mehr an Bedeutung zu gewinnen scheint ist das noch lange nicht ausgenutzt Potential des Publizierens im Netz. Denn machen wir uns nichts vor. 95% aller Online Zeitungen sehen aus wie der "Heiße Draht" und im Grunde fehlt allen die gestalterische Größe, die Magazin wie die GEO und Die Zeit seit jeher im Print vormachen. Moderne Content Management Systeme und der allumfassende Monetarisierungsdruck legen kleine Schriftarten, vollgepropfte Seiten und miese Typographie zwar nahe. Zwingend ist das aber deshalb nicht. Ein tolles Gegen-Beispiel ist das Blog Cold-Heat mit oppulent gestalteten Artikeln: http://www.coldheat.de/archiv/2006/08/geekcinema-alien-review.php http://www.coldheat.de/archiv/2008/07/the-machinist.php

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