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10.01.07

Journalistin nach Blogeintrag vor Gericht

Fernsehsendungen, in denen man singend zum Star werden kann, gibt es nach dem englischen Vorbild Pop Idol fast in jedem Land. Was bei RTL Deutschland sucht den Superstar hiess, nennt sich in Österreich Starmania. Moderatorin von Starmania ist Arabella Kiesbauer, die beim Schweizer Pendant Music Star auch schon in der Jury sass.

Arabella Kiesbauer

Frau Kiesbauer musste aufgrund ihrer Moderatorentätigkeit einen (unterdessen gelöschten) Weblogeintrag auf den Seiten von Zeit Online über sich lesen, in dem sie über ihre "grauenhafte Art" aufgeklärt wurde. Die Verfasserin des Beitrags, Journalistin Doris Knecht (blog.zeit.de/oesterreich, dorisknecht.com , in der Schweiz bekannt als ehemalige Mimis-Kolumnistin im Magazin), schrieb angeblich, sie hasse Frau Kiesbauer und halte ihr Gekreisch nicht mehr aus. Ausserdem soll sie sich über Nacktfotos lustig gemacht haben (presse.at).

Doris KnechtFrau Knecht stand nun gestern vor dem Wiener Straflandesgericht wegen übler Nachrede. Ihre Angriffe rechtfertigte sie damit, dass es Arabella Kiesbauer gewohnt sei, mit der Öffentlichkeit umzugehen und die Öffentlichkeit suche. Ausserdem habe ihr Beitrag nicht auf die Person gezielt, sondern auf die Kunstfigur, die sie auf dem Bildschirm repräsentiere.

Der Rechtsanwalt der persönlich nicht erschienenen Moderatorin will nun eine "umfassende Unterlassungserklärung" von Doris Knecht und ist bei Erhalt einer solchen zu einem Vergleich bereit. Wenn das nicht zustande komme, sei eine Verurteilung der Journalistin unumgänglich, so der Anwalt weiter. Die Bereitschaft, einen solchen Vergleich einzugehen und den Prozess so abzubrechen, ist auf der Angeklagten-Seite aber offenbar da. Es sollen innerhalb der nächsten drei Wochen Gespräche dazu stattfinden.

Harte Zeiten also für Blogger, die sich ihre Gefühle ohne lange nachzudenken von der Leber schreiben. Rechtsbrüche, die im Alltag mangels Zeugen oft schwer nachzuweisen sind, können bei Blogeinträgen noch nach Jahren mühelos nachgewiesen werden. Da der Blogeintrag in diesem Fall nicht vorhanden ist, wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt, ob Doris Knecht zu weit gegangen oder ob Arabella Kiesbauer überempfindlich ist.

Dem neuen Blick-Beauftragten für MusicStar-Kritik wünschen wir jedenfalls keine Klagen, wie wir auch sonst niemandem Klagen wünschen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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