<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

28.08.08Leser-Kommentare

Journalistenphrasen - Eine Einführung

Warum können eigentlich Journalisten nicht so reden, dass ihr Publikum sie auch versteht? Mühsam bimsen sie sich in den Redaktionen eine diplomatisch verklausulierte Fremdsprache bei, die der arglose Bürger am Frühstückstisch erst mühsam rückinterpretieren muss. Dabei könnte alles ganz einfach sein, wie es diese kleine Übersetzungshilfe beweist:

Journalistisch: '[XYZ] hat [irgendetwas] scharf kritisiert'.

Alltagssprachlich: '[XYZ] maulte noch ein wenig herum.'

Journalistisch: '[Irgendetwas] sei keine leichte Entscheidung gewesen'

Alltagssprachlich: 'Nächtelang hätten sie sich vorher die Kante gegeben'.

Journalistisch: '[XYZ] werde das Thema ... zum Gegenstand ... machen'.

Alltagsprachlich: '[XYZ] will sich mit dem Thema jetzt selbst profilieren'.

Journalistisch: '[XYZ] strukturiert sein Geschäft um'.

Alltagssprachlich: '[XYZ] schmeißt Leute raus'.

Journalistisch: '[XYZ] muss Antworten auf zahlreiche Fragen finden'.

Alltagsprachlich: '[XYZ] hat bisher nicht den Hauch von einem Plan'.

Journalistisch: 'Ein negatives Fazit hat [XYZ] gezogen'.

Alltagssprachlich: 'Alles ging laut [XYZ] den Bach runter'.

Journalistisch: 'Es wird damit gerechnet ...'

Alltagssprachlich: 'Ich zumindest glaube ...'

Journalistisch: 'In [XYZ] nimmt der Wahlkampf an Schärfe zu ...'

Alltagssprachlich: 'Inzwischen quasseln sich alle um Kopf und Kragen ...'

Journalistisch: 'Neue Preisrunde ... zu erwarten ...'

Alltagssprachlich: 'Der Beschiss geht weiter'.

Journalistisch: 'Eigentlich deutet alles auf [irgendwas] hin'.

Alltagssprachlich: 'Nichts spricht dafür ...'

Journalistisch: 'Der Unternehmensteil ... habe zu wenig Synergien zum Kerngeschäft, sagte [XYZ]'.

Alltagsprachlich: 'Der Gammel kommt auf die Resterampe, sagt [XYZ]'.

Journalistisch: 'Viele Fragen gingen zu diesem Thema ein.'

Alltagssprachlich: 'Wir hatten immerhin zwei Leserbriefe.'

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Dirk Mävers

    28.08.08 (20:46:39)

    Noch ein paar Formulierungen zum o. g. Thema: Journalisten bzw. Politiker: "XYZ sind gut aufgestellt" Umgangssprachlich: XYZ sind völlig konzeptionslos XYZ gehen davon aus,dass... In der nächsten Zeit wird erst einmal nichts passieren bzw. entschieden Wir müssen die Menschen "mitnehmen"... Mangels Überzeugungskraft solcher Worthülsen schaltet man am besten den Fernseher bzw. das Radio aus

  • Moritz

    29.08.08 (12:52:04)

    ... er hat X nicht dementier: Heisst: ich habe es frei erfunden .... immer mehr Deutsche lernen Arabisch ... Ich erzähle grad ein Märchen

  • Andreas Beer

    29.08.08 (13:45:23)

    Einen habe ich auch noch: ....XYZ hat im vergangenen Jahr einen GEWINN von soundsoviel gemacht ....ob das jetzt die Summe ist die vor oder nach Steuern, Zinsen, Abschreibungen etc. übrig bleibt, weiß ich aber nicht.

  • Achim

    29.08.08 (15:24:59)

    Immer wieder gut: "Die Idylle (im Bild) trügt." Bedeutung: "Wir haben es leider nicht geschafft, die grausame und blutige Wirklichkeit einzufangen."

  • Toni

    18.09.08 (08:43:24)

    (Meist) zitierte Euphemismen durch ungehobelte und schiefe Bilder ersetzen - klasse Methode :-/

  • Moxie

    14.03.11 (16:32:06)

    "Wirbel um XY": Politiker XY hat irgendetwas gesagt oder getan, wovon kein Mensch außer anderen Politikern und Journalisten je gehört hat. "krude": den Alltagserfahrungen der Mehrheit entsprechend.

  • Christof Hotz

    15.03.11 (09:06:00)

    Da sind weniger die Journalisten schuld, sie zählen auf und zitieren einfach ohne zu reflektieren - weil nachdenken ginge zu lang und wäre nicht objektiv... - als die sogenannten Kommunikationsprofis, deren Hauptaufgabe darin besteht, verbindliche Aussagen zu vermeiden und schwierige oder katastrophale Realitäten zu vernebeln. Dies entspricht dem Bedürfnis der Politiker und anderer öffentlicher Personen, nicht verantwortlich gemacht zu werden. Natürlich wäre es schön, wenn die Medien, als ernstzunehmende Macht in der Meinungsbildung, hier etwas verantwortlicher und aufklärerischer handeln würden. Aber leider verstehen sich viele nur als Plattform und schmückender Rahmen für die Werbung.

Diesen Beitrag kommentieren:

Die Kommentare können nur zwischen 9 und 16 Uhr
freigeschaltet werden. Wir bitten um Verständnis.

Um Spam zu vermeiden, schreiben Sie bitte die Buchstaben aus diesem Bild in das nebenstehende Formularfeld:

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer