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03.02.10Leser-Kommentare

Journalismus 2.0: Ist ein Umdenken bei Kommentaren notwendig?

Nachrichtensites und gut besuchte Blogs kennen das: Aus einer sachlichen Kommentardiskussion wird ein Schlachtfeld. Bringt dies den Journalismus 2.0 wirklich weiter?

Schlachtfeld KommentareAusufernde Kommentardebatten streitsüchtiger Leser haben das beliebte AOL-Technikblog Engadget gestern dazu veranlasst, die Kommentarfunktion für einige Tage zu deaktivieren. Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass ich so einen Schritt nicht nachvollziehen kann. Jeder, der über einen längeren Zeitraum hinweg ein Blog betreibt, wird schon einmal miterlebt haben, wie eine Diskussion aus dem Ruder gerät. Je häufiger dies geschieht, desto weniger Spaß macht es, sich mit den Kommentaren auseinanderzusetzen.

Nun ist es natürlich so, dass man als Autor zu einem großen Teil selbst in der Hand hat, wie sich der Austausch von und mit Lesern in den Kommentaren entwickelt. Vertrete ich eine provokante These, muss ich mich darauf einstellen, dass schnell die Fetzen fliegen. Ist mein Artikel fehlerhaft oder meine Argumentation schwach, darf ich mich nicht wundern, wenn es Kritik hagelt. Zudem beeinflusst auch meine eigene Art des Kommentierens die Debatte. Beleidige ich Kommentatoren oder reagiere verärgert, so gieße ich Öl ins Feuer. Gehe ich auf jede einzelne Äußerung ein, entwickeln sich womöglich weitere Konfliktherde, und die Diskussion nimmt kein Ende.

Trotzdem lässt sich nicht jede Kommentarschlacht steuern. Die Anonymität des Netzes macht es zu einfach, einen kurzen, womöglich wenig durchdachten Kommentar zu verfassen, oder gerade vorhandene Aggressionen durch einen entsprechend gepfefferten Eintrag unter einem Artikel zu ventilieren. Das Resultat ist beispielsweise täglich unter den Beiträgen von Welt Online zu begutachten.

Anschuldigungen, Beleidigungen und wilde Vermutungen sowie Verschwörungstheorien wechseln sich ab. Und beschädigen dabei meiner Ansicht nach die gesamte Zeitungsmarke (unabhängig davon, ob man nun Welt-Leser ist oder nicht). Es ist kein Zufall, dass Deutschlands erfolgreichstes seriöses Nachrichtenportal Spiegel Online nicht direkt unter den Artikeln zum anonymen Mitdiskutieren aufruft.

Lange Zeit galt es als modern und zweinullig, zu allem und jedem Kommentarfunktionen anzubieten. Mittlerweile jedoch müssen sich Nachrichtenangebote und Blogs zumindest die Frage stellen, welchen Mehrwert ihnen ausfällige und beleidigende Kommentare eigentlich bringen, und ob diese ihrem Ansehen sowie der Motivation ihrer Autoren nicht eher schaden als nützen.

Welche Lösung gäbe es? Eine Rückkehr zu einem Monolog sicherlich nicht. Bei netzwertig.com bereichern die Kommentardiskussionen häufig die von uns veröffentlichten Artikel, bringen neue Sichtweisen ans Tageslicht und helfen uns Autoren, womöglich vorhandene Denkfehler zu erkennen. Zudem äußern sich meinungsstarke Leser ohnehin bei Twitter oder in ihren eigenen Blogs. Dort tun sie dies jedoch nicht mehr vollständig anonym, sondern - wenn nicht mit ihrer echten Persönlichkeit - zumindest mit ihrer Web-Persönlichkeit. Und das erhöht die Qualität der Äußerungen deutlich.

Für Inhaltenanbieter, die das Niveau der Diskussionen in ihren Kommentaren erhöhen möchte, sehe ich die Lösung in einem Zwang zum Authentifizieren durch einen der gängigen "Identitätsanbieter". Statt das anonyme Kommentieren zu erlauben, ist zuvor der Login via Facebook, Twitter, Google oder OpenID notwendig. Über diese Dienste lässt sich zwar auch anonym ein Konto anlegen, aber der damit verbundene Aufwand dürfte die meisten "Trolle" von vorn herein abhalten.

Jede Hürde, die Nutzern vor einer Aktion in den Weg gelegt wird, verringert die Wahrscheinlichkeit ihrer Aktivität. Wenn sich jedoch durch eine geringere Quantität die Qualität der Kommentare erhöhen lässt, dann könnte dies ein lohnenswertes Opfer sein. Und um das Notwendige mit dem Nützlichen zu verbinden, ließe sich so zudem ein viraler Rückkanal aufbauen, der den User nach dem Kommentieren auf Wunsch einen Tweet oder eine entsprechende Meldung bei Facebook senden lässt.

Es gibt Menschen, die meinen, völlig uneingeschränktes Kommentieren sei ein Grundpfeiler des Journalismus der Zukunft. Ich bin der Ansicht, dass eine gewisse Qualitätskontrolle notwendig ist, um aus den Kommentaren das zu machen, was sie eigentlich sein sollen: Eine konstruktive und sinnvolle, auf einem Dialog basierende Erweiterung des Artikels.

(Foto: stock.xchng)

Kommentare

  • Kreuzfahrtinspektor

    03.02.10 (10:23:43)

    Da bei Welt.de die Bandbreite (der Inhalte) viel höher ist, politische Themen angesprochen werden, und auch die Nutzerzahl sehr hoch ist begünstigt das eher ausufernde Kommentare. Auch sind keine Mindestlängen (vielleicht eine Idee?) notwendig, und wenn etwas erst einmal ausgeufert ist, lässt sich schwer wieder zurückrudern. Bei Netzwertig ist es so das man aufgrund der qualitativ guten Artikel (die auch lange ausgeführt werden) und passenden Absätzen – worin oft schon viele Denkanstöße gegeben werden, und die Dinge von vielen Seiten beleuchtet werden – als Leser schon einer ganz anderen Qualität gegenüber steht. Man würde sich "garnicht trauen" sich gegenseitig anzugreifen oder Einzeiler zu schreiben. Wenn man weiß wie es woanders läuft fällt es leicht/geschieht es eher das man sich dem – der Qualität, den Inhalten, der Diskussionsqualität – anspasst. Diese Log-In Sachen mag ich garnicht, aber sicherlich könnte man sich auch daran gewöhnen. Ein Allheilmittel gibt es glaube ich nicht, genau wie die Artikel an sich, muss und kann man vielleicht erst über die Zeit, Qualität (einiger oft kommentierender), den Kontakt zum Leser und natürlich die Moderatorenobhut ein vernünftiges Kommentieren etablieren. Was vorgelebt wird, wird vom Leser auch so angenommen und er passt sich dementsprechend an.

  • Flo

    03.02.10 (12:04:41)

    Für Inhaltenanbieter, die das Niveau der Diskussionen in ihren Kommentaren erhöhen möchte, sehe ich die Lösung in einem Zwang zum Authentifizieren durch einen der gängigen “Identitätsanbieter”. So eine Einstellung deckt sich mit den Vorstellungen der Musikindustrie, der Verlage und der Politik, das Internet nach ihren Wünschen zu gestalten. Dabei geht es immer um Kontrolle. Die eigenen Inhalte kontrollieren, die Meinungsbildung kontrollieren, die Qualität kontrollieren. Dabei kommt es natürlich immer zu einem Tradeoff zu Lasten der Freiheit. Klar öffnet mehr Freiheit auch Tür und Tor für widrige Gestalten, jedoch ist mehr Kontrolle und nichts anders ist eine Zwangsanmeldung, summa summarum ein Nullsummenspiel. Anders gesagt der Versuch, mit Pest die Cholera auszutreiben. Man müsste sich jede Äußerung zweimal überlegen, denn das Internet vergisst nichts. Nehmen wir doch nur mal die momentan kontroverse Debatte um die Steuersünder CD. Eine provokant geäußerte Meinung könnte einem noch Jahre danach verfolgen, dem zukünftigen Arbeitgeber missfallen oder dem Schwieger sauer aufstoßen. Heute ist es nämlich Usus, eine Person vor einem Treffen erstmals zu Googlen und der wichtige erste Eindruck könnte bereits durch unbedachte Äußerungen (Jugendsünden...) bereits im Vorfeld ruiniert sein. Zwangsregistrierung hat wie jede andere Entscheidung positive und negative Auswirkungen. Man sollte sich dabei immer auch die negativen Auswirkungen vor Augen führen und abwägen, ob sie es wert sind. In meinen Augen eindeutig nicht. Vielleicht sollte man sich mal anschauen, wie die Huffington Post das Problem löst bzw. mindert. Dort gibt es im Schnitt zehnmal soviele Kommentare wie bei Engadget und der Welt. Bsp. http://www.huffingtonpost.com/2010/01/31/roger-ailes-on-this-week_n_443555.html FAQ Comments and Moderation: http://www.huffingtonpost.com/p/faq-comments.html Bei Engadget muss jeder für sich entscheiden, ob es die Kommentare wert sind, gelesen zu werden, wenn man schon im Vorfeld weiß, das sich die Fanboys gegenseitig das Fell über die Ohren ziehen und gar keine sinnvolle Diskussion entstehen kann. Da hilft wohl nur eine "kalte Dusche" in Form von Kommentarfunktion für ein paar Tage abschalten. Als Autor sollte man sich ab dem ersten Post im klaren sein, welche Personen man mit dem Artikel anspricht und User bzw. Kommentare, die der Netiquette widersprechen, auf ihr Fehlverhalten hinweisen und bei wiederholten Missbrauch rabiat löschen.

  • Ulrike Langer

    03.02.10 (12:10:53)

    Generell glaube ich, dass jede Website die Kommentatoren bekommt, die sie verdient. Das intellektuelle Niveau der Ausgangstexte und der Plattform insgesamt legen natürlich den Korridor fest, auf dem sich die Bandbreite der meisten Kommentare einpendelt. Aber das alleine erklärt nicht, warum z.B. das Niveau der Kommentare bei "Zeit Online" ungleich viel höher ist als z.B. bei "Welt Online". Wenn Kommentatoren auf Augenhöhe mitdiskutieren können, die Kommentare attraktiv platziert werden und die Autoren/Redakteure auch gelegentlich mal mitdiskutieren, ist schon eine Menge gewonnen. Stopft man dagegen die Kommentare in ein ablegenes Ghetto, wo sich von der Redaktion höchstens mal jemand blicken lässt, um einen Kommentar zu löschen, wenn's anfängt justiziabel zu werden, dann darf man sich nicht wundern, wenn die Trolle das Ghetto übernehmen. Mehr dazu habe ich hier mal aufgeschrieben: http://medialdigital.de/2009/10/21/5-fehler-von-printmedien-beim-umgang-mit-online-kommentaren/

  • Matthias

    03.02.10 (12:29:58)

    Die Anonymität ist (wie so oft) der falsche Prügelknabe. Ob anonym kommentert werden kann oder nicht, ist höchstens ein Faktor von vielen. Es gibt unzählige negative Beispiele von Flamewars und Trollereien unter Klarnamen, und ebensoviele positive Beispiele von hochstehenden Diskussionen unter anonymen Teilnehmern. Authentifizierung durch "Identitätsanbieter" ist Illusion: Diese Sites verifizieren die Identität gar nicht. Technische Massnahmen zur sozialen Kontrolle (denn darum geht es letztlich) können zwar ergänzend, aber niemals als Ersatz für soziale Massnahmen dienen. Also aktive Beteiligung der Redaktion und gezielte Ansprache unerwünschten Verhaltens statt irgenwelcher technischer Wundertricks.

  • LexX Noel

    03.02.10 (12:59:22)

    Einen einfachen Log-In bezogen nur hier auf diese Seite in form einer vorherigen Registrierung als Benutzer hier im Blog, daran könnte ich mich wohl gewöhnen. Allerdings eine Registrierung beim Gesichtsbuch und Google und dergleichen, das würde ich nicht akzeptieren!

  • Urbster

    03.02.10 (13:02:06)

    Am besten gleich so wie die GEZ in ihrem neuen Forum, einfach nur Montags bis Freitags von 8:00 bis 20:00 Uhr die Kommentare aufmachen.

  • Martin Weigert

    03.02.10 (13:16:25)

    @ Ulrike Langer Ja, jede Website bekommt gewissermaßen die Kommentatoren, die sie verdient. Doch glaube ich, gibt es auch einen gewissen Kommentartyp, den jede Site bekommt, egal ob verdient oder nicht. @ Flo Huffington Post macht es ja im Prinzip wie von mir vorgeschlagen. Wobei dort jeder Kommentar vor VÖ sogar noch freigeschaltet werden muss. Was ich persönlich z.B. ungeeignet finde. @ Matthias Ich habe "Identitätsanbieter" auch in Anführungsstrichen gesetzt, weil sie natürlich genauso anonym genutzt werden können. Wie auch im Artikel vermerkt. Nur es ist ein zusätzlicher Schritt für Trolle und Kommentarspammer. Zudem lässt sich ein negativ auffallender Kommentator dann auch dauerhaft blockieren - was bisher nur schwer realisierbar ist. Dass eine gute Moderation Pflicht ist, steht natürlich außer Frage. Doch auch eine Moderation stößt an ihre Grenzen. @ LexX Noel Ja man müsste eben eine breite Auswahl an Login-Wegen anbieten, so dass sich jeder seinen bevorzugten aussuchen kann.

  • Jochen

    03.02.10 (13:29:29)

    Wie lange wird es eigentlich noch dauern, bis der Mythos vom anonymen Internet aus den Köpfen raus ist?

  • Martin Weigert

    03.02.10 (13:35:18)

    Jochen, für einen herkömmlichen Inhalteanbieter sind Kommentatoren erst einmal anonym. Selbst wenn es anhand IP-Adresse oder Browser-History-Exploit Möglichkeiten gibt, User eventuell zu identifizieren. Mir fällt kein besserer Begriff für das ein, was ich im Artikel mit anonym meine. Dir?

  • Helge

    03.02.10 (13:46:30)

    Das Authentifizieren über Facebook Connect & Co. kann m.E. nur ein Bestandteil einer umfassenderen Strategie sein. Hab mir hier Gedanken gemacht, wie diese aussehen könnte: http://www.helge.at/2010/01/rezept-gegen-abfaellige-kommentare-in-online-zeitungen/

  • Jochen

    03.02.10 (14:11:09)

    Nee, ehrlich gesagt auch nicht. Ich reagiere nur inzwischen sehr allergisch bei "anonym" im Zusammenhang mit Internet. Wenn "anonym" so gemeint ist, dann ist das natürlich ein anderer Blickpunkt. Das meint dann aber die nichtmittelbare Form der Kommunikation. Das ist aber kein grundsätzliches Internetproblem, sondern ein menschliches, das auch beim erbosten anonymen Leserbrief an die Lokalzeitung vorkommt.

  • Oliver Springer

    03.02.10 (14:43:00)

    Hier im Blog kommentiere ich bewusst unter meiner echten Identität. Einen Zwang daraus zu machen, wäre eine ganz schlechte Entwicklung. Mit dem, was ich hier immer wieder schreibe, kann ich meinem Ruf zwar durchaus Schaden zufügen, aber am Ende der Abwägung entscheide ich mich für hier dafür, meine Kommentare mit meiner Identität zu verbinden. Manches bleibt dabei allerdings ungesagt. Oder wird ausgewogener formuliert, als ich es "fühle". Die Möglichkeit, sich anonym zu äußern, führt zu einer wesentlich freien Diskussion. Bei manchen Themen ist das wichtiger als bei anderen. Der Ansicht, jede Website bekäme die Kommentatoren, die sie verdient, widerspreche ich aufs Schärfste. Die Verantwortung liegt bei jedem einzelnen, der einen Kommentar schreibt. Ich bin zwar der Ansicht, dass ein Betreiber bei Beleidigungen etc. ohne viel Nachsicht einschreiten sollte, aber die Verantwortung bleibt immer beim Verfasser einer Äußerung. Ohne zu pessimistisch klingen zu wollen: So sind die Menschen, im Internet nehmen sie ihre Masken halt gerne mal ab und verhalten sich authentisch. @Martin: Wie kommt Ihr gerade jetzt auf das Thema? Mir ist aufgefallen, dass in letzter Zeit manche Kommentare hier im Blog ruppiger als sonst waren. Hat das was damit zu tun?

  • Kernmann

    03.02.10 (14:54:44)

    Ich finde, dass Trolle kommentieren sollten auf Plattformen, welche eher Urknalltheorien an das handlangerische Gemeinprinzip formen. Kaum ändert sich das Anonyme zur Synthese des geistigen Bioradikalismus, so ist auch der geradlinige Gedanke ein eben solcher. Biofeminismus und Aggressivismus hat an Hand einer solchen Modularkommentation nichts im Abergläubischen Kosmos der Kommentare zu suchen. So weit so fern!

  • MacMacken

    03.02.10 (14:56:37)

    Ich kenne die Problematik aus meinem eigenen Weblog. Gar trollige Kommentare lösche ich, im Wiederholungsfall blockiere ich Benutzer konsequent. Ersteres möchte ich in Zukunft konsequenter halten, das Blockieren selbst funktioniert schon sehr gut. In Zukunft möchte ich zusätzlich mit positiven Anreizen arbeiten, sprich besonders wertvolle Kommentare sollen hervorgehoben werden. Von registrierten Benutzern möchte ich absehen – selbst Benutzer zu verwalten ist zu aufwendig, von der Verwendung von Facebook und Co. schrecke ich bislang noch zurück. Sollte ich Letzteres einführen, wäre es wohl freiwillig. Ich moderiere gerne einige Kommentare, wenn ich dafür ein paar wertvolle gewinne, die ich mit Benutzerregistrierung nicht erhalten hätte.

  • Ulrike Langer

    03.02.10 (15:03:34)

    @Oliver Springer "Der Ansicht, jede Website bekäme die Kommentatoren, die sie verdient, widerspreche ich aufs Schärfste. Die Verantwortung liegt bei jedem einzelnen, der einen Kommentar schreibt." Soviel Nachdruck ist gar nicht nötig, denn ich teile Deine Meinung. Natürlich ist jeder Kommentator für seine eigenen Äußerungen verantwortlich. Dennoch können Webseitenbetreiber eine Menge dafür tun, ein Kommentarklima zu schaffen, das Kommentatoren, die sich unverantwortlich verhalten (die gibt's ja nun mal), in Schach hält. In gut gepflegten Diskussionsforen und Kommentarspalten fühlen sich Trolle gehemmt, weil nicht nur der Admin, sondern auch die anderen Kommentatoren dafür sorgen, dass "ihre" Seite sauber bleibt. Das mögen Trolle nicht. Sie weichen dann dorthin aus, wo sie ungestört oder unter Beifall rumpöbeln dürfen.

  • ben_

    03.02.10 (15:19:53)

    Hm. Also ich betreibe ja mein Blog seit 2001 und die einzigen Phasen in denen die Kommentare unerträglich waren, waren jene Zeiten in denen lauter "Fremde" über Google oder A-Blogger hereingespült wurden. Seit ich Google über die robots.txt und die Webmaster ausgesperrt habe herrscht praktisch Friede. Soviel zu mir, aber ich bin ja kein Modell für jeden. Die spannende Frage ist ja, welche Funktion hat eigentlich die Kommentarfunktion? Gerade im Online Journalismus hat das ja kaum bis gar nichts mit einer "konstruktive und sinnvolle, auf einem Dialog basierende Erweiterung des Artikels" zu tun. Da ist es ja v.a. die Möglichkeit der Leser, ihre Meinung zu einem Artikel zu hinterlassen. Wer einen sachlichen Diskurs erwartet, der etwas Neues zum Artikel beiträgt, verkennt da meiner bescheidenen Meinung nach etwas die Realitäten, sowohl bei den Lesern als auch bei sich selber. Denn die reine Sachlichkeit des (Online) Journalismus ist ein Ideal, das gerne hochgehalten, aber kaum gelebt wird. Gerade Blogs zeichnen sich ja durch eine viel stärker subjektive Perspektive aus. Da darf man sich nicht wundern, wenn die Leser das auch so sehen. Und auch hier ist das Ausdemfensterlehnen ja gerngeübte Sportart. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich kann auch jeden verstehen, der keine Lust hat, sich mit jedem Plebs in seinem eigenen Blog auseinanderzusetzen. Aber dann muss man das halt auch so sagen.

  • medlock

    03.02.10 (15:44:16)

    "Eine Zensur findet nicht statt." Mittlerweile zensieren aber Onlineausgaben von Zeitungen so wie es ihnen gerade passt. Die Artikel darf man meist nicht in Frage stellen, wenn damit Stimmung gemacht werden soll. Politisch unkorrekte Artikel fliegen sowieso raus. Eigentlich könnte man dann gleich die Kommentarfunktion weglassen, weil eine unzensierte Diskussion nicht möglich ist.

  • Community Management Blog

    03.02.10 (15:48:06)

    Die Ausführungen zum Thema Zugangshürden kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. In Online-Communitys ebenso wie in redaktionellen Bereichen wie Blogs und Co. wirkt sich eine Zugangshürde signifikant positiv auf die Qualität der Beiträge und Kommentare aus. Sicherlich gibt es auch einen Einfluss auf die Quantität, letztlich nehmen aber die wirklich Interessierten erstaunlicherweise auch sehr hohe Hürden in Kauf. Vor allem, wenn klar kommuniziert und ersichtlich wird, dass sich dies positiv auf die Qualität der Beiträge auswirkt. Im Dezember letzten Jahres habe ich im Community Management Blog einen Beitrag zum Thema Zugangshürden und Trolle geschrieben: http://www.community-management.de/2009/12/trolle-in-online-communitys-und-im-realen-leben/

  • Florian Steglich

    03.02.10 (15:52:14)

    Vermutlich trifft es pseudonym besser.

  • Benjamin Klocke

    03.02.10 (16:52:21)

    An dieser Stelle, ich stimme mit Oliver vollkommen überein (mal von dem @Martin abgesehen, da ich den Teil der davor kam nicht gelesen habe).

  • Klardeutsch

    03.02.10 (18:15:39)

    Ja, nur dass bei den Lokalzeitungen die anonymen Leserbriefe mit den Beschimpfungen nicht abgedruckt werden. Neulich stand auf Welt-Online ein Kommentar, der faktisch dazu aufforderte, Migranten und Politiker zu erschießen. Sowas würden sie in ihrer Zeitung sicherlich nicht abdrucken.

  • Mathias

    03.02.10 (19:43:12)

    @medlock So wie ich das verstehe ist mit dieser GG- bzw. Verfassungspassage gemeint, dass der Staat nicht zensiert. Es steht doch aber jedem Medium frei, Kommentare zu löschen oder, bei vorgängiger Prüfung, gar nicht erst zuzulassen. Da von Zensur zu sprechen ist aus meiner Sicht überzogen und trifft den Kern des Zensurbegriffs nicht. Ansonsten unterscheide ich hier für mich persönlich zwischen Websites, wo ein Dialog auch wirklich möglich ist und sich der Autor oder die Autorin auch mal beteiligt, und Websites wo die Kommentarfunktion mehr Beigemüse ist, um sich einen etwas zweinulligeren Anstrich zu geben. Ersteres passiert eher in Blogs, zweiteres ist das Traditionelle-Medien-im-Netz-Modell. Ausser beim Newsnetz, das die Kommentare ab und zu für einen Stimmungsaufwasch benützt, verpuffen Diskussionen auf vielen Websites von Medienhäusern einfach im Leeren und die meisten Versuche, so etwas wie eine Diskussion in diesen Kommentarspalten zu starten, sind zum Scheitern verurteilt (umso mehr, wenn die Kommentare auch noch umgekehrt chronologisch sortiert und auf hunderte Seiten verteilt sind). Dieses Schicksal blüht aber eben auch Blogs, so sie denn gross genug sind und genügend Leute anziehen. Womit natürlich dann auch die Wahrscheinlichkeit für das Aufschlagen von Trollen erhöht. Als Seitenbetreiber muss man dann abwägen, wie viel Mehrwert die Kommentarspalte der Seite selbst und den Besuchern bringt. BILDblog hat sich ja beispielsweise schon recht früh gegen Kommentare entschieden (auch weil da wohl viel Justiziables zusammenkommt). Damit läuft man natürlich das Risiko, nicht mehr als offenes 2.0-Medium gesehen zu werden, aber die rationale Abwägung der Vor- und Nachteile sollte das eigentlich nicht behindern.

  • Robin

    03.02.10 (20:19:14)

    Was für ein Zufall! Ich habe mir heute auch Gedanken über das Thema Foren und Kommentarbereiche gemacht und ob man von vorn herein solche Bereiche "schwerer" zugänglich machen soll. Ich kann von mir sagen, das ich auf einen Kommentar verzichte, wenn ich mich dafür registrieren muss, weil ich sehr geizig mit meinen Daten bin. Ich gestehe dem Blog- oder Forenbetreiber dafür aber gerne zu, das er oder sie zensierend eingreift, wenn es ausartet. Flamewarriors und Trolle verstehen das oftmals nicht, aber ich glaube das wollen sie auch nicht. Sie wollen Stunk machen. Wird jemand beleidigend oder sonst wie negativ auffällig, dann muss ihm oder ihr Einhalt geboten werden. Das hat, für meine Begriffe, dann nichts mit Eingriff in die Meinungsfreiheit zu tun. Wenn jemand in meinen vier Wänden ausfallend wird, schmeiss ich ihn raus, ist doch klar. Eigentlich ist es schlimm das wir über Beschränkungen beim Umgang miteinander nachdenken müssen. Man soll nicht meinen, das wir die Krone der Schöpfung sind.

  • Martin Weigert

    03.02.10 (20:32:21)

    Schöne Diskussion und Perspektiven bisher. Es geht also auch noch ohne Login-Hürde ;) Die meisten von euch betreiben ja selbst Blogs. Ihr kennt die Situation also. Aber findet ihr es nicht auf Dauer demotivierend, wenn ihr einen zu großen Anteil eurer Zeit für das Ausmisten, Rauswerfen und Zurechtweisen fragwürdiger Kommentare aufwenden müsst? Als Blogger/Journalist muss man da unbedingt eine Art emotionale Schutzwand errichten. Das ist schon eine kleine Herausforderung, finde ich. Zum Leserbrief: Wie bereits von Klardeutsch angemerkt, so werden die ausfallenden Leserbriefe eben nicht abgedruckt. Aber fast noch wichtiger ist, dass die Hürde, einen Leserbrief zu schreiben, erheblich größer ist, als mal kurz in 10 Sekunden einen beleidigenden Kommentar abzuschicken. Was nicht heißt, dass ich mir das Leserbrief-Zeitalter zurückwünsche. Nur damit das klar ist ;) @ Oliver Inspiriert wurde ich von der Engadget-Geschichte. Aber klar, auch bei uns geht es ab und an rund, und sowas bleibt natürlich im Hinterkopf.

  • MacMacken

    03.02.10 (21:44:35)

    Aber findet ihr es nicht auf Dauer demotivierend, wenn ihr einen zu großen Anteil eurer Zeit für das Ausmisten, Rauswerfen und Zurechtweisen fragwürdiger Kommentare aufwenden müsst? Nein, weil es bei mir nicht der Fall ist … ich lese alle Kommentare, aber eingreifen muss ich fast nie. Muss ich eingreifen, sind es meistens Benutzer, die eine URL verwenden, die ich als Werbung betrachten muss und die ich entsprechend lösche – die URL, nicht den Kommentar, sofern dieser halbwegs Sinn ergibt. Meine WordPress-Blacklist für Kommentare hat momentan zwei Einträge – fertig! :)

  • rp

    03.02.10 (23:24:27)

    Ich kann mich an die Anfangstage von Welt Online erinnern, als das Portal noch kein Kampfplatz für Fanatiker und Trolle jeder Art war. Da argumentierten zufällig zusammengewürfelte Gruppen aufopfernd gegen einzelne Wirrköpfe an, die - durch die erteilte Aufmerksamkeit wohl geschmeichelt - dann immer abstrusere Meinungen auftischten. Heute ist niemand mehr zuzumuten, sich dort ähnlich zu engagieren. Auch den Autoren der Artikel nicht. Man kann solche Schlachtfelder eigentlich nur noch schließen, denn kaum ein Mensch mit Selbstachtung und dem Willen, wirklich zu diskutieren (anstatt anlässlich von Reizworten loszuballern), wird sich dort noch als "Pionier" ziviler Umgangsformen versuchen.

  • Roland C. Müller

    04.02.10 (08:38:52)

    Ich denke, wie Ulrike Langer, dass es das Wichtigste ist, eben ein bestimmtes Diskussionsklima in einem Blog/Zeitung/etc. zu etablieren. Dies ist nicht einfach und hängt zudem von unterschiedlichen Faktoren ab: Welche Zielgruppe habe ich, welche Themen spreche ich an, wie greife ich in die Diskussion ein ...? Vielen Dank jedenfalls für diesen Post und für die konstruktive Diskussion über ein wirklich schwieriges Thema.

  • Jochen

    04.02.10 (10:48:45)

    @Klardeutsch Ich hoffe doch mal, dass Welt-Online den Kommentar gelöscht hat.

  • _Flin_

    04.02.10 (10:51:51)

    Anonymität ist wichtig und richtig. Ich persönlich habe kein Interesse daran, dass man durch einfaches googeln einen jeden Kommentar, den ich zum Zeitgeschehen, der Kultur oder der Politik mache, auch nachverfolgen kann. Insbesondere, weil ich teilweise einen aggressiven Stil pflege, extreme Meinungen in Bezug auf Meinungsfreiheit und Religion habe und vertrete, oder auch gerne mal polemisch Dinge auf eine Art kommentieren möchte, die so z.B. in der Firma oder bei den Schwiegereltern völlig daneben wäre. Auch muss nicht jeder meine Meinungen kennen oder nachvollziehen können, wenn ich sie diesem nicht explizit mitteilen will. So bin ich eine Pseudo-Anonyme Stimme in der Masse, und meine Gedanken werden eventuell gehört. Wie ein Verrückter auf einer Bananenkiste in der Fussgängerzone. Und einer Maske auf.

  • Ulrike Langer

    04.02.10 (11:19:44)

    @ _Flin_ "...oder auch gerne mal polemisch Dinge auf eine Art kommentieren möchte, die so z.B. in der Firma oder bei den Schwiegereltern völlig daneben wäre." Und wieso sollte es dann auf einer Website okay sein? Nur weil Du Deinem Gegenüber beim Polemisieren nicht in die Augen zu schauen brauchst? "Auch muss nicht jeder meine Meinungen kennen oder nachvollziehen können, wenn ich sie diesem nicht explizit mitteilen will." Dann wäre es doch das einfachste, gar nichts zu sagen.

  • dot tilde dot

    04.02.10 (11:20:13)

    ich finde ja beeindruckend, wie das bei boingboing läuft. "speech is free, but boingboing is moderated". das steht dort über jedem kommentarformular, und noch eine handvoll sätze mehr. wer's genauer wissen will, wird auf die moderation policy verwiesen. die ist auch ziemlich offensiv formuliert. am ende klappt's dort ganz gut, auch wenn die politisch-gesellschaftlichen inhalte nicht in der überzahl sind. trotzdem ist das sicher sehr viel arbeit. auf anonyme wortmeldungen wird nicht verzichtet, das finde ich gut. .~.

  • Florian Steglich

    04.02.10 (11:43:05)

    Wir haben hier bei Blogwerk ja ebenfalls Kommentarregeln, die über dem Kommentarfeld verlinkt sind: »1. Wir sind sehr an einer offenen Diskussion in den Kommentaren interessiert, die auch gerne emotional und kritisch sein darf. Davon lebt unser Medium. Es gibt dennoch Grenzen, und die sehen wir nicht zwingend erst dann überschritten, wenn Kommentare justiziabel werden. Wir behalten uns darum vor, im Sinne einer guten Diskussionskultur Pöbeleien zu editieren oder zu löschen.« Das funktioniert noch immer sehr gut. Gerade, wenn man es mit Welt Online oder den Heiseforen vergleicht, haben wir hier nur verschwindend geringe Probleme. Ich erinnere mich an einen einzigen Fall (bei medienlese.com), in dem wir tatsächlich einen Abend lang mit dem Finger auf dem Löschbutton einen Haufen aggressiver Kommentatoren abwehren mussten. In allen anderen Fällen genügte die freundlich-bestimmte Bitte, Haltung zu bewahren. Was ich bei Boing Boing nicht schlecht gelöst finde: Man kann sowohl eingeloggt als auch frei kommentieren, nur die Kommentare eingeloggter User werden aber automatisch freigeschaltet. Das, ergänzt um Identifizierungsformen wie Facebook Connect, Twitterlogin, Disqus u.ä., könnte ein guter Weg sein, um sowohl die Hürden klein als auch die Qualität hoch zu halten.

  • Martin Weigert

    04.02.10 (12:30:27)

    Man kann sowohl eingeloggt als auch frei kommentieren, nur die Kommentare eingeloggter User werden aber automatisch freigeschaltet. Das, ergänzt um Identifizierungsformen wie Facebook Connect, Twitterlogin, Disqus u.ä., könnte ein guter Weg sein, um sowohl die Hürden klein als auch die Qualität hoch zu halten. Ja das klingt gut. Das einzige Problem ist, dass die freizuschaltenden Kommentare dann womöglich deplatziert wirken, weil sich die Diskussion zwischen dem Kommentieren und der Freischaltung bereits weiterentwickelt hat.

  • Martin Weigert

    04.02.10 (12:33:44)

    weil ich teilweise einen aggressiven Stil pflege, extreme Meinungen in Bezug auf Meinungsfreiheit und Religion habe und vertrete, oder auch gerne mal polemisch Dinge auf eine Art kommentieren möchte, die so z.B. in der Firma oder bei den Schwiegereltern völlig daneben wäre. Und genau DAS sind manchmal die Kommentare, die eine konstruktive Diskussions ins Chaos führen können. Warum kannst du nicht so kommentieren, wie du es gegenüber deinen Kollegen oder Schwiegereltern machen würdest? Verstellst du dich da? Oder willst du dich in Kommentaren verstellen, sprich den aggressiven, polemischen Stil ausleben?

  • Stephan

    04.02.10 (12:51:32)

    Wie oft gibt es Artikel ohne Autorenvermerk oder einen nicht näher erläuterten Pseudonymkürzel bei SpOn oder Faz.net? Also das Problem gibts auf beiden Seiten.

  • Jack

    04.02.10 (14:35:22)

    Bei Disqus gibt es auch die Möglichkeit einen Kommentar zu melden und ab einer bestimmten Anzahl automatisch in den Moderationsereich zu verschieben. Da die Meldungen pro Benutzer und Kommentar nur einmal abgesetzt werden können, ist zudem gewährleistet, dass sich Trolle keinen Spaß draus machen alles und jeden zu melden. Generell gefällt mir Disqus sehr gut, jedoch gibt man eine Kopie seiner Kommentare aus der Hand. Gruß Jack

  • MacMacken

    04.02.10 (17:15:50)

    @Martin Weigert: Und genau DAS sind manchmal die Kommentare, die eine konstruktive Diskussions ins Chaos führen können. Warum kannst du nicht so kommentieren, wie du es gegenüber deinen Kollegen oder Schwiegereltern machen würdest? Verstellst du dich da? Oder willst du dich in Kommentaren verstellen, sprich den aggressiven, polemischen Stil ausleben? Was ich mit meinen Kollegen oder Schwiegereltern allenfalls kontrovers diskutiere, bleibt nicht für alle Ewigkeiten durchsuchbar und ohne Kontext im Internet gespeichert. Im Persönlichkeitsrecht gibt es nicht umsonst seit langer Zeit ein Recht auf Vergessen – online lässt sich dieses leider nicht mehr durchsetzen, entsprechend muss man sich präventiv schützen, sprich man verzichtet auf Diskussionen oder kommentiert ohne auf Anhieb identifizierbar zu sein.

  • tinius

    04.02.10 (18:02:02)

    Es gibt die Möglichkeit der Kommentar - Moderation. Und die würde ich nutzen, wenn sich andeutet, daß die Grenzen überschritten werden. Ich gebe zu, daß geht in kleinen Blogs / auf kleinen Seiten besser, aber die Arbeit muß man sich machen, will man Meinungsäußerungen nicht generell unterbinden. Bei ganz kontroversen Beiträgen könnte man - so es die Software zuläßt - auch gezielt das Kommentieren verhindern. Das ist Zensur. Ja, und die ist ab und an unvermeidlich. Allerdings halten sich meine schlechten Erfahrungen mit Kommentar - Trollen in Grenzen....

  • Das Wort

    04.02.10 (19:06:37)

    Ich denke das es ganz alleine an der Moderation selbst eines Blogs liegt ob es je zu solchen Ausuferungen kommen kann oder nicht. Und hier empfehle ich jeden Blog es so zu handhaben das es nicht zu solchen Ausuferungen kommen kann - das heisst, das jeder Unsinn, Beleidigungen und Provokationen in keiner Form stattgegeben werden soll. Einfach nicht freischalten und schon hat man alles im Griff.

  • segestes

    04.02.10 (21:41:47)

    "Je häufiger dies geschieht, desto weniger Spaß macht es, sich mit den Kommentaren auseinanderzusetzen." Dann, mit Verlaub, sollte man sich nicht mit seinen Ansichten in die Öffentlichkeit begeben. Schon gar nicht über einen Blog. Wer mit den teils primitiven Meinungsäußerungen im Internet grundsätzlich ein Problem hat, der hat das Internet nicht verstanden und unterstützt insgeheim Politiker, wie etwa den gegenwärtigen, französischen Präsidenten, die fordern, jeder Mensch müsse im Netz immer eindeutig zu identifizieren sein. Sprich statische IP-Adressen zwingend für Alle und das Verwenden von Proxy-Servern als Straftatbestand. Aus diesem Grunde, sind Diskussionen wie die hier angestoßene, absolut entbehrlich. Wer den steifen und oft ungerechten Wind des Internets nicht verträgt, der sollte das Surfen in eben diesem, seinem Blutdruck und den weniger zart besaiteten Menschen zuliebe, besser auf ein absolutes Minimum reduzieren.

  • Martin Weigert

    04.02.10 (21:46:15)

    Danke für die Tipps. Dass ich insgeheim Sarkozy unterstütze, ist mir neu. Na ich werd jetzt mal in mich gehen.

  • rp

    05.02.10 (10:33:27)

    @segestes. Du schreibst: "Wer mit den teils primitiven Meinungsäußerungen im Internet grundsätzlich ein Problem hat, der hat das Internet nicht verstanden ... Wer den steifen und oft ungerechten Wind des Internets nicht verträgt ..." Also, das Internet an sich, überhaupt und schlechthin erfährt deiner Meinung nach seine Definition durch die emotionalen Bedürfnisse einer Fraktion: meist lebenskriselnder junger bis mittelalter Männer, die sich online holen, was ihnen im sog. realen Dasein versagt bleibt. Auch das ist eine Pauschalisierung, aber ich denke, sie kommt hin. Und ich lege noch was drauf: Diese Fraktion bildet die Rekrutierungsmasse für jeden antiemanzipatorischen bis faschistischen Angriff auf das Leben anderer. Mit "Öffentlichkeit", die du erwähnt hast, hat das nichts zu tun, sondern mit ihrer Zerstörung.

  • Gregor Keuschnig

    05.02.10 (11:21:56)

    Wenn man die hier schon angesprochenen Zugangskontrolle mittels Registrierung nicht möchte, bleibt nur der Weg der strikten Moderation: Ein Blog oder Forum, dessen Betreiber die Kommentarschlacht nicht moderiert (das bedeutet nicht unbedingt, unliebsame Kommentare einfach zu entfernen), wird auf Dauer von Trollen aufgefressen werden. Ad-hominem-Angriffe oder wüste Beschimpfungen sollten in keinem Fall geduldet und entfernt werden. Bei Abweichungen von der eigentlichen Thematik weist der Hausherr (oder die Hausfrau) auf das eigentliche Thema hin, usw.

  • Alex L.

    10.02.10 (01:27:26)

    Hallo, ein Thema, welches zum Nachdenken anregt. Ich hatte selbst schon einige Kommentare, welche anonym und gegen mich waren, welche nicht anonym und komplett unsachlich waren, als könne man nicht sachlich kritisieren, was ja auch völlig ok ist. Wenn die Kommentardebatte wirklich aus dem Ruder gerät, soll auch schon Schluss sein. Sowas schadet dem Blog und dem Blogger ebenfalls. Diese Meinung von dir unterstütze ich. Und auf jede Äusserung in einem Kommentar sollte man auch nicht eingehen. Die Pflicht-Logins, welche du erwähnst, könnten aber auch vll. sogar sachliche Kommentatoren vom Kommentieren abhalten und nicht jeder besitzt ein Konto bei OpenID oder einen Facebook-Account. Ich selbst mag zwar lange Voranmeldungen vor dem Kommentieren nicht, wäre aber in Sekundenschnelle eingeloggt, da ich viele der bekannten Login-Dienste nutze. Anonym zu kommentieren, brauche ich nicht. Entweder steht man mit der eigenen Web-Identität hinter dem Kommentar oder soll einfach auf den Kommentar verzichten. Unkonstruktive Kritik bringt niemanden auch nur einen einzigen Schritt weiter.

  • Zufriedenheit-Erfolg

    10.02.10 (16:39:41)

    Sicherlich ist es eine Möglichkeit zusätzliche Hürden - wie etwa die Zwangsregistrierung - für das Schreiben von Kommentaren aufzubauen. Doch für denjenigen, der herumpöbeln möchte, wird das wohl kaum ein Hindernis sein. Viel schlimmer noch: Dann würde das Weblog zu einem Webforum verkommen und würde kaum noch einen Anreiz bieten sich mit dem Autor auszutauschen. Der Erfolg des Weblogs und die Motivation und Zufriedenheit des Bloggers hängt meiner Erfahrung nach jedoch immer auch von der Zahl seiner Leser und deren Feedback ab. Die Kosten neuer Hindernisse stünden hier deshalb in keinem allzuguten Verhältnis zum Nutzen.

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