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26.12.07Leser-Kommentare

Hans-Ulrich Jörges: Im Zauberreich der Alphajournalisten

Wer für ein großes Medium Kolumnen und Editorials schreibt, der darf sich mit Fug und Recht zu den Alphajournalisten zählen. So auch Hans-Ulrich Jörges, Sielwärter und Zwischenrufer beim Stern. Erster Teil unserer losen Folge über Alphajournalisten.

Jörges Fans, die sich allwöchentlich zu Hunderten, vielleicht sogar Tausenden, vor dem Internet-Portal seines Magazins drängen, müssen dort allerdings eine strenge Inquisition über sich ergehen lassen. Der Verlag will erst einmal Adresse und Bankverbindung wissen, bevor sie zu den Quellen politischer Weisheit vordringen dürfen. Ein Hans-Ulrich Jörges bleibt Paid Content: Ihn gibt's nur am Stück für einen Euro.

Medienlese bietet seinen Lesern aus Anlass des Weihnachtsfestes Gelegenheit, einmal einen echten "Zwischenruf" auch ohne Obolus kennenzulernen. Wir haben höchstselbst eine Printausgabe des Stern (Nr. 52/2007) am Kiosk erstanden, um unseren Lesern im Detail zu zeigen, wie wahrer Qualitätsjournalismus sich zum wahren Wort verhält.

Unter dem Titel "Dame schlägt Springer" wirft sich in dieser Woche Hans-Ulrich Jörges für seinen Buddie Mathias Döpfner in die Bresche. Letzterer ist bekanntlich durch das Pin-Debakel in schweres Fahrwasser geraten. Verlieren wir also keine Zeit, beginnen wir gleich mit dem Lead:

 

"Friendly Fire wird im Krieg eine der verheerendsten Katastrophen genannt - wenn Soldaten von eigenen Truppen unter Feuer genommen werden. ... Friendly Fire hat dieser Tage auch Mathias Döpfner, den Vorstandschef des Springer-Verlags, schwer verwundet".

Ist das nicht ein großartiges Bild aus der allgemeinen Militärgeschichte, das Hans-Ulrich Jörges hier mit der politischen Gegenwart parallelisiert und verknüpft? Da kämpft der wackere Kommandeur Matthias Döpfner unter seinem zerbeulten Stahlhelm, pulvergeschwärzt und abgehärtet in zahllosen Schlachten, unermüdlich gegen einen finsteren Feind, als er plötzlich und unerwartet von den Etappenhengsten aus den Amtsstuben der Bundesregierung durch fehlgeleitetes Artilleriefeuer schwer getroffen wird. Während in vorderster Front seine Soldaten im großen Ringen mit dem Feind - aber, ooops, Moment mal! -- Meint Jörges denn, die Bundesregierung und Springers Redakteure, die wären von der gleichen Truppe? Und sie führten den gleichen Kampf? Möchte er, dass Medien und Regierung Arm in Arm eine große "Springer-Prozession" bilden, so wie es der Stern hier bereits vormacht?

Das sind kitzlige Fragen - beschränken wir uns, bevor wir am Ende gar noch über Demokratie reden müssen, aufs Sachlich-Stilistische: Echter Qualitätsjournalismus, das schließen wir aus dem oben zitierten Passus, zeichnet sich zunächst durch einen souveränen Umgang mit Fakten aus. Denn das Friendly Fire ist faktisch nur eine Fußnote der Geschichte, es war niemals kriegsentscheidend oder gar "verheerend". Hans-Ulrich Jörges jedoch verwendet seine grammatische Spezialdisziplin, den relativierten Superlativ ("eine der verheerendsten Katastrophen"), um dieses Ereignis ganz neu und als kriegsentscheidend zu gewichten.

Doch er gibt dem Leser keine Zeit zum Nachdenken, was vielleicht auch besser ist - höchst rasant geht's weiter über Stock und Stein: Schon verlagert sich das Geschehen vor den erstaunten Augen des Betrachters auf die Ebene eines antiken Dramas. Die Bundeskanzlerin verwandelt sich in eine Zyklopin, die im Alleingang schier Übermenschliches leistet:

 

"[Angela Merkel] bereitet dem 44-Jährigen die größte Niederlage seiner atemberaubenden Karriere, vernichtete sein teuerstes Investment außerhalb des medialen Stammgeschäfts ... und zertrümmerte Springers strategische Planungen."

"Donnerwetter", möchte man sagen, "das hätten wir der sanften Angela gar nicht zugetraut". Mittendrin blinzelt uns auch noch das Wörtchen "atemberaubende Karriere", angewandt auf Mathias Döpfner, qualitäts-ironisch aus dem Wagalaweia des großen Jörges'schen Klagelieds an. Wohl, damit das Publikum auch etwas zum Lachen findet.

Galt doch für den Springer-Verlagschef bisher eher der Italo-Western als stilprägend, nach dem Motto: Leichen säumen seinen Weg. Den Begriff der Döpfner-Kurve ersannen die Statistiker der taz einst nicht ohne Grund, um das Verhältnis von Döpfners Verweildauer bei einer beliebigen Zeitung und ihrem folgenden Auflageverlust zu bestimmen.

Zurück zum Thema: Angehenden Qualitätsjournalisten gefällt als nächstes die konsequente Personifizierung aller Probleme, das holzschnittartige Wirken eines geborenen Mythenschnitzers: Zwei Titanen sind es, die der Stern-Mann miteinander ringen lässt: Schwarz kämpft gegen weiß, Donald gegen Gaukelei, Hund gegen Katze. Die Strukturen aber, die Gesetzeslage, volkswirtschaftliche Voraussetzungen, die prekäre Lage der Sozialkassen - alles Soziologische und Politische verflüchtigt sich vor dem Blick des großen Analytikers wie Nebel in der Mittagssonne, nur die Reduktion auf das Wesentliche bleibt: Der Matthes wurde von der Angela nach Strich und Faden betrogen!

Kraftvoller greift der Barde jetzt in seine Leier, entfesselte Gefühle schwingen mit, die verletzte Moral barmt um ihr Leben: "Scham" müsse Merkel leiden, "Zorn" dürfe Döpfner hegen, "gebrochene Versprechen" seien unter Freunden unverzeihlich. Der Fluch der "Kampfblätter" und "Feindsender" wird die Lügnerin jetzt treffen. Überall im Café Einstein recken sich in Empörung die Fäuste gegen einen sturmzerzausten Hauptstadthimmel, die herrenbegleitenden Parzen beschwören Armageddon, die Kanzlerinnen-Dämmerung, auf das Babylon des Reichstags herab. Als entfesselter Kriegsgott aber dräut dem Volk ein neuer Moped-Merz:

 

"Die Zahl und die Erbitterung der Merkel-Kritiker wächst ... Nachdem Friedrich Merz abgetaucht ist, haben die nun einen Kopf: Mathias Döpfner. Er ist der erste Gegner den Merkel nicht ausschalten kann".

Derartigen Drohgebärden eines sich omnipotent wähnenden "Qualitätsjournalismus" ist eine gewohnheitsmäßige Kausalitätsumkehr nicht fremd, so auch bei Jörges. Denn Fakt ist: Erst machte Pin Riesenverluste, dann kam der erhoffte Anlass, die Notbremse zu ziehen und dabei mit dem Finger auf andere zeigen zu dürfen - und dieser Anlass war der Mindestlohnbeschluss der Bundesregierung.

Um nicht ganz durch eine meterweit klaffende Glaubwürdigkeitslücke im gesunden Menschenverstand zu fallen, muss auch Jörges erst einen Knicks vor der Realität machen, mit dieser kleinen Captatio benevolentiae - "Mag sein, dass Springers Pin-Investment von vornherein verkorkst war ..." - um mit einem eleganten Flicflac und einem energischen 'Deshalb behaupten wir das Gegenteil' über dieses Loch hinwegzusetzen, um wieder mitten im Leitmotiv seiner Friendly-Fire-Erzählung zu landen:

 

"[D]er Post-Mindestlohn, von Angela Merkel zum Gesetz erhoben, schlug in dem konservativen Verlagshaus ein wie die präzise gesetzte Granate eines eigenen Artilleristen."

Am meisten wirken unsere Alphajournalisten aber durch die unerhörte und unverbildete Strahlkraft starker Metaphern, die in ihren besten Momenten ganze Seminare von Psychologie-Studenten in analfixierte Begeisterung versetzen können. Nicht jedem aber ist eine solche Gestaltungskraft gegeben, dazu bedarf es schon eines echten Naturtalents:

 

"Dass die Kanzlerin dies in Kauf genommen hat, wird im Gedärm der Union schmerzhafter und länger wühlen als ihre Kapitulation vor dem rot-grünen Antidiskriminierungsgesetz".

Der Ansicht, dass dort draußen irgendjemand wohl an Darmverschlingung leidet, der schließen wir uns selbstredend an. Wer wären wir auch, hier zu widersprechen? Womit wir uns aber einem "meinungsstarken, aber faktenschwachen Großjournalisten" keineswegs an die Seite stellen möchten ...

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Bernd

    26.12.07 (12:10:52)

    Sagte Heinz Erhard nicht schon, wenn wir hier schon die alten Griechen zitieren, dass dort die kleinen Kinder immer "ich muss Alpha-Alpha" sagen, wenn sie A-A meinen? :-)) Und dass unsere Sprache nicht immer mehr militarisiert, da müssen wir nun wirklich aufpassen wie die Schießhunde, jawoll!!

  • Detlef Guertler

    27.12.07 (13:16:16)

    Dass Friendly Fire "niemals kriegsentscheidend oder gar verheerend war", ist zwar richtiger als die Jörges'sche Übertreibung, aber denn doch nicht ganz richtig. In der Nacht vom 19. auf den 20. September 1788 erlitt das österreichische Heer nämlich bei Karansebes die entscheidende Niederlage im Feldzug gegen die Türken, ohne dass die Türken überhaupt anwesend gewesen wären: Ein Streit um ein Schnapsfass zwischen Infanterie und Husaren wuchs sich zu einer Schlägerei aus, aus der wurde eine Schießerei, und als die Infanteristen dann "Die Türken!" riefen, um die Husaren zu erschrecken, brach eine Panik aus, die etwa 10.000 Soldaten das Leben kostete. (Quelle. Erik Durschmied: Der Hinge-Faktor. Wie Zufall und Dummheit Weltgeschichte schreiben.) In der inhaltlichen Wertung des PIN-Debakels und seiner Konsequenzen glaube ich allerdings, dass Jörges wesentlich mehr Recht hat als Jarchow. Der Post-Mindestlohn ist ein ordnungspolitischer Sündenfall und wird der CDU noch leid tun. Und Pin hätte ohne den Mindestlohn, der eher den Namen Blockadelohn verdient hat, ökonomisch eine ziemlich großartige Sache werden können. Jörges mag Döpfner (ich übrigens auch), Jarchow mag ihn nicht. Der Rest ist Gepfaue.

  • Klaus Jarchow

    27.12.07 (14:26:39)

    Oha - auch die taz plantscht jetzt gern lau im neoliberalen Mainstream? Und es interessiert dort, ob 'der Union' etwas leid tut. Na denn - viel Spaß auf der Reise. Beim Jörges geht's übrigens gar nicht ums 'Recht haben' - es schlicht geht um 'Satzlogik', vor allem aber um 'Stil', wenn wir ein solch großes Wort für derartige Zwischenrufe mal verwenden wollen.

  • Klaus Jarchow

    27.12.07 (14:37:16)

    Nbenbei - wären derzeit in Ihren Augen dann ja wohl ziemlich viele Verrückte und Unternehmens-Lemminge unterwegs? "Die Zeitarbeit braucht jetzt rasch einen Branchenmindestlohn", sagte der Präsident des Bundesverbandes Zeitarbeit (BZA), Volker Enkerts, der Frankfurter Rundschau. Auch der Hautgeschäftsführer beim Bundesverband der Wach- und Sicherheitsunternehmen, Harald Olschok, sprach sich für Mindestlöhne aus: "Wir wollen mit Mindestlöhnen für faire Wettbewerbsbedingungen sorgen." Für die Deutsche Entsorgungswirtschaft kündigte Geschäftsführer Stephan Harmening noch für den Januar Verhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi über einen Mindestlohn-Tarifvertrag an.

  • Detlef Guertler

    27.12.07 (17:00:05)

    Sie sollten wirklich nicht Meinungen meiner Wenigkeit der taz unterjubeln, nur weil ich dort ein Blog betreibe. Schließlich bin ich in zweien meiner diversen Nebenberufe auch noch Kolumnist für Welt und Welt Kompakt. Den "neoliberalen Mainstream" schenke ich Ihnen gerne - genauso wie den Versuch des Manager-Magazins von vor vier Jahren, mir eine Wirtschaftspolitik nach den Rezepten von Oskar Lafontaine zu unterstellen. Wenn irgendeine der vielen Gruppen, die sich jetzt für Mindestlöhne stark machen wollen, dabei auch nur ansatzweise in die Nähe jener 9,80 Euro je Stunde kommt, die für die Briefzusteller vereinbart wurden, gebe ich Ihnen übrigens gerne einen Sangria aus. Ich behaupte sogar, dass nirgends außer bei der Post ein Mindestlohn von acht Euro erreicht werden wird - und mit acht Euro, so sagen die Springers, hätten sie bei Pin leben können.

  • Ronnie Grob

    27.12.07 (17:38:58)

    Aus dem Spiegel 51/2007, nicht online: (...) SPIEGEL: Schuld sind also nur die anderen Döpfner: Halten Sie sich bitte vor Augen: Der Staat missbraucht hier seine Macht für ein Gesetz, das ein Monopol schützt, an dem er selbst als Hauptaktionnär mit 31 Prozent beteiligt ist. Daraufhin gewinnt das Aktienpaket des Bundes über eine Milliarde Euro an Wert und Herr Zumwinkel versilbert auch noch seine Optionen. Offenkundiger können Interessenkonflikte nicht ausfalllen. SPIEGEL: Wie viel machen die Lohnkosten bei der Pin eigentlich aus? Döpfner: Mehr als 70 Prozent. Briefe auszutragen ist nun mal ein extrem personalintensives Geschäft. Pin zahlt Basisstundenlöhne von 7,40 Euro, in den profitablen Regionen sogar 8,20 Euro Das ist mehr als das, was Franz Münteferings SPD als Maximalforderung für einen generellen Mindestlohn gestellt hat. Also entweder hat sie Dumpinglöhne gefordert, oder Pin hat nie welche gezahlt. Wir hätten sogar noch mit 8 Euro leben können. Aber die nun beschlossenen 9,90 Euro Monopollohn ersticken jeden Versuch freien Wettbewerbs im Keim. So was verstösst gegen die Verfassung. Wir prüfen deshalb auch rechtliche Schritte gegen die Entscheidung. SPIEGEL: Gab es von der Kanzlerin politische Zusagen, denen Sie vertrauten? Döpfner: Unser Vertrauen in Politikerzusagen war nie sehr hoch. Jetzt ist es unter null. SPIEGEL: Die Pin scheint aber schon tot, bevor der Mindestlohn überhaupt da ist. Döpfner: Wenn die Politik jetzt sagt, Pin sei an der Misere selbst schuld, ist das, als ob einer ein Haus anzündet und später dem Besitzer auch noch vorwirft, dass es darin nicht mehr so ordentlich aussieht wie vorher. Der Verursacher unseres Dilemmas ist die Regierung. Pin war zwei Jahre erfolgreich - pünktlich als die Mindestlohndebatte begann, haben wir natürlich kaum noch neue Kunden bekommen. (...)

  • Klaus Jarchow

    27.12.07 (19:54:22)

    Oh Mann, nun geht es hier doch kopfüber in die sozialpolitischen Fakten - und gar nicht mehr um das eigentliche Thema, die inhaltsunabhängige Kritik an den allwöchentlichen Jörges'schen Schreibversuchen. Okay, sei's drum, man muss flexibel sein. Dass es sich bei dem plötzlichen Mindestlohngeflöte der vereinigten Unternehmerschaft um blanken Aktionismus handelt, bester Detlef Gürtler, das ist mir schon klar. Diese Rotte wurde durch die Ereignisse hochgeguselt und will jetzt mit eigenen Mindestlohnangeboten einem noch höher gelegten gesetzlichen Mindestlohn zuvorkommen. Und entdeckt plötzlich die Tarifautonomie, die sie jahrelang bekämpfte. Pharisäertum halt. Dass Sie hier allerdings in Sachen Döpfner 'pro domo' sprechen, das war mir bisher nicht so klar. Der beschlossene Postmindestlohn, mittelt man zwischen Ost und West, liegt übrigens derzeit annähernd auf englischem Mindestlohn-Niveau - nur um das mal klarzustellen. Auskömmliche Mindestlöhne sind in Europa fast überall die Regel, nur Deutschland fährt einen Sonderweg, ähnlich wie bei der fehlenden Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen: "In 20 der 27 Mitgliedsstaaten gibt es bereits einen Mindestlohn. ... Alle diese Länder sind nicht dem Elend anheim gefallen, das Konservative und Wirtschaftsliberale in Deutschland jetzt heraufdämmern sehen." Was sollte ferner daran schlimm sein, wenn der Staat - und damit der Steuerzahler - als Hauptaktionär seine Gewinne und die Sozialversicherungsfähigkeit der Angestellten bei der Post vor Begehrlichkeiten schützt? Steht irgendwo, dass der Steuerzahler gezwungen ist, alles Lukrative bei der öffentlichen Daseinsvorsorge aus Kübeln der Privatwirtschaft in den Rachen zu kippen? Die diese Aufgaben in der Regel dann noch nicht einmal besser erledigt? Gewinne verteidigen, das würde doch jeder Unternehmer genauso machen. Letztlich geht es mir als Person um eins: Was hätte ich - Pit Piefke - davon, wenn ich einen Brief mit PIN statt mit der Post verschicke. Und da gilt dann folgendes: "as Porto für Briefe und Postkarten sinkt nicht etwa angesichts neuen Wettbewerbs, sondern bleibt unverändert". Da ist es für mich dann schon die Frage, weshalb dieser Thiel á tout prix - zuletzt am 18. Dez. - die PIN trotzdem übernehmen will, wenn der beschlossene Mindestlohn sich doch so katastrophal auswirken soll? Ist der Mann denn wahnsinnig? Kann der nicht rechnen? Oder ist dieses Gedröhne alles nur ein Lockstoff für eine dummbeutelige Pressetribüne? Real handelt es sich bei Pin übrigens um ein Kontrakt- oder Lohnabzugssystem, bei dem die Zielvorgaben so ausgestaltet sind, wie das ewige Himmelreich, das ja auch irgendwann mal kommen soll. Dieser virtuelle Lohn ist sozusagen die Wurst, die dem Briefzustellerhund vor die Nase gehalten wird. Der rennt und rennt, aber kommt nicht auf jenen Satz, den der Döpfner dort so stolz im Spiegel durch die Gegend schwenkt. "Pin-Arbeit ist ein Leben auf Hartz-IV-Niveau, nur dass ich an der frischen Luft bin und früh aufstehe", so sagte es mir unser zuständiges grünes Männchen: "Die Grundvergütung für Zusteller beträgt 1020 Euro. Dies entspricht einem Stundenlohn von 5,86 Euro. Hinzu kommt eine Prämie von max. 410 Euro pro Monat bei Erreichung aller Zielvorgaben." Und Abzüge gibt's eben für alles und jedes. Die Arbeit wird sozusagen nachträglich schlecht gerechnet ...

  • Detlef Guertler

    27.12.07 (20:54:57)

    Pro domo rede ich ausschließlich, wenn es um mich persönlich geht. Springer ist nicht mein Arbeitgeber, sondern einer meiner Kunden - wie dieses Jahr unter anderem auch taz, Handelsblatt, FTD und Vanity Fair. Döpfner habe ich in seiner Zeit bei der Wochenpost kennen und schätzen gelernt und hatte damals den Eindruck, dass er eines Tages einen guten Bertelsmann-Chef abgeben würde. Den habe ich immer noch. Dass es hier eher nicht um Jörges' Fabulierkunst und -gehabe geht, sondern vorwiegend um sozial- und wirtschaftspolitische Einschätzungen, hat vermutlich vor allem damit zu tun, dass die meisten Ihrer Anti-Jörges-Argumente auf Ihrer gänzlich unterschiedlichen Meinung zum behandelten Thema beruhen. Ich empfehle Ihnen deshalb, für die nächste Tirade einen Jörges-Text auszuwählen, dem Sie inhaltlich zustimmen - das macht es einfacher, über Kritik an Form und Stil zu diskutieren.

  • Klaus Jarchow

    27.12.07 (21:07:35)

    Ah ja - ich hätte also schuld an der regellosen Hottehü-Argumentation der anderen. Na gut - ich habe breite Schultern, daher 'Mea culpa' ... Vanity Fair - Donnerwetter! ;-)

  • Michèle

    27.12.07 (22:16:29)

    Ich mag die Medienlese sehr. Die Beiträge von Klaus Jarchow allerdings mag ich nicht sonderlich. Sie sind mir leider zu schwurbelig geschrieben. Ich verstehe nicht, was dieser ironisch gemeinte Adjektiv-Stil soll. Mir ist das alles zu selbstverliebt. Da spielt jemand Grosskritiker und glaubt, er beeindrucke mit Wortgewalt. Es ist aber leider keine Wortgewalt, sondern nur der Versuch, wortgewaltig zu erscheinen. Ich glaube ein weniger aufdringlicher Stil liesse die Argumente und Gedanken besser zur Geltung kommen. Nichts für ungut.

  • Klaus Jarchow

    28.12.07 (09:43:58)

    Trösten Sie sich, Frau Michèle, mein Zuspruch bei den Lesern dieses Blogs (s. Popularitäts-Charts), der liegt so weit unterhalb der Nachweisgrenze, dass man mir schon bald den Stuhl vor die Tür stellen dürfte. Dann können - Ihrem Wunsch gemäß - Nüchternheit und Langeweile Einzug halten.

  • Wolf-Dieter Roth

    28.12.07 (12:36:42)

    Nanana...bitte keine Gerüchte verbreiten...die Stühle werden hier noch alle gebraucht, davon wird keiner einfach so vor die Tür gestellt, die Sperrmüllsammlung wurde doch letztes Jahr abgeschafft!!! Ernsthaft: Nein, Klaus, Du bleibst hier! Im Gegensatz zu ##### und #### und ##### #### geht es hier nicht um Hits, sondern um Qualität. Sonst würden wir vor Jahresende noch schnell 3x über sehr magere Schauspielerinnen schreiben, um die Statistik zu verbessern. Ich lese Deine Beiträge jedenfalls gerne. Und Michèle, was verschwubelte Texte betrifft, da kenne ich ganz andere Sachen. Mancher FAZ-Autor z.B. oder auch manche Pädagogen sind da ganz übel. Bei einem Blog ist aber persönliche Farbe der Autoren gerade, was den Unterschied ausmacht - von einem Schlußredakteur glattgebügelte Texte gibts woanders. Da jeder Autor ja über dem Text (nicht erst am Ende, wie bei Zeitungen oft) genannt wird, kann man ja einem weniger liegende Autoren ungelesen lassen. (Ja, ich weiß, das funktioniert bei vielen Lesern nicht. Howard Stern hat ja mal sinngemäß gesagt, die Leute, die ihn mögen, hören durchschnittlich so 1,5 h am Tag zu - die, die ihn hassen, aber fast die doppelte Zeit! :-)))

  • gebsn

    28.12.07 (12:52:29)

    Ich moechte die Texte von Klaus Jarchow nicht mehr missen. "Schwurbelig"? Nein, schlicht und einfach interessanter geschrieben als die meisten Blog- und Zeitungsbeitraege.

  • Detlef Guertler

    28.12.07 (13:40:08)

    Och, das mit dem Jarchow ist schon in Ordnung so. Jeder Großkritiker hat ja mal klein angefangen - indem er Großkritiker gespielt hat. Das heißt zwar noch lange nicht, dass jeder, der Großkritiker spielt, auch mal ein richtiger Großkritiker wird, aber das weiß man eben erst hinterher alles besser. Ein Glück, dass es Leute wie Jarchow (und Jörges, um nicht ganz vom Thema abzuschweifen) gibt, die schon vorher alles besser wissen.

  • Klaus Jarchow

    28.12.07 (16:31:55)

    Okay, okay, ihr habt es so gewollt: Im nächsten Beitrag geht's um die gängigen Vorurteile über Ironie - und warum sich diese Geisteshaltung bestimmten Leuten gleich in doppelter Hinsicht verweigert. ;-)

  • Michèle

    28.12.07 (21:25:38)

    Ich hab doch überhaupt nichts gegen Ironie. Nur etwas gegen geblähte Texte mit grosstuerischem Gestus. Aber egal, auch ich lass jedem das seine.

  • Frank

    01.01.08 (21:23:31)

    Was für ein Glück, daß der Herr Jörges Paid-Content ist - da laufe ich ja gar nicht Gefahr, bei meinen seltenen Besuchen auf SPON über dessen Geblubber zu stolpern.

  • Frank

    01.01.08 (21:24:46)

    Äh, ich meinte natürlich STERN online.... oder war es BILD? Ach, ich weiß nicht, deren Qualitätsjournalismus ähnelt sich so sehr.

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