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18.04.12 13:26, von Martin Weigert

Jimdo-Mitgründer Christian Springub zieht Bilanz: "Der Gang in die USA war richtig"

2011 fiel beim aus Hamburg stammenden Homepagebaukasten Jimdo der Startschuss für den Aufbau einer US-Niederlassung. Fast anderthalb Jahre danach zieht Mitgründer Christian Springub Bilanz.


Anfang vergangenen Jahres wagte Jimdo, der aus Hamburg stammende Anbieter einfach zu erstellender Websites, einen für hiesige Internetfirmen noch immer seltenen Schritt: Mitgründer Christian Springub setzte die Segel gen San Francisco, um dort eine lokale Niederlassung des 2007 gegründeten, über fünf Millionen Mitglieder zählenden Dienstes zu errichten. Kurz nach seiner Ankunft berichtete er im Interview über Details der Expansion sowie seine ersten Eindrücke. Jetzt, ein Jahr später, ist es Zeit für eine Zwischenbilanz. Hat sich der kostspielige Schritt für die Norddeutschen gelohnt? Ich verabredete mich mit Springub zu einem Skype-Gespräch, um eine Antwort auf diese Frage zu erhalten.

"Ja, es war richtig, ein US-Büro zu eröffnen und ich würde es jederzeit wieder tun", so Springubs klare Aussage. Gleichzeitig erklärt er, dass natürlich einige Dinge anders gelaufen seien, als er und seine zwei Gründungskollegen Fridtjof Detzner und Matthias Henze dies erwartet hatten.

"Ich hab unterschätzt, wie schwierig es ist, in einem anderen Land und in einer derartig aktiven Tech-Szene wie der 'Bay Area', also dem Gebiet von San Francisco bis zum Silicon Valley, Fuß zu fassen", beschreibt Springub eine der größten Herausforderungen. Er bezieht sich dabei nicht auf den Aufbau eines Netzwerkes oder administrative und bürokratische Aspekte, sondern meint vorrangig öffentliche Aufmerksamkeit zum Beispiel durch Blogs und Presse.

"Man merkt, dass hier alle miteinander verdrahtet sind. Viel läuft über den eigenen Freundeskreis und bestehende Connections. Gleichzeitig sind wir mit unserem eher konservativen Ansatz, im Verlauf einiger Jahre ohne viele Millionen Venturekapital im Rücken ein nachhaltiges, profitables Geschäft aufzubauen, ein wenig der 'Oldtimer'. Zwar finden alle diese Strategie spannend, aber sie ist eben aus Sicht der Berichterstatter und Beobachter nicht so 'sexy' wie das typische, mit VC-Millionen überhäufte Silicon-Valley-Startup, das sich in einem angesagten Hype-Segment betätigt."

Dass Jimdo als eines der wenigen Startups aus dem deutschsprachigen Raum den Sprung an die US-Westküste vollbracht hat, reicht nach Aussage des jungen Unternehmers als Story für die lokale Tech-Presse nicht aus. "Das interessiert ehrlich gesagt nur die Deutschen selbst".

Jimdo sucht weder Kapital noch Exit

Auch wenn Springub mit der Wahrnehmung und Sichtbarkeit von Jimdo in den USA noch nicht ganz zufrieden ist, hat er viel Positives über die vergangenen Monate an der Westküste zu berichten: Das Netzwerk, auf das er und das zehnköpfige US-Team unter Führung von Country Manager Powen Shiah zurückgreifen können, habe mittlerweile eine hohe Qualität - auch wenn es derzeit nur wenig in Anspruch genommen wird, weil Jimdo weder auf der Suche nach Kapital noch einem Exit sei. Vor acht Wochen konnte zudem endlich das eigene Büro in San Francisco eingeweiht werden. Zuvor war Jimdo USA in Co-Working-Büros beheimatet, was Springub gerade für die Anfangszeit als sehr sinnvoll bezeichnet.

Durch Kooperationen mit sogenannten "Small Business Development Centern", die Unternehmern und Firmen in vielen US-Städten unter die Arme greifen, gelingt es Jimdo zunehmend, bei Kleinunternehmern und Mittelständlern Beachtung zu finden - eine wichtige Zielgruppe für den Dienst aus Hamburg. Springub erwähnt auch ein langsames, aber stetiges Ansteigen der Konversionsrate von Gratis- zu Premiumkonten. Konkrete Zahlen lässt er sich zwar nicht entlocken, gibt aber an, dass sich die Zahl von US-Nutzern der kostenpflichtigen Jimdo-Variante im Januar 2012 im Vergleich zum Vorjahrmonat verdoppelt habe. Sukzessive sprechen mehr Leute über Jimdo und empfehlen den Service weiter, was sich deutlich in den Metriken zeigt, ist sich Springub sicher.

Break-Even in den USA noch 2012

Noch wird das Unterfangen aus dem Gewinn des Jimdo-Geschäfts in anderen Ländern wie Deutschland und Japan getragen. In einem halben Jahr soll aber auch in den USA der Break-Even erreicht werden, so zumindest die Hoffnung des Entrepreneurs. Bis dahin stehen weitere Neueinstellungen, die Intensivierung der Außendarstellung, die Schaffung lokaler Jimdo-Experten sowie die Aufnahme von Supporttätigkeit für Südamerika auf der Agenda. Springubs Aufbauarbeit vor Ort ist jedoch getan: Im Mai wird er sich zurück in die Hamburger Zentrale begeben.

Was er in den nahezu anderthalb Jahren des Aufenthalts in der Bay-Region auch gelernt hat, ist die Unmöglichkeit der engen Zusammenarbeit zwischen Büros bei einem Zeitunterschied von neun Stunden. Um den Produktivitäts- und Effizienzverlust zu vermeiden, der unfreiwillig entsteht, wenn Projekte und Problemlösungen in Folge der nicht aufeinander abstimmbaren Arbeitszeiten zwischen San Francisco und Hamburg verzögert werden, zielt Jimdo nun auf eine größere Unabhängigkeit der US-Niederlassung ab, die damit auch ohne die Hilfe aus Übersee (technische) Projekte realisieren können soll.

Angesprochen auf den jüngsten Boom der europäischen und im speziellen der Berliner Startup-Wirtschaft bestätigt Springub, dass dieser seinem subjektiven Empfinden nach mittlerweile stärker in den Tech-Kreisen des Silicon Valley Beachtung findet als noch Anfang 2011. Auch Kapitalgeber blicken häufiger auf das alte Kontinent, sehen nach den Worten des Jimdo-Founders aber nach wie vor eine Umsiedlung des Firmensitzes an die US-Westküste als erstrebenswert an. "Wenn du einen großen Exit machen willst, findest du hier in der Ecke deinen Käufer", ist sich Springub sicher und führt als aktuellen Beleg Podio an, das von Dänemark ins Valley zog und dort vor einigen Tagen von Citrix gekauft wurde.

Kommen Gespräche auf die Frage nach dem perfekten Standort für Internetfirmen in Europa, lässt es sich Springub nicht nehmen, auf die Jimdo-Stadt Hamburg zu verweisen. Er merkt auch an, dass Berlin und Hamburg letztlich sehr nah beieinander liegen. "Was die Leute hier wissen ist das, was auf TechCrunch steht. Die wenigsten haben es selbst erlebt und das Know-how über die europäischen Märkte hält sich trotz der neuen Aufmerksamkeit in Grenzen". Was er jedoch beobachtet: Immer mehr Dienstleister entstehen, die lokalen Startups bei der Internationalisierung helfen wollen.  Und das will schon etwas heißen.

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