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14.09.10Leser-Kommentare

Jeder kann publizieren: Die unangenehmen Folgen eines unbedachten Tweets

Jeder kann im Netz Inhalte publizieren. Speziell im Echtzeitweb geschieht dies meist innerhalb von wenigen Sekunden. Ein unglücklicher Tweet kann unangenehme Folgen haben.

 

Mit dem Verschwinden des Publikationsmonopols, bei dem es nur einem sehr kleinen Personenkreis möglich war, mit Botschaften eine große Zahl von Menschen über verschiedene mediale Kanäle zu erreichen, steigt die Freiheit jedes Einzelnen, in Eigenregie Gedanken und Meinungen zu publizieren und über Blogs, Social Networks oder Microblogs zu verbreiten. Wer zielstrebig und kontinuierlich arbeitet und hinreichend Format besitzt, kann sich so eine Reichweite aufbauen, die der einer Lokalzeitung oder eines Sparten-TV-Senders nahe kommt - mit dem Unterschied, sich völlig ungefiltert, ohne Chefredaktion oder zwischengeschalteten Presseverantwortlichen äußern zu können.

Diese Freiheit hat allerdings einen Preis: Denn da niemand vor der Veröffentlichung den jeweiligen Inhalt zu Gesicht bekommt und eventuell Korrekturen vornimmt, ist es leicht geschehen, dass ein unreflektierter Blogeintrag oder Tweet ins Web gelangt und für ordentlich Ärger sorgt. Besonders bei Twitter, wo Geschwindigkeit und kurze Gedanken- und Meinungsschnipsel das A und O sind, besteht die Gefahr, dass einem eine unbedachte Aussage zum Verhängnis wird. Und das gilt sowohl für Prominente als auch für "Normalbürger", die sich mit viel Fleißarbeit einen großen Social-Web-Anhang erarbeitet haben.

Über Sachar Kriwojs Shared Items bin ich auf folgenden kurzen Blogbeitrag gestoßen, der diese Problematik sehr gut an zwei Beispielen verdeutlicht. Der Artikel verweist auf die australische Schwimmerin Stephanie Rice, die sich auf Twitter zu einer homophoben Äußerung über die südafrikanische Rugby-Mannschaft hinreißen ließ. Die darauf folgende Empörung schwappte bis in die Massenmedien, und trotz einer Entschuldigung von Rice kündigte ihr Sponsor Jaguar die weitere Zusammenarbeit.

Erwähnt wird außerdem der Fall eines Journalisten der Washington Post, der testen wollte, wie sich von ihm in Umlauf gebrachte Falschmeldungen bei Twitter verbreiten würden. Seinem Arbeitgeber gefiel dieses Experiment jedoch gar nicht. Die Zeitung suspendierte ihn daraufhin.

Jeder, der sich aktiv am Twittergeschehen beteiligt, wird wissen, wie es sich anfühlt, einen Tweet veröffentlicht zu haben, den man anschließend bereut. Selbst wenn man ihn nachträglich löscht, haben ihn mit großer Wahrscheinlichkeit schon viele der Follower gesehen - erst recht mit dem neuen Echtzeit-Stream von Twitter, der momentan für diverse Clients ausgerollt wird und Tweets in der Sekunde bei den Followern anzeigt, in denen sie publiziert wurden.

Je mehr Anhänger User im Social Web haben, desto bewusster müssen sich sich über die potenzielle Tragweite ihrer Äußerungen und die möglichen Nebenwirkungen sein. Eine alte Weisheit aus der Wirtschaftswelt besagt, dass der Aufbau eines guten Images Unternehmen Jahre kostet, dass dessen Zerstörung durch eine unpopuläre Maßnahme jedoch lediglich Sekunden bedarf. Gewissermaßen trifft dies auch für Anwender im Social Web zu.

Um sich unangenehme Reaktionen zu ersparen, kann man eigentlich nur eine Sache tun, die ich an anderer Stelle einmal mit der Frage "Do you think before you tweet?" illustrierte: Vor jedem Tweet (oder Blogeintrag) wenigstens einige Sekunden den Kopf einschalten und im Zweifelsfall etwas lieber NICHT publizieren. Ich habe das schon ab und zu so praktiziert und erkannt: Niemand fiel auf, dass ich einen formulierten Tweet doch lieber ins digitale Nirvana beförderte...

(Foto: stock.xchng)

Kommentare

  • Bjoern Habegger

    14.09.10 (13:11:16)

    so what? Genau das macht imho socialmedia im privaten Bereich aus. Dont be evil bekommt eine Bedeutung. Erkenne Idioten an idiotischen Kommentaren, bevor diese sich verkleiden können. Und verstehe das Idioten Menschen sind wie Du und ich, wir alle haben schwache Momente. Dumme Ideen. Socialmedia wird uns lehren, dont be evil. ich mag das.

  • Oliver Springer

    14.09.10 (14:03:50)

    Das "Verkleiden" funktioniert zunehmend schlechter. Das sehe ich durchaus positiv. Und ja, die Idioten sind Menschen wie Du und ich. Oder anders formuliert: Wir sind alle Sünder und sollten uns im eigenen Interesse um eine Kultur der Vergebung bemühen.

  • Martin Weigert

    14.09.10 (14:09:02)

    Stimme euch zu, das Vergeben von "schwachen Momenten" wird immer wichtiger.

  • Ulrike Langer

    14.09.10 (16:17:15)

    Kommt darauf an, ob der unbedachte Tweet den Gesamteindruck oder gar den Ersteindurck prägt. Bei Leuten, die man näher und schon länger kennt, zählt sicher der Gesamteindruck. Eine solche Person wird man sicher nicht wegen eines einzigen bescheuerten Tweets oder Status-Updates entfollowen oder defrienden (Ich jedenfalls nicht). Bei Arbeitgebern wird es etwas anders aussehen. Da geht es sicher auch darum, für die übrige Belegschaft einen Warnschuss abzufeuern: Seht her, das passiert, wenn Ihr Euch im Netz daneben benehmt.

  • Martin Weigert

    14.09.10 (16:24:19)

    Wenn eine von dir sehr geschätzte Person, die du primär über das Web kennst, plötzlich einen Tweet veröffentlicht, den du für extrem absurd/unpassend/unter der Gürtellinie empfindest, würde der- oder diejenige bei dir nicht an Ansehen einbüßen? Immerhin könntest du dann vermuten, dass hier jemand gerade das wahre Ich gezeigt hat.

  • Ulrike Langer

    14.09.10 (16:35:13)

    @Martin Das ist schon mal passiert. Ich will die betreffende Person jetzt nicht nennen, aber wir kennen sie beide. Mein erster Gedanke war: unfollow. Der zweite nach einigen Tagen: vorübergehender Totalaussetzer. Das meinte ich mit "geschätzte Person". Ein Fremder hätte keine zweite Chance bekommen.

  • pia schaf

    14.09.10 (17:42:06)

    Und nun kommt ein weiteres (vorstellbares) Szenario: du lässt mal eben für 5 Minuten deine Tastatur aus den Augen. Ein 'Fremder' schreibt mal eben ein paar Zeilen .. Die Szene kann man natürlich auch mit verschiedenen Persönlichkeiten besetzen - und so frei zwischen Komödie und Drama wandeln. Und - es ist leider auch alltäglich. Meine persönliche Erkenntnis: 'Informationen' wollen immer hinterfragt sein.

  • Matthias

    15.09.10 (09:30:42)

    @pia Man kann seine Tastatur auch mehrere Stunden aus den Augen lassen, sollte davor allerdings dafür sorgen, dass kein "Fremder" mit dem Rechner arbeiten kann. Sprich: windows + l , oder wie auch immer ausloggen. Dann kommt keiner ohne dein Passwort an den Rechner. Sollte eigentlich selbstverständlich sein sobald man seinen Rechner ausser Sichtweite hat. Ja, auch wenn man nur kurz zur Toilette geht.

  • R. Böhme von Cash1x1.de

    15.09.10 (09:50:01)

    Einen wirklich schlimmen Fall in dieser Richtung habe ich zum Glück noch nicht erlebt. Ich achte zwar auch sehr genau darauf, was ich über Twitter oder Facebook poste, aber eher bezogen auf einen Tippfehler oder einen fehlerhaften Link ;)

  • Schtonk!

    15.09.10 (13:14:30)

    Ja, das war doch die Sache mit dem "Morgenstund hat...." Man muss halt wirklich unterscheiden zwischen gesprochen und geschrieben. Auch nur 140 Zeichen ist "geschrieben"...und Verzeiehn tun nur Freunde, Geliebte schon nicht mehr und Leser oder Chefs sowieso nicht. :-(

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