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20.01.10Leser-Kommentare

Jaron Lanier in der FAZ: Ideologien, wo keine sind

In der FAZ sind ein Interview mit Jaron Lanier und ein langer Essay von ihm erschienen. In beiden Texten setzt sich Jaron Lanier kritisch mit dem aktuellen Stand des Internets auseinander. Eine Replik.

(Foto: flickr.com/vanz)Jaron Lanier, unter anderem "Internet-Pionier" und Erfinder des Begriffs "virtuelle Realität", wurde in der FAZ interviewt und hat für sie auch einen Essay verfasst.

Die Reaktionen auf Laniers Aussagen in der FAZ sind in der deutschen Blogosphäre bisher verhalten ausgefallen. Einige meinen, das liege daran, dass Lanier anspricht, was viele nicht wahrhaben wollen. Ich glaube, es liegt viel eher daran, dass Lanier mit leicht anderer Wortwahl den Kulturpessimismus der hiesigen Konservativen eins zu eins wiederholt. Es sind die gleichen Thesen, die in der FAZ, angestossen von Schirrmachers Buch Payback, von verschiedenen Autoren vertreten werden. Aussagen, die man langsam leid ist, wieder und wieder zu widerlegen (und die Lanier teilweise bereits seit 2006 unter das Volk bringt, unter anderem bei SPON).

Nun denn, it's a dirty job but someone's gotta do it.

Musikbranche und das Internet, Teil 49

Lanier sagt im FAZ-Interview:

Das Dogma oder die Internetideologie lehrt uns: Ja, schon richtig, wir zwingen Musiker, ihre Musik kostenlos abzugeben, aber dafür bekommen sie ebenfalls kostenlose Publicity, mit deren Hilfe sie andere Sachen verkaufen können. Für bereits bekannte Künstler wie Radiohead mag die Rechnung aufgehen, für alle anderen, die sich nur übers Internet vermarkten, ist das nicht der Fall. Nach meiner Ansicht liegt das daran, dass ein Interaktionsmodell, in dem Künstler ihre Produkte kostenlos anbieten müssen, ihnen die Struktur vorenthält, die sie brauchen, um sich wirklich selbst zu entfalten.

Im eben zitierten Absatz ist Folgendes falsch :

  • Musiker werden gezwungen, Musik kostenlos abzugeben.
  • Nur bekannte Musiker können online Erfolg mit kostenloser Musik haben.
  • Das einzige Produkt des Künstlers ist die Musikaufnahme selbst.

Es sind die üblichen fehlgeleiteten Argumente und Ansichten.

Stattdessen ist es so:

  • Niemand zwingt Musiker, ihre Musik kostenlos abzugeben. Sie können dafür Geld verlangen. Ob jemand den veranschlagten Preis bezahlt, liegt, wie immer in der Marktwirtschaft, beim Markt. Musikaufnahmen werden auch heute noch gekauft und sicher auch noch in der Zukunft. Allerdings viel öfter als aufwendige Limited Edition, und immer weniger in Form einer austauschbaren Plastikscheibe vom Fließband.
  • Nicht nur bekannte, sondern auch unbekannte Künstler können über das Internet bekannt werden und damit Geld verdienen. Beispiele gibt es zuhauf, zum Beispiel hier. Das Blog Techdirt zählt regelmäßig Beispiele erfolgreicher Musiker in allen Größenordnungen auf. Es könnte mehr Beispiele geben, aber die Majorlabel machen den Übergang schwerer als nötig (siehe unten).
  • Die Produkte des Musikers sind die Musik selbst und er selbst als Person. Es gibt verschiedene Wege, hiermit Geld zu verdienen. Die letzten ca. 50 Jahre war das im großen Stil einträglichste Geschäftsmodell der Verkauf von physischen Tonträgern. Es war ein Geschäftsmodell für die industrialisierte Gesellschaft. Es existierte vorher nicht und wird künftig wieder marginalisiert. Es ist kein Zufall, dass die Tonträgerindustrie zurückgeht, und gleichzeitig die Konzertveranstalter aber Rekordumsätze verbuchen.

Siehe für Geschäftsmodelle für Musiker im Internetzeitalter unseren Artikel von vor einem Jahr.

So sieht die Situation in der Musikwelt aktuell aus:

Die Musikbranche wird von Monopolen dominiert, weil das Urheberrecht ein Monopolrecht ist. Diese Monopole werden mehrheitlich von Unternehmen kontrolliert, deren Geschäftsmodell mit dem Internet nicht kompatibel ist. Diese Unternehmen nutzen ihre Monopolmacht, um zum Beispiel Musik-Startups auszuquetschen. Es ist kein Zufall, dass Spotify noch nicht weltweit durchgestartet ist. Das liegt nur zum Teil daran, dass die Tatsache, für jedes Land eigene Lizenzen einzuholen, ein kompliziertes und zeitaufwendiges Unterfangen ist. Es liegt auch daran, dass diese Lizenzen ausgesprochen hoch sind.

Was könnten die Label selbst tun, um die Situation für Musiker im Internetzeitalter zu verbessern?

Nun, zum Beispiel könnten sie Whitelabel-Streaming-Angebote ihrer Backkataloge als erschwingliches B2B-Angebot anbieten, so dass Startups dann darauf Innovationen aufbauen könnten. Es existiert ein Brachland online, wenn es um den Musiksektor geht und zwar aus dem einfachen Grund, weil man kein erfolgreiches Angebot im Musikbereich aufbauen kann, ohne die direkte Möglichkeit zu integrieren, die Musik der Musiker auch hören zu können. Genau das ist aber selten erwschwinglich.

Wäre diese Situation anders, könnten sehr viel mehr Experimente stattfinden, wie man potentielle Fans und Musiker zusammenbringt und wie man monetäre Transaktionen gestalten könnte (Lokale Nachfrage sichtbar machen, Organisationsaufwand für Tourmanagement etc. automatisieren, Merchandise, Fanclubs usw.). Aber stattdessen ist es so, dass Startupgründer und Investoren durch die immer währende Abmahngefahr abgeschreckt werden und der Onlinemusiksektor zu den eher schwierigen Feldern zählt.

Internetideologie? Wo?

Das sind Erkenntnisse, die man von Lanier nicht erhalten wird. Stattdessen spricht er von einer vermeintlichen Ideologie und die FAZ freut sich darüber, dass da einer von der gegnerischen Seite ist, der endlich das Licht sieht. Unsinn. Es geht nicht um gegnerische Bevölkerungsschichten, um "die gegen uns", auch wenn es einige deutsche Blogger mit überzogenem Bedarf nach Aufmerksamkeit in den letzten Jahren gern so dargestellt haben (und auch wenn nicht wenige deutsche Journalisten in der Angst um Job oder Deutungshoheit das Gleiche getan haben und noch tun).

Es ist intellektuell ausgesprochen faul, seinem Gegenüber einfach Ideologien zu unterstellen, ohne die tatsächlich gemachten Argumente selbst zu überprüfen.

Those are just facts, and facts are just opinions, and opinions can be wrong. - Das sind nur Fakten, und Fakten sind nur Meinungen, und Meinungen können falsch sein.

Aus der TV-Serie 'Better Off Ted'

Wenn man sich über eine Internetideologie ereifert, in der Menschen angeblich Anderen vorschreiben, wie sie ihr Geld zu verdienen haben, dann wäre das Minimum das Benennen von einzelnen Wortführern oder zumindest Publikationen, die die vermeintliche Internetideologie bestimmen oder zumindest prägen. So dass sich der Leser ein eigenes Bild von diesen fehlgeleiteten Individuen machen kann. Aber weder bei Lanier noch bei anderen selbsternannten Kritikern dieser erfundenen Ideologie wird man das vorfinden. Weil sie nicht existiert. Sie ist ein Strohmannargument.

Keine Gratiskultur

Lanier schreibt von der Gratiskultur. Ein weiteres Konstrukt, das nicht existiert . So schreibt er in seinem Essay für die FAZ:

„Informationen wollen frei sein“, heißt es. Stewart Brand, der Begründer des „Whole Earth Catalog“, eines legendären Verzeichnisses relevanter Publikationen der Gegenkultur, scheint es als Erster gesagt zu haben. Ich behaupte: Informationen verdienen es nicht, frei zu sein. Die Cyber-Totalitaristen tun gerne so, als wäre Information lebendig und hätte ihre eigenen Vorstellungen und Ziele.

Das ist ausgesprochen hanebüchen. Niemand unterstellt Informationen Vorstellungen und Ziele. Brands komplettes Zitat findet man in Chris Andersons Free:

On the one hand information wants to be expensive, because it's so valuable. The right information in the right place just changes your life. On the other hand, information wants to be free, because the cost of getting it out is getting lower and lower all the time. So you have these two fighting against each other.

Brand spricht nicht davon, dass Informationen eigene Vorstellungen oder Ziele hätten, wie es Lanier andeutet. Er spricht von den Kosten der Erstellung und der Verbreitung von Informationen. Die Kosten für die Verbreitung von Informationen (und damit auch von Informationsgütern, also Text, Audio, Video) sind mit der Digitalisierung und dem Internet dramatisch gefallen.

Dass online viel kostenfrei verfügbar ist, hat nichts mit Ideologie oder Geiz zu tun. Es ist Marktwirtschaft am Werkeln. Die Gründe für die Veränderungen liegen:

  • bei (mentalen und herkömmlichen) online gesunkenen Transaktionskosten,
  • den Kostenstrukturen digitaler Güter (niedrige bis gar nicht vorhandenene Grenzkosten)
  • und der daraus resultierenden Konkurrenzsituation ("Käufermarkt").

Der werbefinanzierte Journalismus

Lanier schreibt im FAZ-Essay:

Ironie des Schicksals: Heute hat sich die Werbung zur einzigen Ausdrucksform gemausert, die in der kommenden neuen Welt echten kommerziellen Schutz verdient. Jede andere Ausdrucksform soll bis zur Bedeutungslosigkeit neu durchgemischt, anonymisiert und aus dem Zusammenhang gerissen werden. Anzeigen jedoch gestaltet man immer kontextbezogener, und ihr Inhalt ist absolut sakrosankt.

Davon verstehe ich nur den ersten Halbsatz. Was "kommerzieller Schutz" ist, was bis zur Bedeutungslosigkeit neu durchgemischt wird und warum Anzeigeninhalt sakrosankt sein soll, erschließt sich mir nicht.

Wie dem auch sei. Lanier findet Werbung nicht gut. Er schreibt:

Werbung bildete den eigentlichen Kern des schlimmsten aller Teufel, die wir zerstören würden, des kommerziellen Fernsehens.

Dass Journalismus seit sehr langer Zeit ein werbefinanziertes Geschäft ist, weiß er nicht, oder es interessiert ihn nicht. Auch die Gehälter der von ihm gefeierten Woodward und Bernstein wurden von der Washington Post mehrheitlich mit Werbung finanziert.

Die Zeitungskrise

Lanier in seinem Aufsatz für die FAZ:

Wäre die amerikanische Geschichte in den vergangenen Jahren irgendwie anders verlaufen, weniger katastrophal, wenn das Geschäftsmodell der Zeitung nicht unter Beschuss gestanden hätte? Gewiss, es gab mehr Blogger, aber zugleich weniger Bob Woodwards und Carl Bernsteins, und das in einer Zeit, in der desaströse ökonomische und militärische Entscheidungen getroffen wurden.

Hier sieht man die ganze Tragödie, wenn jemand versucht, eine Situation zu analysieren und von vornherein Ideologen am Werk sieht. Natürlich untergräbt das zerbröselnde Geschäftsmodell der Zeitung die Wirkungsmacht der vierten Gewalt. Aber woran liegt das?

  • Daran, dass die Werbetreibenden online mehr Werbefläche zur Auswahl haben, die zugleich attraktiver sein kann, als der Werbeplatz in der Zeitung.
  • Daran, das Internetdienste, Kleinanzeigen effizienter für Suchende und Anbietende umsetzen können, als Zeitung.
  • Und daran, dass, noch einmal, die grundsätzlichen Rahmenbedingungen für ein elektronisches, weltweit vernetztes Internet anders sind, als für die Auslieferung von Text auf Papier.

Also, wer hat schuld an der Zeitungskrise?

  1. Internetideologen , die alles umsonst wollen?
  2. Investoren und Shareholder , die ein Minimum an Renditen von Zeitungen auch in schlechten Zeiten verlangen und dafür auch Kosteneinsparungen auf Mitarbeiterseite in Kauf nehmen?
  3. Entscheidungsträger in den Verlagen , die auf Biegen und Brechen das auf den industriellen Rahmen zugeschnittene Vorgehen plus dafür aufgebaute Kostenstruktur in das Internet übertragen wollen?
  4. Die Digitalisierung und Internet , die neue Herangehensweisen verlangen, weil der Markt durch sie ein anderer wird?

Lanier sieht die Schuldigen bei Punkt 1. Eine bequeme Sichtweise auch für die Verlage, Redakteure und Journalisten. Meiner Meinung nach ist es eher eine Mischung aus den restlichen Punkten. Niemand kann die Verlage zwingen, ihre Inhalte online kostenlos anzubieten.

Kein Internetideologe hätte die Macht dazu. Selbst wenn er tatsächlich existieren würde.

Auf Laniers Frage, warum in den letzten für die USA desaströsen Jahren, nicht mehr durch Blogger aufgedeckt wurde, gibt es auch eine Antwort. Eigentlich zwei.

Erstens: Die Blogosphäre ist noch jung. Die ersten Zeitungen, wenige Jahre nach ihrem Entstehen, legten ebenfalls keinen investigativen Journalismus an den Tag. Nebenbei: Dass immer wieder Ausnahmen im Journalismusgeschäft, wie hier bei Lanier der Watergate-Skandal von 1972(!), herhalten müssen, zeugt von keiner so guten Datenbasis beim Qualitätsjournalismus, wie es von seinen Vertretern oft suggeriert wird. (Was ich damit meine: Der Anteil von investigativem Journalismus am Gesamtjournalismus ist bei weitem nicht so hoch, wie oft suggeriert.)

Zweitens : Die US-Blogosphäre hat innerhalb kürzester Zeit sich vor allem in den ersten Jahren des Irak-Kriegs gegenüber der etablierten Presse behauptet und mit einem Bruchteil des Budgets unzählige Missstände aufgedeckt, die sonst verborgen geblieben wären.

Jaron Lanier, Leistungsschutzrechtbefürworter?

Laniers Lösung für die von ihm festgestellten Probleme klingt arg nach dem Leistungsschutzrecht, dass deutsche Presseverlage für sich im Internet durchsetzen wollen:

Jeder könnte so Zugriff auf das Produkt jedes Anbieters haben, für eine verschwindend geringe Gebühr. Information wäre damit nicht absolut kostenlos zu haben, aber sie wäre sehr erschwinglich. Zudem gäbe es keine Trennung zwischen intellektueller oder künstlerischer Aktivität und der Wirtschaft, die beiden Sphären blieben verbunden. Und erhalten blieben auch Kreativität und Flexibilität, all die Vorzüge des Internets, die wir alle lieben, also dass alle möglichen Leute alle nur möglichen Dinge tun können. Die Offenheit wäre bewahrt, und doch käme die ökonomische Welt zu ihrem Recht, was für die Zivilisation von entscheidender Bedeutung ist. Die Sache muss universell gültig sein, ausgearbeitet auf Regierungsebene, nicht von einem Privatunternehmen.

Der einzige Unterschied: Beim Leistungsschutzrecht zahlt dann nicht der abrufende User direkt, sondern der verlinkende Internetanbieter. (Denke ich. Etwas Genaues weiß man ja nicht.)

Lanier, der, ohne sich die Mühe der Recherche zu machen (oder zumindest davon nichts erkennen lässt), indirekte Bezahlungsmethoden als generell gescheitert ansieht und damit ablehnt, sieht in der direkten Bezahlung die einzige, wahre Lösung.

Indirekte Bezahlung verstehen heißt die Internetökonomie verstehen

Die Ansicht, dass direkte Bezahlung die Lösung ist, ist weitverbreitet, weil die direkte Bezahlung jene ist, die man aus dem Alltag der industriellen Gesellschaft kennt, in der jeder von uns aufgewachsen ist.

Ignoriert werden dabei die bereits oben angesprochenen Rahmenbedingungen der digitalen Netzwerkökonomie ebenso wie direkte Bezahlung ineffizienter machende Umstände wie mentale Transaktionskosten. Was in Verbindung mit einem erbarmungslosen Wettbewerb ("Käufermarkt"!) hin zur indirekten Bezahlung führt.

Ganz zu schweigen davon, dass Jaron Lanier mit seinem Ansatz, alles direkt abzukassieren, ein komplexes Unterfangen in einem Absatz zusammenfasst. Bei so etwas liegt allerdings der Teufel im Detail. Man denke etwa an die Kulturflatrate, ein ähnliches Konzept.

Wie wenig Lanier von Wirtschaft versteht, kann man auch in dieser Aussage im FAZ-Interview erkennen:

[..] die erfolgreichsten Aspekte des Internets sind mit meinen Vorstellungen vereinbar. Amazon zum Beispiel nimmt Geld ein, indem es Autoren hilft, Geld einzunehmen. Es gibt keinen Grund, warum es im Internet keine erfolgreiche Firma geben sollte. Websites, die ich am meisten kritisiere, sind zufällig auch jene, die nicht profitabel sind. Sie bieten Mash-ups an, bei denen die individuelle Stimme nicht mehr zu hören ist: Facebook, Twitter, Wikipedia.

Er nennt Google wahrscheinlich nicht, weil er Werbung für schlecht hält und der Meinung ist, dass Google z.B. Online-Publikationen nicht beim Geldverdienen hilft. Gleichzeitig findet er Amazon gut. Facebook und Twitter dagegen wieder schlecht.

Warum? Weil Amazon aus Endnutzersicht auf direkter Bezahlung basiert. Facebook (u.A. Werbung) und Twitter (unter anderem Suchmaschinendeals) auf indirekter Bezahlung. Beide letztere übrigens seit kurzem laut eigener Aussage Break-Even (Facebook) oder höchstwahrscheinlich profitabel (Twitter).

Der Anti-Voltaire

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass Lanier Meinungsvielfalt für negativ hält:

Und statt sich einer hartnäckigen Presse stellen zu müssen, wurde die Regierung vage auf Blogger hingewiesen, die einander lautstark widersprachen und sich gegenseitig neutralisierten. Diesen oder jenen Skandal haben Blogger gewiss aufgedeckt, aber das taten auch die Blogger von der jeweiligen Gegenseite. Unter dem Strich produzierte die Blogosphäre leeres Gerede, wie es in den heute hochgejubelten flachen und offenen Systemen eigentlich immer geschieht.

Bleibt die Frage, ob Jaron Lanier auch der Meinung ist, dass die Printpresse dadurch geschwächt ist, dass es mehr als eine Zeitung am Markt gibt - und diese Zeitungen auch noch verschiedenen politischen Lagern angehören können.

Fazit

Es gebe noch mehr zu sagen. Etwa darüber, wie verquer Lanier das Prinzip der Schwarmintelligenz sieht. Oder wie er im Interview jeden Moment kurz davor scheint zu sagen, dass das Internet kein rechtsfreier Raum sein darf. Oder sein Verständnis vom Mashup als ein Ding ohne eigene Aussage und dem damit verbundenen Kunstverständnis (Breaking News: Künstler nutzen Versatzstücke von anderen für ihre eigenen Werke seit Jahrhunderten. Siehe etwa Shakespeare).

Jeder, der von einer Gratiskultur oder Umsonstkultur spricht, will die von mir im Artikel angesprochenen Realitäten entweder argumentativ umschiffen oder ihm sind sie gar nicht bewusst. So oder so: Erkenntnisse erhält man auf diese Weise nicht. Das Gleiche gilt für das Konstrukt der Internetideologie. Ein Strohmannargument, mit dem man für jeden noch so komplizierten Umstand eine einfache Pseudo-Erklärung aus dem Ärmel schütteln kann.

Der Internetideologe ist für Lanier, was dem Kleinkind das Monster unter dem Bett ist.

Aussagen, wie die folgende entbehren jeder Form von Logik:

Die neue Geek-Religion, in der das Internet ein lebender Organismus ist und als vermeintliches Wesen angebetet wird, kann einen schon sehr enttäuschen. Der Markt hingegen funktioniert ja in gewisser Weise. Wenn es nach ihm ginge, wäre Twitter, wäre Facebook, wäre all das Zeug, das ich nicht mag, Vergangenheit. Die Ideologie überstimmt da den Markt.

Lanier scheint keine Ahnung von den ökonomischen Verschiebungen oder den Dynamiken im Internet zu haben. Das Gleiche gilt, so scheint es, für die Redaktion der FAZ. Das Veröffentlichen solcher Texte führt nur bedingt zu einem Erkenntnisgewinn. Um den geht es aber wohl auch gar nicht. Es geht um das Schüren von Vorurteilen bei der eigenen Leserschaft.

Es geht um das Konstruieren eines "Wir" (die Kreativen, die Journalisten, kurz: die, die Inhalte, Werte schaffen) gegen "die Anderen" (die Internetideologen, die uns entmachten und alles umsonst wollen).

An der Realität geht das alles freilich völlig vorbei.

Eines muss man der FAZ allerdings lassen. Sie gehen die Debatte intellektueller an, als es etwa seinerzeit letztes Jahr in der ZEIT stattfand (man erinnere sich etwa an den Soboczynski-Artikel (unsere Replik) oder den Artikel von Wefing (unsere Replik) ). Trotzdem: An den wahren, wichtigen Dingen gehen diese Artikel und die hinter ihnen stehende Strategie völlig vorbei. Ernsthafte Auseinandersetzung mit der Realität ist das nicht.

Warum wird man Texte von Leuten wie Yochai Benkler oder Clay Shirky nicht in der FAZ vorfinden? Weil sie nicht mit Ideologien argumentieren. Weil sich ihre Sachargumente schwerer widerlegen lassen. Weil sie tatsächlich versuchen, zu verstehen, was hier mit dem Internet und der Gesellschaft gerade passiert.

Würde man sich mit Benkler, Shirky, Lessig, meinetwegen auch Ökonomen wie Varian usw. ernsthaft auseinander setzen, dann müsste man sich am Ende mit ernsthaften Argumenten beschäftigen und würde vielleicht echte, zum Beispiel für viele Presseverlage unschöne, Einsichten erhalten.

Wahrer Erkenntnisgewinn, der allerdings schmerzt. Wo kämen wir denn da hin.

(Foto: vanz; CC-Lizenz )

Kommentare

  • jo

    20.01.10 (02:46:25)

    "Niemand unterstellt Informationen Vorstellungen und Ziele." Am wenigsten eigentlich die "Cyber-Totalitaristen", die vertreten nämlich üblicherweise die - meiner bescheidenen Meinung nach - ebenso weltfremde Ansicht, dass Informationen ansich neutral und ideologiefrei sei. Dass es so einfach nicht ist, wissen wir spästestens seit den frühen Siebzigern durch McLuhan und/oder die Apparatus-Theorie. PS: Danke für die Arbeit, die du dir mit der Replik gemacht hast. Darf ich sie trotzdem kritisieren? Ok, ich mache es einfach: Da oben sind viele interessante Gedanken drin, allerdings auch eine Menge überschüssiges Wort- und Gedankengerümpel. Zusammengekürzt auf 1/3 des Umfangs wäre die Replik vermutlich ein deutlich besserer Text.

  • Lydia

    20.01.10 (03:14:58)

    Sehr wohl wird der Musiker gezwungen, seine Musik kostenlos abzugeben. Er besitzt nämlich gar keine Kontrolle. Erfolg allerdings ist im Musikgeschäft immer eine Frage der Zeit, des Gespürs und der eigenen Vermarktung. Es gibt diverse Bands, die sich schon seit Jahren mit dem Internet um ihre Fans bemühen. Linkin Park schon vor dem ersten Album. Lainer kritisiert, dass es keine wirkliches alternatives Modell gibt. Die einzigen Konzertveranstalter, die Rekordumsätze verbuchen, sind allerdings auch die mit den großen Künstlern im Gepäck. So werden diese in diesem Sinne zum "neuen Monopol". Tatsächlich sehe ich es allerdings so, dass nun einfach nur jene Musiker überleben werden, die koste was es wolle ihre Kunst produzieren möchten. In anderen Kunstbereichen wie etwa der Literatur oder Malerei war die Chance, groß rauszukommen, immer sehr gering. Die Musik wird jetzt einfach da eingereiht, schade, aber wer für seine Kunst lebt, wird sich nicht aufhalten lassen. Eine Internetideologie zu leugnen, halte ich für ziemlich absurd. Allein die Art und Weise deines Artikels schildert deutlich eben diese wieder. Auf den rest wollte ich auch noch antworten, aber vielleicht mache ich das morgen.

  • Kulturvernichter

    20.01.10 (04:44:12)

    Ich denke Lydia redet von der Gemazwangsmitgliedschatft Gruss

  • Helge

    20.01.10 (07:14:29)

    @Marcel Weiss - Mit Verlaub, deine An/Einsichten sind auch nicht stichhaltiger. Die aktuelle Entwicklung der Medien macht es nachweislich schwer hochwertige und anspruchsvolle Inhalte zu produzieren und diese auch zu finanzieren. Egal was von wem wie produziert wird (einzeln, als crowd, open oder closed), es muss auch ein Bewusstsein für die Qualität da sein. Die aktuellen Medienformate und Netzwerke verleiten schnell mal dazu sich wie ein Kind im Süssigkeitenladen zu benehmen, ohne sich der eigenen Verantwortung bewusst zu werden. Es ist nicht lange her, da haben wir die Natur als free & easy betrachtet. Die Rechnung zahlen wir jetzt. Das kann bei den Medieninhalten auch kommen, wenn man sich nicht in Erinnerung ruft das auch Medien ein Environment haben das gepflegt werden will.

  • Thorstena

    20.01.10 (07:48:54)

    Lanier kann man sicher kritisieren - dass aber ausgerechnet hier auf diesem Blog, dessen Autoren sich auch schonmal als "digitale Missionare" bezeichnen (http://netzwertig.com/2009/06/09/von-digitalen-missionaren/), geleugnet wird, dass es so etwas wie eine Internetideologie gebe, ist ja schon niedlich.

  • musikdieb

    20.01.10 (11:23:39)

    Bisher fand ich Marcel Weiss Artikel eigentlich meistens ganz brauchbar, wenn auch schon immer etwas langatmig. Aber das ist ja wohl genauso dämlich wie das was Jaron Lanier schreibt. Die Einleitung "it’s a dirty job but someone’s gotta do it" sagt schon alles. Er hält sich für denjenigen der sich auskennt auf alles eine Antwort hat. Das ist genau die ideologisch verhaftete Sichtweise, die Jaron Lanier kritisiert. Ich stimme ganz bestimmt nicht mit Jaron Laniers Aussagen überein, mit den meisten zumindest nicht. Aber Marcel Weiss versucht auf Teufel komm raus den vermeintlichen Gegner totzuargumentieren. So kommen wir in der Debatte bestimmt nicht weiter. So wird es auch nie eine Debatte werden. Ich bin auch ein Pionier des Aufbegehrens gegen das "geistige Eigentum" (obwohl Musiker und Grafiker, also Urheber), schreibe in meinem Blog seit über 5 Jahren darüber, habe die Piratenartei mitgegründet u.s.w.. Langsam bin ich von der Debatte aber extrem angenervt. Junge Nerds maßen sich an, über Musik, Kunst und Kultur urteilen zu wollen, ohne ernsthaft über Ethik oder Philosophie zu reden, ohne eine mehr als nur flüchtige Ahnung von Kulturgeschichte zu haben, ohne die Belange der Urheber zu sehen, die mehr als nur Mashups machen wollen. Ja, auch Shakespeare, Bach, Beethoven, etc. haben bestehende Werke, vor allem aus der Volkskunst genutzt. Aber das meint Lanier nicht mit "Mashup". Was man unter Mashups versteht, ist ein (meist) relativ billiges Zusammenmixen bestehender Werke. In der Musik bezeichnet es nicht etwa das Covern bzw. Interpretieren und Neuarrangieren bestehender Songs, auch nicht, wenn aus mehreren bestehenden Teilen ein neues Werk geschaffen wird, sondern es bezeichnet das Verwenden von Samples (also bestehender Aufnahmen), aus denen collagenartig ein neuer Song zusammengesetzt wird. Das ist etwas fundamental anderes als die Samples selber einzuspielen, selbst wenn sie von wem anders komponiert wurden. Dieses (gewollte?) Mißverständnis zeigt mir eindeutig, dass Marcel Weiss entweder nicht fähig oder nicht willens ist, ernsthaft auf das Gegenüber einzugehen. Ach ja, hier noch ein thematisch passendes Werk von mir. Der Song ist KEIN Mashup (wie derjenige, der in in's Netz gestellt hat leider auch fälschlicherweise in der Beschreibung geschrieben hat), sondern eine Coverversion. Die Instrumente sind nämlich alle selber eingespielt. Leider nur mit extrem billigen Mitteln. Aber das Video ist ein Mashup... :-) http://www.youtube.com/watch?v=T6pv0ocuLrM

  • Chris

    20.01.10 (12:04:30)

    Nur kurz eine Anmerkung: Musik war schon immer Kunst, in einer Reihe mit Literatur und Malerei. Nur seit den letzten 100 Jahren, hat die Industrialisierung ein Produkt aus ihr gemacht. Das was grad im Netz vor sich geht, macht aus der Musik wieder das was sie mal war, nämlich Kunst. Ist das denn so schlecht?

  • erz

    20.01.10 (12:12:02)

    The pot calling the cettle black? +1 Natürlich seid ihr hier Ideologen - nicht nur in dem Sinne, dass es keine werturteilsfreie Perspektive auf die Welt gibt, dieses Blog trägt aktiv zu einer Polarisierung von Positionen bei. Das zu verleugnen ist schon etwas befremdend. Trotzdem kann aus solcher Polarisierung ja ein Beitrag zu einer Debatte entstehen, nur den Anspruch unabhängig und überparteilich zu sein, sollte netzwertig bitte nicht für sich in Anspruch nehmen. Das wäre der Debatte dann doch nicht zuträglich. "techological determinism" fällt mir spontan als Schlagwort aus der CMC-Forschung ein. Wenn ich Zeit finde, werde ich mich da mal intensiver mit beschäftigen und in die Debatte einsteigen.

  • Martin Weigert

    20.01.10 (12:21:43)

    Das was grad im Netz vor sich geht, macht aus der Musik wieder das was sie mal war, nämlich Kunst. Ist das denn so schlecht? Chris, ein sehr wichtiger und guter Gedanke, wie ich finde. Es gibt kein Grundrecht auf die Möglichkeit zur Monetarisierung von Kunst. Wer es schafft, gut. Wer nicht, Pecht gehabt.

  • Chris

    20.01.10 (12:43:11)

    @Martin, es gibt kein Grundrecht dafür, richtig. Dennoch wird es Menschen geben die für Musik bezahlen, wenn sie die Musik schätzen und auch den Künstler (! Produzent) unterstützen wollen und ihm eine Basis geben wollen, damit er weiter Musik machen kann. Ich denke, dass der ethische Aspekt immer mehr an Bedeutung gewinnt. Weg vom Produkt --> Hin zur Kunst halt (Kommentar ist an falscher Stelle, hatte kein Plan wie ich das unter deins bekomm, Martin)

  • Manu

    20.01.10 (13:05:06)

    Es gibt kein Grundrecht auf die Möglichkeit zur Monetarisierung von Kunst. Was soll das denn sein? Für welche Wirtschaftsgüter gibt es so etwas? Es gibt ein Recht Kunst gegen Geld anzubieten und auch das Recht dabei nicht beklaut zu werden.

  • Manu

    20.01.10 (13:23:46)

    "Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein" Marcell, man kann diesen Satz beinahe in jedem deiner Artikel lesen. Auch wenn dich dieser Satz empört und du dich auf der Anti-Schäuble-Welle wohlt fühltest. Irgendwann sollte man erkennen, dass man ein totes Pferd reitet.

  • Martin Weigert

    20.01.10 (13:30:58)

    "Klauen" ist ein Begriff, der im digitalen Zeitalter zu völlig falschen Assoziationen führt. Wer klaut, nimmt etwas, ohne zu bezahlen, das anschließend nicht mehr an jemand anderes verkauft werden kann. Da digitale Güter beliebig kopiert werden können, ist Klauen hier ein unpassender Begriff. Wer ihn in diesem Zusammenhang anwendet, diskreditiert sich selbst, da es den Versuch enttarnt, alte Strukturen und Denkweisen auf neue Technologien anzuwenden. Was nicht funktioniert.

  • Martin Weigert

    20.01.10 (13:41:30)

    Da liegen wir auf einer Linie. Stichwort "Thank you economy". P.S. Du musst unter dem "Stammkommentar", auf den initial geantwortet wurde, auf "Antworten" klicken.

  • Manu

    20.01.10 (14:02:19)

    “Klauen” ist ein Begriff, der im digitalen Zeitalter zu völlig falschen Assoziationen führt. Wer klaut, nimmt etwas, ohne zu bezahlen, das anschließend nicht mehr an jemand anderes verkauft werden kann. Klingt nach Selbstjustiz. Aber jetzt ist mir auch klar, warum fernöstliche Länder das Design westlicher Produkte kopieren. Das Design kann schließlich undnedlich oft kopiert werden. Du bist mir nich eine Antwort schuldig: Für welche Produkte gibt es ein Grundrecht auf Monetarisierung?

  • Jens

    20.01.10 (14:05:15)

    Der Grund, weshalb man sich mit dem Interview nicht wirklich beschäftigen mag dürfte - ausgehend von mir - der sein, daß Ideologien nerven. Egal in welcher Ausprägung. Ich mag das Internet aus bestimmten Gründen: Es ist ein prima Medium, über das ich mich auszudrücken und vernetzen kann. Über das ich Informationen austauschen kann, ob diese nun Text oder Ton oder Bild sind oder ob es um Politik, Wissen oder Unterhaltung geht. All das konnte ich vor dem Internet nicht und ich bin alt genug, um den Unterschied noch zu kennen. Wenn irgendwer also irgendwann mal eine Ideologie postuliert hat und nun feststellt, daß sie nicht in die Realitäten passt dann lese ich das, zucke mit den Achseln und sage "So ist das mit Ideologien nun mal. Sonst wäre es keine gewesen". Über Ideologien zu streiten ist das langweiligste der Welt und das überlasse ich daher gerne denen, die sowas vielleicht brauchen.

  • Martin Weigert

    20.01.10 (14:08:06)

    Auf keine, die Antwort hast du dir doch selbst gegeben. Aber in anderen Wirtschaftszweigen passen sich die Anbieter an technischen, gesellschaftlichen und Nachfragenwandel an, wenn sich ihre Dinge nicht mehr verkaufen. Im Medienbereich wird stattdessen nach Politik und dem Gesetzgeber gerufen, weil man sich nicht ändern will und den technischen Fortschritt nicht akzeptieren kann.

  • Marcel Weiss

    20.01.10 (14:18:22)

    Fair enough. Der Artikel war wirklich etwas lang geworden. Ich hatte deshalb versucht, ihn möglichst scannbar zu machen.

  • Marcel Weiss

    20.01.10 (14:20:41)

    @Lydia: "Eine Internetideologie zu leugnen, halte ich für ziemlich absurd. Allein die Art und Weise deines Artikels schildert deutlich eben diese wieder." Bitte konkrete Beispiele.

  • Marcel Weiss

    20.01.10 (14:23:45)

    @Helge "Mit Verlaub, deine An/Einsichten sind auch nicht stichhaltiger. Die aktuelle Entwicklung der Medien macht es nachweislich schwer hochwertige und anspruchsvolle Inhalte zu produzieren und diese auch zu finanzieren." Welche 'Ansichten' konkret sind nicht stichhaltiger? Ich habe z.B. nie behauptet, dass es einfacher geworden sei, 'hochwertige Inhalte' zu produzieren. Gerade in Zeiten des Umbruchs ist so schwer, wie sonst nie, weil die neuen Strukturen noch fehlen während die alten wegbrechen.

  • Marcel Weiss

    20.01.10 (14:28:55)

    In Martins Artikel ging es mehr darum, wie man am besten argumentiert, um seine Sichtweise gut darzulegen. Die Wortwahl mit "Missionaren" war sicher nicht so gut gewählt. Zeige mir doch bitte konkret, was in meinem Artikel ideologische Aussagen sind.

  • Marcel Weiss

    20.01.10 (14:33:19)

    "Aber Marcel Weiss versucht auf Teufel komm raus den vermeintlichen Gegner totzuargumentieren." Es tut mir leid, wenn das so herübergekommen ist. Ich habe Laniers Argumente analysiert und leider ist da nicht viel sinnvolles übrig geblieben. Was Mashups angeht: Natürlich sind sie eine Steigerung. Sie machen aber auch nur sichtbar, was in der Kunst (jeder Kunst) gang und gebe ist. Das Problem des heutigen Urheberrechts und der darum kreisenden öffentlichen Diskussion ist das Bild vom Künstler als Genie in der einsamen Kammer.

  • Wittkewitz

    20.01.10 (14:37:50)

    Yochai Benkler erscheint nicht im Horizont der FAZ, genauso wie Lovink, Castells, Ariely oder Rosling... Qualitätsjournalismus filtert eben - die Gründe für das Weglassen oder Ausblenden sind Teil des mystischen Begriffs Qualitätsjournalismus. Man muss ihn einfach als Antagonist zu Transparenz sehen, dann ist das alles konsistent.

  • Marcel Weiss

    20.01.10 (14:41:15)

    Das mag überraschen, aber ich versuche nicht zu polarisieren. Ich versuche, die Realität so gut es geht zu erfassen und dann daraus Rückschlüsse zu ziehen, was das beste für die gesamte Gesellschaft wäre. Ich sehe zum Beispiel nicht, dass durch das Internet alles gut wird. In einem Land, das durch alle Bevölkerungsschichten von Pessimisten bezügl. des Webs bestimmt wird, wird man aber mit einer gemäßigteren Sichtweise schnell als polarisierend angesehen. (Meine Erfahrung.) Mich würde im übrigen interessieren, was an meinem Artikel lediglich ideologisch untermauert ist.

  • Marcel Weiss

    20.01.10 (14:44:03)

    Da ist was dran.

  • slowtiger

    20.01.10 (14:45:04)

    Nur eine Korrektur: es gibt sehr wohl Musiker/Komponisten/Produzenten, die niemals öffentlich auftreten. Zu behaupten, alle Musiker könnten den Einnahmeausfall von Tonträgern durch Auftritte kompensieren, ist dumm und dreist.

  • Marcel Weiss

    20.01.10 (14:46:43)

    "All das konnte ich vor dem Internet nicht und ich bin alt genug, um den Unterschied noch zu kennen." Das ist ein interessanter Punkt. Diejenigen von uns, die bewusst beide Welten erlebt haben, sind in, man könnte schon sagen historisch, einmaligen Position.

  • Marcel Weiss

    20.01.10 (14:49:04)

    Das behaupte ich nicht. Siehe meinen Artikel zu den Einnahmemöglichkeiten von Musikern.

  • Florian Steglich

    20.01.10 (15:18:31)

    Ich denke, es ist banaler: Lanier hat sich eine Konfrontationsecke gesucht, der Journalisten nicht widerstehen können, die des Netzpioniers, der nun aber gegen all die anderen Netizens argumentiert. Das verkauft er jetzt. Abgesehen davon: Lovink war erst vor wenigen Tagen im Horizont der FAZ, und ich bin mir sehr sicher, daß dort auch Castells und Ariely stattgefunden haben.

  • mspro

    20.01.10 (15:55:47)

    Hallo Marcel, ich gleube, ich hab mich über den Artikel und das Interview von Lanier genau so geärgert wie Du. Hatte sogar erwogen etwas darüber zu schreiben, hab mir dann aber gedacht, dass das die Mühe ja gar nicht wert ist. Laniers Argumentation ist derart apodiktisch und unargumentativ, dass man sie getrost als Progandageklingel abtun kann. Aber Du bist etwas hart zu der FAZ. Die führt diese Debatte ja durchaus mehrkanaliger als nur die Lanierausfälle. Shirky kommt zwar nicht drin vor, aber einige andere helle Köpfe (z.b. Kevin Kelly) mit teils sehr guten Gedanken.

  • Helge

    20.01.10 (15:55:48)

    Welche ‘Ansichten’ konkret sind nicht stichhaltiger? Alle. Das du diese Punkte so siehst ist dein Vergnügen. Die Welt ist aber nicht so schwarz/weiss wie du das mit der bold Schrift darstellen willst. Sinnvoll wäre es deine Kritik mit stichhaltigen Argumenten, Zahlen und Fakten zu stützen. Im endeffekt besteht der ganze Beitrag aus einer Auflistung von Dingen von denen, nach deiner Aussage, Lanier keine Ahnung hat, während du sie, ohne jeden belegt, wesentlich besser verstehst und uns auch gleich sagt wie die Welt funktioniert. Frei nach dem Motto "Im eben zitierten Absatz ist Folgendes falsch (...) Stattdessen ist es so:" So einfach ist die Sache leider nicht. Lanier ist sicher kein Heiliger. Seine Punkte sind ebenfalls schlecht formuliert. Nur machst du genau das was du ihm vorwirfst. Du käust die gleichen alten Argumente wieder. Schade, die Gelegenheit wäre günstig gewesen tiefer in die Materie einzusteigen.

  • mspro

    20.01.10 (15:57:14)

    ach so. ich wollt ja noch den link hier positionieren: http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc~EF39C4EB71CB548BCBA2043AC21BC8B1C~ATpl~Ecommon~Sspezial.html

  • Thorstena

    20.01.10 (16:00:18)

    Ich will nicht päpstlicher sein als der Papst, aber in Martin Weigerts Artikel heißt es wortwörtlich, es sei das Bestreben der Autoren dieses Blogs, "die Kenntnis über die schier unbegrenzten Möglichkeiten des Webs zu verbreiten." Das kann man in meinen Augen durchaus als programmatische Äußerung zur Verbreitung einer internetaffinen Weltanschauung verstehen - was ja legitim ist. Wenn Du aber in Deinem Post zum Beispiel schreibst, Lanier halte "Werbung für schlecht", stellst Du die Fakten nicht richtig dar. Das schreibt er gar nicht. Er kritisiert nicht die Werbung an sich, sondern ihre Rolle in der Internet-Ökonomie, die ihm offensichtlich zu exklusiv ist. Man muss sich dieser Meinung nicht anschließen, aber Du solltest Dir die Argumente Laniers auch nicht so zurecht biegen, damit Du sie besser widerlegen kannst. Sonst könnte man annehmen, kritische Äußerungen zur Internet-Ökonomie sind in diesem Blog, in dem es um just diese Ökonomie geht (man könnte auch sagen: in dem diese promotet wird), nicht willkommen, weil Sie der Meinung, Weltanschauung, Ideologie der Betreiber nicht entspricht.

  • Marcel Weiss

    20.01.10 (16:40:12)

    Ja, ich schreibe ja auch am Ende des Artikels, dass die FAZ die Debatte besser angeht als zB die ZEIT oder die in Internetfragen größtenteils katastrophale Süddeutsche. Es ist mir trotzdem noch zu wenig ernsthaft und zu sehr auf eine bestimmte Richtung gebügelt. Ich habe allerdings auch in letzter Zeit die Debatte nicht so verfolgt. Kann sein, dass mir einiges entgangen ist. Danke für den Link. Die Texte schau ich mir mal an.

  • Marcel Weiss

    20.01.10 (16:46:47)

    @Helge: Auch ohne alles, was ich bereits zu diesen Themen geschrieben habe, zu wiederholen, wurde der Artikel recht lang. Für genauere Erklärungen siehe die im Text verlinkten Artikel, in denen Du weitere Argumente, Zahlen und Beispiele findest. Wenn Du konkrete Fragen hast, kann ich die auch hier in den Kommentaren beantworten.

  • Herr Frau

    20.01.10 (16:47:51)

    Man kann über die Musikindustrie sagen, was man will. Ich bin da auch kein allzu großer Fan. Aber die Konstruktion, über physikalische Datenträger den Künstlern ein Einkommen zu sichern, hat in den letzten Jahrzehnten ganz okay funktioniert. Natürlich war der Zugang dadurch zu den Märkten wesentlich schwerer als im Internet usw. Aber es haben eine Menge Künstler geschafft, von ihrer Kunst zu leben. Natürlich gibt es keine Lebensversicherung für Geschäftsmodelle, aber es kann befürchtet werden, dass unter Umständen nicht eine ausreichend große Anzahl Musiker in der Lage ist, sich in der neuen Welt ohne Musikindustrie zu finanzieren. Man kann doch in diesem Zusammenhang - wenn man das befürchtet - anregen darüber zu diskutieren, wie man sich gesellschaftlichen organisieren kann, ohne einen Verlust an künstlerischem Schaffen hinnehmen zu müssen. Ich finde es reichlich arrogant und auch unklug, kritischen Fragern dann immer reaktionäre Gestrigkeit und Propaganda für die Torwächter des Alten vorzuwerfen. Es ist ja schön, dass Du die Zukunft schon kennst und weißt, dass Musiker in Zukunft ausschließlich von Konzerten und Merchandise leben können. Für mich klingt das aber nicht besonders durchdacht und deswegen auch nicht überzeugend. DAS klingt für mich viel mehr nach Ideologie.

  • Martin Weigert

    20.01.10 (16:58:00)

    Die Wortwahl "Missionar" war ganz einfach ehrlich. Ich stehe dazu, dass ich andere gerne von den Vorzügen der Technologie berichte, von der ich überzeugt bin. Andere nennen das Evangelist. Da bin ich auch bei weitem nicht der einzige. ;)

  • Marcel Weiss

    20.01.10 (17:07:26)

    Lanier schreibt im Essay: "In einer früheren, hippiemäßigeren Phase, vor Googles haarsträubendem Aufstieg, herrschte im Silicon Valley eine spürbare Abneigung gegen die Werbung. Damals verunglimpften wir Werbung als eine der Ursünden der schlechten Welt der alten Medien, an deren Sturz wir arbeiteten. Werbung bildete den eigentlichen Kern des schlimmsten aller Teufel, die wir zerstören würden, des kommerziellen Fernsehens." Ich glaube schon, dass diese Abneigung ggü. Werbung bei ihm erhalten geblieben ist. Er ist sichtlich befremdet über werbefinanzierte Inhalte im Web. Man kann durchaus über die Bedeutung von Werbung im Web und die Folgen diskutieren. Aber dazu muss man verstehen, warum das so ist. Lanier tut das nicht. Er versteht die Zusammenhänge nicht. Folgender Absatz ergibt zum Beispiel keinen Sinn, wenn man weiß, dass Journalismus seit unzähligen Jahrzehnten mehrheitlich werbefinanziert ist: "Wenn das Geld in die Werbung fließt und nicht zu Musikern, Journalisten und Künstlern, dann befasst sich eine Gesellschaft mehr mit Manipulation als mit Wahrheit oder Schönheit. Wenn Inhalte wertlos sind, dann werden die Menschen irgendwann hohlköpfig und inhaltslos." ..als gebe es keine Verbindung zwischen Werbung, Verlag und Journalistengehalt. Dass Lanier werbefinanzierte Inhalte als wertlos ansieht, deutet auf seine Überzeugung, dass nur direkte Bezahlung 'richtig' ist. Es deutet auch auf das Missverständnis hin, Wert und Preis gleichzusetzen. Das ist keine gute Grundlage für eine ernsthafte Debatte. Lanier lässt ökonomische Grundkenntnisse vermissen. Was Martin Weigerts Artikel angeht: Die Wortwahl war ungeschickt. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Wir predigen nicht, dass man blind auf Social Web setzen sollte. Siehe etwa zB diesen Artikel. Natürlich schreibt niemand vollkommen objektiv. Im Gegensatz zu vielen Journalisten stehen wir zum subjektiven Bestandteil unserer Texte. Ich versuche aber, mich von Ideologien fern zu halten und möglichst erkenntnisorientiert zu schreiben. Wenn man mir das nicht glaubt, kann ich es nicht ändern.

  • Jochen (Exciting Commerce)

    20.01.10 (23:52:42)

    Großartiger Beitrag! Schön, dass Du wieder zurück bist :-) Hätte das Internet nur ein paar mehr Realisten ...

  • Storm

    21.01.10 (00:22:50)

    Shirky wurde in der FAZ interviewt. den Hamburger Appell hat die Zeitung nicht unterschrieben, in der edge umfrage finden sich mega-missionare. ich sehe hier eine sehr ernsthafte debatte am entstehen mit wirkung auf die politischen eliten. ganz z schweigen von dem ernstnehmen der piratenpartei. aber zu marcels satz: "In einem Land, das durch alle Bevölkerungsschichten von Pessimisten bezügl. des Webs bestimmt wird" - da eben seid ihr auf dem falschen dampfer. es ist akzeptant und euphorie ausgerechnet bei den mega playern, von daimler benz bis zur deutschen bank. das ist einfach nicht wahr, was du schreibst.jeder manager schwärmt vom netz und jeder personalchef nutzt es um seine leute zu finden. die faz-lanier debatte lebt nicht aus polarisierung sondern sie zielt in die zukunft - auf eine gesellschaft, die online ist, aber nicht versteht dass das mehr ist als web 2.o

  • Thomas

    21.01.10 (00:29:36)

    Shirky spielt in dem von der Blogosphäre lobohaft misserverstandenen Buch von Schirrmacher eine wichtige und positive Rolle. Ein Buch in dem schon auf dem Klappentext steht, dass nicht die Technologien schuld sind, sondern kapitalistische Systeme, die die Möglichkeiten algorithmischer Systeme zur Arbeitsoptimierung und Selbstausbeutung nutzen. Zu ihr gehört auch kostenlose Mikroarbeit. Selten übrigens so positives zu Wikipedia gelesen wie bei FAZ-Schirrmacher und dort auch der Satz (in etwa): Im Netz gibt es viel Dummheiten. Aber das ist nicht das Wesentliche. Das Wesentliche ist dass darin einige der intelligensten Menschen der Welt kommunizieren und wir Perlen in fast jeder Nische finden könnten. Er sagt sogar: eine Gedanke, der in irgendeinem Seminar in irgendeiner Uni der Welt getwittert wird, könnte wichtiger und klüger sein als ganze Bibliotheken. Aber wir haben keine Möglichkeit ihn zu finden, weil unsere Filter von Machtstrukturen im Sinne Barabasis bestimmt sind. Schlecht, wie wenig das gelesen wurde.Hat mit Konservativismus nicht viel zu tun. Und in der Linie sehe ich auch Lanier. Siehe auch hier http://www.faz.net/s/RubCEB3712D41B64C3094E31BDC1446D18E/Doc~E170FC276333F41169B32592B87F4B699~ATpl~Ecommon~Scontent.html

  • Udo

    22.01.10 (14:13:18)

    Dieser sehr längliche Beitrag zeigt, dass du die wichtigsten Thesen des Autors nicht verstanden hast (abgesehen davon, dass es unfair ist, ein Interview Satz für Satz zu sezieren): Amazon generiert Umsätze für die Urheber/Autoren. Facebook generiert Umsätze für sich selbst mit den kostenlosen Beiträgen seiner User. Wer nicht Geld für seine eigentliche Arbeit bekommt, ist gezwungen, ständig für irgendwas zu werben (einen Auftraggeber, eine Sache, Spenden, Vodafone etc. pp.) Und das ist nicht gesund auf Dauer, die Grenze zwischen Inhalt und Werbung verschwindet zwangsläufig immer mehr. Das ist der Hauptpunkt von Lanier und da hat er einen wunden Punkt getroffen. Wenn der Autor hinter dem MashUp verschwindet (z.B. bei Wikipedia etc.pp.) braucht er für seine Leistung nicht mehr entlohnt werden, er wird bedeutungslos. Dadurch bekommen wir aber nicht mehr Qualität, weder in der Musik, noch der Literatur, noch sonst wo. Stattdessen bekommen wir schnell und billig vermarktbaren Content-"Matsch". Dass es ein paar interessante Gegenbeispiele in der Musikbranche gibt, bestreitet Lanier gar nicht. Er sagt aber, das seien einzelne Phänomene dieser Übergangszeit. In der Masse zahlt sich das aber für Kreative irgendwann nicht mehr aus. Es gibt kein funktionierendes Geschäftsmodell für kreative Inhalte im Netz! Das ist ein Problem, das klar ausgesprochen werden muss. Radiohead, Nine Inhc Nails, u.v.a. haben ihre Karriere in einem anderen Zeitalter gestartet und können nur deshalb so kommerziell erfolgreich online agieren. Deine Ausführungen zu den Einnahmequellen von Musikern hören sich in der Theorie gut und nachvollziehbar an, sind aber in der Praxis schlichtweg unrealistisch und unsinnig, vor allem im kleinen deutschsprachigen Raum. Es gibt auch heute keinen einzigen triftigen Grund, warum sich jemand damit abfinden sollte, dass seine geistig-kreative Leistung grundsätzlich kostenlos abgegeben werden muss. Musik kommt nicht irgendwoher aus dem Nichts, sondern entsteht in jahrelanger, harter Arbeit und kostet auch noch viel Geld in der Produktion, Studiokosten, Instrumente etc. pp. Genau damit will Lanier sich nicht abfinden - und er hat Recht, diese Diskussion ordentlich zu befeuern, wenn auch nicht jedes Argument sofort einleuchtet.

  • Marcel Weiss

    22.01.10 (16:28:13)

    "Wer nicht Geld für seine eigentliche Arbeit bekommt, ist gezwungen, ständig für irgendwas zu werben" So wie Lanier in den FAZ-Beiträgen für sein neues Buch wirbt? "Es gibt kein funktionierendes Geschäftsmodell für kreative Inhalte im Netz! Das ist ein Problem, das klar ausgesprochen werden muss. Radiohead, Nine Inhc Nails, u.v.a. haben ihre Karriere in einem anderen Zeitalter gestartet und können nur deshalb so kommerziell erfolgreich online agieren." Das ist schlicht nicht wahr. Es gibt Bands/Musiker aller Größenordnungen, die mit neuen Geschäftsmodellen online erfolgreich sind. Dass es noch wenige sind, liegt unter anderem auch daran, dass viele Musiker so wie Du denken, weil sie sich von den Labels einreden lassen, es ginge nicht anders und deshalb auch erst gar nicht experimentieren. Und ein weiterer Grund liegt, wie oben beschrieben, bei den Labels und ihrer Lizenzpolitik, die das Entstehen neuer Strukturen bremst.

  • Marcel Weiss

    22.01.10 (16:30:55)

    Ich kann nicht für andere sprechen, aber ich habe Schirrmachers Buch noch nicht gelesen, weil aus der Ecke zum Thema Internet bis jetzt nur Seichtes bis haarsträubend Dummes kam. Das konzentriert in Buchform wollte ich mir nicht antun. Dafür war mir meine Zeit zu schade. Ich habe mich deswegen auch nie über das Buch geäußert, nur über seine Artikel. Mittlerweile habe ich genug auseinander gehende Meinungen zum Buch gehört, dass ich es mir doch holen und lesen werde. Ich bin gespannt.

  • Thomas

    23.01.10 (12:43:28)

    Ich hoffe, Du lässt uns an Deinen Eindrücken´zu dem Buch hier teilhaben.

  • Ulrich Voß

    25.01.10 (13:51:01)

    Später Kommentar, aber trotzdem als Ergänzung: Der Anteil des investigativen Journalismus durch die etablierte Presse wird noch viel geringer, wenn man die Stories weglässt, die nur dadurch in die Zeitung kommen, weil man früher als Informant die Presse brauchte, um eine Story publik zu machen. Dagegen reichen heute Wikileaks und ein Blogbeitrag. Früher brauchte man dafür den Spiegel oder den Stern Die Anzahl der investigativen Stories, die Insider "geschrieben" haben, ist wahrscheinlich größer als die Zahl der investigativen Stories, die ein Journalist ausgegraben hat.

  • mike

    26.01.10 (11:58:00)

    Eure Abhandlungen zu diesem Thema sind mittlerweile müßig und stinken wie ein alter Fisch: es macht den Anschein als fühltet ihr euch (Ihr Niggemeiers Knüwerts und Co.) von solchen Artikeln persönlich in eurem "digitalen mindset" angegriffen. Wie sonst liesse sich dieses ständige erbsenzählerische sezieren von Auszügen aus kritischen "medienkulturtheoretischen" Quellen erklären. Weder Schirrmacher nach Lanier noch andere kritische Zeitgenossen wie Tyler Brule tun euch etwas. Weder sind eure Beraterverträge in Politik und Verlagswesen dadurch bedroht, noch machen sich euch Vorschriften welche Apps "ihr täglich braucht". Es gibt keine Front, die macht ihr euch nur selbst. Warum? keine Ahnung. Fakt ist jedoch, dass das nur euer Ding ist, ausschliesslich. Den meisten Menschen ist es völlig egal, ob sie Nimbuzz auf ihrem Gerät haben, Hauptsache es telefoniert gut! Die essen analog, die ficken analog, die lesen analog, die daten sich analog, und die nutzen Facebook gerade mal als Geburtstagserinnerer. Tauscht ihr euch mal schön darüber aus "welche Apps ihr täglich BRAUCHT", aber verdreht den Kritikern, die im Gegesatz zu euch, die Relation von verbrannter Lebenszeit vorm Bildschirm vs. realem Nutzengewinn im Hinterkopf haben nicht das Wort.

  • Stefan

    26.01.10 (14:16:28)

    In der Tat sehe ich das genauso wie der liebe Mike. Jedesmal wenn jemand euer Lieblingsmedium im sinne einer eher neutralen Kosten-Nutzenrechnung mal schräg anschaut, kommen gleich reformatorische Tendenzen zum Zug. Auch der Seitenhieb auf Schirrmacher mit dem Vermerk ihn aber garnicht gelesen zu haben ist eher "unglücklich". Ich würde mich viel eher mal fragen, warum jemand mit dem Background wie Lanier zu komplett anderen Ergebnissen kommt als der Blogschreiber. Und journalistisch ist diese seziererische Beweissführung - ohne den Interviewten einmal direkt zu befragen - eh' indiskutabel. So kann man jeden "fertig" machen.

  • Marcel Weiss

    26.01.10 (15:21:20)

    @mike: Wie stellst Du Dir anders einen öffentlichen Diskurs vor? "Schlagabtausch" in Artikeln über Medien hinweg gibt es in den Feuilletons seit Jahrzehnten. Wenn Dir der Inhalt dieses Blogs grundsätzlich zu blöd ist, frage ich mich, warum Du Dir die Zeit nimmst, hier zu kommentieren. @Stefan: Laniers Aussagen hatten nichts mit einer "neutralen Kosten-Nutzenrechnung" zu tun. Seine Aussagen halten nicht einmal einer einfachen Untersuchung mit ökonomischen Basiswissen stand. Lanier stellt sich als der geläuterte Internet-Pionier hin, weil ihn das in die Zeitungen bringt, um -Überraschung!- Aufmerksamkeit für sein neues Buch zu erzeugen. Er macht all das, was er am aktuellen Internet bemängelt; und erkennt es wahrscheinlich nicht einmal. Quasireligiöse Züge nehmen in dieser Debatte wenn dann schon nur die Zeitungen ein, weil man dort regelmäßig Artikel findet, die eine Richtung ohne stichhaltige Argumente versuchen durchzuboxen. Das Fehlen von Argumenten, die einer genaueren Betrachtung standhalten, habe ich oben versucht, aufzuzeigen. "Und journalistisch ist diese seziererische Beweissführung – ohne den Interviewten einmal direkt zu befragen – eh’ indiskutabel. So kann man jeden “fertig” machen." Ja? Was heißt das? Man darf auf Artikel und Interviews nicht im Detail eingehen, ohne die entsprechenden Autoren vorher zu befragen? Sollten diese Artikel nicht selbsterklärend sein? Und wenn man das mit jedem machen kann: Ich bitte darum, das mit meinem Artikel zu tun. :)

  • mike

    26.01.10 (19:25:46)

    @Marcel Es stellt sich dabei die Frage auf welcher Basis dieser Diskurs geführt wird. Wenn du diskutieren willst, und dabei aber in in einer "seziererischen Art" versuchst oberlehrerhaft deine Thesen zu belegen, brauchst du dich nicht zu wundern, wenn der Gegenwind entsprechend ausfällt. Und hier sind dazu ja bereits einige kritische Kommentare gefallen. Wie stellst du dir das vor? Hart austeilen, ganz klar in Form und Ausdruck eine Meinungsführerschaft zu postulieren (merkst du das eigentlich?), dann Kritik kassieren, und im Nachklapp dann zugeben, dass du die entsprechenden Werke nichtmal gelesen hast? Dass man dich dann belächelt und als übereifrigen Gadgetgeek abtut sollte dich nicht wundern. Ach ja, dann das gute alte "Du brauchst ja nicht mitzumachen, wenns dir nicht gefällt."-Argument. Das hat ja fast "Klassensprecher-Niveau" Warum ich hier dennoch noch mitlese? Ich schau hier in die Übersicht nach was gerade diskutiert wird, und am Wochenende les ich mir dann zu den entsprechenden Themen die Feuilletons von Faz,Welt,SZ und Zeit durch. netzwertig taugt dabei für mich nur noch als "Themenaggregator". Das war mal anders, evtl wird es ja mal wieder anders. Zur Zeit geht mir dieser rechthaberische Gestus hier, diese selbstgefällige und selbstreferenzielle "Lobotosierung" aus eurer gemütlichen Gadget-Geek-Ecke nur auf den Keks. Jede der wöchentlichen Google-Abhandlungen von Schirrmmacher hat da mehr zu bieten. Warum: auch wenns manchmal etwas hausbacken ist, ist die Abhandlung wenigstens differenziert und weniger polemisch. An der Stelle kann die "Holzwirtschaft" immer noch punkten. Ach ja, und falls du wissen möchtest, wie man zu diesem Thema online richtig diskutiert, empfehl ich dir die Lektüre von print-würgt.de. "Der Grieche" weiß sowohl diese Themen differenziert zu behandeln, als auch in einen konstruktiven Diskurs mit den Kommentatoren zu treten. Beides Eigenschaften, die ich hier oft vermisse. Btw: lies nächtes Mal die Bücher bevor du über die Autoren abketzt, nicht nur die Reviews! Sowohl Schirrmacher als auch Lanier waren schon im Internet unterwegs, da bist du noch mit nem Playmobil-Piratenschiff um den Weihnachtsbaum gejagt. Diesen Abstand kriegst du nur mit Fachkenntnis nevilliert, bestimmt aber nicht mit einer jugendlichen Arroganzwolke aus Technikfanboy-Nische. Waidmanns Heil!

  • Marcel Weiss

    26.01.10 (19:50:19)

    Ich habe nie behauptet, Payback gelesen zu haben. Das einzige Mal kommt Payback im Text vor, als ich es als Initialisierung der jüngsten FAZ-Internetartikel benenne: "Es sind die gleichen Thesen, die in der FAZ, angestossen von Schirrmachers Buch Payback, von verschiedenen Autoren vertreten werden." Man muss meines Erachtens nicht die Bücher gelesen haben, um die sie flankierenden Artikel zu behandeln, die sich offensichtlich auch und besonders an Nichtleser der Bücher wenden. Das gilt gerade auch für Laniers Thesen. "Wenn du diskutieren willst, und dabei aber in in einer “seziererischen Art” versuchst oberlehrerhaft deine Thesen zu belegen, brauchst du dich nicht zu wundern, wenn der Gegenwind entsprechend ausfällt." In den FAZ-Texten wurden unzählige Thesen wiedergegeben. Wie soll man sich anders mit ihnen befassen als Stück für Stück? Lieber allgemein gehalten und ohne konkret zu werden? Ich finde es erkenntnisbringender, da These für These vorzugehen.

  • Stefan

    27.01.10 (11:50:02)

    "In den FAZ-Texten wurden unzählige Thesen wiedergegeben. Wie soll man sich anders mit ihnen befassen als Stück für Stück? Lieber allgemein gehalten und ohne konkret zu werden?" Also ich finde zumindest, dass man einen Text wie diese FAZ-Vorstellung, der ja nur ein grobes "Abstract" darstellt nicht so "seziererisch" behandeln kann, weil der Text an sich nur eine Zusammenfassung des Inhaltes seines Buches ist. Lanier bzeieht sich zum Beispiel auf "Daten", die einfach wesentliche Thesen der Netzkultur widerlegen, die er aber (platzbedingt) nicht weiter ausführt. Nun braucht man gar nicht erst versuchen, so eine Aussage quasi-wissenschaftlich zu widerlegen, wenn der Kritisierte seine Daten nicht präsentiert. Man hätte wohl eher das Buch lesen sollen, und dann kann man diese Daten seinen eigenen Erfahrungen kritisch gegenüberstellen. Auch der Hinweis darauf, dass Lanier ein Buch verkaufen will ist ein Totschlagsargument sondergleichen. Das wollen in etwas 100% aller Buchautoren, was sagt das aus? Dass er das Gegenteil von dem schreibt, was er eigentlich glaubt, nur um bei der FAZ-Leserschaft Geld zu verdienen? Glaubst du das wirklich? Auf diesem Niveau argumentiert lohnt sich das Lesen deines Blogs in der Tat nur noch zur Überpüfung der eigenen kritischen Medienkompetenz. Ich finde es in der Tat extrem interessant, das GERADE jemand wie Lanier seine eigenen netzkulturellen Aussagen kritisch überarbeitet und überdenkt. Das sollte uns vielleicht zu denken geben, und etwas weniger Dogmatismus in der schnöden "Pro/Contra" Internet Diskussion erzegen.

  • Marcel Weiss

    27.01.10 (13:59:39)

    Das mit den Daten und dem Platz ist ein Argument. Wobei die Frage bestehen bleibt, warum dann ein Essay sein muss, in dem 1000 Thesen angerissen werden, ohne diese ernsthaft zu belegen. Ich bleibe dabei: Ein Essay in der FAZ muss für sich selbst sprechen können. "Auch der Hinweis darauf, dass Lanier ein Buch verkaufen will ist ein Totschlagsargument sondergleichen. Das wollen in etwas 100% aller Buchautoren, was sagt das aus? Dass er das Gegenteil von dem schreibt, was er eigentlich glaubt, nur um bei der FAZ-Leserschaft Geld zu verdienen? Glaubst du das wirklich?" Nein, das meinte ich nicht. Ich meinte damit, dass Lanier sagt, der Künstler können nicht mehr kreativ sein, wenn er seine ganze Zeit mit dem Bewerben seiner Kreativität im Netz verbringen muss. Lanier vermutet damit, -dass sich der Zeitaufwand massiv erhöht(worauf basierend?), -dass sich das nicht an ein Management teilweise auslagern liese (falsch, man kann die Aufgaben teilweise an andere übertragen) und -dass das Bewerben in der 'alten Welt' nicht stattfindet (auch falsch, man frage mal zB Musiker, wie das mit den Pressetouren so ist), und macht es just in diesem Moment mit den 'alten Medien' selbst. Nochmal direkt: Lanier bejammert das Übermass an Werbung in Interview und Essay, die beide dazu dienen sein neues Buch zu bewerben. Dass weder Interviewter noch Interviewer auf diese Ironie hinweist, sagt doch einiges aus, oder?

  • helltigerlily

    30.01.10 (13:55:30)

    Lydia hat völlig recht: Die Internetideologie hat viel mit Umsonst-Kultur zu tun. Wenn das geistige Eigentum eines Musikers gegen seinen Willen verbreitet wird ( = "er wird gezwungen, es kostenlos abzugeben"), ist das natürlich Diebstahl und Deine Argumentation, es werde ja nur vervielfältigt, ist ein Symptom für Deine Eingenommenheit von dieser Ideologie. Dem Musiker gehen selbstverständlich Einnahmen verloren, er verliert mitunter seine Existenzgrundlage, und es ist heuchlerisch zu behaupten, dass der Untergang der Plattenindustrie nichts mit illegalem Filesharing zu tun hätte -- was Du hier nicht explizit getan hast, aber aus Deiner Behauptung folgt, Vervielfältigung habe nichts mit Diebstahl zu tun. "Marktwirtschaft am werken" ist das erst recht nicht. Ginge es zu Deinen Ungunsten, würdest Du es wohl eher als Sicherheitslücke bezeichnen. Dein Blogger-Kollege meint, Diebstahl wäre es nur, wenn man die Ware dann nicht mehr verkaufen kann? Kann man auch bei illegalen Downloads offensichtlich nicht: Die Plattenindustrie ist in den vergangenen zehn Jahren jeweils um die 20% (!!!) im Vergleich zum Vorjahr geschrumpft. Der Effekt ist, dass immer weniger Musiker unter Vertrag genommen werden, und dies trifft wiederum größtenteils die lokalen. Plattenfirmen gehen immer mehr dazu über, die "sicheren Nummern" aus Amerika auf den hiesigen Markt zu werfen, während es einheimische Musiker auf dem deutschen Markt immer schwerer haben. So waren vermeintlich etablierte Künstler wie Udo Lindenberg und Wir Sind Helden zeitweise ohne Plattenvertrag (oder sind sie es etwa immer noch?). Auch ist die Zeit, in der sich eine Band drei erfolglose Alben vor dem Durchbruch leisten konnte, längst vorbei. Natürlich ist der Rückgang nicht ausschließlich auf illegales Filesharing zurückzuführen: Musikacts sind immer mehr zum Produkt und Werbeträger geworden, zur Marke stilisiert worden, und dabei immer kurzlebiger geworden. Im Auge des Musik-Konsumenten (ja, Musik darf man konsumieren, ich kann mit der vergeistigten Argumentation von vielen Klassik-Fans nichts anfangen) ist sicher der Stellenwert des künstlerischen Schaffens zwischen all den Trash-Produkten gesunken, aber hier sind wir wieder bei der Werbung angelangt! Dadurch, dass mehr Produkt als Kunst verkauft wurde, hat die Plattenindustrie zu ihrem Ruin beigetragen. Das ist für mich ein Grund, Angst vor der Macht der Werbung zu haben, und Laniers Warnung vor ihrer Allmacht finde ich berechtigt und man sollte sie im Hinterkopf behalten. Man sieht hier, sie ist durchaus marktbestimmend, im Netz noch viel mehr als bei meinem Beispiel, da sie für die größten und mächtigsten Seiten die Existenzgrundlage ist, neben Datensammlung. Darüber hinaus wollte ich darauf hinweisen, dass Live-Auftritte für die allermeisten Musiker keine profitable Alternative zum physischen Tonträger sind: Als Popularmusiker mit selbstgeschriebenen Stücken mit Aufritten in kleinen Clubs (bis 100 qm Fläche) muss man an die GEMA ca. zehnmal so viel an Lizenzgebühren bezahlen, als man für dieselbe Aufführung als Ausschüttung bekommt. Das klingt verwirrend, aber es stimmt: Man muss dafür bezahlen, seine eigenen (!) Songs aufführen zu dürfen, wenn sie urheberrechtlich geschützt werden sollen. Die Gewinner im GEMA-System sind neben klassischen Komponisten moderner Musik ("E-Musik" nennen sie es selbst, für mich ein Schimpfwort) und Schlager-Veteranen, na, wer? Werber!!! An Werbejingles verdient man sich eine goldene Nase, und auch in der GEMA haben die Leute aus der Werbung die Macht. Zu diesem Thema empfehle ich, die Behandlung der GEMA-Online-Petition zu verfolgen. Nebenbei wollte ich darauf hinweisen, dass Musiker schon immer für ihre Kunst zu Geld kommen mussten, und das nicht erst seit hundert Jahren, wie ein Vor-Kommentator behauptet hat: Die bedeutendsten klassischen Komponisten waren entweder bettelarm und nur mit einem kurzen Leben gesegnet (Mozart etc.) oder Hofkomonisten und Auftragsarbeiter (Bach, Händel...). Viele der schönsten klassischen Kompositionen sind Auftragsarbeiten, und deshalb nicht weniger schön. Dass also Kunst nicht an einen Geldwert gebunden sein soll, ist pure Augenwischerei und entspricht nicht der Lebensrealität eines Künstlers. Auch das Künstlertum wird so entprofessionalisiert, genau so wie der Journalismus. Und ja, man muss Werbung machen für sein Produkt um davon leben zu können, und Jaron Lanier darf das auch. Es muss aber immer noch das künstlerische/geistige Produkt dahinter sichbar sein -- und mit Geldwert honoriert werden. Deine Ausführungen zu irgendwelchen neuen Netzwerken finde ich verwirrend bis unverständlich. Was soll im Online-Angebot geändert werden ?! Hier möchte ich zu meinem letzten Punkt kommen: Das Problem mit Informationen aus dem Internet ist der Mangel an Quellen und an Geld für fachkompetente Autoren, sichtbar zum Beispiel an den Wandlungen im Wörterbuch- und Lexikonbereich. Durch Seiten wie Leo.org und Wikipedia sind die Verlage unter Zugzwang gesetzt, ihr Wissen nun auch kostenlos zu verbreiten (PONS, Brockhaus); die Entprofessionalisierung solcher Einrichtungen ist so unausweichlich. Fachpersonal und Zeit für Recherche kosten Geld. Dabei ist heute schon auf diesen Seiten sichtbar, wie anfällig und provisorisch sie sind: Auf Wikipedia werden gerade geisteswissenschaftliche Themen konstant manipuliert, z.B. hat im englischen Martin Luther King-Artikel anscheinend irgendein KKK-Anhänger sein Unwesen getrieben, denn als ich auf den Artikel zugegriffen habe, wurde zu der Birmingan, Alabama-Aktion geschrieben, dass Kings Leute gewalttätig wurden und der Polizeipräsident souverän und völlig richtig durchgegriffen hätte. Aus dem Studium weiß ich zum Glück, dass es anders war und dass Quellenangaben hier entscheidend sind, aber wie viele Leute wissen so etwas schon, und folgen den Quellenevrweisen dann auch noch? Doch auch wenn man ihnen folgt, wird man von Wikipedia oft auf zweifelhafte Seiten geschickt (ich bin an der Stelle auch schon beim Ku Klux Klan gelandet...). Auch sind Manipulationen zu Wahlzeiten aus verschiedenen Parteibüros bekannt -- die Freigabe von neuen Versionen durch Admins ist eine kleine Maßnahme, aber nie im Leben wird ein Online-Nachschlagewerk so wenig anfällig sein wie eine Bibliothek oder ein Archiv mit "analogen" Dokumenten aus Papier. Und genau diese sichereren Informationen werden wir uns in Zukunft nicht mehr leisten können, da sie von den Online-Portalen verdrängt werden. Informationen werden schlichtweg immer anfälliger für Manipulation, und Lanier hat völlig Recht damit, diese Entwicklung zu missbilligen. Darüber hinaus ist Online-Journalismus tatsächlich qualitativ minderwertig, schon zu sehen an den Tippfehlern und schlecht editierten Texten, also kann man auch hier tatsächlich eine negative Entwicklung feststellen. Ich finde es gut, dass Du Dich kritisch mit Laniers Aussagen auseinandersetzt und dadurch zur Netz-Aufkärung beiträgst, aber zur Widerlegung von Argumenten gehören auch Fakten, und davon sehe ich bei Dir wenige. Sie lassen sich auch nicht durch Polemik à la "dauerpessimistische Alt-68er" ersetzen, und das ist schade, da dieses Thema ja so motivierte Leute wie Dich braucht. Was geistiges Eigentum angeht, kann ich nur sagen, dass man nun selbst dafür verantwortlich ist, es zu respektieren - und dafür zu bezahlen. Es ist erfreulich zu sehen, dass das immer mehr passiert (die bezahlten Downloads nehmen zu), doch das immer noch sehr präsente illegale Filesharing zeigt auch, wie viele Leute sich vor ihrer Verantwortung drücken, oder die Anonymität des Netzes die Tragweite ihrer Taten verschwimmen lässt.

  • Tilo

    31.08.11 (10:05:13)

    Eine Zusammenfassung der Kerneigenschaften der Vernetzten Informationswirtschaft nach Yochai Benkler ist hier zu finden: Vernetzte Informationswirtschaft - nach Yochai Benkler Benklers Argumente für die Existenz einer veränderten Informationswirtschaft ("vernetzt" versus "industriell") sind stichhaltig und nicht von der Hand zu weisen. Gleichzeitig postuliert Benkler, dass diese tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen mit sich bringen wird. Auch dies ist nicht von der Hand zu weisen, denn es gibt auch hierfür bereits stichhaltige Indizien. Ob jedoch die Veränderungen so umfangreich sein werden, dass von einer veränderten demokratischen Grundordnung die Rede sein kann, bleibt nach wie vor abzuwarten. Hieran ändern auch, die Gegenströmungen seitens Lanier oder Gelernter, die ausgerechnet bei Precht als Quellen angeführt werden, nichts.

  • cat-v

    17.01.12 (23:57:16)

    "Nun denn, it’s a dirty job but someone’s gotta do it." Gott oh Gott, bei dem Proletenenglisch habe ich aufgehört zu lesen. Ist ja widerlich, sowas. Und was mit lynx nicht angzeigt werden kann, ist automatisch Schrott. Punkt.

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