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21.07.07Leser-Kommentare

"Ja, ich muss ja ansetzen."

Ein Beitrag des ZDF-Magazins Frontal21 sorgte in den vergangenen Tagen für eine frische Brise in der Blogosphäre. Mit der Metapher vom Bumerang könnte man die Vorwürfe zusammenfassen, die sich gegen das ZDF richteten. Wir dokumentieren hier das vollständige und aufschlussreiche Transkript eines Interviews, das für die Sendung geführt wurde.

Es ging in der Sendung vom 17. Juli um "Gekaufte Beiträge" in deutschen Radiosendern, besser gesagt: Privatradiosendern. Beiträge, denen PR-Material in Audioform als Grundlage dient. Man staunte beim Ansehen ob der Ahnungslosigkeit eines jungen Radio-Programmchefs, der den Rundfunkstaatsvertrag nicht wirklich zu kennen scheint, und sah sich bestätigt in der Annahme, dass es bei den Privaten nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich nicht gerade auf hohem Niveau zugeht. Schleichwerbung und ungekennzeichnete PR im Radio: Ein wichtiges Thema, unbestritten.

Doch dann meldete sich der Rückkanal.

Thomas Knüwer vom Handelsblatt war sauer auf die "Dummheit der Privatradio-Macher" und die "Behäbigkeit der Landesmedienanstalten", aber auch wegen der "Dummdreistigkeit" des Frontal21-Moderators Theo Koll. Denn natürlich haben auch die großen Sendeanstalten ihre Fälle knapp diesseits und deutlich jenseits der Grenzwerte. Stichworte zum Beispiel: "Wetten dass ...?" und "Marienhof".

Noch heftiger wurde die Kritik an der Sendung bei Blogmedien.de. Dort rief man einen "handfesten öffentlich-rechtlichen TV-Skandal" aus, denn: Ein guter Kunde von Radio-PR-Agenturen ist auch das ZDF. Besser noch: Die Agentur all4radio arbeitete sogar für das Magazin Frontal21. Das sieht natürlich reichlich unschön aus, auch wenn die Frontal21-Redaktion in ihrem eigenen Forum und per Mail und Telefon widersprach: Das, was da im Auftrag von Frontal21 verbreitet wurde, seien "völlig offene Programmhinweise" gewesen, es handele sich dabei "lediglich um die erweiterte Wiedergabe von Programminhalten, wie sie sich auch auf unserer Internet-Seite finden und auch als Schlagzeilen in vielen deutschen Tageszeitungen erscheinen." Die Zusammenarbeit mit der Agentur all4radio sei im Übrigen bereits beendet.

Im Kontext der Diskussion tauchte schließlich auch das Transkript eines Interviews auf, das Frontal21-Autoren mit dem PR-Mann Julian Regenthal-Patzak von der Agentur audioetage geführt hatten. Regenthal-Patzak hatte es bei Radioforen.de publiziert. Wir dokumentieren das Transkript hier vollständig, weil wir es für einen sehr aufschlussreichen Blick hinter die Kulissen halten. Das Transkript liegt uns sowohl von Julian Regenthal-Patzak als auch von der Frontal21-Redaktion vor; wo sich die beiden Versionen deutlich voneinander unterscheiden, haben wir das in kursiven Anmerkungen kenntlich gemacht.

- - -

Frontal21:

Herr Patzak, Sie produzieren Hörfunkbeiträge, in denen Schleichwerbung ist – so zumindest sehen es die Medienwächter. Was sagen Sie dazu?

screenshot_zdf_jrp.jpg

Bild: Screenshot des Frontal21-Beitrags aus der ZDF-Mediathek

Julian Regenthal-Patzak:

Ich bin mit dem Vorwurf der Schleichwerbung ein bisschen vorsichtig: Die Inhalte, die wir herstellen und den Radiosendern zur Verfügung stellen, diese Inhalte beinhalten Informationen, die Firmen ganz normal auch als Pressemitteilung herausgeben. Und so wie eine Firma eine Pressemitteilung beispielsweise an ein Printmedium gibt, geben wir der Firma die Möglichkeit, diese Pressemitteilung in Audioform auch direkt an den Radiosender zu geben, das ist nichts anderes. Schleichwerbung wäre es dann, wenn der Radiosender dafür Geld bekommt, dass er das ausstrahlt, was wir ihm geben und er es dann ungefiltert ausstrahlen würde. Dagegen sind wir, das machen wir nicht. [In der Version von Julian Regenthal-Patzak (JRP) heißt es: Da sind wir dagegen, das machen wir nicht.]

Frontal21:

Aber dennoch: Sie nennen in Ihren Hörfunkbeiträgen Firmen wie eBay, iPod, Goodyear und machen auch Gewinnspiele mit versteckter Werbung, unter Namensnennung. Sie kassieren dafür Geld. Sie machen Geld mit unlauterem Wettbewerb. Und Sie verstoßen, zumindest Ihre Radiobeiträge, wenn sie gesendet werden, gegen den Rundfunkstaatsvertrag.

Julian Regenthal-Patzak:

Wer sagt das? Dass wir mit unseren Beiträgen dagegen verstoßen würden?

Frontal21:

Es ist nicht erlaubt, in redaktionellen Beiträgen Firmennamen zu nennen – als einzige Firmennamen – es ist nicht erlaubt Experten zu Wort kommen zu lassen, die wirklich wiederum Firmennamen nennen, das ganze verstößt gegen...

Julian Regenthal-Patzak:

Ich kann in einem Beitrag und das macht auch das ZDF – und das ist gut so, dass es das macht – ich kann in einem Beitrag einen Firmennamen nennen. Und ich kann auch einen Sprecher von einer Firma zu Wort kommen lassen in irgendeinem Fernsehbeitrag, in irgendeinem Radiobeitrag. Wir stellen Material zur Verfügung, was Firmen sonst per Pressemitteilung zur Verfügung stellen, stellen wir in Audioform zur Verfügung. Die Entscheidung, ob ein Beitrag gesendet wird oder nicht, die trifft der Redakteur, der Verantwortliche. Er kann sagen ?Ich sende diesen Beitrag nicht?, wenn er es für sich verantworten kann und für seinen Radiosender, dann ist es die journalistische Entscheidung des Redakteurs, den Beitrag zu senden oder nicht zu senden. Von uns aus gibt es kein Mittel, indem wir sagen, der Redakteur kriegt Geld dafür oder der Radiosender kriegt Geld dafür, wenn er den ein oder anderen Beitrag ausstrahlt – es ist die freie journalistische Entscheidung des einzelnen, verantwortlichen Redakteurs.

Frontal21:

Aber Sie verdienen damit Geld, nämlich mit dem unlauteren Wettbewerb. Denn wenn die Radiosender das bringen, unter Namensnennung, ist es unlauterer Wettbewerb.

Julian Regenthal-Patzak:

Wir verdienen kein Geld mit unlauterem Wettbewerb.

Frontal21:

Indem die Radiosender Ihre Produkte senden.

Julian Regenthal-Patzak:

Nein, wir verpflichten ja keinen Radiosender unsere Produkte, unsere Beiträge zu senden. Genau so wie eine Fotoagentur oder eine Presseabteilung keine Zeitung verpflichtet, die Produktfotos abzudrucken. Und dann könnten Sie ja auch Volkswagen vorwerfen, nur weil Volkswagen beispielsweise einer Tageszeitung ein Foto schickt, können Sie Volkswagen vorwerfen, Volkswagen verdient Geld mit unlauterem Wettbewerb. Das ist ja auch nicht so.

Frontal21:

Aber Sie machen Geld damit, wenn es gesendet wird.

Julian Regenthal-Patzak:

Wir machen nicht mehr Geld damit, wenn es gesendet wird, als wenn es nicht gesendet wird.

Frontal21:

Also Sie sagen, die Radiosender sind schuld, wenn Schleichwerbung über den Äther geht, aber Sie produzieren die Schleichwerbung.

Julian Regenthal-Patzak:

Nein, das haben Sie gesagt. Ich sage, wir stellen Material zur Verfügung. Der Redakteur entscheidet, ob es gesendet wird oder nicht und das – und das ist ganz wichtig – entscheidet er frei heraus.

Frontal21:

Aber dennoch: Sie verdienen Geld mit unlauterem Wettbewerb.

Julian Regenthal-Patzak:

Nein.

Frontal21:

Sie sind Journalist... Für Sie gibt es ein Berufsethos. [In der Version von JRP fehlt der Satz mit dem Berufsethos.]

Julian Regenthal-Patzak:

Nein, nein, nein. Ich war Journalist. Ich habe journalistisch gearbeitet. Und das, was ich jetzt mache ist kein Journalismus mehr. Das ist redaktionelle Arbeit.

Frontal21:

Die Vermischung von Werbung und redaktioneller Berichterstattung wird angeprangert im Bericht der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen. Da werden Sie auch als Negativbeispiel genannt. Wie stellen Sie sich dazu?

Julian Regenthal-Patzak:

Wir werden nicht als Negativbeispiel genannt, wir werden als ein Beispiel dort genannt unter vielen. Diese Studie ist leider – weil es Zeit war für so eine Studie – sie ist leider handwerklich nicht in Ordnung. Es gibt viele Beispiele, wo Zahlen, die öffentlich zugänglich sind, einfach nicht stimmen. Das betrifft nicht nur uns, das betrifft auch viele Unternehmen. Sie ist einfach nicht sauber recherchiert. Das ist sehr, sehr schade, weil die Zeit reif wäre, darüber ganz offen zu diskutieren. Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem, was wir machen und zwischen dem, was in Sachen PR und Fernsehen gelaufen ist, Product-Placement, wo Geld geflossen ist an die Anstalten, bzw. dort an Produktionsfirmen, da gibt es einen großen, großen Unterschied und das wäre schön, wenn man das mal klarstellen würde. Wir machen nichts anderes als Inhalt für ein Medium zur Verfügung zu stellen, was wir vorher produziert haben, so wie jeder Fotograf, der für eine Pressemitteilung eines Unternehmens ein Foto schießt, wo er dann natürlich auch hofft, dass das gedruckt wird – und trotzdem macht dieser Fotograf sein Geld nicht mit unlauterem Wettbewerb.

Frontal21:

Ihre werblichen Hörfunkbeiträge...

Julian Regenthal-Patzak:

...unsere Hörfunkbeiträge sind nicht werblich! [In der Version von JRP heißt es: Die Hörfunkbeiträge sind nicht werblich!]

Frontal21:

Ja, da wird doch...

Julian Regenthal-Patzak:

...sie sind informierend.

Frontal21:

Wenn immer nur eBay genannt wird, das soll nicht werblich sein!?

Julian Regenthal-Patzak:

Also, wenn Sie einen Beitrag über eBay machen und dann eBay nicht nennen, haben Sie einen schlechten Beitrag gemacht, weil dann wissen Sie nicht, um was es geht. [In der Version von JRP endet der Satz mit "... haben Sie einen schlechten Beitrag gemacht."]

Frontal21:

Das war ein Beitrag über ?Weihnachtseinkauf? und in diesem Beitrag über ?Wie kann man Weihnachtsgeschenke eintauschen? wird kein einziger Anbieter genannt, wird nur eBay genannt – das ist werblich.

Julian Regenthal-Patzak:

Es ging in dem Beitrag darum, Weihnachtsgeschenke bei eBay zu kaufen. Und wenn ich dann eBay nicht nenne, dann hab ich ja was falsch gemacht.

Frontal21:

Die Anmoderation war nicht ?Weihnachtsgeschenke bei eBay?. Die Anmoderation war ?Wie kann man Weihnachtsgeschenke tauschen?.

Julian Regenthal-Patzak:

Ja, im Internet tauschen. Wo wollen Sie das denn anders machen als bei eBay.

[Die folgende Frage zu Alando und die Antwort darauf fehlen bei JRP.]

Frontal 21:

Alando und diverse andere Anbieter.

Julian Regenthal-Patzak:

Bei Alando? Sie können natürlich bei Alando auch Ihre Geschenke kaufen, das ist keine Frage. Aber wir haben in dem Fall nen Beitrag über eBay gemacht und wenn wir nen Beitrag über eBay machen und dort die Möglichkeit ist, zu tauschen, warum sollen wir eBay dann nicht erwähnen?

Frontal21:

O.k. Noch mal: Auch Medienexperten gehen davon aus, dass es Schleichwerbung ist. Die Landesmedienanstalt redet davon, das ist ein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht, ein Verstoß gegen den Rundfunkstaatsvertrag, wenn redaktionelle Berichterstattung und Werbung vermischt wird. Was sagen Sie zu diesen Vorwürfen?

Regenthal-Patzak:

Ich möchte, dass wir unterscheiden und dass die Landesmedienanstalten auch ganz explizit unterscheiden, ob diejenigen, die etwas veröffentlichen, in dem Fall die Radiosender oder im Printbereich die Zeitungen oder beim Fernsehsender die einzelnen Fernsehsender, ob die für die Ausstrahlung von bestimmten Inhalten Geld oder andere Zuwendungen kriegen. Wenn sie das kriegen, dann gebe ich denen Recht. Aber in dem Fall kriegen sie es nicht. Es ist nach wie vor die Entscheidung, übrigens nicht die Entscheidung des Verkäufers oder des Geschäftsführers des Radiosenders, sondern des Redakteurs, der seine Sendung vorzubereiten hat, ob etwas reinkommt oder nicht. Ich war selbst Redakteur, Moderator. Ich habe mich ziemlich geärgert, als von der Verkaufsabteilung des Radiosenders es häufig hieß, die und die Geschichte müssen wir dort und dort platzieren, das ist verkauft – und meine ganze Sendung war im Arsch. Da hatte ich nicht die Freiheit zu entscheiden. Und in dem Moment gebe ich den Landesmedienanstalten recht, aber in dem Punkt, was uns angeht, nicht.

Frontal21:

Aber Sie nutzen genau die Schwächen der Rundfunksender, die zu knapp personell besetzt sind.

Julian Regenthal-Patzak:

Was heißt: Wir nutzen die Schwächen? Wir stellen etwas zur Verfügung. Wenn die Welt am Sonntag ein Foto vom neuen Golf V veröffentlicht, was von Volkswagen zur Verfügung gestellt wurde, nutzen die das auch nicht [In der Version von JRP heißt es: "(...)nutzen die das auch."]. Und zum Anderen kommt [Bei JRP: "Und dazu kommt (...)"] noch ne andere Sache: Schauen Sie, wir arbeiten für Auto Bild, für Computer Bild, für eBay. Die kriegen Anfragen von Radio-Sendern zu bestimmten Themen, zu Interviews, die machen Telefon-Interviews mit denen. Wir können den Radiosendern das Material in einer Studio-Qualität liefern, weil wir Musictaxis dort installiert haben. Praktisch so etwas wie Standleitungen. Dass sie es in einer ganz anderen Qualität haben.

Frontal21:

Herr Regenthal-Patzak [Bei JRP steht hier keine Anrede, sondern nur ein "Okay"], Sie produzieren Hörfunkbeiträge über Winterreifen, über Ganzjahresreifen, und nennen nur eine Firma, nämlich die Firma Goodyear. Ist das Schleichwerbung oder nicht?

Julian Regenthal-Patzak:

Das ist ein Hörfunkbeitrag gewesen. In der Pressemitteilung von Goodyear wird Michelin auch nicht erwähnt worden sein.

Frontal21:

Wenn der Hörfunksender das nicht sendet, dann ist ja Ihr Markt kaputt. Dann verdienen Sie ja kein Geld mehr.

Julian Regenthal-Patzak:

Wenn Sie keiner mehr guckt – was nicht passieren wird – können Sie auch nicht mehr Frontal21 senden. Klar, logisch!

Frontal21:

Nein, aber Sie sagen ja, die Redaktionen sind die Verantwortlichen für die Schleichwerbung, die gesendet wird.

Julian Regenthal-Patzak:

Nein, das habe ich nicht gesagt. Ich habe nicht gesagt, dass die Redaktionen Schleichwerbung senden. In dem Moment, wo der Redakteur entscheidet, er sendet es, ist es keine Schleichwerbung mehr. Weil, er hat dann als Journalist entschieden, dass er einen Beitrag sendet. In dem Moment ist das für mich keine Schleichwerbung mehr. Weil, er hat keinen Vorteil dadurch, dass er es sendet.

Frontal21:

Aber es werden Beiträge gesendet mit einzelnen Namensnennungen und ausschließlich einzelnen Firmen....

Julian Regenthal-Patzak:

...wenn ich über eBay berichte, dann berichte ich über eBay.

Frontal21:

Wenn ich über Winterreifen berichte, berichte ich aber nicht nur über eine Firma...

Julian Regenthal-Patzak:

Wir berichten auch über Winterreifen und haben dort zehn, 12 Firmen genannt.

Frontal21:

Nicht auf Ihrer aktuellen Internetseite.

Julian Regenthal-Patzak:

Doch. Auto Bild macht einmal im Jahr... [Das "Doch" fehlt bei JRP.]

Frontal21:

Wir reden jetzt über den Beitrag ?Ganzjahresreifen?, da ist nur Goodyear genannt.

Julian Regenthal-Patzak:

In diesem einen Beitrag war das eine Produktion für Goodyear und wie in der Pressemitteilung wird da natürlich auch nur Goodyear genannt. Logisch. In der Pressemitteilung ist es nicht anders. [Bei JRP statt der letzten beiden Sätze nur: "Genau, logisch!"]

Frontal21:

Ist das keine Schleichwerbung?

Julian Regenthal-Patzak:

In dem Fall, in dem der Redakteur entscheidet, er findet den Beitrag journalistisch ausgewogen, in dem der Redakteur es entscheidet, ist es keine mehr.

Frontal21:

Aber Sie verdienen mit dieser Schleichwerbung, wenn der Redakteur es sendet. [In der Version von JRP endet der Satz vor dem Komma.]

Julian Regenthal-Patzak:

Noch mal: Es ist für mich keine Schleichwerbung!

Frontal21:

Wenn nur eine Firma genannt wird.

Julian Regenthal-Patzak:

Es ist für mich keine Schleichwerbung, wenn ein Journalist entscheidet, er ist der Meinung, der Beitrag ist inhaltlich in Ordnung und er sendet ihn. Dann ist es für mich keine Schleichwerbung. In dem Moment wo ich sagen würde, es wäre Schleichwerbung, würde ich den journalistischen Ethos des Redakteurs in Frage stellen.

Frontal21:

Und dann wäre Ihre Arbeit hinfällig und Sie würden nichts mehr verdienen?

Julian Regenthal-Patzak:

Genau.

Frontal21:

Also machen Sie Geld mit unlauterem Wettbewerb, Ihr Geschäft. [Bei JRP ohne "Ihr Geschäft".]

Julian Regenthal-Patzak:

Diese Frage hatten wir schon mal! Genau die Frage hatten wir schon.

Frontal21:

Ja, ich muss ja ansetzen.

Julian Regenthal-Patzak:

Ja, aber wenn ich nicht die richtigen Antworten geben kann, die Sie haben wollen, kann ich auch nichts für. Wir haben genau das Thema schon gehabt.

Frontal21:

Also, darauf wollen Sie nicht antworten? Ja, Sie haben es mir ja noch nicht beantwortet. [Bei JRP endet der Satz nach dem Fragezeichen.]

Julian Regenthal-Patzak:

Doch, spulen Sie das Band zurück. Wollen wir es zurückspulen und es uns angucken? [Bei JRP stehen nur diese ersten beiden Sätze.] Wir haben genau diese Frage Wort für Wort. Wollen wir es zurückspulen und uns angucken?

Frontal21:

Sie haben nicht geantwortet, Sie reden ja über andere Dinge. Also, ich stell Ihnen ganz klar die Frage: Sie machen Geld mit unlauterem Wettbewerb. [Bei JRP als Frage transkribiert: "Machen Sie Geld mit unlauterem Wettbewerb?"]

Julian Regenthal-Patzak:

Wenn Sie die Frage nicht so stellen und ich sie beantworte und Sie die Antwort nicht mögen, kann ich da nichts für. Aber ich sag deswegen nichts anderes, auch wenn Sie die Frage zum vierten Mal stellen.

Frontal21:

Gut, dann bis zu dieser Stelle.

- - -

Es möge jeder selbst entscheiden, wer sich in diesem Interviewkampf besser geschlagen hat. Ein Ausschnitt daraus ist übrigens im Beitrag auch zu sehen. Den kann man sich in der ZDF-Mediathek ansehen, auch das Manuskript ist online (PDF).

[Transkript von Julian Regenthal-Patzak via Kommentar im Jakblog gefunden]

P.S.: Es behaupte keiner, das ZDF nähme Anfragen von Bloggern nicht ernst. Die erste Antwort (mit der Bitte um einen Tag Geduld) auf meine Anfrage hatte ich bereits nach einer Stunde am späten Donnerstagnachmittag, die zweite Mail (mit Kopie an CvD und Moderator der Sendung) inklusive der ZDF-Version des Transkriptes noch vor 12 Uhr des folgenden Tages.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • hape

    22.07.07 (06:17:50)

    Nur ein kleines Detail als Ergänzung. Man schaue sich den Screenshot mal unter dem Aspekt der Ausleuchtung an. Die Lichtquelle kommt von rechts hinten, wodurch das Gesicht im Schattenbereich liegt. Ein Muster-Beispiel für die Präsentation einer zwielichtigen Gestalt, wozu natürlich auch der dumme Dreitagebart beiträgt. Egal, was er sagt, durch die Ausleuchtung wird bereits eine unbewusste Botschaft verteilt. Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1.000 Worte.

  • Florian Steglich

    23.07.07 (10:34:34)

    » Hape: Vielleicht unterschätze ich ja die Durchtriebenheit der Frontal21-Redaktion, aber das ist mir zu verschwörungstheoretisch. Ich bin mir jedenfalls sicher, daß die Verantwortung für den Dreitagebart beim Bartträger selbst liegt ...

  • hape

    23.07.07 (12:13:02)

    @Florian: Wenn das Profis sind, und ich geh davon aus, dass das ZDF nicht nur Praktikanten beschäftigt, dann hat sich jemand darüber Gedanken gemacht, wo das Licht hinkommt, denn Licht ist sehr wichtig beim Filmen. Und so wie es eingerichtet wurde, hat es meiner Meinung nach die beschriebene Wirkung. Ob der Beleuchter nur schlecht gelaunt oder doch ein Anfänger war oder das auf Bestellung so gemacht wurde, kann ich natürlich nicht sagen. Jemanden schlecht oder gut im Bild aussehen zu lassen, ist allerdings auch im Printbereich üblich. Vergleiche einfach Fotos von jemandem (z.B. Jan Ullrich), der auf einer Sympathiewelle surft und von jemandem, der gerade unten durch ist. Die Fotos unterstützen ohne Worte maßgeblich den jeweiligen Eindruck, der erzeugt werden soll. PS: Der Hinweis auf den Dreitagebart war auch so gemeint, dass es dumm ist, sich so vor die Kamera zu setzen.

  • hannes

    23.03.10 (13:56:31)

    Ob Dreitagebart oder nicht ist mir echt egal. Aber die Tatsache das ein PR-Mann einen Frontal21-Reporter so dermaßen vorführen kann finde ich schon bedenklich.

  • Richard Sorge

    07.06.11 (12:12:55)

    Der Radio-Mann sollte Interviewtrainings geben - Er würde damit sehr sehr sehr reich werden

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