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08.01.09Leser-Kommentare

IT: Neue Spielregeln für die Softwarebranche

Die grössten Softwareunternehmen der Welt wurden alle lange vor den Zeiten des Internet gegründet. Aber viele dieser Riesen sind in Schwierigkeiten: Ihre Geschäftsmodelle funktionieren nicht mehr so wie früher. Die Spielregeln in der Softwarebranche sind gerade daran, sich fundamental zu ändern -- durch "Software as a Service" aus dem Internet.

SaaS: Enterprise-Software über's Web statt von den eigenen Servern.Wer "Software" hört, denkt vermutlich zuerst an Word und Excel, iTunes, Firefox oder andere Programme für Enduser. Solche Clientsoftware stellt aber nur einen recht kleinen Teil des Marktes dar. Der Löwenanteil der Umsätze mit Software wird mit Lösungen für Unternehmen erzielt. In dieser Top-Liga spielen Konzerne wie Oracle, SAP oder CA, aber auch die Unternehmenssoftware-Abteilungen von IBM, Microsoft, HP oder EMC.

Das Geschäftsmodell für "Enterprise Software", wie dieser Sektor der Branche neudeutsch genannt wird, hat sich in den achtziger Jahren entwickelt und kam in den neunziger Jahren voll zur Blüte. Damals sind unzählige Firmen entstanden, die sich bis heute in diesen Märkten tummeln, und Mittelständler wie SAP und Oracle wurden zu Milliardenkonzernen. Schön und gut, nur: Durch das Internet ändert sich der Softwaremarkt gerade sehr radikal. Die alten Spielregeln gelten nicht mehr, und die neuen sind noch nicht fertig geschrieben.

Die bisherige Welt der Enterprise Software

Da die wenigsten Leser aus eigener Erfahrung mit den Gepflogenheiten des Enterprise-Softwaremarketes vertraut sein dürften, hier eine kurze Erklärung der alten Regeln: Enterprise Software wird typischerweise durch grössere Unternehmen mit hunderten oder tausenden von Mitarbeitern gekauft. Meist lösen diese Produkte ein wichtiges betriebswirtschaftliches oder technisches Problem, beispielsweise Produktionsplanung, Buchhaltung, Produktdesign oder Auftragsverwaltung. All diese Dinge sind für ein Unternehmen natürlich essentiell und lebenwichtig, oder "Mission critical", wie der Softwareverkäufer gern sagt. Weil diese Prozesse in jedem Unternehmen und jeder Branche etwas anders funktionieren, können Enterprise-Software-Produkte nicht einfach wie Word oder Excel installiert und gleich benutzt werden. Meistens sind umfassende Anpassungsarbeiten nötig.

Enterprise Software muss stabil, leistungsfähig und skalierbar sein, und daher steckt viel Entwicklungsarbeit in diesen Produkten. Fast alle Firmen in diesem Bereich benötigten darum etliche Millionen an Startkapital, die sie von Venture-Capital-Firmen erhielten. Diese Geldgeber erwarteten aber auch entsprechend hohe Wachstumsraten, weshalb die Softwarebranche den Ruf hat, ihre neuen Produkte sehr aggressiv in den Markt zu drücken. Da kommt gern mal ein Produkt auf den Markt, bevor es wirklich so ganz fertig ist.

Der Verkaufsprozess für Enterprise Software ist eine komplexe Angelegenheit, die mehr mit einem exotischen Paarungsritual zu tun hat als mit der rationalen Beschaffung eines standardisierten Produktes. Softwareverkäufer sind für den Erfolg eines Enterprise-Softwareunternehmens absolut essentiell. Sie haben die Aufgabe, bei interessanten Kunden ein Bedürfnis nach der jeweiligen Lösung zu wecken, Beziehungen zu entwickeln und zu pflegen, Konkurrenten auszustechen, Preise festzulegen und schliesslich Deals unter Dach und Fach zu bringen. Dabei geht es oft viel weniger rational zu, als man erwarten würde. Vermutlich wurden gerade in den neunziger Jahren mehr grosse Enterprise-Lizenzen auf dem Golfplatz verkauft als im Sitzungsraum der IT-Abteilung.

Um dem ganzen trotzdem den Anschein von Strukturiertheit und Objektivität zu verleihen, lädt die Käuferfirma meistens mehrere Anbieter zu einer Angebotserstellung ein. Aber jeder gute Verkäufer weiss: Das formelle Angebot ist oft nur noch die Bestätigung für eine Entscheidung, die anderswo längst getroffen wurde. Gerade Firmen wie Oracle sind legendär für ihre ebenso aggressiven wie raffinierten Verkaufsstrategien, die oft bewusst an den technischen Leuten vorbei direkt aufs Management zielen.

Enterprise Software wird traditionell mit Lizenzen in unterschiedlicher Stückelung verkauft. Am häufigsten ist wohl die Lizensierung per "Seat", d.h. per User anzutreffen. Grössere Firmen kaufen aber auch gern millionenschwere Firmenlizenzen, die ihnen die unbeschränkte Nutzung im ganzen Unternehmen einräumen. Die Preisschemata haben eigentlich immer drei Dinge gemeinsam: Erstens sind sie intransparent -- es ist kaum möglich, ohne weiteres einen Preis für ein Enterprise-Softwareprodukt zu bekommen, denn der Verkäufer biegt das kundenspezifisch hin, um die maximale Zahlungsbereitschaft auszunutzen. Zweitens resultieren sie in hohen Beträgen, die dem Kunden oft erst gegen Schluss klar werden. Und drittens sind die Lizenzgrössen oft "gepolstert", d.h. der Kunde kauft aufgrund scheinbar verlockender Rabattangebote mehr Lizenzen, als er eigentlich bräuchte. Die überzähligen Useraccounts bleiben oft als sogenannte "Shelfware" ungenutzt. Wie gesagt, Softwareverkauf ist eine raffinierte Disziplin, würde aber kaum Preise für hohe Ethikstandards gewinnen.

Wie erwähnt muss Enterprise Software fast immer für den Kunden spezifisch konfiguriert und angepasst werden, und das ist meist die Aufgabe eines Heers von Beratern. Firmen wie Accenture oder IBM Global Services verdienen einen Grossteil ihres Geldes mit solchen Installationsprojekten, bei denen oft hunderte von Beratern monatelang Prozesse studieren und optimieren, Spezifikationen schreiben und schliesslich Software konfigurieren. Auf den Kunden wartet darum oft eine weitere Rechnung in Millionenhöhe für diese Dienstleistungen.

Das alles kostet viel und dauert lange, und darum setzt sich beim Kunden oft gegen Schluss die Ungeduld durch. Viele Unternehmen sparen bei Schulungsmassnahmen oder Einführungsprozessen und wundern sich dann, dass die User mit der teuren neuen Software nicht richtig klarkommen. Gerade Produktkategorien aus den neunziger Jahren wie CRM-Systeme (Customer Relationship Management) oder Knowledge Management sind dafür berüchtigt, fast nirgends jemals den erwarteten Nutzen gestiftet zu haben.

So weit zu den alten Regeln. Kurz gesagt: Enterprise Software ist eine teure, komplexe, langwierige Angelegenheit mit hohen Risiken für alle Beteiligten. Nicht nur Anbieterfirmen gehen oft pleite, auch Kunden und die involvierten Berater riskieren bei jedem Projekt Millionenbeträge.

Doch was sind die neuen Spielregeln?

Das Internet ändert die meisten Variablen des Softwaregeschäfts sehr fundamental, und erst jetzt wird so richtig deutlich, wie umfassend das die Softwarebranche umkrempeln wird. Internet-basierte Software ("Software as a Service", SaaS) ist eine in praktisch allen Dimensionen neue Generation von Software. Für die meisten Kategorien traditioneller Enterprise Software (CRM, ERP, Business Intelligence, Knowledge Management, Collaboration, ...) gibt es heute schon SaaS-Äquivalente, die einfach per Webbrowser übers Internet benutzt werden können. Und das verändert die Regeln ganz gewaltig.

Das fängt schon beim Entwicklungsprozess an: Wer früher ein hochstehendes Softwareprodukt schreiben wollte, brauchte erst einmal teure Lizenzen für Datenbanken, Entwicklungstools, Komponentenbibliotheken und dergleichen. Das Produkt wurde in komplexen Hochsprachen wie C++ oder Java geschrieben, und dafür braucht man sehr hochqualifizierte Programmierer.

Für Internet-basierte Produkte ist das anders. Die Basissoftware ist heute dank Open Source faktisch gratis. Für Produkte mit der heutigen Leistungsfähigkeit von Linux, Eclipse oder MySQL hätte man vor zehn Jahren noch fünf- oder sechsstellige Beträge ausgegeben. Nützliche Libraries mit umfassender Funktionalität gibt es ebenfalls wie Sand am Meer. Und dazu kann man dank immer leistungsfähigerer Hardware grössere Projekte auch in interpretierten, schlanken Sprachen wie Python, Ruby oder gar PHP schreiben, ohne einen wesentlichen Qualitätsverlust zu erleiden. Grob geschätzt fallen damit die Entwicklungskosten um einen Faktor 10 oder mehr.

Auch die Distribution und Installation ist erheblich einfacher geworden. Während früher Enterprise Software praktisch immer lokal auf eigens angeschafften Servern installiert werden musste, reicht heute für SaaS-Kunden ein Webbrowser und eine anständige Internetverbindung. Der Gewinn an Geschwindigkeit und Kosteneffizienz ist kaum auszudrücken. Dank Diensten wie Amazon EC2 braucht der Anbieter dabei nicht mal unbedingt eigene Hosting-Infrastruktur, sondern kann Serverkapazität recht billig mieten.

Die Einführungsprozesse sind ebenfalls simpler. Aus den Fehlern der Enterprise-Software-Ära haben die heutigen Softwareanbieter gelernt, und oft sind die Internet-basierten Tools zwar flexibel, aber nicht so extrem verbiegbar wie die traditionelle Software. Auch die Kunden wissen nämlich inzwischen, dass man oft besser einen internen Prozess etwas anpasst, statt ein Softwareprodukt mit hohen Kosten hinzubiegen. Allerdings sind SaaS-Produkte bisher nur selten in wirklich grossen Firmen vollständig unternehmensweit im Einsatz, weshalb sich das noch ändern könnte.

Selbst die Preismodelle sind erheblich transparenter. Die meisten SaaS-Anbieter zeigen relativ offen, was ihre Lizenzen (bzw. monatlichen Gebühren) kosten. Viele bieten sogar eine Gratisversion mit begrenzter Funktionalität an. Der Kunde kauft also nicht mehr die Katze im Sack, wie das früher nicht selten der Fall war.

Nur der Verkaufsprozess hat noch nicht ganz nachgezogen, und das ist das "Dirty Little Secret" der SaaS-Branche. Wer die Geschäftszahlen von SaaS-Firmen wie Salesforce.com studiert, wird dort absurd hohe Verkaufs- und Marketingkosten entdecken. Oft wird mehr als die Hälfte des Umsatzes für diese Tätigkeiten ausgegeben, während es selbst bei traditionellen Softwarefirmen deutlich unter 30% sind. Theoretisch kann Internet-basierte Software natürlich per Web verkauft werden, aber in der Praxis beschäftigen diese Firmen immer noch viele Verkäufer, die per Telefon oder vor Ort Kunden überzeugen sollen. Es ist schwer zu sagen, ob dieser hohe Verkaufsaufwand nur damit zu tun hat, dass SaaS noch so neu ist, oder ob hier wirklich ein langfristiges Problem besteht.

Diese Punkte klingen durchaus positiv, aber sie stellen gleich mehrere Gruppen vor strategische Probleme:

Die Beratungsfirmen, die früher so gut an Einführungsprojekten verdient haben, kommen in der SaaS-Welt kaum noch vor. Erstens fällt der Bedarf an der eigentlichen Installation weg, und weil SaaS-Produkte bewusst simpler sind, werden auch keine umfassenden Anpassungen mehr benötigt. Wiederum: Bisher wird SaaS noch lange nicht so umfassend eingesetzt wie traditionelle Enterprise Software, so dass der Vergleich stark hinkt. Aber für die Berater ist diese neue Welt definitiv nicht sehr attraktiv.

Venture Capitalists und andere Geldgeber stehen der Entwicklung ambivalent gegenüber, denn eine neue Technologiewelle ist zwar immer interessant, aber nur dann, wenn sie auch hohen Kapitalbedarf hat. Dank der stark gesunkenen Kosten können jetzt ein paar Programmierer ohne grosse Finanzierung durchaus ein sehr leistungsfähiges Produkt auf die Beine stellen, was früher kaum möglich gewesen wäre. Nur die hohen Verkaufskosten machen oft noch zusätzliches Geld erforderlich, aber längst nicht mehr in der Grössenordnung, die die VCs gern sehen würden.

Als neue Player kommen die Infrastrukturanbieter wie Amazon (mit EC2), Google (mit App Engine) oder die zahlreichen Hostingfirmen hinzu. Es kann gut sein, dass in dieser Gruppe die eigentlichen Gewinner zu finden sein werden, denn leistungsfähige Rechenzentren aufzubauen, benötigt grosse Mengen an Kapital und Know-How. Das wird möglicherweise der wirtschaftliche Engpass der SaaS-Welt sein, aber auch in diesem Sektor ist die Konkurrenzlage jetzt schon ziemlich aufgeheizt. Die Preise selbst für höchstwertiges Hosting liegen jedenfalls heute schon verblüffend niedrig.

Schliesslich ist das ganze für die Softwareunternehmer selbst ein zweischneidiges Schwert. Natürlich ist es sehr attraktiv, jetzt ohne Abhängigkeit von VCs und Beratern in diesen schönen neuen Softwaremarkt einsteigen zu können. Aber die Einstiegsbarrieren sind damit für alle gefallen, und darum muss mit sehr viel Konkurrenz gerechnet werden. Wer sich mal darüber informiert, wie viele Anbieter allein von Online-CRM-Lösungen es heute gibt, wird das sehr schnell verifizieren können. Jedes Zwei-Mann-Programmierteam in einer Studentenbude kann heute mit einem potentiell konkurrenzfähigen SaaS-Produkt auf den Markt kommen.

Das ist im Prinzip sehr gut für die Kunden, aber schlecht für die Softwareunternehmen -- zumindest diejenigen, die mit ihrer Software ernsthaft Geld verdienen wollen. Es mag erstaunen, aber selbst die Marktführer im SaaS-Bereich sind noch immer nicht richtig profitabel und sowieso Welten entfernt von den exorbitanten Margen von Microsoft oder Oracle. Der Traum der Technologen -- ein reibungsloser, kosteneffizienter, globaler Markt für Software -- ist gleichzeitig möglicherweise ein Alptraum für (Software-)Kapitalisten.

Auf jeden Fall ist heute noch lange nicht klar, wer in dieser neuen Ära der Softwarebranche die Gewinner sein werden. Bisher hat erst ein vergleichsweise kleiner Teil der User auf SaaS umgestellt, und darum sind Umsätze und Gewinne der Anbieter noch sehr überschaubar.

Der Trend ist aber sehr eindeutig, und die enormen Kosten- und Flexibilitätsvorteile von SaaS werden zusammen mit dem weiteren Kostendruck von Open Source ohne Zweifel dazu führen, dass die Stellung der traditionellen Softwarekonzerne weiter erodieren wird.

Im Moment deutet aber noch nicht viel darauf hin, dass sich in der neuen SaaS-Welt mittelfristig vergleichbar profitable Unternehmen wie Microsoft oder SAP herausbilden können. Möglicherweise ist SaaS eine derjenigen technischen Revolutionen, bei denen sich der Nutzen vor allem auf der Kundenseite akkumuliert und nicht bei den Anbietern. Aber andererseits: es ist noch sehr früh, und auch die Grössen der alten Softwarewelt brauchten Jahrzehnte, um wirklich zur vollen Blüte zu gelangen.

(Foto: midom; CC-Lizenz)

Kommentare

  • Felix A.

    08.01.09 (14:27:43)

    Super Beitrag! Ich denke übrigens Google wird früher oder später der Gewinner dieser eindeutigen Entwicklung sein. Würde mich nicht wundern, wenn Google insgeheim schon ein web-based ERP-System entwickelt.

  • Philip

    08.01.09 (14:43:07)

    Sehr gute Zusammenfassung. Leider gehst du nicht auf die Probleme ein, die SaaS im Enterprise-Umfeld haben könnte / hat. Meiner Meinung nach sind das einerseits hauptsächlich Performance und Risiko durch Netzausfälle, die sofort eine geschäftskritische Applikation lahmlegen, und andererseits das Unbehagen vieler Firmen ihre Geschäftsdaten den Anbietern anzuvertrauen. Den ersten Punkt kann man ja noch durch Redundanz und entsprechend starke Rechenzentren einigermassen in den Griff kriegen, aber der zweite hat wohl mehr mit Psychologie zu tun. SAP versucht ja auch momentan sein SaaS-Angebot "Business by Design" an den Markt zu kriegen und hat da wohl einige Probleme (wiwo) vor allem auch mit dem zweiten Punkt und denkt scheinbar jetzt auch nach, eine Appliance zu entwickeln, die man dann wieder direkt beim Kunden unterstellen könnte. Aber natürlich ist es grade für kleine Firmen wirklich eine nette Option, SaaS zu nutzen, vor allem wenn man nicht unbedingt das Personal und Know-How für eigenes Hosting und eigene Anpassung im Haus hat.

  • Christoph

    08.01.09 (14:46:00)

    Obwohl ich seit Jahren in dem Umfeld tätig bin, habe ich noch nie versucht die teilweise doch sehr kranken Zustände in einfach und für die Allgmeinheit verständliche Worte zu bringen. Ist dir hervorragend gelungen. Was ich in der SaaS Welt noch nicht sehe ist wie der hohe Grad an Individualisierung bespielsweise im ERP Bereich umgesetzt wird. Unternehmen aus verschiednen Branchen haben komplett unterschiedliche Prozesstrukturen und Anforderungen. Hier wird es auch von den Entscheidungsträngern ein Umdenken brauchen. Denn Standardsoftware für "wenig" Geld gab es schon immer... Ich kann mich erinnern an einen Kunden, der von SAP auf ein günstiges Standardprodukt migriert hat. Dies hat grosses Kopschütteln (ist doch ein KMU Produkt - sowas taugt im Enterprise Umfeld nix) und viel Kritik ausgelöst und damit das verantwortliche Management stark unter Druck gesetzt hat.

  • Lutz

    08.01.09 (15:21:27)

    ein exzellenter Artikel! @Felix: vielleicht benutzt Google es (das ERP-System) ja auch schon intern :-)

  • Philipp Strube

    08.01.09 (15:45:42)

    Sehr schlüssiger Artikel. Du identifizierst als einen der potentiellen Gewinner die Hostingfirmen. Das sehe ich ähnlich, allerdings mit einer Einschränkung, nämlich, dass man mit shared Hosting, V-Servern und dedicated Servern für Saas Anbieter nicht interessant sein wird. Warum ich das so sehe, habe ich versucht bei mir im Blog zu erklären. Was denkt ihr dazu?

  • Daniel

    08.01.09 (15:47:34)

    Sehr interessanter und gut geschriebener Artikel! @Philip: Sogar ein großer Anbieter wie Salesforce kann auch Probleme mit Punkt 1 haben (mehr Infos (en)).

  • Alphager

    08.01.09 (16:14:14)

    Ein sehr gut geschriebener Artikel; in meinen Augen allerdings mit arg viel Hype für SaaS. Du sprichst die Hauptgründe gegen SaaS leider gar nicht an (Philip hat das sehr schön gesagt). Gerade der zweite punkt 8Datensicherheit) wird in den nächsten jahren massiv an Bedeutung gewinnen. In einigen sehr großen Firmen gibt es jetzt schon Richtlinien, die sogar die Benutzung von babelfish verbieten; solche Firmen werden noch auf lange Zeit nicht auf SaaS-Angebote eingehen. Das andere Problem, das ich sehe, sind SSO-Lösungen: Jedes größere Unternehmen hat dort sein eigenes Ding (von Simplen Benutzernamen+Passwort über Smartcards hin zu RSA-Token). Ohne Integration in die vorhandene Infrastruktur dürfte es extrem schwierig werden. Ich habe schon Software, die nur von 0,2% der Mitarbeiter benutzt werden sollte, an eine SSO-Lösung anbinden müssen... Appliances wie die Kisten von Google sind in meinen Augen der langfristige Trend im Enterprise-Bereich. Ein Customizing wird es immer geben, in Zukunft wird es aber einen verstärkten Druck geben, dies auf ein Minimum zu reduzieren.

  • Andreas Göldi

    08.01.09 (16:37:14)

    @Philip und Alphahager: Das ist richtig, ich gehe hier nicht weiter auf die Nachteile von SaaS ein. Und zwar aus zwei Gründen: Erstens sind die Nachteile (die Ihr richtigerweise nennt) durchaus bekannt, aber werden laufend geringer. Wie viele Netzausfälle gibt es heute schon? Zweitens, wenn ich da wieder mal etwas zynischer werden darf: Viele der Argumente gegen SaaS dienen vorwiegend der Jobsicherung der firmeneigenen IT-Abteilungen. Wenn Salesforce.com mal eine Stunde ausfällt, gibt es gleich ein Riesengeschrei. Aber wie viel Downtime hat das lokal installierte CRM der meisten Firmen? Wenn ich auf diverse Unternehmen schliessen darf, die mir bekannt sind, dürfte das meist erheblich mehr sein. Dito bezüglich Datensicherheit: Das lässt sich lösen und ist in vielen Branchen schon gelöst. Die meisten deutschen Steuerberater lassen beispielsweise schon seit Jahrzehnten ihre Kundendaten -- und viel vertraulicher als Steuerdaten wird's selten -- bei der Datev aufbereiten. In der Grossrechnerära war es völlig üblich, externe Rechenkapazität zuzukaufen und die Daten mit technischen und vertraglichen Mitteln zu schützen. Warum soll das heute plötzlich nicht mehr gehen? Viele IT-Abteilungen werden heute leider nicht unbedingt nach dem Gesichtspunkt der Kostenminimierung gemanaged, sondern mit dem Ziel der Vergrösserung des "Reichs" des IT-Verantwortlichen. Darum kommen SaaS-Lösungen meistens auch nicht über die IT-Abteilung ins Unternehmen, sondern über die Businessseite, die den Spass letztlich bezahlen muss.

  • Philipp Strube

    08.01.09 (16:47:16)

    @Daniel Ich habe nie behaupten wollen, dass große Anbieter niemals Ausfälle haben werden. Aber mit nem einzelnen dedicated Server bei Hoster-XYZ ist es jedenfalls nicht getan, wenn man Kunden eine Saas Lösung anbieten will. Alles was über ein, zwei oder drei dedicated Server hinaus geht wird aber für die Entwickler sehr aufwendig zu administrieren und lenkt dann zu sehr vom eigenen Produkt ab. Aber das geht hier etwas vom Thema ab. Deshalb auch der eigene Blogpost. Davon abgesehen sehe ich das wie Andreas, viele der Argumente gegen Saas machen den Eindruck als wehrten sie sich aus Prinzip dagegen. Das unternehmenskritische Daten durchaus auch extern verarbeitet werden ist seit jeher alles andere als unüblich. Was nicht heissen soll, dass nicht an Methoden und Systemen gearbeitet werden muss um die Sicherheit zu gewährleisten und zu verbesssern.

  • Daniel

    08.01.09 (16:51:31)

    @Philipp: Das hatte ich auch nicht andeuten wollen, dass Du das behauptest ;) Interessant finde ich nur, dass in diesem Fall der Status-Server direkt mit ausgefallen ist. D.h. die Kunden hatten garnicht die Möglichkeit sich zu informieren was da gerade passiert, und warum es nicht mehr geht. Ich denke, das ist der Grund, warum es so einen Aufschrei gab. Das ist zumindest das, was ich rausgelesen habe. Ich weiß nicht, ob die einzelnen Kunden auch einen Ansprechpartner bei Salesforce haben, den sie hätten anrufen können.

  • Philipp Strube

    08.01.09 (16:59:44)

    Ah Daniel, ich seh grad ein "P" mehr oder weniger kann hier einen riesen Unterschied machen. :) Ich hab deinen Link gelesen. Das mit dem Statusmonitor ist natürlich grob unsinnig. Alles in allem sehe ich es aber wie die Kommentatoren dort, inhouse ist selten besser. Trotzdem müssen Ausfälle offen und zeitnah kommuniziert werden um Kunden ordentlich zu informieren. Ich denke jeder weiss, dass Technik ausfallen kann. Sobald man informiert ist, dass sich jemand des Problems annimmt und was das Problem ist, ist man ja meistens beruhigt und auch "relativ" geduldig.

  • Patrick Stähler

    08.01.09 (17:51:36)

    Hoi Andreas Wie immer eine grandiose Zusammenfassung, besser als alles was ich von den Kollegen von Gartner, etc. gelesen habe. Eine kleine Ergänzung zum alten Software-Geschäftsmodell: Du erwähnst nicht die Wartungsgebühren und die Aufwände für Releasewechsel. Sie machen nochmals einen grossen Teil der Kosten für Software über den gesamten Lebenszyklus aus. SAP möchte gerade seine Wartungsgebühren von 17% auf 22% erhöhen, was einer Erhöhung von knapp 30% entspricht. Und die Wartungsgebühren werden immer auf die Orginalpreise vor Rabattierung berechnet, auch das so ein kleiner teuflischer Verkaufstrick. Richtig einschenken können aber gerade die Kosten für den Releasewechsel. Frag einfach mal die Banken die gerade "Standardsoftware" eingeführt haben, wie sie Releasewechsel empfunden haben. Von den Releasewechseln lebt das ganze Ecosystem aus Beratern und der interner IT sehr gut. Das Spannende an der Entwicklung ist, dass es sich klar um eine disruptive Technologie handelt, die das bestehende Geschäftsmodell der Grossen angreift. Wie häufig kommt die Attacke von unten, von den kleinen und mittleren Unternehmen. Grossunternehmen werden noch Jahre auf Standardsoftware setzen. Bei den KMUs wird sich SaaS als erstes durchsetzen. Eigentlich mag ich den Begriff SaaS nicht. Als Kunde ist es einfach ein Webservice und keine Software mehr. Bei GMail rede ich ja nicht mehr von Software. Es ist einfach meine Email, die überall verfügbar ist, eben ein Webservice. Andreas, freu mich immer wieder auf deine Meinung und Analysen! Gruss nach Boston! Patrick

  • Alexander Seibel

    08.01.09 (20:24:16)

    Sehr gute Übersicht! Bezüglich der Infrastrukturanbieter (AWS, App Engine, ...): Ich glaube nicht, dass unter ihnen die eigentlichen Gewinner zu finden sein werden. Wie ja schon geschrieben hast, benötigt man eine Menge Kaptial und Know-How um in dem Markt Fuß zu fassen. Es wird einige große (IBM, Sun, Amazon, vielleicht auch Rackspace?) Unternehmen geben, die sich den Kuchen aufteilen. Für kleine Anbieter bietet der Markt wohl langfristig zu geringe Margen. Und die Großen kannibalisieren sich damit teilweise das eigene Geschäft (immernoch besser, als wenn es ein anderer tut) -> daher würde ich nicht von Gewinnern sprechen. Ich denke aber schon, dass es auch Gewinner in gewissen Nischen geben wird. Nur werden das nicht Anbieter von Rechenpower und Speicherplatz, sondern eher Anbieter von intelligenten Integrationsdiensten und Business Intelligence sein. Diese können weiter "oben" im Anwendugsstack von den Skaleneffekten der oben genannten Infrastrukturanbieter profitieren und so auch ohne viel Kapital (fürs Rechenzentrum/F&E muss ja trotzdem bezahlt werden) Services anbieten.

  • Daniel Niklaus

    08.01.09 (22:23:28)

    Als SaaS Anbieter sehe ich die Hostingpartner weniger als die grossen Gewinner. Die Entwicklung wird eher wie bei den Domainkosten ablaufen. Access (Schweizer Provider aus der Urzeit) verlangte in den Anfangszeiten bis zu 700.- Franken im Monat für eine www Adresse, heute werden einem diese Nachgeschmissen. Aktuell bauen die Hoster erneut Kapazitäten bis zum geht nicht mehr auf, was zwangsläufig zu einem Verfall der Preise führen wird. Eine für mich besonders interessante Entwicklung wird aber der neu zu erschliessende KMU Markt sein. Mit den stark fallenden Kosten für Softwarelösungen und der massiven Vereinfachung wie dem wegfallenden Anpassungsaufwand, werden in Zukunft kleine Firmen vermehrt "Gross-Systeme" einsetzen. So könnte dieser Markt in Volumen den der wenigen Grossfirmen übertrumpfen. Ähnlich wie der PC-Markt den Grossrechnermarkt zuerst überholte und dann im Volumen "Marginalisierte". Was ich bestätigen kann, die Verkaufskosten bleiben weiterhin hoch. Der Verkaufsaufwand immens. Es zählt immer noch die alte Regel: der Kunde kauft keine Software, der Kunde kauft ein Versprechen. Das tut er am Liebsten, wenn das Bauchgefühl stimmt. Und für ein gutes Bauchgefühl sorgen gute Verkäufer.

  • Robert

    08.01.09 (23:30:52)

    Hallo, ich muss wirklich ein Lob für diesen Artikel aussprechen!

  • Urs

    09.01.09 (01:31:27)

    Als SaaS-Anbieter muss man halt auch eine Enterprise Lösung anbieten, mit der man die Software auf dem eigenen Firmen Web Server installieren kann. So kann man immer noch sagen, wir könnten dann (falls es zuviele Netzausfälle gibt) auf unsere Server migrieren. Schlussendlich bleibt man auf dem externen Server, da man auch intern Server Ausfälle hat.

  • Alexander

    09.01.09 (12:57:13)

    @Urs: Naja, wenn man Software so entwirft, dass sie alleine auf einem firmeneigenen Server läuft, würde ich nicht von SaaS sprechen. Dann sind wir wieder in der Welt von gestern (ASP) - es ist ja nicht gesagt, dass das sooooo schlecht sein muss. Auch die Appliances (die ja eine Vorteile von SaaS besitzen: z.B. Wartungsfreiheit) finden immer mehr Verbreitung. Was aber tatsächlich interessant ist, ob alle SaaS Anbieter auch Optionen zur Rückwärtsmigration anbieten. Worst Case wäre sicherlich, wenn nach einer Erprobungsphase die Daten futsch wären. Ich denke, dass dieser Punkt in der Kaufentscheidung organisationaler Kunden eine große Rolle spielt - alleine schon aus Risikomanagementgründen.

  • Marco Thomann

    09.01.09 (16:59:12)

    Betreffend "dem neu zu erschliessenden KMU Markt" schliesse ich mich der Meinung von Daniel Niklaus an. Mit einem Anteil von 99,7% aller Betriebe entsteht da alleine in der Schweiz ein nicht zu unterschätzendes Potential. Kleinere Unternehmen sind mit dem Betrieb einer lokalen Infrastruktur häufig personell und/oder finanziell schlicht überfordert. Nur schon folgende Aspekte begünstigen in diesem Segment die Entscheidung für SaaS erheblich: 1) Kostentransparenz KMUs scheuen oft nicht nur die (hohe) Investition für eine lokal zu installierende Lösung, sondern haben meist noch grössere Angst vor unvorhersehbaren Folgekosten. Wer kennt z.B. nicht die Angebote für ein nötiges Upgrade, wo bei jeder Position der Vermerk "Diese Angabe dient als Richtgrösse. Position wird nach effektivem Aufwand verrechnet." zu lesen ist? 2) Backup Wie hoch ist der Anteil der KMU mit einer zuverlässigen Datensicherung? Wer kennt sie nicht, die Unternehmen, die nach einem Festplattencrash um ihre Existenz bangen mussten weil da irgendwas mit dem Backup nicht in Ordnung war oder die Backup-Tapes bei einem Brand gleich mit in Rauch aufgegangen sind? Kommt noch hinzu, dass SaaS reinen Software-Anbietern den Markteintritt deutlich erleichert, da der Vorort-Support wegfällt. "Mein Bildschirm bleibt schwarz" ... klick, klick ... "System läuft. PC in Reparatur bringen".

  • meistermochi

    10.01.09 (17:48:00)

    was wird den golfplatz ersetzen??? hab ich das überlesen?

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