<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

17.09.08

iPhone und der Podcaster: Apple zeigt, wie man eine Plattform nicht leitet

Apple verbannt die Applikation Podcaster von der iPhone-Plattform. Langfristig als Verhalten ein Schuss ins iPhone-Knie.

Die Nachricht ging die letzten Tage durch diverse Blogs und Nachrichtendienste: Apple hat die Applikation Podcaster aus dem AppStore verbannt. Mit Podcaster können Podcasts direkt auf das iPhone oder den iPod Touch geladen werden, ohne den Umweg über iTunes gehen zu müssen.

Apples Begründung für die Sperrung: Podcaster dupliziert die Funktionalität der Podcast-Sektion von iTunes. Mehr zum Vorgang, zur Vorgeschichte mit anderen App-Sperrungen und zu einigen Reaktionen von Entwicklern auf dem fscklog .

Ein paar Anmerkungen:

     

  1. Apple war schon immer ein Unternehmen mit einem ausgeprägten Kontrollzwang. Weit schlimmer als Microsoft oder andere vergleichbare Unternehmen. Selbst die Plattform für das iPhone wurde eher widerwillig geöffnet. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man die immensen Chancen einer offenen iPhone-Plattform bedenkt.
  2. Was habt Ihr denn erwartet? Die Plattform für das iPhone ist bei aller Offenheit so geschlossen wie nur irgend möglich. Die iPhone-Plattform hat überall 'proprietär' stehen. Apps nur über den AppStore. Apple muss den Applikationen erst zustimmen. Woanders, auf dem Desktop etwa, undenkbar. Das iPhone ist Apples Spielplatz, mit Apples Regeln. Dass Apple von seiner Entscheidungsgewalt Gebrauch macht, war zu erwarten. Sinnlose Applikationen wurden bereits gesperrt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es eine wirklich nützliche Applikation erwischt.
  3. Entwickler werden, entgegen der aktuell gemachten Aussagen, weiter für das iPhone entwickeln. Wie Arrington auf Techcrunch richtig anführt: Weil schlicht zwölf Millionen iPhones bereits im Umlauf sind und jede Woche weitere 800.000 verkauft werden. Und weil das iPhone aktuell die deutlich leistungsfähigste technische Plattform im Smartphone-Markt ist.
  4. Aber für wie lange noch?

Hier ist der Knackpunkt: Wenn Apple so weiter macht, sind die Tage für die iPhone-Plattform zwar immer noch reichlich, aber doch gezählt. Wenn Apple Applikationen ablehnt, nachdem sie teuer entwickelt wurden, weil sie mit eigenen Apple-Produkten konkurrieren, geht das Vertrauen in die iPhone-Plattform stückweise bei den Entwicklern verloren. Wenn das Risiko steigt, von der Plattform zu fliegen, ohne zu wissen warum oder ohne es vorher abschätzen zu können, steigen damit auch die einzuplanenden Entwicklungskosten.

Das geht mehr oder weniger gut, solang man der einzige ernstzunehmende Anbieter einer solchen Art von Plattform ist.

Android.

Nicht heute und auch nicht morgen wird Googles Mobile-Plattform Android dem iPhone oder Symbian oder Windows Mobile gefährlich werden. Aber in ein, zwei Jahren wird diese Plattform, mit der mächtigen Unterstützung von Google und als OpenSource so offen wie möglich, ein Majorplayer im Mobile-Sektor sein.

Wenn iPhones Plattform überall 'proprietär' stehen hat, dann steht bei Android überall 'offen'. Und damit 'entwicklerfreundlich'. Man kann sich über Ballmers DevelopersDevelopersDevelopers lustig machen, aber selbst Microsoft hat ein was immer verstanden: Es sind die Entwickler, die eine Plattform erst zu einem Ökosystem machen.

Als ich im Juni über Zentren und Satelliten als neue Form der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen im Netz schrieb, bin ich (noch) nicht auf implizite Verhaltensregeln eingegangen, die für eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendig sind. Das Zentrum ist hier das iPhone und sein Anbieter Apple, die Satelliten sind die Applikationen-Hersteller. Wenn diese auf dem und für das Zentrum Dienste entwickeln, machen sie sich ökonomisch davon abhängig (Sofern sie damit Geld verdienen wollen). Damit sie sich auf diese Abhängigkeit einlassen, müssen sie Vertrauen gegenüber dem Zentrum haben. Dieses Vertrauen kann Apple mit seinem Verhalten gegenüber Applikationen wie Podcaster verspielen. Man muss nur so weitermachen.

( Comic: Geek and Poke )

Denn wie geht es weiter? Wird Googles neuer Browser Chrome zum Beispiel nie das Licht der Welt als iPhone-App sehen, weil er mit Safari konkurriert? Wird in jeder Kategorie, in der es etwas von Apple gibt, nicht die beste Applikation am Markt sich durchsetzen, sondern die Applikation von Apple, weil sie schlicht die einzige ist? Ist das ein sicherer Weg, maximalen Nutzen für Kunden zu stiften?

Noch hat Apple den Vorteil einer nahezu perfekten Symbiose von Softwareplattform und Hardware und die Zeichen stehen für das iPhone noch gut. Wenn Apple hier aber seine eigen Haltung nicht überdenkt und nicht in der Lage ist, einen echten Markt auf dem iPhone zuzulassen, ist die Zukunft des iPhones in zwei Jahren Geschichte. Denn dann heißt es "All hail the Android". Offene Plattformen, Märkte, haben noch immer gewonnen. Das gilt im Zeitalter des Internets mehr denn je. Eine mobile Plattform wird 'lediglich' ein verlängerter Arm des Internets sein. Letztlich bedeutet das, dass der Mobile-Sektor nach den Gesetzen des Internets neu gemischt werden wird.

Leider (für Apple) scheint die Lösung nicht kompatibel mit der Apple-DNA: Man müsste den Applikation-Anbietern lediglich so viel Freiraum wie möglich geben, auch wenn das heißt, mit ihnen auf App-Höhe konkurrieren zu müssen.

Google ist so erfolgreich, weil sie genau das verstanden haben. Zuletzt hat Google das erst mit Google Chrome bewiesen. Und Google wird es auch mit Android beweisen.

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer