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11.10.12 08:38, von Martin Weigert

iPad-Kassensystem für Restaurants: Orderbirds neuer Konkurrent heißt Groupon

Groupon lanciert in den USA ein iPad-basiertes Kassensystem für Restaurants, Bars und Cafés. Damit entsteht für Orderbird, den Berliner Pionier auf diesem Gebiet, ein mächtiger Wettbewerber.


Bisher konnte sich Orderbird, Anbieter eines iPad-basierten Kassensystems für Gastronomen und eines der innovativsten Startups aus Berlin, relativ ungehindert ausbreiten. Und obwohl die Hauptstädter derzeit lediglich im deutschsprachigen Raum aktiv sind, hielt sich ernstzunehmende Konkurrenz auch in ausländischen Märkten und vor allem in den USA in Grenzen. Doch dass das nicht immer so bleiben würde, ahnten Orderbird-Chef Jakob Schreyer und sein Team garantiert bereits. Spätestens, als Groupon Ende Mai das junge New Yorker Unternehmen Breadcrumb übernahm. Dieses wurde genau wie Orderbird im vergangenen Jahr gegründet und fischt in den gleichen Gewässern wie die Berliner: Gastronomen, die ihr altes, nicht mehr zeitgemäßes Kassensystem gegen eine moderne Lösung mit iPads als Herzstück austauschen möchten.

Bisher wurde Breadcrumb jedoch nur im Rahmen eines Pilotprogramms in New York getestet - anders als Orderbird, das bereits im Frühjahr 2012 300 zahlende Gastronomiebetriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu seinem Kundenstamm zählen konnte. Doch gestern gab Breadcrumbs neue Besitzerin Groupon den US-weiten Launch des Kassensystems bekannt. Ab 99 Dollar pro Monat können Restaurants, Bars und Cafés die Dienste von Breadcrumb in Anspruch nehmen - Hardware wie iPads und Bondrucker nicht inklusive.

Spätestens beim Vergleich der ähnlich aufpolierten Websites von Orderbird und Breadcrumb wird klar: Diese beiden Anbieter werden sich in Zukunft einen harten Konkurrenzkampf liefern. Noch in diesem Jahr wollte Orderbird in Großbritannien starten und auch erste Schritte in den USA wagen - so zumindest der bisherige Plan. Spätestens bei einem US-Launch werden die zwei Dienstleister direkt aufeinandertreffen - oder, wenn Groupon Breadcrumbs nach Europa bringt. Bedenkt man, dass die Amerikaner in Berlin ihren zweitgrößten Standort mit über 1000 Angestellten betreiben, könnte der deutschsprachige Markt für Breadcrumb ein naheliegendes Expansionsziel darstellen.

Groupon wandelt sich schrittweise vom Couponanbieter zum integrierten Rundumdienstleister für Handel und Gastronomie. Eine angemessene Strategie, gelang es dem börsennotierten Konzern aus Chicago doch bisher nicht, Bedenken an der Nachhaltigkeit seines Geschäfts mit zeitlich begrenzten Gruppenrabatten zu zerstreuen. Lange kannte der Aktienkurs des Unternehmens nur eine Richtung: nach unten. Seit zwei Monaten hat er sich bei etwa fünf Dollar stabilisiert - ein Viertel des Ausgabepreises. Gut möglich, dass Aktionäre angesichts der anhaltenden Diversifizierung des Groupon-Business neue Hoffnung schöpfen. Erst vor einigen Wochen lancierte die Firma in den USA einen Kartenleseaufsatz für Mobiltelefone, um Händlern ohne eigenes, kostspieliges Kartenleseterminal eine Option einzuräumen, trotzdem Kartenzahlungen entgegenzunehmen.

Das Kalkül ist offensichtlich: Über sein Coupongeschäft hat Groupon Beziehungen zu nach eigenen Angaben über 250.000 Einzelhändlern und Gastronomen weltweit aufgebaut. Indem es nun verschiedene Zusatzservices anbietet, die diesen Akteuren Mehrwert bieten oder bei der Optimierung der Geschäftsabläufe helfen, macht es sich diese Kontakte zunutze, selbst wenn diese an keinen weiteren Coupon-Kampagnen interessiert sind. Gleichzeitig bessert der Konzern aus Chicago seinen Ruf auf, der bisher unter anderem darunter litt, dass die langfristigen Interessen und Bedürfnisse der Händler und Gastronomen nicht hinreichend berücksichtigt wurden.

Ein US-Restaurant könnte künftig sein gesamtes Kassensystem über Groupon betreiben, Kartenzahlungen per Groupon Payments entgegennehmen und eine Rabattaktion über Groupon durchführen, um von den dann greifenden, niedrigeren Transaktionskosten für Kartenzahlungen zu profitieren und neue Kundschaft zu gewinnen.

Orderbirds geplantes US-Debüt wird dadurch nicht einfacher. Verstecken müssen sich die Berliner jedoch nicht: Denn auch sie bieten mit Orderbird Pay seit kurzem ein mobiles Kartenlesegerät für Nutzer des Kassensystems an. Da Orderbird-Gastronomiebetriebe ohnehin iPads und iPhones zur Abwicklung aller Prozesse verwenden, ist ein direktes Bezahlen der Gäste über diese Geräte naheliegend.

Der Kampf um den mit Hilfe digitaler Technologien effektiver und effizienter arbeitenden Point of Sale ist in vollem Gange. Wann wird wohl Pionier Square ein komplettes Kassensystem für die Gastronomie anbieten?

Wir haben Orderbird der Vollständigkeit halber um einen Kommentar zu Groupons Eintritt in das Marktsegment der iPad-Kassensysteme gebeten und aktualisieren diesen Beitrag, sofern wir eine Antwort erhalten.

Nachtrag: Ihr der Kommentar von Orderbird-Chef Jakob Schreyer:  "Das Kassensystem von Groupon sorgt bei uns noch nicht für Aufregung, wir beobachten erst mal ganz entspannt, wie sich der Coupon-Anbieter auf dem für ihn doch fremden Markt behauptet. Zunächst starten sie in Amerika, wir sind mit unseren ausgereiften Kassensystemen gut in Europa vertreten und haben eine Vielzahl von Kunden, die bereits sehr gern mit orderbird arbeiten. Heute feiern wir unsere 10.000ste Installation! Der Schritt nach Europa wird bei Groupon noch eine ganze Weile auf sich warten lassen. Zudem ist noch nicht klar, wohin sich der Gutscheinmarkt entwickelt und nicht jedes Restaurant, Bar oder Café möchte sich mit seinem Kassensystem eventuell auch an Groupon binden."

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Kommentare: iPad-Kassensystem für Restaurants: Orderbirds neuer Konkurrent heißt Groupon

Vielleicht sollte man sich mal genauer mit dem Markt beschäftigen in dem Orderbird & Breadcrump unterwegs sind. Groupon hat in der Gastro-Industrie nicht mehr oder weniger hinterlassen, als verbrannte Erde. Gastronomen die noch mit Gutscheinportalen arbeiten sind entweder fast schon pleite oder haben von den Geschäftspraktiken in den letzten 18 Monate nichts mitbekommen. Mit gerade mal ein Jahr Kassenentwicklung und nicht mal 40 Installationen (das sind nicht 40 Kunden!) sicherlich ein kleiner Fisch im amerikanischen Kassenmarkt. Auf dem europäischen Festland gelten andere Regeln. Sowas ist für jeden Gastronomen natürlich ein Mörder-Referenz wenn ein Anbieter wie Groupon noch Kassensoftware verkauft. Davor brauch Orderbird sich sicherlich nicht fürchten. Orderbird kommuniziert jetzt übrigens 10.000 Installation. Ähh, wohl eher 10.000 x wurde die App im App Store "down geloaded". Ist jetzt jeder Schüler der die App auf seinem Handy hat auch eine Installation? Das ist ja fast soviel wie Weltmarktführer Mircros in Deutschland verkauft hat. Da ist der Umsatz zwischen Eurem Artikel und dem aktuellen Nachrichten auf Orderbirds Facebookseite ja mal durch die Decke gegangen. Huuii ...Fazit: Viel Blendwerk auf allen Seiten, wenig Substanz.

Diese Nachricht wurde von Andreas am 11.10.12 (23:20:51) kommentiert.

Martin, kannst Du mir vielleicht kurz erläutern, wie Dein "[...]im Frühjahr 2012 300 zahlende Gastronomiebetriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz" zu Jakobs "Heute feiern wir unsere 10.000ste Installation!" passt? Ich kann nachvollziehen, dass vielleicht pro Kunde zwei oder drei oder vier Geräte installiert sind und aus den 300 Kunden mittlerweile vielleicht 1000 geworden sind. Doch selbst dann fehlt mir noch recht viel bis zum 10.000er. Danke für Deine Hilfe schon an dieser Stelle und Grüße aus Stuttgart, Michael

Diese Nachricht wurde von Michael Krause | onchestra am 12.10.12 (10:59:05) kommentiert.

Siehe Andreas' Kommentar. Die App wird ja nicht nur auf einem iPad in einem Restaurant installiert, sondern auf mehreren Geräten.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 12.10.12 (11:01:35) kommentiert.

Ah, ok, muss gestehen, ich hatte Deinen Kommentar, Andreas, nicht bis zum Ende gelesen. Danke für den Hinweis Martin!

Diese Nachricht wurde von Michael Krause | onchestra am 12.10.12 (11:09:20) kommentiert.

Und auch hierzulande formieren sich Mitstreiter, die eine ähnliche Lösung wie orderbird anbieten: www.pepperbill.com zum Beispiel.

Diese Nachricht wurde von Kristin am 12.10.12 (19:46:44) kommentiert.

Danke für den Tipp. Der erste optische Eindruck ist schonmal nicht schlecht. iPhones statt iPads also...

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 12.10.12 (21:11:13) kommentiert.

Versteh die 10.000 Installationen auch nicht. Das würde ja in der Logik heissen, dass es in jedem der 300 Kundenbetriebe 30 Geräte gibt. Unwahrscheinlich denke ich, die meisten Betriebe hier in Berlin nutzen die kostenfreie Einzellizenz. Also doch jeder Download? Aber das Feld der mobilen Bonnierung Orderbird, pepperbill, Gastronovi ist sehr spannend und da verändert sich schon eine Welt. Oderbird ist da sicher der in der Außenwirkung stärkste Anbieter.

Diese Nachricht wurde von Paul Kiesewetter am 13.10.12 (10:34:56) kommentiert.

Die 10.000 sind die Installierten App's. Man kann dies ja auch kostenlos benutzen. Die 300 sind wohl eher die Gastronomen die monatl. den Service von Orderbird nutzen und Hardware dazu gekauft haben.

Diese Nachricht wurde von seba am 15.10.12 (14:47:36) kommentiert.

Hallo liebe Netzwertig Gemeinschaft, entschuldigt die verwirrende Umschreibung der Anzahl der Downloads. Bislang wurde unsere App auf über 10.000 Geräten heruntergeladen und installiert. Derzeit haben wir ca. 700 registrierte Betriebe, die mit orderbird POS arbeiten. Das entspricht etwa 1.200 Geräten die im produktiven Betrieb sind. Die Anzahl der Updates nach einer neuen Version gibt Grund zur Annahme, dass über 4.000 Geräte regelmäßig mit orderbird POS arbeiten. Gerne stehe ich für weitere Frage zur Verfügung. Liebe Grüße Patrick Verantwortlicher für Marketing und Sales bei orderbird

Diese Nachricht wurde von Patrick Brienen am 15.10.12 (15:29:45) kommentiert.

Thx für das Update.

Diese Nachricht wurde von Martin Weigert am 15.10.12 (16:40:10) kommentiert.
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