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12.04.10Leser-Kommentare

iPad als Chance für Medienbetriebe: Hoffnung und Wahrheit

Mit dem iPad hat der Hype um Apple in den Medien erstmals die Ausmasse desjenigen im Internet erreicht: Weil Journalisten und Verleger das Gerät als relevant für ihr Geschäft betrachten. Das dürfte eine übertriebene Hoffnung sein, und jedenfalls wird sie mit dem, was die Medienkonzerne bisher liefern, nicht erfüllt werden.

Von Andreas Göldi und Peter Sennhauser

Nie dagewesene Möglichkeiten.

Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner drückte in der Show von Star-Interviewer Charlie Rose drei Tage nach der iPad-Lancierung aus, was viele Medienmanager dieser Tage denken: "Jeder Verleger auf der Welt sollte sich einmal täglich hinsetzen und beten, um Steve Jobs zu danken, dass er die Verlagsbranche gerettet hat." Diese überkandidelte Aussage zeigt exemplarisch, wie viel irrationale Hoffnung die Medienkonzerne in die transformierende Kraft von Apples iPad setzen.

Viele amerikanische und selbst einige europäische Verlage standen darum zur Lancierung des neuen Wundergadgets mit ersten Applikationen bereit, die Inhalte spezifisch für dieses neue Gerät aufbereiten. Die Resultate waren gemischt, aber mehrheitlich auf der enttäuschenden Seite. Viel mehr als eine glorifizierte PDF-Version bekannter Printmedien bot eigentlich niemand.

Sicher, es ist noch früh in der Entwicklung des iPad, und alle Applikationsentwickler müssen noch dazulernen, nicht nur die aus den Medienkonzernen. Aber die Medienbranche hat mit ihren ersten iPad-Versuchen gleich mehrere kapitale Fehler begangen:

  • Niemand hat sich die Mühe gemacht, Journalismus für dieses neue Tablet-Format neu zu erfinden und die ersten iPad-User mit echter Innovation zu begeistern. Im Gegenteil: Die meisten Medienapps bieten deutlich weniger als selbst die kostenlosen Websites der gleichen Publikationen.
  • Die wenigen einigermassen bemerkenswerten Erzeugnisse werden zu Phantasiepreisen verkauft. Ein Print-Jahresabo von Time Magazine kostet in den USA 20 Dollar. Für eine einzige wöchentliche Ausgabe auf dem iPad will Time aber satte 5 Dollar verlangen. Halten die Medienkonzerne ihre Kunden wirklich für so blöd?
  • Kostenlose Probeabos im Print sind eine Selbstverständlichkeit, Gratisinhalte im Web sowieso. Aber für Inhalte auf dieser neuen Plattform, von der die Leser erst einmal überzeugt werden müssen, wollen die Verlage von Anfang an Geld, und zwar nicht zu knapp. Die wenigen kostenlosen Angebote sind hoffnungslos kastrierte Auszüge des echten Produktes, so wie die "Editor's Choice"-App der New York Times mit einer Handvoll von Artikeln pro Tag.

Kann das wirklich sein? Da passiert gerade der grösste Gadget-Launch seit Jahren, der den Medienkonzernen die einmalige Gelegenheit bietet, auf einer beispiellosen Welle von Hype und Goodwill mitzuschwimmen. Das iPad ist primär ein Gerät für den Medienkonsum, und dementsprechend sollten Inhaltsanbieter ja wohl alles tun, um sich in Stellung zu bringen. Und diese paar lauwarmen, überteuerten Apps sind wirklich alles, was die milliardenschweren Medienriesen zu diesem Ereignis zu bieten haben? Haben die traditionellen Medienkonzerne schon wieder eine -- vielleicht ihre letzte -- grosse Chance verspielt, auf einer neuen digitalen Plattform von Anfang an relevant zu sein?

War vielleicht einfach zu wenig Zeit von der Ankündigung des iPads bis zur Lancierung? Nein. Der Kontrast zu den Spieleherstellern, die offensichtlich mit den Gesetzmässigkeiten der digitalen Welt besser vertraut sind, ist erschreckend. Die meisten grossen Anbieter von iPhone-Spielen waren rechtzeitig zum Start des iPad mit ansehnlichen Titeln bereit, die die Möglichkeiten des neuen Geräts schon sehr gut ausnutzen, und das zu vernünftigen Preisen.

Die Verlage hingegen scheinen das Ereignis iPad-Launch schlicht verschlafen zu haben. Kein Wunder, dass in Apples Demos immer nur die New York Times auf dem Webbrowser des iPad gezeigt wurde, quasi das Default-Medium in Ermangelung anderer bemerkenswerter Beispiele.

Woran liegt dieses Versagen? Schliesslich hoffen doch Medienmanager genau wie Journalisten so inständig, dass das iPad das unterspülte Geschäftsmodell ihrer Arbeitgeber, ihre ganze Branche und letztlich ihre Jobs retten werde.

Eins ist klar, es sind keine technischen Hindernisse. Das schwache Abschneiden der Medienbranche zum iPad-Launch liegt an drei fundamentalen Missverständnissen:

  • Medienkonvergenz verlangt nicht weniger, sondern mehr und bessere, originäre Inhalte.
  • In der digitalen Medienwelt wird Differenzierung zum wichtigsten Kriterium für den Publikumserfolg.
  • Das Geschäftsmodell der Verleger war noch nie die Produktion von Inhalten, sondern das Gatekeeping (dank Inhalten). Geld verdienen die Verlage im Print deswegen, weil Produktion und Distribution von Printerzeugnissen so kapitalintensiv ist und darum nur wenigen offensteht.

Was hat das nun mit Medien auf dem iPad zu tun?

Wer sich das wegweisende Mockup einer digitalen Ausgabe der amerikanischen "Sports Illustrated" angesehen hat - es ist wohlgemerkt noch kein wirklich verfügbares Produkt -, erkennt leicht, dass die Menge der Inhalte und der Aufwand zu ihrer Aufbereitung um Faktoren grösser ist als für ein einfaches Printmagazin. Erstklassige Videos, endlose Fotostrecken und aufwändig animierte Grafiken: Solche Inhalte müssen exklusiv sein, sie können nicht aus Agenturstoff und Filmchen eines nebenbei videografierenden Journalisten zusammengepfriemelt werden. Das kostet Geld und braucht Ressourcen. Mit den grade eben zusammengekürzten Redaktionen werden keine derart mehrwertigen Produkte hergestellt werden können.

Auch mit kostenpflichtigen Apps auf einem geschlossenen System wird das Hauptkriterium für den Erfolg in der digitalen Medienwelt – Differenzierung und Exklusivität – nicht mehr aus der Welt zu schaffen sein. Im Gegenteil: Für Einheitsbrei aus dem Newsroom und den vierfach neu zusammengewürfelten Inhalt völlig verwässerter Titel bezahlt kein iPad-Besitzer eine Abogebühr.

Denn auch dort lauert die Konkurrenz gleich neben den Bezahl-Apps im Browser, und sie ist so kostenlos und vielfältig wie seit 15 Jahren. Die Wahrheit ist nämlich, dass das Verlagsgeschäft nicht bröckelt, weil die Verleger irgendwann dummerweise ihre Inhalte verschenkten – sondern weil andere mehr (und bisweilen besseren) Stoff kostenlos anboten. Das Verlagsgeschäft ist nicht das der Newsproduktion, sondern des Gatekeepings.

Steve Jobs gibt den Verlegern mit dem geschlossenen iPad-Modell nicht ihr Businessmodell zurück, sondern entreisst es ihnen vielmehr vollends und degradiert sie zu reinen Contentlieferanten ohne Einfluss auf den Distributionskanal.

Bisher zeichnet sich ab: Die Verleger haben auch diesen Wandel nicht verstanden. Sie investieren nicht dort, wo sie gewinnen könnten - bei wirklich guten Inhalten - , sondern hoffen naiv auf eine künstliche Verknappung, die es nicht geben wird. Das iPad ist nicht eine Zeitung mit LCD-Screen. Denn Zeitungen leben vom beschränkten Platz und der aufwändigen Distribution. Das macht die Werbeplätze teuer und bewegte früher die Leser zum Zahlen satter Abogebühren, weil man fundierte News nur von einer der relativ wenigen Zeitungen auf dem Markt bekommen konnte.

Nein, das iPad ist das genaue Gegenteil einer Zeitung. Etwas pathetisch ausgedrückt: Noch nie in der Menschheitsgeschichte konnte man auf einer so geringen Fläche so einfach auf mehr reichhaltige Inhalte zugreifen wie mit einem iPad. Das ist der künstlichen Verknappung der alten Medienwelt genau entgegengesetzt. Und darum werden nur exzellente Inhalte gewinnen, nicht die Strategien von gestern.

Alle Beiträge zum iPad:

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Kommentare

  • Gunther

    12.04.10 (06:23:39)

    Ein recht guter Artikel, der mal wieder zeigt, dass eine App nicht ausreicht, um den goldenen Topf am Ende des Regenbogens zu finden. Aber eine kleine Kritik: der letzte fettgedruckte Satz ist Blödsinn mit zehn Ausrufezeichen. Wenn wir es schon mit der Fläche haben, dann sind es Smartphones, die hier am meisten bieten - und aus denen im Moment noch das iPhone. Oder wird der Satz an dem Wörtchen "reichhaltig" festgemacht? Ist das im Sinne des Angebotes im Allgemeinen? Oder die Darbietung der Inhalte? In beiden Fällen stimmt die Behauptung aber mal wirklich nur mit sehr viel gutem Willen. Und einen ganz wichtigen Punkt sollte man nicht vergessen: das geschlossene System von Apple wird immer drakonischer. Auch im Hinblick auf die Entwickler, und die sollte man niemals aus den Augen verlieren. Ein System kann noch so hübsch aussehen und tausende auf Knien rutschende Jünger haben (sorry, das musste sein) - wenn die Entwickler nicht mehr viel beisteuern und die Plattform wechseln, weil sie die Nase voll haben, dann wird das mittelfristig zu einem Problem. Und auch bei den Produzenten gibt es schon Widerstände. Siehe Gruner und Jahr die auf das wePad setzen. Es ist halt nur solange alles heikel Sonnenschein, bis Apple die eigene App aus dem Store schmeisst.

  • Tom

    12.04.10 (07:21:52)

    Die denken sich halt, wer genug Geld hat um sich einen Tablet PC ohne USB Anschluss zu kaufen hat doch sicher auch genug um 5 Dollar für eine Ausgabe Time auszugeben. Die Wirtschaftskrise kann nicht so schlimm sein wenn man sich so einen 4. PC leisten kann.

  • Felix Mai

    12.04.10 (07:46:55)

    Man kann den Autoren hier nur zustimmen, dass das billige Zusammenschustern von bereits redundant im Netz vorhandenen Informationen wohl kaum einen iPad User zur Zahlung von Abogebühren verleiten wird. Gleichwohl denke ich aber, dass die teilweise Exklusivität von Printprodukten sich durchaus auf solche neuen Medien übertragen lässt. Als Beispiel mag für mich die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" dienen. Ich lese nur noch selten klassische Tageszeitungen, ihr Informationswert ist für mich aufgrund des Netzes nur noch gering, für die (immer seltener werdenden) tiefgründigen Hintergrundstücke fehlt in der Arbeitswoche die Zeit. Die FAS gönne ich mir aber gerne sonntags. Sie ist ein stimmiges und schönes Gesamtprodukt, erhält durch ihren Tiefgang als auch durch ausgewählte Inhalte eine Exklusivität. Etwas Vergleichbares kann ich mir auch für iPad und Co. vorstellen. Dem täglichen Feedreederkonsum Konkurrenz machen - das werden die Medienhäuser wohl kaum schaffen. Ein schönes, exklusives Produkt mit Mehrwert schaffen, welches nicht bloß bereits Bekanntes abkupfert. Dafür wären - davon bin ich überzeugt - viele bereit zu zahlen. Aber auch da ist den Autoren zuzustimmen: Ob die Medienhäuser diesen Aufwand wagen werden bleibt zu bezweifeln.

  • Patrick

    12.04.10 (08:36:09)

    @Felix Du sprichst einen wichtigen Punkt an. Du hast am Sonntag Zeit und die Medien-Konkurrenz um deine Zeit & Aufmerksamkeit an einem Sonntagmorgen ist gering, weshalb Sonntagszeitungen einer der wenigen Erfolgsgeschichten in den letzten Jahren für die Papiermedienbranche sind. Die andere Erfolgsgeschichte sind Pendlerzeitungen, die einem die Pendlerzeit versüssesn. Spannend sind der iPad oder das iPhone, weil sie ja genau Konkurrenz zu diesen Erfolgsprintmodellen sind. Das iPhone macht den Pendlertag angenehmer, weil informativer, interaktiver und vergnüglicher als 20minuten. Das iPad macht casual browsing auch am Sonntag möglich. Nur ergibt sich noch das Problem, dass jeder so ein iPad braucht, damit der Sonntag angenehm wird, wie Andreas und seine Frau berichten. Eine Zeitung kann man eben teilen. Einen iPad eben nicht.

  • Huck

    12.04.10 (08:47:35)

    Das Gerät ist gerademal dreieinhalb Tage auf dem Markt und schon will man vom Versagen irgendwelcher Konzerne, Verlage, Printmedienproduzenten sprechen. Sogar die schon von der Aufstellung her bekloppteste Regierung verdient 100 Tage Schonfrist. Da findet unter Umständen ein Paradigmenwechsel statt, wenn alles gut läuft und natürlich wären die Preise des Time Magazins und diese PDFs und die ganze Unbeholfenheit schon mit einfachen Mitteln zu vermeiden gewesen und, ja, es muss jetzt was passieren, aber die Holzköpfe brauchen ein bißchen Zeit. Andere Anbieter ähnlicher Geräte müssen nachziehen. Es müssen zum iPad auch einfachere Geräte und preiswertere produziert werden, damit eine sinnvolle Verbreiterung solcher Devices nicht nur innerhalb einer gewissen Internet/iPhone-User-Blase stattfindet. Das wird kommen.

  • Hansy Schekahn

    12.04.10 (08:53:47)

    Dieser Artikel ist ja ganz nett, setzt aber Eines voraus: Das sich das IPad durchsetzt. Als Medienunternehmer sehe ich im IPad nur ein recht sinnloses Spielzeug, das zwar eine Richtung vorgibt, sich aber nicht durchsetzen wird. Es ist wie mit dem Iphone: Mittlerweile rennt Jeder einem Iphone hinterher, obwohl es z.B. mit Android schon wesentlich bessere Lösungen gibt. Das erkennen derzeit auch die anderen Handyhersteller. Apple hat - mit seinen Sektenähnlichen Journlistenanbindungen - zwar einen neuen technischen Trend gesetzt, wie beim PC wird Apple aber langfristig NICHT die Regeln diktieren. Die Masse und der Markt entscheiden, was die Zukunft bringt. Solange werden zumindest wir als Medienunternehmer nicht auf Trends setzen, sondern lieber die vorhandenen Möglichkeiten des WWW ausbauen. Ich bin sicher, der Markt wird sich nach dem WWW richten - und nicht der - zugegeben guten - PR und Diktatur eines einzelnen Unternehmens. LG Hansy

  • Marc

    12.04.10 (08:58:33)

    Also ich finde den Artikel gut, aber er beleuchtet einen Aspekt wirklich zu wenig, der im ersten Kommentar auch schon angesprochen wurde. "Noch nie in der Menschheitsgeschichte konnte man auf einer so geringen Fläche so einfach auf mehr reichhaltige Inhalte zugreifen wie mit einem iPad." Das ist so nicht ganz richtig. Ich denke das die Smartphones dies schon wesentlich eher ermöglicht haben. Anfänglich sicher das iPhone, in letzter Zeit kommen aber auch noch die neuen Androids hinzu. Ich kann es aus eigener Erfahrung sagen, seit ich ein Motorola Milestone habe, schalte ich den PC nur noch selten ein, weil wirklich fast alles mit dem Telefon geht. Server abgeschmiert? Eben ins Web, Neustart veranlassen, per SSH auf die Kiste und alles wieder an den Start bringen, Neuigkeiten bei Twitter verfolgen, Links checken, News lesen, nebenbei noch ein Spielchen oder im IRC rumgammeln, Radio hören, etc pp. Das iPad macht einige dieser Dinge mit einem großen Display, mehr aber auch nicht. Es ist ein großes Smartphone ohne Telefonfunktion. Gruß, Marc

  • Frank Schmiechen

    12.04.10 (09:12:37)

    Guten Morgen, ich habe leider nicht die Zeit, mich zu allen Argumenten dieses Artikels zu äußern. Aber hier mal ein paar Anmerkungen zu Ihren Punkten: "Niemand hat sich die Mühe gemacht, Journalismus für dieses neue Medium zu erfinden." Halt! So schnell geht das nun wirklich nicht. Auf Knopfdruck wird es keinen neuen Journalismus geben. Er wird sich gemeinsam mit den Möglichkeiten der neuen Plattform entwickeln. Vor ein paar Wochen habe ich hier und an anderen Stellen gelesen, dass dieses neue Gerät hoffnungslos überschätzt ist. Ja was denn nun? "Produkte werden zu Phantasiepreisen verkauft" Auch hier wird sich zeigen, welche Preise für welche Produkte aufgerufen werden können. Ich bin gespannt auf die Preisbildung. Hier wirken verlässlich die Mechanismen von Angebot und Nachfrage. Freuen Sie sich doch über die Beweglichkeit des Marktes. "Die wenigen kostenlosen Angebote sind hoffnungslos kastrierte Auszüge des echten Produktes" Das wird sich schnell ändern, weil niemand schlechte Produkte kaufen wird. "Und diese paar lauwarmen, überteuerten Apps sind wirklich alles, was die milliardenschweren Medienriesen zu diesem Ereignis zu bieten haben?" Immerhin haben es viele Medienkonzerne geschafft, pünktlich zum Start mit einem Angebot dabei zu sein. Trotz all der Prüfprozesse von Apple und anderen Widrigkeiten. Nicht schlecht. Dass Spielehersteller da vielleicht noch schneller und besser sind, liegt an deren Produkten. Dafür wurde erstens schon immer bezahlt und zweitens ist es deren Kerngeschäft, digitale Inhalte für ähnliche Plattformen wie iPads zu programmieren. "Medienkonvergenz verlangt nicht weniger, sondern mehr und bessere, originäre Inhalte." Wer hat das Gegenteil behauptet? Haben Sie mal die Zeitungen des Tages gelesen? Ich glaube, die Qualität und Quantität an originären Inhalten wird von Ihnen dramatisch unterschätzt. Viel Spaß beim Stöbern! "In der digitalen Medienwelt wird Differenzierung zum wichtigsten Kriterium für den Publikumserfolg." Wer hat das Gegenteil behauptet? "Bisher zeichnet sich ab: Die Verleger haben auch diesen Wandel nicht verstanden" Also wenn ich die Aussagen der Verleger lese, scheinen sie sich sehr bewusst zu sein, dass ein dramatischer Wandel ansteht. Sie zitieren ja selbst einen begeisterten Verlagsmanager. Mein Fazit: Die wahren Versager sind die, die immer gleich alles besser wissen und jede Chance von organischem Wachstum, Ideenwettkampf, Wettbewerb und Lernen aus Fehlern verhindern.

  • Matthias

    12.04.10 (09:40:35)

    Gerade das Verhalten von Gruner+Jahr zeigt mal wieder eine gewisse Überheblichkeit der Verlage. Schön, Gruner+Jahr setzt auf das WePad. Gehen die wirklich davon aus, dass die Leute ein WePad kaufen, nur um die Gruner+Jahr Produkte digital lesen zu können? Denken die wirklich, durch Ihre Apps auf dem WePad würden die Leute die Hardware wechseln? Die Leute kaufen so ein Teil nicht WEGEN der Zeitungen, die es dafür gibt. Die digitalen Zeitungen sind doch wieder nur eine nette Beigabe. Egal ob man das iPad nun gutheißen mag oder nicht, das Gerät wird einen hohen Marktanteil haben. Wenn Verlage glauben, dass Sie daran vorbeikommen, gut. Ich glaube aber nicht, dass das der richtige Weg ist.

  • Mike Hauser

    12.04.10 (11:35:01)

    Servus, obwohl tatsächlich die Angebote von Verlagshäusern nicht ausreichend sind, krankt der Artikel an Grundlengendem. Beispielsweise: Ipad-Basis ist noch viel zu gering, als dass sich angeschlagene Unternehmen in dieses Abenteuer iPad ernsthaft stürzen wollen. Es geht schlichtweg um ROI. Erst MUSS das iPad wirklich erfolgreich werden - hier in Deutschland. Dann erst, werden deutsche Medienunternehmen auch in guter Qualität deutschsprachige Inhalte liefern wollen (Können ist auch eine Frage von wollen). Das Medien und Inhalte-Business ist KEIN Firstmover-Business a la App oder Websites. Erfolg haben Publikationen, Tageszeitungen, Magazine, egal auf welchem Medium, nur die mit einer ausreichenden Marktdurchdringung auf nationaler Ebene/Sprachraum (siehe TKP). Ohne installierte Gerätebasis kann es aber gar keine ausreichende Marktdurchdringung geben. Leider verstehen das die netzwertig-Autoren nicht (oder es passt mal wieder nicht in die enervierende Tirade contra Journalismus). Schade, netzwertig - wieder mal ein einseitiger Artikel ohne Bemühen, ausgewogen und vor allem informationsbringend über ein Thema zu berichten. Nehmt endlich mal die Blogger-Brille ab und versucht mal verschiedene Positionen und Meinungen in EINEM Artikel ausgewogen darzustellen. Eure Aufgabe ist es nicht, einem kleinen Zirkel in seinem Vorurteilen zu bestätigen. Das wäre mal ein Schritt dazu, Euch als Medium auch ernstzunehmen. So bleibt ihr immer nur C-Liga in der digitalen Welt.

  • Richard Gutjahr

    12.04.10 (14:25:30)

    Guter Artikel - und ich gebe Dir in allen Punkten Recht! Eines muss ich zur Ehrenrettung der Verlage sagen: selten zuvor habe ich eine größere Mobilmachung erlebt, als in diesen Tagen. Ich komme gerade zurück von Besuchen bei NYT und WSJ und kann nur sagen: ich hatte den Eindruck, die Verlage wissen sehr wohl, was die Stunde geschlagen hat. Da wird (zum ersten Mal) richtig viel Geld in die Hand genommen. Auch in der Ausbildung! Bei der Columbia-University berichtete man mir, dass dort offenbar Springer und auch RTL (!) Kooperationen für Multimedia-Trainings planen. Auch hierzulande werden die Verlage deutlich experimentierfreudiger. Dass sich sowas noch nicht unmittelbar auf dem iPad niederschlägt, ist klar. Ich bin gespannt, was sich die Verlage in Zukunft für das iPad und alle Konkurrenz-Tablets im Herbst so alles ausdenken. Ein bisschen mehr Zeit sollten wir ihnen schon geben.

  • ron

    12.04.10 (14:25:52)

    Grossisten und Kioskbesitzer (Gatekeeper?) sowie Printproduktion dürften zusammen mehr als 50% der Vertriebskosten ausmachen. Dagegen sind die 30% für Apple eine echte Verbesserung.

  • Andreas Göldi

    12.04.10 (14:34:44)

    @Mike: Diese kurzfristige ROI-Denke ("erst muss mal der Markterfolg da sein, bevor wir ernsthaft investieren") ist genau der Grund, warum traditionelle Medienhäuser in der digitalen Welt kaum eine Rolle spielen. Ich hatte in meiner Karriere schon das Vergnügen, mit etlichen Top-Managern führender Verlage zu interagieren und diese zu beraten (bzw. das zu versuchen, weil die Beratungsresistenz in dieser Branche extrem gross ist). Das Problem dieser Leute ist ein unfassbares Anspruchsdenken. Weil sie in ihren jeweiligen Märkten Quasi-Monopolisten oder zumindest Oligopolisten sind, denken sie, dass das auch in den neuen digitalen Märkten automatisch so sein muss. Die Erbsenzähler und verwöhnten Erben, die die meisten Verlage heute leiten, haben nicht mal andeutungsweise eine Ahnung von zeitgemässen Innovationsprozessen. Durch die Digitalisierung funktionieren heute Medienmärkte viel stärker wie Technologiemärkte, und die haben fundamental andere Spielregeln. Geschwindigkeit und gezielte Experimente unter Einsatz beträchtlicher Ressourcen sind für den Erfolg essentiell. Die Verlagsmanager denken hingegen immer noch in der Dominanz von Vertriebswegen und in Einstiegsbarrieren, die sie schon lange nicht mehr haben. Auf dem iPad und ähnlichen Geräten steht jedes Zeitungsangebot in direkter Konkurrenz mit Spielen, Websites, Videos, Büchern und Medienangeboten branchenfremder Firmen. Das haben die Verleger noch immer nicht verstanden. Sie müssen viel attraktivere Angebote bieten, und zwar JETZT, wo sich die Gewohnheiten der User bilden. Wenn dann in ein paar Jahren auch mal der Finanzchef des Verlags den Erfolg einer neuen Plattform sieht, ist es längst zu spät.

  • Susanne Vieser

    12.04.10 (16:15:48)

    In vielem ist der Artikel richtig, aber warum sollte man den Journalismus "neu erfinden" fürs Internet? Das ist gar nicht nötig, denn der "richtige", sprich der mit den handfesten, verbürgten, "wahren" Nachrichten findet doch dort kaum originär statt. Und dass die Verlage bisher am "Gatekeepintg" Geld verdient haben, halte ich für eine falsche Sicht der Dinge. Gatekeeping ist eine Voraussetzung des Journalismus: Ein Journalist tritt als Gatekeeper aus, indem er die Informationsflut ordnet, Nachrichten auf ihre Richtigkeit auf ihren Gehalt hin bewertet, die wichtigen auswählt und im besten Falle nachrecherchiert oder weiterdreht. Sicher haben einige wenige Verleger/Medienkonzerne bisher Geschäfte gemacht, weil sie den bisher kapitalintensiven Transport von Nachrichten zum Rezipient organisiert haben, das aber würde ich nicht als Gatekeeping bezeichnen. Und wo bitte ist im Internet "neuer Journalismus" entstanden? Blogs sind kein neuer Journalismus, sondern eher Meinungs-Verbreitung (gerne und gut auch mit Neuigkeitswert). Sicher macht das Internet die Verbreitung von Nachrichten leichter und billiger: Es hat aber bisher nicht oder nur kaum dazu geführt, dass es eigene und vor allem neue Nachrichtenformate im Internet gibt. Und genau deshalb sollten sich Verleger auf ihre Stärken besinnen, erstmal ihre schon vorhandenen Angebote daraufhin testen, ob die überhaupt zusätzlich auch im Netz angeboten werden müssen (oder vielleicht besser nur durch intelligente Zusatzangebote ergänzt werden). Vielleicht erledigt sich die Frage mit dem Ipad dann auch von selbst. Faszinierend an dem Gerät ist, dass ich damit lesen, zuhören und schauen kann - also alle Medien auf einen Streich habe. Aber bis ich das tatsächlich via Ipad auch nutzen kann, wird es noch einige Zeit dauern.

  • Daniel Schultz

    12.04.10 (16:21:09)

    Dass die Presseverlage noch nicht so gut mit der Entwicklungsplattform umgehen können wie Spielhersteller, zeigt doch ein zusätzliches Problem. In Sachen Usability hat sich bei Spielen in den letzten 20 Jahren einiges getan und man wird sich daran messen lassen müssen, da man auf derselben Plattform um die Aufmerksamkeit des Nutzers konkurriert. Apropos Spiele: Ich warte eigentlich nur noch auf eine Kooperation zwischen EA und der ein oder anderen Sportliga. Dann bekommen Sportfans aktuelle Sportergebnisse in einem Dashboard, wie sie es aus ihrem Computerspiel schon kennen. Wenn dann noch eine Möglichkeit bestehet sich mit anderen Fans auszutauschen und zu vernetzen… Wo für braucht es dann noch einen Sportteil in der App?

  • Daniela Skrzypczak

    12.04.10 (16:50:41)

    Danke für diesen Artikel, es ist einer von wenigen der endlich mal eine andere Sicht auf die Möglichkeit des iPads gibt. Konnte mir das Video bereits anschauen, auch mit dem Hinweis was die Möglichkeit so einer Umsetzung kostet. Damit dürfte auch klar sein, das kleine Verlage dies nicht umsetzten können, da Ihnen einfach die finanziellen Mittel dazu fehlen oder sie nicht bereits sein werden diesen aufzubringen.

  • whocares

    12.04.10 (17:12:29)

    Warum bekommt man das iPad denn nicht für 1 €? Geht bei Smartphones doch auch, und die Knebelung durch die Netzmautstelle funktioniert identisch.

  • Jan

    12.04.10 (18:37:03)

    Bin ja echt mal gespannt, ob das iPad wirklich so der Erfolg wird. Ich persönlich glaube es nicht. Aber man kann sich ja auch mal täuschen.

  • Patrik

    12.04.10 (19:27:01)

    Weil der Posten noch offen ist, demnächst vergeben wird, sicher nicht allzu schlecht bezahlt ist und der ganze Kahn eh grad renoviert wird, wär mein Vorschlag: Uebernehmt ihr zwei doch im Job-Sharing den GD Posten bei der SRG! Mal für zwei, drei Jahre wenigstens. Und macht den Laden fit für's 21. Jahrhundert! Könnt ja noch eine spannende Herausforderung sein. Meine Stimme hättet ihr, wenn wir unsere Chefs selber wählen dürften... Aber das mit der Arbeiterdemokratie hat sich ja noch nicht wirklich durchgesetzt...

  • tm78654

    12.04.10 (20:50:45)

    Man muss mit den Menschen reden, wenn man wissen möchte, was für eine Software wir für unsere Nachrichten auf Mobiltelefonen wollen. Das haben alle großen IT-Unternehmen verstanden. Verlagshäuser täten gut daran mit dem Endkunden in stärkeren Kontakt zu treten und sie an der Diskussion über das eigene Produkt zu beteiligen. Seit dem es das Internet gibt, ist es sogar für alle Unternehmen bezahlbar mit dem Endkunden im regen Kontakt zu stehen. Einige Unternehmen abseits der IT erkennen langsam den Trend. Fernseh- und Radiosender sollten sich ihnen schnell anschließen. Ein übereilter Start auf dem IPad mit neuen kostspieligen Produkten die keiner Braucht und will ist der falsche Weg. Macht es wie in der Spieleindustrie. Sprecht mit euren Kunden und ihr könnt ihnen inhaltlich und technisch das bieten, was sie sich wünschen!

  • bertone

    12.04.10 (22:19:13)

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass das iPad ein großer Erfolg wird. Beim iPhone gab es Anfangs und zum Teil auch bis heute eine Menge Kritik. Ich denke der Erfolg gibt Apple aber am Ende recht.

  • tm78654

    12.04.10 (23:19:59)

    Ob das iPad erfolgreich sein wird oder nicht ist letztendlich gar nicht so wichtig. Google und viele andere Unternehmen arbeiten an ähnlichen Geräten. Setzt sich das eine von Apple nicht durch, wird es ein anderes tun. Mobiltelefone können bietet bereits mehr Möglichkeiten als das iPad, lediglich ein kleineres Display schränkt den Komfort ein. Das iPad ist im Gegensatz zur Technologie die dahinter steckt nicht so wichtig. Seit über 10 Jahren finden Verlage keine Möglichkeit mit dem Internet und neuen Techniken Geld zu verdienen, obwohl der Markt und die Zielgruppe sich täglich rasant vergrößert. Da müssen sich die Verlage schon die Frage gefallen lassen, ob sie überhaupt am Vertriebsweg Internet und den damit komplexer werdenden Kerngeschäft interessiert sind! Anscheinend nicht, sonst hätten sie den Start vom iPad nicht so gründlich vermasselt. Jede technische Entwicklung wird von den Verlagen konsequent verschlafen. Es ist an der Zeit aufzuwachen und nachzudenken und letztendlich auch zu handeln. Ein aktiver Austausch zwischen Journalisten und IT'lern, wie er die letzten Tage angestoßen wurde, kann ein Anfang sein.

  • Chris

    13.04.10 (05:44:17)

    Die Aktionen von Döpfner bzw. Springer im Bezug auf iPhone und nun iPad kann ich einfach nicht ernst nehmen. Der Welt-PDF-Reader ist nichts als eine instabile Peinlichkeit. Das iPad-Konzept des WSJ finde ich allerdings überzeugend: Hier sieht man, dass sich jemand Gedanken gemacht hat und es wird versucht, den neuen Möglichkeiten gerecht zu werden. Sehr weise haben sich kürzlich Verantwortliche der FTD zu diesem Thema geäußert: In Sachen iPad geht es nicht darum, der Erste zu sein, sondern ein gelungenes und auf des Gerät abgestimmtes Konzept zu offerieren.

  • joha

    13.04.10 (05:54:13)

    Ich bezweifle, dass man nach einer Woche eine Bilanz ziehen kann, die über eine aufregende Schlagzeile hinausgeht. Sicher sind die Apps bisher nicht der Burner, aber wenn die Lernkurve steil ist, kann sich das durchaus ändern. Zur künstlichen Verknappung: Natürlich ist das in einer nicht der richtige Weg - aber die Frage ist: Sollte man eine "App-Redaktion" gründen, weil jetzt das iPad auf dem Markt ist? Das wäre ja noch mehr Wunderglauben. Ein Gerät kann die Branche nicht retten, auch eine Gerätegattung nicht - es geht immer noch um genau die fundamentalen Fragen (Relevanz, Originalität, Dialogfähigkeit), um die es auch vor dem iPad ging. Also: Erstmal abwarten, wie sich die "third devices" und damit einhergehend die journalistischen Formate entwickeln - ich hoffe, dass es eine evolutionäre Entwicklung wird (das gilt auch für die Preise, hier testen gerade nicht nur die Verlage die Grenzen des Zumutbaren, sondern alle App-Anbieter).

  • Ulrich Voß

    13.04.10 (15:12:11)

    Ich wollte gerade einen Kommentar schreiben, aber du hast fast alles gesagt, was ich auch sagen wollte. Die einzige Möglichkeit der Verlage heißt technisch HTML5 und so viele Plattformen und Bezahlmöglichkeiten wie eben möglich. Wenn sich ein so großer Verlag wie Gruner + Jahr an eine so offensichtlich Luftnummer wie das WePad hängt, muss man echt Angst um den ganzen Laden haben. Wieso committen die sich, bevor das Gerät auf dem Markt ist? Glauben die wirklich,sie könnten dadurch irgendwas gewinnen? Glauben die, dass sich die Zukunft der Magazine bis August entschieden hat? Wieso warten die nicht, bis Microsoft und Google auch noch was liefern? Nein, im Moment ist die Situation aus meiner Sicht klar: Die Zukunft ist so unklar, dass man im Moment einfach nichts ausschließen sollte. Also HTML5+Browser. Aber die Verlage scheinen sich jetzt auf einmal irgendwie sicher zu sein, dass man keine Verlinkung braucht, dass Apps als Ghetto kein Problem sind, Micropayment evil ist und nur Abos funktionieren und treffen hier viele Entscheidungen, die viele Investitionen in Technik nach sich ziehen, die wahrscheinlich verschwendet sind und verschenken damit die Möglichkeit, das Geld in den Content zu stecken. Und dann in 12 oder 18 Monaten wenn mehr Tablets da sind, wenn die Bezahlmöglichkeiten da sind, ... die richtige Entscheidung zu treffen.

  • Carsten Hucho

    16.04.10 (08:43:00)

    Ein sehr lucider Text! " Das iPad ist nicht eine Zeitung mit LCD-Screen. …" Eben. Ein Auto ist keine Kutsche, ein Flugzeug ist kein Vogel - aber noch ist das Web ein Haufen elektronischer Varianten von sonstwas. Das iPad ist ein Device des nächsten Web. Und dieses zu gestalten erfordert eine Abkopplung von alternden "Web-Propheten" (siehe auch Http://faktoide.blogspot.com)

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