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21.08.13Leser-Kommentare

iOS first: Warum Apple der König der Apps bleibt

80 Prozent aller neu verkauften Smartphones und zwei Drittel der Tablets werden mittlerweile mit Android ausgeliefert. Bei den Apps heißt es trotzdem für viele Anbieter weiterhin: iOS first. Drei Startup-Gründer verraten uns wieso.

iPad und Android-PhoneBetrachtet man die Neuverkaufe bei Tablets und Smartphones, scheint das Rennen entschieden. Android ist klarer Marktführer, Apple droht, in der Nische zu verschwinden. Apples iPhone erreicht nur noch gut 13 Prozent Marktanteil, wie IDC und Strategy Analytics für das jünst abgelaufene 2. Quartal 2013 einstimmig berichten. Das Weihnachtsgeschäft und neue Produkte im Herbst dürften Apple vorübergehend einige Marktanteile zurückbescheren. Wer ähnliche Wettrennen in der Vergangenheit verfolgt hat, unter anderem die Browserkriege, Microsofts Dominanz bei Desktop-Betriebssystemen oder Googles Quasi-Monopol bei der Websuche, der ahnt aber, dass sich die Verhältnisse langfristig eher noch weiter zu Androids Gunsten verschieben dürften.

Die meisten App-Anbieter scheint das kaum zu interessieren. Sie entwickeln weiterhin munter zuerst für iOS und arbeiten erst danach - wenn überhaupt - an einer Android-App. Sarah Perez hat auf Techcrunch kürzlich eine Liste von Apps zusammengestellt, die es auf mobilen Geräten bislang nur für iOS gibt. Darunter so prominente Vertreter wie IFTTT, Tweetbot, Reeder, Twitter Music, Oggl oder Musicplayr. Auch auf Netzwertig ist die Mehrheit der Apps, die wir zuletzt vorgestellt haben, iOS first. Wir haben bei einigen Startups nachgefragt, woran das liegt.

 

Weiter verbreitet, preiswerter in der Entwicklung

Für André M. Bajorat, Mitgründer der iPhone-Finanz-App Figo, die in Kürze starten soll, ist die Sache klar: "Der Wohw-Effekt ist bei iOS weiter größer". Darüber hinaus seien Premium-Dienste in einer iPhone-App leichter zu realisieren und die weniger verschiedenen Displaygrößen und Betriebssystem-Version machten im Vergleich zu Android und dessen berühmt-berüchtigter Fragmentierung die Entwicklung einer iOS-App "überschaubarer". Es geht also auch ums Geld: Durch weniger Aufwand, so Bajorat, sei "die Entwicklung günstiger".

Für Marcel Vandieken, Gründer und CEO von Mylo, einem lokalen Empfehlungsdienst für Geschäftskontakte, sind die Gründe offiziell anderer Natur: "Man könnte unser Team als 'Apple-Addicted' bezeichnen." Und weil das im Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis nicht anders gewesen sei, habe man diese direkt für den Vorab-Test der App mit einbinden können. "Die Wahl für iOS hatte daher sehr praktische Gründe für uns", schrieb mir Vandieken, nicht ohne hinzuzufügen, dass Android ein sehr wichtiger Markt sei und man bereits intensiv am baldigen Start der Android-App arbeite.

Bei Investoren beliebter, bei Entwicklern bekannter

In dem Fall also half dem Team die weite Verbreitung von Apple-Produkten. Eine jahrelange Marktführerschaft sorgt natürlich für das notwendige Ökosystem an Nutzern und Entwicklern. Wie Vandieken es beschreibt, hört man es von vielen Entwicklern: iOS zuerst, aber Android gleich hinterher. Für iOS spreche auch, dass die Szene aus Investoren und Entwicklern, gerade in der Startup-Hochburg San Francisco noch immer fast nur iPhones benutze, wie das Startup SendHub berichtet. Das verändere sich erst langsam. Neue iOS-Apps hätten deswegen bei Investoren derzeit noch eine bessere Chance.

Jan Senderek, Mitgründer der Foto-App Loom, findet weitere Gründe für iOS: "Apple-User sind ein ganz anderer Markt als Android-User". Sie seien Foto-affiner und eher bereit, für eine App zu zahlen. Da die iPhone-Kamera die meist genutzte Kamera der Welt ist - wie Apple in einem aktuellen TV-Werbespot auch gerne betont - sei dem Loom-Team die Wahl für iOS leicht gefallen. Die habe laut Senderek aber auch praktische Gründe: "Wir haben zuvor viel auf Apple entwickelt und daher mehr Erfahrung damit".

Ein über Jahre gewachsenes Ökosystem

Natürlich gibt es zahlreiche Apps, die früher für Android als für iOS veröffentlicht werden. Ich denke da zum Beispiel an den mobilen Reiseplaner Öffi, den von mir geschätzten Twitter-Client Carbon oder den attraktiven Alarm Timely, der in den vergangenen Tagen in der Techpresse ein wenig die Runde machte. Sarah Perez hat allerdings recht, wenn sie schreibt, dass das gerade bei hippen Startups eher die Ausnahme ist.

Die Gründe dafür sind relativ vielfältig. Ein wichtiger Grund ist das bereits oben erwähnte gewachsene Ökosystem und darüber hinaus die Gewohnheit neuer Anbieter, erst einmal eine iOS-App herauszubringen, weil alle das tun. Die jahrelange Dominanz von iPhone und iPad gegenüber der Android-Konkurrenz sorgte aber auch für die einfache Tatsache, dass es noch mehr iOS- als Android-Kunden und -Entwickler gibt und sich dieses Verhältnis erst langsam in Richtung Android verschiebt. Trotz der vergleichbar hohen Anzahl an Apps setzt Apples AppStore laut Distimo (PDF) noch immer weit mehr als doppelt so viel um wie der Google Play Store - auch wenn letzterer deutlich schneller wächst. Die Verhältnisse hier: fast gegenläufig zu den Marktanteilen.

Die sind also nicht alles. Die Einschätzungen und Umsatzzahlen bedeuten aber auch: Android steht das große Wachstum erst noch bevor. Mehr Nutzer werden höhere Umsätze generieren und das dürfte langfristig dafür sorgen, dass auch Investoren, Startups und Entwickler Android bald nicht mehr auf die lange Bank schieben können. Androids Dominanz, sie dürfte erst noch kommen.

Kommentare

  • Total

    21.08.13 (09:47:58)

    Klar, Apple-Jünger entwickeln zuerst für ihresgleichen. Und Apple-Jünger schreiben bzw. verbreiten das auch gerne. Da muss man auch nicht lange nach Gründen suchen. Ich sehe selber, dass viele Vorstände ebenfalls iPhones benutzen und Android noch gar nicht auf dem Schirm haben - das Tellerrand-Problem. Nur mal so nebenbei möchte ich aber erwähnen, dass der Play Store mittlerweile mehr Apps hat als der iTunes Store. Mit dieser Tatsache fällt dieser Artikel in sich zusammen und macht aus ihm das, was er ist: Werbe-Geschwurbel für Apple.

  • Henry

    21.08.13 (10:13:34)

    Ich wünsche es den ganzen "hippen" Start-Ups, dass sie zusammen mit ihrer Lieblingsfirma den Bach runtergehen!

  • ggain

    21.08.13 (10:39:50)

    Iss'n Snickers! Du klingst wie Deine Oma! Das Problem ist doch ein ganz anders: Android wird überwiegend von Minderbegabten und Minderbemittelten genutzt, die so gut wie nie auch nur einen Cent für Apps ausgeben. Waru sollte man als Entwickler da investieren?

  • ggain

    21.08.13 (11:23:29)

    Aha. Und warum? Geht es Dir besser, wen andere "den Bach runtergehen"? Gesinnungen wie diese sind der Grund, warum so viele einen grossen Bogen um die Android-Plattform machen. Wer solche Kunden hat, braucht keine Feinde mehr.

  • gabriel

    21.08.13 (12:37:36)

    Ich bin seit 24 Jahren "Apple-Jünger" mit allem, was dazu gehört. Zig Macs, iPhones, iPads. Aber auch einem Galaxy S4, das ich derzeit vornehmlich benutze. Ein tolles Gerät, besonders das riesige Display. Trotzdem ist das subjektive Feeling mit Android immer noch etwas "schmuddelig". Android ist für mich noch immer eine Kopie. Auch wenn das objektiv betrachtet sicher nicht mehr stimmt. Wie gesagt, es ist rein subjektiv. Ich habe noch immer wesentlich weniger Hemmungen, Apps bei Apple zu kaufen, als es im Android Market der Fall ist. Ich denke, das hat etwas mit dem Look and Feel bei Android zu tun. Das System sieht out of the box noch immer wesentlich billiger aus, die Apps stehen dem meist in nichts nach. Die Qualität der Apps ist nicht annähernd so hoch wie sie bei Apple ist. Fast jeden Tag habe ich das Gefühl, dass sich die Entwickler für die iOS-Plattform schlicht mehr Mühe geben, weil sie dort für ihre Arbeit wesentlich besser von den Benutzern belohnt werden. Es ist allerdings im Vergleich zu 2010, als ich mein erstes Android-Gerät hatte, schon sehr viel besser geworden. Das Argument, dass es für Android inzwischen mehr Apps gibt, ist natürlich vollkommener Blödsinn. Womit wir beim größten Nachteil - für mich - von Android angekommen wären: der Community. Ich habe noch nie so viel Hass, Intoleranz und Dummheit gesehen wie in der Android-Community. Dagegen sind eingefleischte Apple-Fans die reinsten Lämmchen. Es ist, als wollten die fanatischen Android-Verfechter, die ihr Weltbild in Gefahr sehen, sobald das Stichwort "Apple" fällt, mit aller Macht all die Studien untermauern, die belegen sollen, dass der durchschnittliche Adnroid-User etwas minderbemittelt und weniger gebildet ist. Was man im Ansatz sehr schön in den Kommentaren Nummer 1 und 3 sehen kann. Für mich sind sie sowas wie die Taliban der IT-Welt. Wie gesagt, rein subjektiv ;) Ich jedenfalls freue mich über mein Galaxy und habe im Moment sehr viel Spaß damit. Wenn es mir langweilig wird, hole ich mein iPhone wieder hervor, nehme eine Sandale in eine Hand und folge dem Propheten in die andere Richtung ;)

  • gabriel

    21.08.13 (12:44:14)

    Na Hoppla, je nach Zählweise ist Kommentar Nummer 3 meiner ;)

  • Sven

    21.08.13 (13:42:47)

    Vorstände (Entscheider) haben nicht nur iOS im Kopf. Es gibt schließlich auch tolle Andoird Geräte und dieses sind in der Menge auch noch günstiger als iPhones. Deshalb wird sich auch intensiv mit Android auseinander gesetzt aber letztlich ist "Sicherheit" ein entscheidender Faktor und dabei kann Android nicht so gut punkten wie iOS. Bevor ihr jetzt schreit: Natürlich gibt es gerade im Punkto Sicherheit auf beiden Seiten Schwachstellen und Methoden um diese zu schließen oder einzuschränken aber das Sicherheitskonzept von Apple funktioniert am Ende des Tages einfach besser und das für Anwender, Entscheider und Admins!

  • Grossermanitu

    21.08.13 (17:07:20)

    Abgesehen von apps wie timely muss ich da zustimmen. Viele Apps bei android sehen einfach nicht gut aus. Bei einigen apps gibt es auch nur Werbung und keine Bezahlversion. Ich gebe für qualitativ hhochwertige und vorallem gutaussehende apps gerne Geld aus. Leider gibt es nur zuwenige davon. Android gefällt mir auch nur optisch seit 4.0 und da auch nur die pure Version auf dem nexus. Aufsätze anderer hersteller sind einfach nicht stimmig und denen fehlt die nötige Konsistenz. Ich denke langsam aber das sich hier etwas tut. Und der Markt verstanden hat das es hier durchaus viel Potential gibt. Siehe timely oder eye in sky die ich beide in der Bezahlversion habe.

  • Werner

    21.08.13 (19:38:49)

    Mir ist ziemlich egal, was "bei hippen Startups" (Zitat aus dem Artikel) gerade en vogue ist. Ich benutze ein Android-Fon und zahle auch gern für Apps, die ich verwende. Aber wer ein iPhone bevorzugt, soll's halt benutzen. Natürlich ist die Sicherheit bei einem System wie Android ein wichtiges Kriterium - wer wie Apple die Nutzer dazu zwingt, Apps entweder aus dem eigenen Store oder gar nicht zu beziehen (Jailbreak mal außen vor gelassen) und sich auf wenige Modelle beschränkt, kann im Gegenzug natürlich ein sichereres System anbieten. Android-User müssen da schon selbst ein wenig aktiv werden. Ergo: Wenn manche Entwickler lieber oder ausschließlich für iOS "schreiben", soll mir das recht sein. Ist kein Grund für Glaubenskriege. :)

  • Manuel

    21.08.13 (20:17:48)

    Kann ich gut nachvollziehen. Ausser mir kenne ich niemanden, der eine Android-App gekauft hat. Bei iOS wird im Kollegenkreis hingegen öfter mal etwas gekauft. Der Grund könnte sein, dass man bei uns in der Schweiz fast überall App Store-Gutscheinkarten kaufen kann, für Google Play jedoch eine Kreditkarte braucht. Wobei die Kauffreude ja keinen Ausschlag geben sollte bei Gratis-Apps... Was mich interessieren würde: weshalb werden so viele Apps noch nativ entwickelt und nicht mit HTML5 oder einem Framework wie PhoneGap? Ist das zu kompliziert? Zu langsam? Zu wenige Features?

  • Henry

    22.08.13 (11:58:25)

    @ggain: Dann haben über 80 % der Deutschen socl eine Gesinnung. Genau das ist nämlich der Android Marktanteil in Deutschland!

  • ggain

    22.08.13 (18:53:22)

    @Henry: Wir wollen nicht übertreiben: 76,7%. Und von denen sind - meiner Wahrnehmung nach - höchstens 3% so fies wie Du. Reicht aber, um eine ganze Plattform in Verruf zu bringen ;-)

  • ggain

    22.08.13 (19:00:55)

    @Manuel: Die meisten iOS-Apps werden nativ entwickelt, weil das enorme Vorteile hinsichtlich Performance und Features hat. Bei Android ist es anders. Die meisten Android-Apps werden in Java geschrieben und kompiliert. Nach Aussagen von Larry Ellison (Oracle) hat Google den dafür notwendigen Code übrigens geklaut (wie angeblich vieles andere auch): http://cbsnews.com/8301-5…apple-is-going-down/

  • Hans Dieter Hensel

    23.08.13 (22:46:14)

    ich bin seit 1986 PC Anwender. Die Betriebssysteme unter DOS waren sehr effektiv mit Windows ging es zügig bergab. Da sich die Industrie aber auf Windows eingeschossen hatte blieb mir keine andere Wahl meine technischen Anwendungen eben auch mit Windows zu verwirklichen. Im ersten Jahr meines Ruhestands kaufte ich mir einen Mini MAC mit Intel Prozessor und ein iBook G4 mit Motorola Prozessor. Ich wollte endlich auch die hochgelobte Apple Welt kennenlernen. Allerdings musste ich feststellen dass die Apple Welt nicht nur eine sehr kleine und beschränkte Welt ist sondern auch eine sehr ungenaue und fehlerbehaftete, die billig in China gefertigt zu horrenden Preisen verkauft wird. Wie kann man nur so blöd sein sich bei jedem neuen Gerät mitten in der Nacht vor dem Apple Laden zu stellen um als einer der Ersten diesen völlig überzogenen Plunder zu erwerben.

  • Karl

    26.08.13 (04:35:32)

    Was willst du mit deinem Kommentar eigentlich aussagen? Dass du DOS nachtrauerst? Dass du Rentner bist? Dass du mit deinem Mac Mini nicht klargekommen bist? Oder schlicht, dass du Leute, die sich etwas von Apple kaufen, für dumm hältst? Glückwunsch, bitte hinten anstellen und eine Nummer ziehen.

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