<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

19.09.13

iOS 7: Wie die Erwartungshaltung den ersten Eindruck beeinflusst

Die Erfahrungen der frühen iOS 7-Tester waren durchwachsen. Dank der daraus resultierenden niedrigen Erwartungshaltung wartet eine positive Überraschung.

iOS 7Wie ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine Software auf Anwender wirkt, hängt maßgeblich von ihrer Erwartungshaltung ab. Ein und das selbe Gut kann für Begeisterung oder Enttäuschung sorgen, je nach dem, was Nutzer im Vorfeld darüber erfahren haben.

Als ich gestern die Installation von iOS 7 in Angriff nahm, waren meine Erwartungen so niedrig wie noch nie bei einer überarbeiteten Fassung des Apple-Betriebssystems. Zahlreiche Erfahrungsberichte von Nutzern der vor Monaten veröffentlichten Entwicklerversion hatten mich auf eine Software vorbereitet, die nicht nur die größten Veränderungen von iOS bisher mit sich bringt, sondern im Vorfeld auch für gemischtes Feedback bei Testern sorgte. Lobeshymnen standen Verrisse gegenüber. Noch gestern riet der als hartgesottener Apple-Fan bekannte Entwickler Marco Arment, man solle iOS 7 unbedingt einige Tage ausprobieren, bevor man ein Urteil fällt, und nicht vorschnell seinem eventuellen Unmut über die Neuerungen freien Lauf lassen. Niedrige Erwartungen führen zu positiver Überraschung

Ein vergleichsweise radikal verändertes OS, das neben Lob auch deutliche Kritik auf sich zog, das gänzlich ohne die Mitwirkung des genialen Steve Jobs entstand, und dessen Lancierung von Meldungen über Kompatibilitätsprobleme begleitet wird - meine Hoffnungen auf sofortiges Gefallen waren gering.

Doch nachdem ich mein iPhone nach abgeschlossener Installation in Betrieb nahm und mich das neue, flache OS anstrahlte, waren meine Bedenken innerhalb kürzester Zeit verflogen: Die neue Optik sagte mir sofort zu, ebenso die funktionellen Verbesserungen. Freilich half es, dass ich zuvor Beiträge gelesen hatte, welche die Neuerungen detailliert auflisten (Empfehlungen: hier und hier). So blieb mir frustrierendes Herumsuchen erspart.

Vorab Informieren ist angeraten

iOS 7 ist zweifelsohne ein großer Schritt von der Vorgängerversion. Wer das Update ohne jegliche Vorabinformationen einleitet und keine Bereitschaft zum positiven Umgang mit Veränderung mitbringt, der könnte Probleme bekommen und Irritation über die neuen Designelemente und an andere Orte gezogene Features wie etwa den Finder verspüren. Mit ordentlich gesenkter Erwartungshaltung aber ist iOS 7 die beste positive Überraschung für Besitzer von iOS-Geräten seit langem.

Das Herbeiführen vom positiven Anwendererfahrungen durch verringerte Erwartungen stellt in vielen Lebensbereichen ein Erfolgsrezept dar. Wenn ein neues Gadget Tage vor dem vom Händler verkündeten Lieferzeitpunkt eintrifft, ist die Freude größer, als wenn die Lieferung im vorhinein für diesen Tag angekündigt worden wäre. Die Silvesterfeier wird manchmal besser, wenn nicht schon Anfang Dezember das beste Fest aller Zeiten antizipiert wird. Und wer dem eigenen Partner ein fantastisches Geschenk verspricht, läuft eher Gefahr, zu viel versprochen zu haben, als jemand, der sich zurückhaltend gibt.

Apple selbst nutzt diese Technik regelmäßig bei seinen Quartalszahlen: Indem es die Prognose für das kommende Quartal bewusst niedrig ansetzt, kann es anschließend leicht seine eigenen Erwartungen übertreffen und mit diesem psychologischen Kniff den Aktienkurs stärken.

 

Das vor dem Release zu vernehmende durchwachsene Feedback zu iOS 7 könnte von Apple bewusst lanciert worden sein - etwa durch die absichtlich leichte Schwächung der Entwicklerversion (hier fehlt mir der Vergleich). Allerdings ist dies eher unwahrscheinlich. Vermutlich handelt es sich einfach um das Resultat aus signifikanten Veränderungen an einer populären, lange Zeit einigermaßen konstant gebliebenen Software. Mir half die Resonanz der Tester, mich auf eine sehr gewöhnungsbedürfte User Experience und nicht funktionierende Apps einzustellen. Umso schöner, dass am Ende alles deutlich besser kam - auch wenn mit Bugs und Ungereimtheiten natürlich zu rechnen ist.

Wer bisher aufgrund mancher Kritiken mit dem Update warten wollte, der kann es mit der richtigen Erwartungshaltung meiner Meinung nach bedenkenlos herunterladen. Wobei man diesen, letztlich die Erwartungen erhöhenden Artikel dann lieber nicht gelesen haben sollte. /mw

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer