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07.06.11

iOS 5 und iCloud: Apple zieht in die digitale Wolke

Apple zerschneidet mit seinem neuen mobilen Betriebssystem iOS 5 sowie dem dazugehörigen Onlinedienst iCloud alle Kabel und positioniert sich als zentraler Hub in der digitalen Wolke. Hier sind neun Gedanken zu den am Montagabend vorgestellten Neuerungen.

 

Während und nach Apples umfangreicher Keynote am Montagabend schwirrten mir (und sicherlich vielen von euch, sofern ihr sie verfolgt habt) zahlreiche Gedanken im Kopf herum. Und da das neue mobile Betriebssystem iOS 5 erst im Herbst erscheinen soll, lassen sich viele der von Steve Jobs & Co angekündigten Neuerungen auch noch nicht ausprobieren.

In diesem Artikel möchte ich aber trotzdem einige Punkte aufgreifen, die mir aus der Ferne wichtig oder relevant erscheinen.

1. Apple bringt die persönliche Cloud in den Mainstream

Geredet wird über Cloud Computing schon lange. Und während die " Personal Cloud " für viele Nutzer unbewusst bereits existiert - denn jedes Konto bei Facebook, Skype oder Flickr ist Teil selbiger - will Apple mit seinem tief in iOS 5 integrierten, kostenfrei angebotenen iCloud-Dienst dieses Konzept über nahezu alle Daten und Inhalte der Nutzer stülpen. Diese werden vom User quasi unbemerkt in die Apple-Wolke geladen und mit anderen iOS-Geräten sowie mit Apple-Software synchronisiert. Wenn es wirklich so bequem und einfach funktioniert wie von dem Unternehmen angepriesen, dann ist dies der Durchbruch für die persönliche Cloud.

2. Twitter-Integration ist ein Verlust für Facebook

iOS 5 besitzt eine enge Systemintegration von Twitter und stellt auch dazugehörige APIs für Entwickler bereit, um iOS-Apps direkt mit Twitter-Funktionalität auszustatten. Ein iPhone- oder iPad-Besitzer muss sich dabei nur ein einziges Mal über den Microbloggingdienst authentifizieren und kann anschließend beispielsweise Fotos direkt aus der iOS-Fotoanwendung per Tweet versenden (Twitters neuem Foto-Feature sei Dank). Für Facebook ist das eine schlechte Nachricht, denn das Social Network besitzt keine vergleichbare Verzahnung  mit Apples mobilem Betriebssystem .

3. Apple bereitet App-Entwicklern Kopfschmerzen

Während der zweistündigen Keynote präsentierten Steve Jobs und seine Mitstreiter auf der Bühne zahlreiche in iOS 5 integrierte Features, die man in abgewandelter Form bereits von Apps her kennt, wie z.B. das Chat-Tool iMessage, Bildbearbeitungsoptionen oder eine Funktion, um Artikel zum späteren Lesen vorzumerken. Eine Reihe von App-Entwicklern hat daher nun nur wenige Monate Zeit, um sich zu überlegen, wie sie ihre Anwendungen so differenzieren, damit sie von Apples mutmaßlich besseren Nachahmungen nicht verdrängt werden. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass diese Gefahr nur für User gilt, die sich ausschließlich im Apple-Universum bewegen.

4. iMessage ist ein zweischneidiges Schwert

iMessage heißt der neue, in iOS 5 integrierte Chatservice, mit dem sich textbasierte Einzel- und Gruppenkonversationen mit anderen iPhone- und iPad-Eigentümern führen lassen. Erfreulich ist dies, weil dadurch die überteuerte SMS verdrängt wird. Sorgen muss einem jedoch die Tatsache bereiten, dass Apple mit iMessage nach FaceTime einen weiteren Kommunikationsdienst zu etablieren versucht, der (nach dem heutigen Stand) über keine andere Plattform genutzt werden kann. Mobile Chatdienste wie Kik oder WhatsApp behalten daher weiterhin einen großen Vorteil (sind allerdings nicht ab Werk in iOS eingebunden).

5. Die mobile Apple-Welt wird kabellos

Mit iOS 5 entfernt Apple endlich den Zwang zur Aktivierung und Synchronisation des iPhones/iPads per USB-Kabel und iTunes. Stattdessen kommen Firmware-Updates ab sofort drahtlos via WLAN auf die Geräte (und dies partiell und nicht mehr länger als riesiger Softwarebatzen, bei dem selbst unveränderte Komponenten erneut installiert werden), und dank iCloud sind alle Daten wie Fotos, Bücher, Songs, Mails, Kalendereinträge oder auch Dokumente auf allen mit dem selben iTunes-Konto verbundenen Geräten verfügbar.

6. Die Revolution des Musikkonsums bleibt aus

Auch alle über iTunes erworbenen Songs und Alben landen zukünftig in der persönlichen Apple-Cloud und können von da auf alle angeschlossenen Tablets und Smartphones geladen werden. Zudem wird mit iTunes Match für 25 Dollar pro Jahr vorerst nur in den USA ein Dienst angeboten, der auf der eigenen Festplatte befindliche, im iTunes-Katalog enthaltene Titel aus der iCloud heraus in 256 kpbs-Qualität verfügbar macht. Das mag für manche Musikliebhaber ein attraktives Angebot sein, reicht in puncto Komfort und Freiheit des Musikkonsums aber nicht an einschlägige On-Demand-Streamingservices wie simfy, Spotify, MOG oder Rdio heran.

7. Push-Nachrichten-Verwaltung inspiriert von Android

iOS 5 erhält ein eigenes Menü, in dem alle eintreffenden Push-Nachrichten gelistet werden. Zugriff auf diese Übersicht erhält man, indem man mit dem Finger am oberen Rand des iPhone-/iPad-Displays nach unten "swipt". Dies hat sich Apple bei Android abgeschaut.

8. Erinnerungen verknüpft mit Orten

Eine weitere Neuerung von iOS 5 ist ein "Erinnerungs"-Feature, das (passend zu Punkt 3) Anbieter von Taskmanagern in Bedrängnis bringen könnte. Ein besonderes Highlight stellt dabei die kurz auf der Keynote gezeigte "Remind me at Location"-Option dar. iPhone und iPads (mit GPS) werden also in der Lage sein, eine Benachrichtigung anzuzeigen, wenn man sich an einem bestimmten, zuvor definierten Ort befindet. Sehr cool!

9. Offenheit ist weiterhin nichts für Apple

So praktisch iCloud und die damit verbundenen Maßnahmen zur Erleichterung des digitalen Alltags auch sein mögen: Sie beschränken sich auf Apples Hardwarewelt und bringen Abhängigkeiten mit sich. Wer regelmäßig auch mit anderen Plattformen (Windows, Android, Linux etc.) in Berührung kommt oder nicht alles auf eine Karte setzen möchte, wird sich nicht vollständig auf die Apple-Cloud verlassen können wollen.

Welche Gedanken habt ihr rund um Apples neue Features?

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