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03.07.08Leser-Kommentare

Intransparenz bei Ringier: Redaktionelle Werbung für Gate24

Ausführlich würdigt der Blick in einem Artikel das Internetportal Gate24.ch. Was die Leser nicht erfahren: Das Portal gehört zum eigenen Verlag. Wie praktisch.

Blick / Gate 24Interessenkonflikt? Aber wo denn! Der Artikel auf Seite 30 im Blick vom 2. Juli 2008 füllt über eine Seite. Oswald Weber führt ein Interview mit dem Chef der media swiss AG , Klaus Abele. Die beiden Interviewpartner stehen aber nur scheinbar auf verschiedenen Seiten – denn beide arbeiten für Ringier. Der Blick zu 100 Prozent Ringier, die media swiss AG seit Ende 2007 zu 80 Prozent. Der wiederum gehört das Portal Gate24.ch, um das es im Interview geht. Eigentlich ja praktisch, wenn alles eine grosse Familie ist. Nur:

 

Transparent wird dieser Konflikt nicht. Transparent gemacht wird das nur bei der Konkurrenz. In einem neben dem Interview stehenden Kasten, in dem auch andere Adress-Vermittler wie search.ch, local.ch und directories.ch aufgeführt sind, wird angeführt, dass die letzteren beiden der Swisscom gehören.

Da bin ich ziemlich glücklich, bei einer Firma zu arbeiten, die eine klare Werbepolitik formuliert hat.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Daniel Große

    03.07.08 (14:02:41)

    Das ist ja leider nicht unüblich - die Leipziger Volkszeitung schrieb kürzlich, dass ein Briefdienstleister sein Angebot erweitert - der Dienstleister gehört zum Unternehmen. Wenigstens stand das dabei. Werbung war's trotzdem.

  • yabadabidu

    03.07.08 (17:43:20)

    Das war übrigens nicht das einzige Mal. Entweder im Blick oder im Blick am Abend wurden Directories auf dem Web vorgestellt und natürlich hat gate24.ch am besten abgeschlossen, da es nicht nur Adressen anbieten würde, sondern eben noch wertvolle Zusatzinformationen. Tja, so schön kann gekaufter Journalismus sein, Herr Meyer. Wäre interessant, wenn medienlese eine offizielle Anfrage an Ringier oder an den Chefpublizisten stellen könnte. Gruss yabadabidu

  • Ugugu

    04.07.08 (00:57:28)

    24 Gates, üble Sache...

  • Klaus Jarchow

    04.07.08 (09:13:32)

    'Durch 24 Tore musst du gehen, 24mal den eignen Lobsang überstehn ...' Karat in Zeiten des Internet ...

  • arbiter

    04.07.08 (09:34:54)

    >>KLAUS JARCHOW: Und wieviel Karat hat Schrott? Werbemüll mit Goldrand.

  • Klaus Jarchow

    04.07.08 (09:42:44)

    Mein Onkel hat früher die Lurchi-Hefte sogar gesammelt (die von Salamander-Schuhe) ...

  • jean-claude

    04.07.08 (10:35:44)

    Diese gegenseitigen Liebesdienste laufen unter dem Titel "Crossmedia", ein schwammiges Wort für eine schwammige Businessstrategie. Das Wort fällt jeden Tag in Verlagskonferenzen dutzende Male. Man hält das für harmlos, aber der Effekt bei Lesern bez. usern ist eben ein anderer, auch wenn er sich nicht sofort in Auflageziffern ausdrückt, nämlich das Grundgefühl: alles geschmiert, alles gekauft, alles eine Mischpoke. Warum kapieren weder Journalisten noch Verlagsmenschen, dass "Vertrauen" in ein Medium eine sehr teure, sehr kostbare und immer seltenere Substanz ist, mit der man vorsichtig umgehen muss. Ist sie einmal weg, kann man sie sich nicht irgendwo anders einkaufen. Ist es denn so schwer zu verstehen, dass das unökonomisches Denken und Handeln ist!?

  • arbiter

    04.07.08 (11:03:17)

    >>KLAUS JARCHOW: Eine der letzten Lurchi-Tanten des zuletzt auch auf Cassette gebannten Kriechtieres streitet noch heute mit den Werbern um Tantiemen. >>JEAN-CLAUDE: Die Vertrauensfrage wird allenfalls noch im Parlament gestellt. Die Glaubwürdigkeit, die Sie, ich und ein paar Wahrheitsfreaks vermissen, geht dem Massenpublikum am Mors vorbei. Genau das ist das Kalkül bei Crossmedia. Übrige Wirtschaft kopiert das recht wirksam und überträgt das in den BGB-Bereich des Verbots von Insich-Geschäften. Justiz hat hier längst den Überblick verloren, wo welche Grenzen sind und gelten.

  • jean-claude

    04.07.08 (12:21:44)

    2)arbiter: Ich glaube nicht, dass "Glaubwürdigkeit" eines Mediums den meisten Leser/usern "am Mors vorbeigeht". Ueberhaupt nicht. Wobei es natürlich auf den Typus des Mediums ankommt. Yellow und People Press - nur als Beispiel - sind Märchenstunden. Das ist weiter nicht schlimm, weil es (fast)jeder weiss. Auch "Bild" wird von den meisten Nutzern nicht als "Prawda" (=die Wahrheit) betrachtet, sondern als Unterhaltungsblatt, wo man durchaus eine Menge erfährt, aber immer seine Grundzweifel hat, was daran wirkich stimmt. Auch das ist nicht schlimm, weil es den meisten bewusst ist. Schlimm wird es erst, wenn andere Medien "Bild" und ähnliche, nicht als Unterhaltungsblatt, sondern als alleinige, meist nicht genannte Quelle und als Trendsetter verstehen - private Radiostationen sind dafür prädestiniert. Man liest dort offenbar nichts anderes. Der Anteil an Dummköpfen, Lügnern, Schwätzern, Egomanen, Ungustln (sagt man in Oesterreich so) usw. ist in allen Bereichen, auch unter Lesern und Machern, auf allen Ebenen, von ganz unten bis ganz oben, etwa gleich. Das sagt einem die Lebenserfahrung. Aber das gilt eben auch für den - grossen - Anteil, an ganz normalen, einigermassen intelligenten Menschen. Grundsätzlich gilt doch:"Die Masse" der Leser/user sind denkende Menschen wie Sie und ich. Der Irrtum vieler Macher ist es, zu glauben, darauf keine Rücksicht nehmen zu müssen und "Glaubwürdigkeit" eines Mediums als langweilige, moraltriefende Beigabe zu verstehen, als soft factor, der einfach irgendwie da ist, um den man sich nicht besonders zu kümmern braucht, und wenn er weg ist, sei's auch kein Drama. Das ist falsch. Und ich bestehe darauf: Es ist auch ökonomisch grundfalsch. Denn irgendwann wird die Rechnung präsentiert. Das ist immer und überall so. "Die Masse" ist nicht dumm.

  • arbiter

    04.07.08 (16:05:00)

    >>JEAN-CLAUDE: Als Großstadtmensch mit Lebensmittelpunkt in einer ländlichen Marktgemeine habe ich mir den Luxus erhalten, ein Mal wöchentlich einem echten Dorfstammtisch in einem schwäbisch-baierischen Dorf Reverenz zu erweisen. Leider gilt, was schwarz auf weiß steht, trägt der Mensch getrost heim. Er trägts mit Gewißheit heim, mit einer solchen, die erschrecken läßt. Von selbst ergibt sich da die Frage nach der Quantität von Dummköpfen,Lügnern, Schwätzern, Egomanen, Ungustinen (richtiger Plural?). Und wenn die alle durchgezählt sind, trifft einen der Schlag, wie viele der sogenannten Intelligenten noch dranhängen! Da gibt man den Glauben, die `Masse´ der Leser/User gehöre zu den denkenden Menschen, gleich am Seiteneingang zur Sakristei der Dorfkirche ab und glaubt seinem eigenen Glauben nicht mehr, seinen Gewißheiten sowieso nicht. Die `Masse´ ist gewiß nicht dumm, aber dumm genug, sich belügen zu lassen. -Wo kämen auch sonst unsere Wahlergebnisse her?!- Und die Medienmacher wissen das, wie es Abraham Lincon gewußt hat: "Man kann alle Leute einige Zeit und einige Leute alle Zeit, aber nicht alle Leute alle Zeit zum Narren halten." Keiner der Macher verzichtet deshalb auf die Narrentechnik, kein Medienmacher, kein Politiker. Weil keiner weiß, wann die oder seine Narrenzeit abgelaufen ist, läuft das Spiel bis zum bitteren Ende. Das ist es, was uns einerseits den österreichischen Gefreiten, einen Stalin und einen George W. bescheren konnte, andererseits, immer dann, wenn die Narrenzeit abgelaufen ist, letztlich doch zu spät ist. Funktioniert hat das schon vor Nero. Nichts als Wiederholung.

  • arbiter

    04.07.08 (16:09:07)

    Freilich ist das vor allem ökonomisch falsch. Und von der Hoffnung, daß irgendwann die Rechnung präsentiert wird, nährt sich kärglich Terrorismus und kümmerlicher Wunsch nach Revolution. Im übrigen steckt in diesen Gedanken die Spekulation auf die `proletarische Weltrevolution´, die, sollte sie denn kommen, eine ganz andere sein wird. Ein guter Teil der unwahren/tendenziösen Berichterstattung hat seine Ursache in der Furcht vor solchen Erhebungen.

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