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03.06.11Leser-Kommentare

Internetfirmen streben an die Börse: Ein Happy End ist unwahrscheinlich

In den kommenden Monaten werden eine Reihe bekannter Internetfirmen an die Börse gehen, darunter auch Groupon. Eine Spekulationsblase ist nahezu unvermeidlich.

 

Flickr/zoonabar, CC-Lizenz

Als ich Entrepreneur und Business Angel Christoph Janz im Interview fragte, wo er auf einer Skala von -10 (Stimmung im Keller) über 0 (neutral und stabil) bis zu 10 (größtmöglicher Hype) zum aktuellen Stand die Internetbranche sieht, antwortete er mit einem Wert zwischen 2 und 3. Ungefähr dies wäre auch meine Einschätzung gewesen. Allerdings befürchte ich, dass es nicht dabei bleiben wird. Denn jetzt kommen die Börsengänge.

LinkedIn hat mit seinem fulminanten IPO den Startschuss gegeben und einer ganzen Reihe von aufstrebenden US-Web-Firmen signalisiert, dass die Zeit reif für den Gang aufs Parkett ist. Viele Internetunternehmen werden folgen. [Update] Yandex hat den Schritt bereits vor wenigen Tagen getan [Update Ende]Kayak und Zynga und Yandex werden entsprechende Ambitionen nachgesagt. Der Musikdienst Pandora steht ganz kurz vor seinem Börsendebüt, und Groupon hat gestern die notwendigen Unterlagen für einen IPO bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht.

Bisher entschieden allein institutionelle Investoren über die Bewertungen der einstigen Startups. In einigen Monaten jedoch werden selbst Privatanleger ihr Vermögen in diese Firmen pumpen können. Für die bisherigen Anteilseigner und Geldgeber ist dies natürlich positiv, denn sie erhalten ihren Return on Investment.

Betrachtet man jedoch die allgemeine, von einer neuen Euphorie geprägte Verfassung des Marktes und die unglaublich hohen finanziellen Erwartungen in die Börsenkandidaten, muss es fast zwangsläufig zu einem enttäuschenden Ende kommen. Die Frage ist nur, wer die Verlierer sein werden.

Im Januar hatte ich mich festgelegt: Wenn es so etwas wie eine Blase gibt, dann ist es die Rabattplattform Groupon, die dessen Entwicklung vorrangig repräsentiert. Davon bin ich heute fester überzeugt denn je.

750 Millionen Dollar will Groupon mit dem Börsengang erlösen. Die zuletzt gehandelte Bewertung lag bei etwa 25 Milliarden Dollar. Das Ende 2008 gegründete Unternehmen aus Chicago ist die am schnellsten wachsende Firma aller Zeiten: Zweieinhalb Jahre nach dem Launch arbeiten unglaubliche 8.000 Menschen für Groupon, die Hälfte davon im Vertrieb.

Wirtschaftlich sieht es auf der Umsatzseite erst einmal nicht schlecht aus: 2010 lag dieser bei 713 Millionen Dollar und im ersten Quartal 2011 allein bei 644 Millionen Dollar. Dabei handelt es sich um die Erlöse aus dem Verkauf der Gutscheine, die mit dem jeweiligen Händler oder Gastronomen geteilt werden. Groupons Anteil beträgt üblicherweise 50 Prozent oder mehr.

Profitabel ist der globale Shootingstar unter den Webfirmen aber nicht. Im vergangen Jahr bezifferte sich der Verlust auf 456 Millionen Dollar, im ersten Quartal 2011 auf 147 Millionen Dollar. "Wir investieren aggressiv in Wachstum", so die Begründung von CEO Andrew Mason. Groupon hat in den vergangenen Monaten fast im Wochentakt Nachahmer überall auf der Welt aufgekauft - im Sommer 2010 auch das deutsche CityDeal.

Unterm Strich heißt das also, dass ein in bisher nicht gekanntem Tempo expandierendes Unternehmen mit weit über einer Milliarde Dollar Venturekapital im Rücken an die Börse geht, das zwar ordentliche Umsätze vorweisen kann, aber auf absehbare Zeit keinen Gewinn machen wird.

Zumal es wirklich nicht schwer ist, mit stark rabattierten Gutscheinen und einer dafür unter mutmaßlich hohem Druck arbeitenden Vertriebsmannschaft von nahezu 4.000 Personen an ein paar Euro der Internetnutzer zu kommen. Wer im Restaurant einen halben Liter Bier für 50 Cent verkauft und 500 Angestellte ausschenken läst, würde sich auch mit hohen Umsatzzahlen brüsten können.

83 Millionen User sind bei Groupon registriert, 28 Millionen Deals wurden im ersten Quartal 2011 verkauft. Dass Leute sich auf Dinge stürzen, die billig sind, sollte niemanden überraschen. Aber sind sie danach auch zufrieden? Werden sie zu Stammkunden bei dem jeweiligen Händler? Berichten sie ihren Freunden davon, wie toll Groupon ist (auch wenn sie dafür keine Provision bekommen würden)? Das ist bis heute ungeklärt. Und es existieren allerlei Warnzeichen rund um das Phänomen Groupon:

Diese reichen von Zweifeln am tatsächlichen Sinn für Händler und Gastronomen , ihre Leistungen oder Produkte zu Dumpingpreisen über die Rabattplattform anzubieten, über Qualitätsmängel oder Verfügbarkeitsprobleme bei den Angeboten bis hin zu internen organisatorischen Hürden - hunderte neue Mitarbeiter pro Monat auf die Unternehmensvision einzuschwören und an einem Strang ziehen zu lassen, stellt selbst das erfahrenste Management vor eine Herausforderung.

Als auffällig kann auch gewertet werden, dass ein großer Batzen der jüngsten Kapitalspritze in Milliardenhöhe nicht auf Groupons Konto wanderte, sondern an frühe Investoren ging, die einige ihrer Anteile abstießen. Hier entsteht der Eindruck, dass die damaligen Geldgeber selbst nicht daran glauben, dass Groupon die enorm hohen Erwartungen erfüllen können wird.

Ich habe natürlich selbst auch schon einmal Groupon genutzt (jeder spart gerne). Und dennoch halte ich das Konzept Groupon in seiner Form für das Gegenteil eines nachhaltigen und zukunftsorientierten Ansatzes. Statt mit einem soliden ethischen Fundament einen klaren Mehrwert für alle Beteiligten zu schaffen, riecht der Rabattdienst eher nach einer ausschließlich auf kurzfristiges Hyperwachstum ausgelegten Marketingmaschine, bei der vor allem durch extrem hohen Salesdruck Anbieter dazu überredet werden, Waren und Dienstleistungen für Niedrigstpreise zu verscherbeln, in der (unbestätigten) Hoffnung, auf diesem Weg viele neue Stammkunden zu gewinnen.

Vielleicht tue ich Groupon mit dieser harschen Beurteilung unrecht. Offensichtlich jedoch sind die zahlreichen Risiken und Unsicherheitsfaktoren rund um das Unternehmen. Dass dieses nun nach weniger als drei Jahren und im aktuellen, vom Hype getriebenen Klima der Begeisterung an die Börse geht, beunruhigt mich.

Eine bevorstehende Welle an Börsengängen halte ich für unausweichlich. Denn jede mit derartigen Ambitionen ausgestattete Internetfirma weiß ob der realen Gefahr einer Überhitzung des Marktes. Wer jetzt nicht agiert, könnte die Chance auf einen lukrativen Exit verpassen. Entsprechend stark wird der Druck von Investoren sein, den IPO einzuleiten. TechCrunch-Reporterin Sarah Lacy berichtet, wie schwer es plötzlich ist, auf Branchenkonferenzen Gründer und Investoren vors Mikrofon zu bekommen - denn im Zuge der Börsenvorbereitungen will und darf sich niemand zu Details äußern.

Viele der in den letzten Jahren beobachteten Investments in Webfirmen erfolgten mit der Aussicht auf einen Exit. Doch die bereits börsennotierten Big Player wie Google, Apple oder Microsoft können nicht jeden aufkaufen. Der Start am Aktienmarkt ist damit häufig der einzige Ausweg. Und dennoch - oder gerade deshalb - befürchte ich, dass dieser der Internetbranche ein zweites Mal bitter aufstoßen wird. Mit Sicherheit nicht auf die gleiche Weise wie anno 1999/2000 - dazu sind die Rahmenbedingungen zu unterschiedlich - aber trotzdem mit dem Ergebnis monetärer Verlierer und eines angeschlagenen Vertrauens in die Webwirtschaft.

Die menschliche Psychologie und der Drang nach Gewinn sind einfach zu stark, als dass man für die nächsten Monate von einem kollektiv rationalen und "vernünftigen" Handeln ausgehen kann. Zu viel Geld steht auf dem Spiel.

Um es mit den Worten von Michael Arrington auszudrücken: "Man stelle sich vor, was passieren würde, wenn Facebook heute an die Börse ginge." Mittlerweile möchte ich es mir gar nicht mehr vorstellen.

Das Ende der Aufwärtsentwicklung ist mit Sicherheit noch nicht erreicht. Aber irgendein Ende muss es ja geben, oder? Nach einem Happy End sieht es zumindest nicht aus.

Im Angesichts der jetzigen Dynamik erscheint es schon ziemlich absurd, dass bereits Ende 2007 von einer Blase gesprochen wurde. Womöglich werden wir in einigen Monaten auf den Juni 2011 zurückblicken und ein ähnliches Gefühl haben.

(Foto: Flickr/zoonabar, CC-Lizenz)

Kommentare

  • Boris Stock

    03.06.11 (09:39:23)

    In Sachen Groupon stimme ich absolut zu. Als ich gestern mir im Detail auch nochmals die Zahlen angeschaut habe (und auch mit denen von LinkedIn in Relation gebracht habe) war ich jetzt nicht so begeistert ;) Hier sieht es wirklich so aus als würden die jetzigen Investoren versuchen durch den IPO "vom sinkenden Schiff" zu entkommen. Aber generell von einer Blase wie 1999/2000 zu sprechen halte ich für falsch - das wurde in diesem Artikel durch den Autor wenigstens auch so geäussert :) Leider schreien in den letzten Wochen zuviele Medien laut "Bubble" ohne wirklich gründlich heute und damals zu vergleichen. Damals sind wirklich viele Firmen mit reinen "Ideen" - überspitzt gesagt - an die Börse gegangen. Wäre z.B. LinkedIn damals an die Börse, wären sie sicherlich 10x höher bewertet wurden. Einige der Firmen heute haben definitiv mehr Substanz. Es wird in Zukunft immer einige Firmen geben die überbewertet werden, aber auch einige welche wirklich ein solides Geschäftsmodell haben. Und natürlich wird es immer Verlierer am Aktienmarkt geben... das ist aber nicht nur rein auf Tech IPO's begrenzt - von den anderen spricht man nur nicht so.

  • Martin Weigert

    03.06.11 (09:50:24)

    Ja deshalb versuche ich mit dem Wort "Blase" auch sparsam umzugehen. Weil dazu falsche Assoziationen weckt. Dann wenigstens "Spekulationsblase". ;)

  • Hauke

    03.06.11 (09:50:56)

    Hallo Martin, kurz zur Info - Yandex ist bereits an der Börse gelistet. Stimme deiner Analyse insgesamt zu, allerdings ist es bei mir eher ein Bauchgefühl das mir unbehagen bereitet. Vor allem wenn ich bereits erste Kursziele von Börsendiensten lese, die bereits gelistete Dienste (u.a.Yandex) mir 100$ Kurszielen auf drei Jahre (!) versehen...

  • Martin Weigert

    03.06.11 (09:52:56)

    Stimmt ja, Yandex war ja erst vor zehn Tagen oder so. Alles geschieht so schnell... ;) Thx, aktualisiere ich.

  • Boris Stock

    03.06.11 (09:56:49)

    Groupon ist echt krass. Vor allem bei 8000 Beschäftigten skalieren bei denen die Kosten einfach immer "1:1" mit der Gewinnung neuer B2B Kunden... Es würde super funktionieren wenn die das ganze Sales Team nicht bräuchten. So wie es Google geschafft hat die AdWords etc. ohne tausende Sales Leute zu versteigern. Google wusste das das AdWords Geschäft nur erfolgreich werden kann wenn es "vollautomatisch" ohne eine massive Anzahl an Sales-Leuten funktioniert.

  • Ulrich

    03.06.11 (10:09:01)

    Gute Analyse. Ich teile deine Meinung absolut, was Groupon betrifft. Und auch dieser Satz trifft vermutlich absolut zu: "Wer jetzt nicht agiert, könnte die Chance auf einen lukrativen Exit verpassen." Sind wieder jede Menge Goldgräber am Start. Ich hoffe und wünsche mir dennoch, das einige aus der Vergangenheit gelernt haben und ihre Fehler höchstens in abgeschwächter Form wiederholen. Denn es wäre zu schade für die gesamte Internetwirtschaft, wenn sich eine Blase bis zum Bersten aufbläst.

  • Meeresbiologe

    03.06.11 (10:14:27)

    Hat das Platzen der Internetblase um 2000 herum dem Internet sonderlich geschadet? Natürlich nicht. Blasen kommen und gehen. Sie gehören bei einem rasant wachsenden Medium und Wirtschaftsplatz wie dem Internet offenbar fast naturgesetzlich dazu. Sie sind als Phänomene der Überhitzung nur Ausdruck des starken Glaubens an die Sache. Börsenblasen sind übermütige Überhitzungserscheinungen, mehr nicht. Der Motor wird halt kurzzeitig mal etwas heiß. Blasen sind also ein geradezu notwendiger Teil des Zukunftsmediums Internet als Ausdruck des in dieses Medium gesetzten Optimismus'.

  • Marcel Weiß

    03.06.11 (10:31:28)

    "Statt mit einem soliden ethischen Fundament einen klaren Mehrwert für alle Beteiligten zu schaffen, riecht der Rabattdienst eher nach einer ausschließlich auf kurzfristiges Hyperwachstum ausgelegten Marketingmaschine, bei der vor allem durch extrem hohen Salesdruck Anbieter dazu überredet werden, Waren und Dienstleistungen für Niedrigstpreise zu verscherbeln, in der (unbestätigten) Hoffnung, auf diesem Weg viele neue Stammkunden zu gewinnen." Ein solides ethisches Fundament soll es also sein. Ich weiß nicht, ob Groupon diesen hohen Anforderungen genügt oder nicht. Aber zumindest geht es bei Groupon nicht nur um neue Stammkunden: http://www.neunetz.com/2011/01/20/groupons-erfolg-erklaert-raus-aus-der-vollkostenfalle-und-rein-in-die-preisdifferenzierung/ Dass einige Händler ihre Groupons falsch kalkulieren, ist sicher auch zum Teil Groupons Schuld, wenn es ihnen dabei nicht genügend Hilfe gibt. Aber davon abgesehen, ist Groupon letztlich nichts anderes als eine neuartige Werbeform, die bei richtiger Nutzung durch die Händler enormen Mehrwert für alle Beteiligten schafft. "Viele der in den letzten Jahren beobachteten Investments in Webfirmen erfolgten mit der Aussicht auf einen Exit. Doch die bereits börsennotierten Big Player wie Google, Apple oder Microsoft können nicht jeden aufkaufen. Der Start am Aktienmarkt ist damit häufig der einzige Ausweg. Und dennoch – oder gerade deshalb – befürchte ich, dass dieser der Internetbranche ein zweites Mal bitter aufstoßen wird. Mit Sicherheit nicht auf die gleiche Weise wie anno 1999/2000 – dazu sind die Rahmenbedingungen zu unterschiedlich – aber trotzdem mit dem Ergebnis monetärer Verlierer und eines angeschlagenen Vertrauens in die Webwirtschaft." Warum sollten Internetwirtschaft und Börse inkompatibel sein? Grundsätzlich ist es gut, dass es endlich wieder die Exit-Möglichkeit des Börsengangs für Investoren gibt. Innovative Webdienste gehen in der Regel im Besitz von größeren Unternehmen ein, statt weiter innovativ zu sein: Dodgeball, delicious, flickr, etc. Dadurch, dass delicious und flickr etwa der Weg an die Börse mehr oder weniger verwehrt war (vor fünf Jahren war das keine ernsthafte Option), ist uns viel von der Innovationskraft der ersten Welle des 'Web2.0' verloren gegangen. Wo würde Facebook heute stehen wenn es vor Jahren Yahoos Angebot angenommen hätte? Sicher nicht dort, wo es heute steht. P.S.: Wann erfolgen Investments ohne Aussicht auf Exit?

  • Raymond Appels

    03.06.11 (10:37:14)

    Ich denke, man muss es immer sehr nüchtern betrachten. Einige Unternehmen, vermutlich die als erstes an der Börse gehen, werden noch von der definitiv vorhandene Blase profitieren können. Andere werde derbe gegen die Wand fahren und gleich zwei dicke blaue Augen zugeschlagen bekommen. Fakt ist, wie treffend gesagt, dass nur ein Mehrwert für Käufer und Verkäufer von Dauer sein kann. Jede Negativ- und Positiv-Preisspirale hat eine Ende, nur die Wage gewinnt. Liebe Grüße aus Viersen Raymond

  • Martin Weigert

    03.06.11 (10:44:10)

    @ Ulrich Danke. @ Meeresbiologe Blasen kommen und gehen. Interessante, pragmatische Sichtweise. Durchaus überlegenswert. Inwieweit man dies so sehen kann, hängt wohl vom Schaden hinsichtlich verbranntem Geld, entlassenen Mitarbeitern und zerstörtem Vertrauen ab. @ Marcel Ich kritisiere im Hinblick auf den Börsengang nicht grundsätzlich das Geschäftsmodell von Groupon, sondern lediglich die Art, wie (und mit welcher Geschwindigkeit) dies geschieht. Groupon kann aufgrund des Wachstums unmöglich die (im Artikel genannten) Probleme lösen, die aber gelöst werden müssen, um das ganze in ein nachhaltiges, für alle Beteiligten fruchtbares Unterfangen zu verwandeln. Dies sollte meines Erachtens nach vor dem IPO getan werden, nicht danach. Warum sollten Internetwirtschaft und Börse inkompatibel sein? Eine derartige Aussage mache ich nicht. Wann erfolgen Investments ohne Aussicht auf Exit? Strategische Investments. @ Raymond Appels Einige Unternehmen, vermutlich die als erstes an der Börse gehen, werden noch von der definitiv vorhandene Blase profitieren können. Andere werde derbe gegen die Wand fahren und gleich zwei dicke blaue Augen zugeschlagen bekommen. Jep.

  • Meeresbiologe

    03.06.11 (11:51:39)

    Klar wird im Internet auch Geld verbrannt und Vertrauen zerstört. Das wie gesagt aber nur kurzzeitig und vereinzelt. Ich glaube wie gesagt, die Blasen sind im Internetbereich besonders groß, weil die Erwartungen an und der Optimismus in diesen Bereich so groß sind. Der Internetbereich wird ganz richtig als Zukunftsbranche erkannt. Die dabei zuweilen auftretenden überzogenen Erwartungen sind m.M. kein Einwand gegen diese Diagnose, sondern unterstreichen sie sogar. Außerdem sind Überhitzungen der Lauf der Wirtschaft überall, nicht nur im Internet. Pleitiere und Verlierer gibt es überall. Sie können aber gerade einem zukunftsträchtigen robusten Bereich wie dem Internet wenig anhaben. Die Zukunft von Wirtschaftsbereichen wird weniger davon bestimmt, wieviel Geld zeitweilig aus Gier und Übermut in ihnen verbrannt wird. Sondern vor allem in ihrem Nutzen für Nutzer und Kunden - und der wird auf alle Zeit grundlegend und riesig sein. Die Internetwirtschaft wird bzw. ist längst das, was einst Schlüsselindustrien genannt wurde, also Basisbranche o.ä. . Das Internet wird die Gesellschaften für immer wesentlich und tragfähig bestimmen, folglich auch die IT- und Internetwirtschaft.

  • Martin Weigert

    03.06.11 (11:56:26)

    Man merkt, dass du regelmäßig netzwertig.com liest ;) Ich stimme dir bei dieser Beurteilung vollkommen zu. Dennoch: Hätte man die Wahl zwischen vollkommer Überhitzung oder einem ausbalancierten Zustand, sollten man Letzteres vorziehen. Damit würde man sich viel (relatives) Leid ersparen. Aber diese Wahl gibt vermutlich nicht. Denn der jetzt losgetretene Prozess wird sich nicht aufhalten lassen.

  • Matias Roskos

    03.06.11 (12:11:23)

    Danke, Martin, dass es mal einer so klar und deutlich sagt. Groupon wird so massiv hochgejazzt, dsas es einem Angst macht. Und irgendwann wieder im Platzen einer Blase enden wird. Worunter dann nicht die Investoren zu leiden haben, die ihre Rendite dann schon gemacht haben, sondern die kleinen Leute, die sich an der Börse ein paar Aktien holen, ohne zu wissen, was die Firma so macht.

  • Meeresbiologe

    03.06.11 (12:34:19)

    Eruptionen gibt es überall in der Wirtschaft. In der besonders heißen Internetbranche eben besonders große. Letztlich kann man die darauf regelmäßig folgenden Korrekturen ja auch als eine Art Ausbalancierung hin zu einem ausbalancierten Zustand ansehen - freilich als Korrekturen von meist ebenso großer Heftigkeit wie die ihnen vorangegangenen Eruptionen. Letztlich geht aber auch die Internetwirtschaft trotz gelegentlicher Ausschläge und Überhitzungen langfristig ihren ausbalancierten Gang, dem auch solche Eruptionen wenig anhaben können. Ich sehe solche Blasen in zukunftsträchtigen Technologiebereichen als eher sekundär an und halte sie in Hinsicht auf die Entwicklung dieser Bereiche für relativ nebensächlich. Die Internetwirtschaft in ihrem Lauf halten weder Ochs noch Blasen auf (g). Der Hauptstrom der Internetentwicklung ist die stetig größer werdende Rolle, die dieses Medium für Gesellschaften bereits heute hat. Der Unterschied zwischen uns besteht also allenfalls in Nuancen der Bewertung solcher Blasen.

  • Martin Weigert

    03.06.11 (12:46:13)

    Das Zitat hab ich doch glatt mal getwittert http://twitter.com/#!/martinweigert/status/76600283706302464

  • Meeresbiologe

    03.06.11 (12:50:19)

    Öh, danke der Ehre (g).

  • Eugen

    03.06.11 (15:23:35)

    Ich habe die New-Economy-Blase 1999/2000 auch live miterlebt und war bisher auch stets der Meinung, dass diese Blase ähnlich verläuft. Allerdings muss ich gestehen, dass es diemal 2 Unterschiede gibt: 1. Ist es diesmal kein Massenphänomen - bisher kam bei Grillabenden mit Freunden, Familien und Bekannten noch keine Diskussion darüber auf, welche Aktien man wohl nächste Woche zeichnet/kauft. Es scheint als ob sich das ganze zum größten Teil auf Investmentfirmen beschränkt. 2. Sind die Bewertungen nach meinem Gefühl dieses mal deutlich höher (das ist aber reines Bauchgefühl - ich erinner mich nicht mehr so genau an die Zahlen von damals). Diese Blase erinnert mich mehr an die Immobilienblase von 2008. Es ist mehr ein Spiel mit dem "schwarzen Peter".

  • Experimentiert

    04.06.11 (15:14:10)

    Auch ich stimme bei Groupon vollkommen zu, zumal Groupon ja nicht mehr als eine Shoppingseite ist, mit ausschliesslich Rabattangeboten, nicht mehr und nicht weniger, somit auch nicht wirklich was neues, nur halt anders eingepackt. Ähnlich wird es sich auch mit Facebook verhalten, ist auch nicht wirklich was neues und zudem extrem Überbwertet, auch wenn angeblich bereits GEwinne geschrieben werden, wird sich dieses Konzept rund um Facebook nicht lange halten. Habe dazu schon mal einen Artikel geschrieben und Frage - wielange sich Facebook noch halten kann? http://experimentiert.com/internet/facebook-bringt-keinen-mehrwert-die-ueberschaetzte-plattform.html Was meint ihr ?

  • XY

    05.06.11 (11:17:56)

    Ich muss ehrlich sagen, dass ich immer nur am Rand mitbekommen habe, dass Groupon wie wahnsinnig durchstartet. Doch wenn ich nun die Fakten lese, muss man auch als potenzieller Investor ernüchtert dreinblicken. 8000 Kräfte in 2 Jahren, das ist kein gesundes Wachstum mehr. Pro Quartal Verluste >100mio gleichen beinahe einer Spirale, bedenkt man vor allem das HR-Wachstum. Ich stimme insofern mit der Autorenmeinung überein, dass Groupon früher oder später wohl hart aufschlagen wird. Sicherlich ist dies vor dem IPO schwierig zu beurteilen, doch allem Anschein nach ist die Kapitalstrukturpolitik seeehr angelsächisch ;-). Verstrickt sich Groupon zu sehr in seinen Verbindlichkeiten, könnte bei einer Abflachung des Kerngeschäftes die Illiquiditätsinsolvenz drohen. Aber das sind halt Start-Up Risiken ;-).

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