<< Themensammlung Netzwertig

Unter netzwertig veröffentlichen wir in unserem Blog Einschätzungen zu aktuellen digitalen Geschäftsmodellen und IT-Trends, Meldungen, Analysen, Reviews und Specials.

04.08.10

"Internetalltag": Datenschutz-Paranoia visualisiert

Der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. hat ein Video veröffentlicht, das Konsumenten über die Tücken des Netzes aufklären soll. Der Clip macht jedoch nichts anderes, als Misstrauen zu verbreiten.

 

Datenschutz im Web ist ein wichtiges Thema, artet in Deutschland aber gerne in Paranoia aus. Kaum besser könnte dies ein Video des Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. (vzbv) illustrieren, das auf der Website surfer-haben-rechte.de veröffentlicht wurde und Internetnutzer auf ihre Durchsichtigkeit als Verbraucher aufmerksam machen soll. Hier das Video:

Markus Beckedahl von netzpolitik.org findet den Clip toll. Ich halte ihn für absolut destruktiv. Denn während es in der Tat notwendig ist, Konsumenten darauf aufmerksam zu machen, auf welche Weise sie und ihre Aktionen im Netz transparent sind und wie ihre Handlungen von Unternehmen eingesehen werden können, verbreitet das sicherlich gut gemeinte Video nichts anderes als allgegenwärtiges Misstrauen.

Dabei begehen die Macher genau den gleichen Denkfehler, der auch oft im Zusammenhang mit der ominösen "preisgeben"-Formulierung zu beobachten ist: Jede noch so wertlose persönliche "Information", die für andere weniger Bedeutung hat als der umgefallene Sack Reis in China, wird als hochgradig schützenswert dargestellt und damit drastisch überbewertet.

Der Clip präsentiert Konsumenten als hilflose, von ihren Mitmenschen verfolgte Wesen, die ihrer Überwachung bedingungslos ausgeliefert sind. Welche Botschaft soll damit vermittelt werden? Misstraue allen und allem? Genau diese Einstellung ist hierzulande schon verbreitet genug und sorgt dafür, dass viele Bürger technischen Neuerungen von vorn herein negativ gegenüberstehen, da sie grundsätzlich Betrug, Abzocke und persönliche Nachteile vermuten.

Nochmals: Das Anliegen des vzbv zur Sensibiliserung der Verbraucher ist sinnvoll. Der gewählte Weg jedoch sorgt eher für eine Verunsachlichung der Debatte, statt Verbrauchern zu vermitteln, was sie eigentlich benötigen: Eine gesunde, bodenständige und selbstbewusste Haltung, die weder in Naivität mündet, noch als Grundsatz beinhaltet, das Netz wäre der Hort des Bösen.

Wenn sich in Deutschland die Sicht auf die digitale Welt verändern soll, dann müssen alle an einem Strang ziehen und gemeinsam dafür sorgen, dass das verbreitete Misstrauen einer positiven, konstruktiven und respektvollen Denkhaltung weicht. Ich nehme an, einigen Lesern wird dies wie Träumerei vorkommen. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen!

Was haltet ihr von dem Video?

Das könnte Sie auch interessieren

Förderland-Newsletter

Wissen für Gründer und Unternehmer