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22.05.09Leser-Kommentare

Internet, Bildungsfeindlichkeit und Intellektuellenhass

In einem Artikel in der ZEIT werden dem Internet Bildungsfeindlichkeit und Intellektuellenhass zugeschrieben. Eine Replik.

Adam Soboczynski hat in der ZEIT einen Artikel mit der Überschrift "Das Netz als Feind" veröffentlicht. "Warum der Intellektuelle im Internet mit Hass verfolgt wird", will Soboczynski darlegen. Bereits an dieser Stelle kann man aufhören, weiterzulesen. Jedem halbwegs vernunftbegabten Menschen ist klar, dass es wieder um einen Artikel geht, in dem der eigene Kulturpessimismus als Grundlage zur Abrechnung mit einem Internet dient, mit dem sich der Autor natürlich nicht näher beschäftigt hat.

Nichtsdestotrotz ein paar Anmerkungen zu den teilweise wirklich bemerkenswert unsinnigen Passagen in dem ZEIT-Artikel:

Soboczynski legt sofort am Anfang seines Textes los:

Ein vom Verlag angestellter Journalist ist gegenüber dem Blogger immer schon im Unrecht – wie einst der Fürst im Ancien Régime gegenüber dem Bürger, der Moral und Fortschritt auf seiner Seite hatte.

Er lässt keine Zeit verstreichen und konstruiert sofort einen tiefgreifenden Antagonismus. Sie gegen uns. Foren, Blogs, Pirate Bay "hingegen verkörperten antiautoritäre Freiheit, Gegenöffentlichkeit und seien damit moralisch veredelt. ". So sieht Soboczynski die Mentalität im Internet. Davon abgesehen, dass man wohl nur wenige antrifft, die tatsächlich diese sehr simple Sicht der Dinge ihr eigen nennen, ist vor allem Soboczynskis Ansicht des Internets interessant: Internetnutzer haben diese und diese Mentalität, da seht ihr mal.

Das ist natürlich Unsinn. Das Internet ist mehr noch als jedes andere Medium völlig agnostisch gegenüber den Einstellungen und Meinungen seiner Nutzer. Da tummeln sich alle. Es ist ein Medium, das von allen Bevölkerungsschichten genutzt wird.

Niemand käme auf die Idee, allen Fernsehzuschauern eine Mentalität anzudichten oder alle Mobiltelefon-Nutzer in eine Ecke zu stellen. Das gleiche gilt für das Internet. Wer meint, alles was im Netz passiert, in einen Topf werfen zu können, disqualifiziert sich intellektuell bereits selbst.

Jedem, der wachen Auges durch das Internet streift, ist die antiintellektuelle Hetze in den Kommentaren vertraut, die sich gegen angeblich Sperriges richtet, gegen kühne Gedanken, gegen Bildung überhaupt.

Soboczynski begeht, wie bereits angemerkt, den oft gemachten Fehler, "Gesamtinternet" in einen Topf zu werfen - es macht die Hasstirade eben einfacher.

Es gibt mehr als genug Kommentarspalten, in denen das von ihm Bemängelte anzutreffen ist. Aber: Ich kann zum Beispiel bei den Kommentaren bei uns auf netzwertig.com oder anderen Blogs, die ich lese, dies nicht feststellen. Wie auch. Der gemeine "Bild Online"-Leser hat mit dem netzwertig.com-Leser nichts gemein.

Die gesamten Aussagen Soboczynskis über das Internet sind auf dem gleichen niedrigen intellektuellen Niveau wie ein Text, der über die Misstände im Print-Journalismus und dessen Weltbild berichtet, sich dabei aber nur mit der BILD - immerhin auflagenstärkste Tageszeitung Europas - beschäftigt und von dieser auf den Rest des Printgeschehens extrapoliert. Damit macht man sich als Autor vor allem nur lächerlich.

Davon abgesehen, scheint Soboczynski unfähig, das Internet als Medium von den durch das Netz getätigten Ausdrucksmöglichkeiten zu entkoppeln. Denn tatsächlich gab es auch schon immer ZEIT-Leser, die den einen oder anderen ZEIT-Artikel doof fanden. Vielleicht haben sie es im Bekanntenkreis oder in der Familie kundgetan. Aber das war es dann auch schon. Heute können sie das direkt unter dem Artikel tun.

Das Internet hat nichts geändert. Es hat den Menschen lediglich die Möglichkeit gegeben, ihre Meinung kundzutun. Kommentatoren sind nebenbei nicht die Mehrheit der Leser, so wie auch die Leserbriefschreiber nie die Mehrheit der Offfline-Leser war. In beiden Fällen ist es eine laute Minderheit. Auch wenn sich durch die neuen Möglichkeiten das Verhältnis zu Gunsten derer verändert hat, die sich einbringen möchten, sind diese weiterhin nur ein kleiner Teil der Leserschaft. Jeder, der zu logischem Denken fähig ist, kann das erkennen. Ich weiß nicht mehr, von wem der folgende Satz stammt, aber er trifft es ganz gut: Das Internet macht Menschen nicht dümmer, es macht Dummheit nur sichtbarer. Gleichzeitig macht es natürlich auch Kreativität und Intelligenz und Fachwissen sichtbarer, weil es die Kommunikationsbarrieren eingerissen hat.

Der Reiz des Netzes besteht in der notorischen Aufhebung der geschlossenen Form vom Internetauftritt eines Anbieters, der auf diesen Umstand wiederum reagiert, indem er Beiträge möglichst populär verschlagwortet, damit sie in der Ergebnisliste von Google weit oben auftauchen.

Eine der wenigen Stellen des Textes, die zutreffen. Über den Artikel als kleinste distribuierte Einheit hatte ich in einem Text über den Medienwandel bereits geschrieben.

Soboczynski fasst das Reagieren der Verlage darauf zusammen:

Die meisten von Zeitungs- und Magazinverlagen geführten Internetangebote neigen mittlerweile dazu, in bislang ungeahntem Ausmaß leicht Bekömmliches dem argumentationslastigen Stück, die Nachricht der Analyse vorzuziehen.

Nur was will der Autor uns damit sagen? Ist das Internet schuld? Keine Personen, die entscheiden, wie die Verlage sich im Netz positionieren? Auch lange Texte, Analysen und tiefgehende Berichte funktionieren im Netz. Wenn die Verlage diese nicht anbieten oder nicht wissen, wie man diese entsprechend anbietet, ist das ein Versagen der Redakteure, nicht des Mediums. Anders gesagt: Während Süddeutsche und co. mit absurdesten Fotostrecken in ihrem Klickwahn ihre eigenen Marken demontieren, haben Blogs auch ohne diese Fotostrecken Erfolg. Freilich beides noch nicht auf gleichem Niveau, aber während die einen stagnieren, gewinnen die anderen an Publikum. Das hat durchaus seine Gründe.

Das niedrige intellektuelle Niveau des Textes wird nur noch von der Arroganz Soboczynskis übertroffen.

Es geht vom prinzipiell egalitaristisch strukturierten Netz eine normierende Gewalt aus, deren prägnantester Ausdruck die Bewertung von Serviceleistungen sind. Wer über Google Maps einen Orthopäden in seiner Nähe sucht, dem wird sogleich der Quotient von Beurteilungen über dessen Praxis angezeigt, die, bei Lichte besehen, grob rufschädigend sind.

Warum der Autor Bewertungen a priori als rufschädigend bezeichnet, lässt sich nur mit folgender zugrundeliegender Mentalität erklären: Die Bevölkerung ist dumm und wenn sie den Mund aufmacht, kommt nur Unsinn dabei heraus.

Klar, Soboczynski verbindet mit dem Netz eine Bildungsfeindlichkeit. Er sieht sich selbst als Intellektuellen und verklärt damit mal eben die Geschichte der Diktaturen des 20. Jahrhunderts:

Bildungsfeindlichkeit gelangte zuletzt prägnant zur Blüte in den beiden sozialistischen Totalitarismen des 20. Jahrhunderts. Sie richteten sich gegen den störrischen, nicht restlos absorbierbaren Intellektuellen, der sich einst seines Einzelgängertums rühmen durfte und als freier Autor oder Journalist sein Auskommen fand, insofern die Universität nicht für ihn sorgte.

Hier zeigt sich das zutiefst misanthropische Menschenbild Soboczynskis: Zwischen "Demokratie" und Diktatur, zwischen Zivilisation und Barbarei, steht stets nur "der Intellektuelle". Die restliche Bevölkerung besteht nur aus Statisten, aus Schafen, die geleitet werden müssen.

Völlig frei davon, die Ironie zu erkennen, schreibt Soboczynski weiter:

Man geht indes fehl, den Intellektuellen als bildungshuberischen Besitzstandswahrer aufzufassen, der grimmig den Verfall von Lateinkenntnissen beklagt.

Genau das ist richtig. Und doch: Sowohl Soboczynski selbst als auch im Allgemeinen die Feuilletons in den deutschen Zeitungen machen genau das: Besitzstandswahrung, den Status quo per se als als erhaltenswert hinstellen, und dabei ohne Selbstreflektion gegen alles Neue polemisieren.

Ergo: Dort findet man fast keine "Intellektuellen" mehr. Nur Poser, die sich dafür ausgeben oder dafür halten, weil ihre Institution, die jeweilige Redaktion, mit der Veröffentlichung ihrer Texte sie zu Intellektuellen ernannt hat.

Er ist, wo er auftritt, ein produktiver Gegner selbst noch des Publikationsorgans, für das er schreibt, das ihm – dem ersten Anschein nach in geradezu widersinniger Weise – den Broterwerb sichert.

Man zeige mir einen Intellektuellen, dessen Texte in einer deutschen Zeitung das widerspiegeln. Die deutschen Feuilletons sind voll von Erfüllungsgehilfen in Verlagssache. Gegen Google, gegen Internet, gegen Pirate Bay, für Heidelberger Appell, für ein widersinniges Verbinden von Medium (Print) und Ergebnis (Qualitätsjournalismus). Fast immer ist das Ergebnis als Analysen verstecktes Wunschdenken in eigener Sache.

In wie fern ist da das Internet dem Intellektuellen feindlich gesinnt? Ist der Print nicht mittlerweile das viel größere Feindesland?

Es eint der Neid die Amateure. Was zu kompliziert scheint, wird verhöhnt. Gemeinschaft soll endlich wieder sein, wo noch Gesellschaft ist. Nichts anderes meinen Heil versprechende Begriffe des Netzes wie »Interaktion«, »Partizipation« oder »E-Community«, die jene Selektionsmechanismen aus der Welt zu schaffen versprechen, auf deren Anerkennung jeder Aufklärungsdiskurs beruht.

Soboczynski sind die neuen Formen der Partizipation und Kommunikation zu kompliziert, also verhöhnt er sie.

Wie der Aufklärungsdiskurs davon abhängig ist, dass Barrieren und Schranken eingehalten wurden, statt sie einzureißen, dass muss mir jemand erklären. Oder versucht hier etwa jemand, seinen Hass auf die neuen Interaktionsmöglichkeiten ohne jeden Zusammenhang mit einer guten Sache zu verbinden?

Nebenbei, wer glaubt, dass es Online keine Rangordnungen mehr gibt oder dass im Internet auf einmal alle für immer in jeder Hinsicht gleichgestellt wären, der hat sich nicht im Ansatz mit der Realität im Netz und den tatsächlichen intellektuellen Debatten über das Netz befasst.

Mit zum Plumpesten gehört derzeit die Kritik an Kulturkritik. Der Kulturkritiker, heißt es, habe schon immer in übertriebener Weise vor dem Radio, dem Fernsehen und der Popmusik gewarnt. Tatsächlich hätten die schöne Literatur, das Feuilleton und das Sachbuch bestens überlebt. Gefragt wird nicht: Auf welchem Niveau? Vorausgesetzt wird: Die Geschichte sei von ständig anwachsender Komplexität, sie häufe kulturelle Güter, Medien und Wissensformen unbegrenzt an.

Wieder der plumpe diskurstechnische Kniff, einen vermeintlichen Mainstream zu konstruieren und sich selbst dann als Minderheit in der Defensive darzustellen. Man kennt das bereits von Gaschkes Artikel in der FAZ. Benedikt Köhler fasst das gut zusammen:

Zeichne ein Bild der Gesellschaft, in der die Gegenposition der Mainstream ist und mit einem Schlag bist du der aufrechte Streiter für eine vielfältige Meinung. Instant-Märtyrer.

Was ich immer und überall lese: Seit jeher geht es bergab. Kultur stirbt.

Hier ist ein Gedanke, über den all die Internet-Pessimisten nachdenken können: Die Massenmedien des 20. Jahrhunderts haben durch die ökonomische Notwendigkeit des kleinsten gemeinsamen Nenners die Vielfalt in der Kultur marginalisiert. Das Internet kehrt diesen Prozess wieder um. Das Internet führt damit wieder zu einer reichhaltigeren Kultur.

Jenes ungeordnete Wuchern von damals lässt sich heute wieder auf zahlreichen Wikipedia-Seiten bestaunen, die der Redigatur bedürfen, wobei es aber gar nicht mehr in ihrem Wesen liegt, redigiert zu werden. Ein Beitrag im Netz, so die Verheißung, werde in der sogenannten Wissensgesellschaft wertvoller, je mehr Autoren an ihm herumlaborieren, ihn kommentieren, entweihen, seine wohlkomponierte Geschlossenheit aufbrechen, ihn kollektivieren zur flüchtigen Gedankenkolchose.

Bemerkenswerte konstruierte Dichotomie: Auf der einen Seite das Redigieren: Eine Person schreibt einen Text, eine zweite redigiert diesen. Auf der anderen Seite der Wiki-Ansatz: Viele Personen schreiben an einem Text und korrigieren (=redigieren) ihn. Was ist der Wiki-Ansatz anderes als ein Ausweiten des Redigierens auf eine große Gruppe von Personen? Oder anders gefragt: Wenn nur eine Person einen Text in ein Wiki setzt, und eine zweite Person diesen korrigiert, ist das nicht Redigieren, wie man es aus dem Redaktionsalltag kennt?

Auch hier wieder eine völlige Abstinenz von Selbstreflektion und intellektuellem Durchdenken der eigenen Aussagen von seiten Soboczynskis.

Kooperation und Austausch sind die heiter propagierten Fetische, im Netz wie in Kultur- und Wissenschaftsinstitutionen, die Muße bekämpfen und intellektuelles Einzelgängertum, da sie für die Volksgemeinschaft nicht verwertbar scheinen.

Ich schreibe diesen Text, wie alle meine Texte in der Regel, allein. Die Existenz von Wikipedia und Online-Communities hindern mich nicht daran. Offensichtlich ist das aber bei Soboczynski der Fall, für den es nur eines davon im Netz geben darf.

Wir erinnern uns an ein Zitat weiter oben:

Man geht indes fehl, den Intellektuellen als bildungshuberischen Besitzstandswahrer aufzufassen, der grimmig den Verfall von Lateinkenntnissen beklagt.

Noch immer unfähig die Ironie zu erkennen, schreibt der gleiche Autor gegen Ende seines Textes:

Verwunderlich ist es nicht, dass der Intellektuelle immer mal wieder in der Geschichte zum Schweigen gebracht wird, wie Ortega sagt. Denn »der Andere«, »der ganz Andere«, der Nichtintellektuelle, ist sein beständiger, ihm zahlenmäßig immerzu überlegener Feind. Der Andere »lebt in einer Welt, deren Dinge ein für alle Male sind, was sie zu sein scheinen«. Ein neues Medium, ein Gedanke, ein technisches Gerät sind dem Anderen schon deshalb gut und erstrebenswert, weil sie sich auf dem Markt durchgesetzt haben – weil sie Zeitgenossenschaft atmen. Der Andere tritt dabei bisweilen durchaus in der Verkleidung des Intellektuellen auf – etwa als digitaler Bohemien, der sein virtuelles Sozialleben verwaltet und ordnet wie die fleißige Hausfrau Staubtücher und Putzgerät.

Wer jetzt auflacht, weil Soboczynski das Zitat von Ortega um 180 Grad dreht, weil es im Grunde auf Soboczynski komplett zutrifft, ist nicht allein. Ich musste auch herzlich lachen.

Man nimmt also als "digitaler Bohemien" das Internet und nutzt es. Das Netz, das etwas in jeder Hinsicht völlig neues ist, das kaum jemand ansatzweise versteht und viele komplett missverstehen, das in der deutschen Gesellschaft nach wie vor eher misstrauig beäugt wird, und das natürlich in keinster Weise längst etabliert ist wie etwa das Fernsehen. Und damit wird man zu dem "Anderen"? "lebt in einer Welt, deren Dinge ein für alle Male sind, was sie zu sein scheinen"?

Meint Ortega mit "den Anderen" nicht eher Leute wie Soboczynski, die den alten Verhältnissen nachtrauern, diese Zustände für das Bestmögliche halten und alles Neue vor allem als Gefahr wahrnehmen?

Man muss schon sehr verblendet sein, um sich als Internet-Pessimist auf der Seite derer zu sehen, die die bestehenden Verhältnisse hinterfragen und bei denen, die das Netz nutzen und begrüßen, Besitzstandswahrer zu vernehmen.

Es bleibt die Frage, was Soboczynski in seinen Augen zum Intellektuellen macht. Das unreflektierte, zu völlig falschen Ergebnissen kommende Auseinandersetzen mit dem Internet kann es nicht sein. Nicht umsonst wird dem Text auch an anderer Stelle attestiert, dass er  sich zusammensetzt aus lauten "Provokationen, die ihre mangelnde Substanz kaum zu verbergen vermögen".

Texte wie dieser ZEIT-Artikel sind es, die Print und den Journalismus als solchen diskreditieren und mehr beschädigen, als es das Internet selbst je könnte. Soboczynski ist selbst Amateur bezüglich des Sujets seines Textes. Er hat, das muss man so deutlich sagen, nicht die blasseste Ahnung von dem Internet und dessen Mechanismen.

Er wird wohl kaum von [amazon 0300125771 ]Yochai Benklers "The Wealth Of Networks"[/amazon] oder [amazon 1594201536 ]Clay Shirkys "Here comes everybody"[/amazon] gehört haben, geschweige denn diese Bücher gelesen haben. Es wäre ihm angesichts seines Hasses auf Amateure anzuraten, das nachzuholen. Oder künftig keine Texte mehr über das Internet zu verfassen.

Wenn ich die Internet-Debatte in Deutschland kritisiere, dann meine ich Artikel wie diesen in der ZEIT. Sie sind nichts weiter als Zeitverschwendung für alle Beteiligten.

Kommentare

  • Oliver

    22.05.09 (17:07:29)

    Ich stimme Dir zu. Aber :) Zwei Punkte, die in keiner der beiden Sichtweisen (ZEIT Artikel und unserer beiden Ansicht) hineinpassen: 1. Viele Professoren in DE meiden die Wikipedia Unter Professoren in Deutschland ist die Wikipedia sehr unbeliebt, weil die Mehrheit dort über richtig und falsch bestimmt, anders als die "Experten". Ein Zitat, das ich vor nicht allzulanger Zeit hörte: "Ich schreibe die neuesten Forschungsergebnisse in meinem Edit, und werde vom Pöbel zum Falschen korrigiert." Ich habe es selbst mehrfach zu bestimmten Themen erlebt, mit denen ich mich lange und vor Ort beschäftigt habe: Es gibt immer einige Personen, die besser in dem Kreis der Wikipedia-Erlesenen verdrahtet sind und somit über mehr "Glaubwürdigkeit" verfügen. Folglich kommt dann doch wieder das hinein, was aus zwei billigen Dokus und Mundpropaganda verteilt wurde. 2. Auf Web-Konferenzen, auf denen sich die "selbsternannte Elite" treffen (auf denen wir beide uns auch schon getroffen haben :) gibt es oft dieses Raunen, wenn ein Journalist sich vorstellt. D.h. in bestimmten Bereichen des Webs findet man diese Haltung wirklich. Aber es ist nicht das Web selbst, es ist auch nicht die Masse der Internet-Nutzer, sondern es ist eine Niche, ein Teil, oft der Teil der sich Web-Consultant schimpft. Das ist jetzt nicht böse gegenüber irgendeiner dieser Gruppen (Consultants, Journalisten etc.) gemeint. Ich habe den Artikel nicht gelesen und was ich von Dir darüber lese stimmt micht nicht gerade positiv. Diese Verallgemeinerungen schaden dem Journalismus. Aber genau Deine differenzierte Sichtweise sowie Schilderung würde ich mir auch mal von wenigstens einigen der vielen deutschen Blogger da draußen auch mal wünschen. Manche tun es (die verdienen dann auch mal einen Kommentar :), aber viele auch leider nicht. Grüße!

  • Carsten Drees

    22.05.09 (17:14:41)

    Nicht zu fassen, wie viel Mühe Du Dir gegeben hast mit Deiner Replik, Marcel. Obwohl wir gar nicht darüber diskutieren müssen, ob Du mit allem, was Du anführst, komplett richtig liegst, werde ich das Gefühl nicht los, dass Sobocynski sogar noch einen für sich gültigen Weg finden wird, Deine Worte als Bestätigung seines Artikels zu werten.

  • Marcel Weiss

    22.05.09 (17:23:43)

    @Oliver: Die Wikipedia ist nicht perfekt, keine Frage. Wenn ein Professor dort etwas eintragen will, kollidieren zwei Autoritätssysteme (in Bildungsinstiutionen aufgebaute Autorität vs. Vernetzung innerhalb von Wikipedia). Seine Stellung außerhalb der Wikipedia spielt für die Wikipedia keine Rolle. Das hat Vor- und Nachteile. Schaut man sich das Gesamtergebnis Wikipedia an, dürfte offensichtlich werden, dass die Vorteile überwiegen. @Carsten Drees: Ja, dessen bin ich mir sicher. Er hat ja auch gleich versucht, in seinem Artikel mögliche Kritik bereits im Vorfeld zu diskreditieren.

  • Alex

    22.05.09 (18:08:07)

    Ich habe den Artikel heute auch gelesen und finde ihn auch komisch. Allerdings hat er die gleiche Daseinsberechtigung wie die vielen "Blogs sind das tollste" Blogbeiträge und RePublica Diskussionsbeiträge. Kann es doch glauben wer will. Schade finde ich allerdings, dass ihr eure Zeit damit verschwendet und an dieser Stelle nicht etwas Interessantes über aktuelle Netzentwicklungen schreibt. Ich sehe den Artikel eher als lustige Randerscheinung eines disruptiven Wandels. Darüber habt ihr doch vor zwei Wochen etwas geschrieben...

  • Ulrike Langer

    22.05.09 (18:36:32)

    Ich stimme Carsten Drees zu und ziehe den Hut davor, wie akribisch Du die hanebüchenen Thesen des Autors auseinandernimmst. Deine Analyse ist um Längen intellektueller als der demagogische Unsinn von Sobocyinski. Ich habe seinen Text sogar zweimal gelesen, weil ich beim zweiten Mal nach einer versteckten Ironie gesucht und sie nicht gefunden habe. Mein Kommentar dazu wären bloß zwei Worte gewesen: Heul doch. Übrigens: Interessanterweise distanziert sich der Zeit-Online-Chef Wolfgang Blau in den Kommentaren von dem Beitrags des Autors.

  • Ralph Schäfer

    22.05.09 (18:38:30)

    Eigentlich läßt sich das Ganze zu einer einfachen Regel zusammenfassen: Pauschalurteile sind grundsätzlich falsch.

  • Oliver

    22.05.09 (19:11:04)

    @Ralph: perfekt :) inkl. eigenironie. *Hut zieh'

  • Martin Lindner

    22.05.09 (19:36:05)

    Ist hier jemand schon mal aufgefallen, wie bewusst der Artikel "alte Intellektuellen-Sprache" verwendet? Preziöse Genitive und indirekte Rede satt. "Jedem, der wachen Auges durch das Internet streift" ... "gegen den störrischen, nicht restlos absorbierbaren Intellektuellen, der sich einst seines Einzelgängertums rühmen durfte und als freier Autor oder Journalist sein Auskommen fand" ... "Man geht indes fehl, den Intellektuellen als bildungshuberischen Besitzstandswahrer aufzufassen" ... "Laienkultur, die sich ihrer Unbedarftheit rühmt" ... "Der Intellektuelle wird untertauchen wie der Taucher in die Tiefe, er wird Internetrandzonen bewohnen, Foren, die nur von seinesgleichen aufgesucht werden. ... Jedoch als der, der er bislang war, Störenfried des Konsenses, Vermittler von Wissensbeständen, Korrektiv des Staats, wird er verschwinden. Seine Spur ist eine, die bald schon Wellen glätten." Ja mei. Allein, Empörung ist hier fehl am Platze (sic!). Das ist das öffentliche Sich-für-anachronistisch-Erklären des Schöngeists, bewusst und freiwillig. Aus dem Geist der Inneren Emigration. Völlig harmlos, muss man nicht ernst nehmen. Kein Wunder, dass er Ortega y Gasset von 1940 zitiert :) Mit "intellektuell sein" hat das natürlich nichts zu tun. Intellektuell sein heißt dahin zu gehen, wo es weh tut. Sich schmutzig machen. Sich selbst verletzen. Gut, dass diese Kultur der geistreichen Attitüde versinkt. Schon versunken ist.

  • FERNmann

    22.05.09 (19:51:50)

    Da hast du dir aber echt Mühe gemacht, super Beitrag! Ich frage mich, ob es der Mühe wert war. Sobocynski ist wahrscheinlich nur wütend, weil das Netz sein Weltbild von einer kleinen Gruppe von Intellektuellen und einer großen, bösen Gruppe von "Dummköpfen" die man beherrschen darf und muss zerstört hat. Generell ist Arroganz (welche man auf beiden Seiten findet) Fehl am Platz, das war schon vor dem Internet so.

  • xconroy

    22.05.09 (20:57:49)

    @4 Alex Schade ist vor allem, daß eine Beschäftigung mit dem Artikel wohl tatsächlich Zeitverschwendung ist, weil es bei dem Muster Statement - Gegenstatement bleiben wird und keine Diskussion draus entsteht. Was ich u.a. an netzwertig schätze ist die Bereitschaft der Autoren, ihre teils unterschiedlichen Standpunkte zu verschiedenen Themen darzustellen und zb. als Reaktion auf den Artikel eines Kollegen einen anderen zu schreiben, der eine andere Sichtweise enthält - in vollem gegenseitigen Respekt. So etwas würde ich mir auch für diese "alte Medien vs Internet"-Debatte wünschen - es wäre doch toll, wenn Soboczynski auf die Kritiken reagiert und seinerseits eine Replik darauf verfaßt, die die Kritikpunkte aufgreift, ggf. widerlegt und die eigenen Positionen besser verdeutlicht. In dem Fall hätte sein Artikel durchaus seine Berechtigung - nämlich als provokativer Anstoß zu einer interessanten Diskussion. Ähnliches hätte ich mir auch von S. Gaschke, M. Meckel usw. gewünscht - eine der Möglichkeiten des Netzes ist das unkomplizierte Zustandekommenlassen einer fruchtbaren, konstruktiven Debattenkultur. Links und Trackbacks sind, oh Wunder, nicht nur für "Aufmerksamkeit" gut, sondern dienen auch der übergreifenden Diskussion - Herr Soboczynski bräuchte nur für seinen (leider hypothetischen) Folgeartikel zwei Trackbacks setzen (hierher und auf carta) und dann, wie oben beschrieben, darauf eingehen. Intellektuelle sind und waren doch auch immer Menschen, die die Diskussion gesucht haben und dahin gingen, wo es "wehtut" - anderen und ihnen selbst auch... oder? Aber vielleicht meint er das mit den "Amateuren" ja so bitter ernst, daß er es für unter seiner Würde hält, auf deren Anmerkungen einzugehen. Schade. Auf eine solche Auseinandersetzung hätte ich mich ehrlich gefreut.

  • Julian Müller

    23.05.09 (00:01:48)

    ich wuerde gerne in angedeuten Links antworten: ted.com, academicearth.org, aljazeera, mises.org, cato.org, journeymanpictures, timms-uni.tuebingen, mit world, pbs frontline ... und das koennte ewig so weiter gehen. An Intelligenz im Netz fehlt es nicht - jedenfalls global gesehen. (Nur?) die deutsche Intelligenzia hängt wieder mal hinter her, wahrscheinlich aus Angst vor Wettbewerb, Feedback und Evaluation trauen sie sich nicht aus ihren Mauselöchern. Der Zeitautor verkennt, dass die internationale Intelligenz zunehmend miteinander im Web in Konkurrenz tritt. Wer aber erst gar nicht auf der globalen Agora antritt, der wird bald im unerbittlichen Strudel Lethe versinken.

  • katrin

    23.05.09 (08:22:13)

    Niemand käme auf die Idee, allen Fernsehzuschauern eine Mentalität anzudichten oder alle Mobiltelefon-Nutzer in eine Ecke zu stellen. Aber sag mal! Natürlich, auf diese Idee kamen schon ganz schön viele, denn das ist (freilich in anderen Worten) genau das, worum es der Kulturkritik geht - sofern man sie eben nicht als "Das ist alles doof" missversteht, sondern begreift, dass es ihr um Strukturen geht und nicht um einzelne Personen und deren "Mentalitäten". Wäre mal wirklich interessant, einen Text von Adorno, Habermas, Anders, Kittler, Postman, Bourdieu etc. zur Diskussion zu stellen - die Reaktionen sollten dann eigentlich ähnlich klingen (was zu beweisen war).

  • Ralph Schäfer

    23.05.09 (10:54:28)

    @10 xconroy: Frau Meckel hat schon vor ein paar Tagen auf die Diskussion reagiert und in ihrem Block einen Artikel zum Thema veröffentlicht. Der Artikel hat auch schon jede Menge Kommentare bekommen: http://www.miriammeckel.de/2009/05/21/die-buschtrommel-doktrin/

  • Chris

    23.05.09 (20:43:42)

    Mein Favorit: Da der Intellektuelle aus der Mehrheitsdemokratie geistesaristokratisch herausragt, ist er der Einzige, der die Bedingungen der Staatsform, in der er lebt, zu reflektieren vermag. Er stabilisiert Demokratie, indem er sich ihr wesenhaft entzieht. Ergo: Wir sind alles Idioten. Nur er ist in der Lage zur Selbstreflektion. Ihm haben wir unsere Demokratie zu verdanken. Unsere Freiheit! Ja, unser ganzes idiotisches Dasein!! Preiset den Herrn!!!

  • Boing

    23.05.09 (23:46:52)

    Von allen Kommentaren gibt es nur zwei, die wirklich begriffen haben, worum es Soboczynski geht: um die Möglichkeit von Kritik, die an Öffentlichkeit gebunden ist. Dass diese zum Teil im Netz existiert und sich international ergibt, mag den hoffnungsvoll stimmen, der zum Optimismus neigt. Von Öffentlichkeit im weiten Sinne kann dabei aber bisher nicht die Rede sein. Das Netz ist doch eine Teilöffentlichkeit. Noch dazu eine weitgehend schwafelnde Teilöffentlichkeit -- die intellektuelle und formale Schärfe eines Soboczynki ist im Netz doch wirklich viel zu selten zu finden, egal, was man von seinen Thesen inhaltlich hält.

  • xconroy

    24.05.09 (09:37:44)

    @13 Ralph Schäfer danke, das hatte ich gar nicht mitbekommen. @15 Boing Ich habe eher den gegenteiligen Eindruck - dass es Soboczynski nämlich nicht paßt, wenn Leute die Möglichkeiten öffentlicher Kritik nutzen, die in seinen Augen "Amateure" sind. Ginge es ihm wirklich darum, würde er die inhaltliche und stilistische Vielfalt der Meinungsäußerung eher begrüßen, statt sie zu verurteilen. Und dass das Netz /noch/ eine - rapide wachsende - Teilöffentlichkeit ist, sollte niemanden beunruhigen. Das sogenannte Web2.0 ist keine fünf Jahre alt und hat in dieser Zeit haufenweise Menschen mit dem Internet vertraut gemacht, für die es vorher wahlweise Spielkram, Stubenhockerzeugs oder rocket science war, aber nichts was die eigene Lebensrealität berührte. Warten wir mal die nächsten fünf Jahre ab, und was der Herr Soboczynski dann für eine Meinung hat ;). (wie du mitbekommen haben wirst, gehöre ich durchaus zu denen, die zu Optimismus neigen. Du nicht? Wie wird sich denn das alles aus Sicht eines Pessimisten entwickeln?). Und zum Thema "intellektuelle Schärfe" vs "Schwafeln" habe ich bei carta schon geschrieben, dass ich von der offenbar genuin deutschen Neigung Intellektueller, eigentlich überschaubare Sachverhalte in möglichst komplizierten Formulierungen zu verstecken, nicht allzuviel halte. In meinen Augen ist es eine größere Leistung, komplexe und das Denken anregende Sachverhalte in einer klaren und verständlichen Sprache zu formulieren.

  • katrin

    24.05.09 (09:53:32)

    @xconroy offenbar genuin deutschen Neigung Intellektueller, eigentlich überschaubare Sachverhalte in möglichst komplizierten Formulierungen zu verstecken Dann nenn doch dazu bitte Beispiele (oder linke auf den angesprochenen Text). Denn das ist doch just das Klischee, das Soboczynski meinte, auf das man in der Diskussion über seinen Artikel tatsächlich auch immer wieder stößt (q.e.d.). Man kann sich doch nicht daran stoßen, dass Soboczynski das ganze Netz pauschal in einen Topf wirft und dann selbst alle Intellektuellen pauschal in einen (freilich anderen) Topf werden.

  • FERNmann

    24.05.09 (11:08:16)

    @katrin: Es gibt tatsächlich scheinbar Intellektuelle, die komplexe Formulierungen und dutzende Fachausdrücke verwenden, statt das gemeinte in einen einfachen Satz wiederzugegeben. Wenn dann einer nachfragt und daraufhin als dumm und ignorant beschimpft wird, braucht man sich nicht zu wundern wenn eine gewisse Abneigung gegen solche Leute besteht. Das schaukelt sich halt dann auf beiden Seiten hoch. Ist eigentlich Quatsch, sich wegen sowas zu streiten, jeder bloggt/schreibt/twittert halt auf dem Niveau, auf dem er bloggen/schreiben/twittern möchte, und der Leser sucht sich halt das raus, was er lesen möchte, ganz einfach.

  • Ralph Schäfer

    24.05.09 (12:10:18)

    @15 Boing Jürgern Habermas hat doch schon vor Jahren in einem Essay die Meinung vertreten, dass durch die Diskussionen im Internet die Stimmen der Intellektuellen nicht mehr so leicht Gehör finden. Leider beteiligen sie sich auch viel zu wenig, z.B. durch eigene Blogs, an den Debatten im Netz.

  • Boing

    24.05.09 (22:34:43)

    @ xconroy, @ Schäfer Teilöffentlichkeit ist aber etwas anderes als Öffentlichkeit -- deshalb schreiben wir hier und tauschen uns über einen Artikel aus, der eben in der Zeit erschienen ist und offensichtlich mehrere Treffer gelandet hat: die Reichweite der Blogs ist minimal gegenüber einem Zeitartikel, der Öffentlichkeit herstellt, wie sie für eine Demokratie lebensnotwendig ist. Gleichzeitig sind viele Kommentare zum Teil wirklich von Neid und Wut geprägt, und geben Soboczynski damit indirekt recht. Die Debatten im Netz sind doch auch eher ein Hobby. Wer vom Schreiben leben muss, ist hingegen darauf angewiesen, Geld für seine Texte zu bekommen. Das Netz hat sich jedoch bislang tatsächlich als Feind der Urheberrechte entpuppt. Das ist schön für Konsumenten, aber sehr gefährlich für freie Autoren. Letztlich wird der freie Autor -- bzw. der Intellektuelle -- verschwinden, weil er sich institutionell verankern muss, um zu überleben. Ist alles kein Weltuntergang, aber schade finde ich das Verschwinden dieser alteuropäischen Lebensform schon. Was den Stil angeht: das ist doch eine Pose von Soboczynski. Er schreibt absichtlich so, um zu provozieren und eine Gegenposition herzustellen.

  • Thomas

    25.05.09 (14:47:44)

    "Ein Beitrag im Netz, so die Verheißung, werde in der sogenannten Wissensgesellschaft wertvoller, je mehr Autoren an ihm herumlaborieren, ihn kommentieren, entweihen, seine wohlkomponierte Geschlossenheit aufbrechen, ihn kollektivieren zur flüchtigen Gedankenkolchose." Wo er Recht hat... ;)

  • Marcel Weiss

    25.05.09 (15:07:08)

    @boing: "die intellektuelle und formale Schärfe eines Soboczynki ist im Netz doch wirklich viel zu selten zu finden, egal, was man von seinen Thesen inhaltlich hält." Wenn bei Soboczynski nur inhaltlich Seichtes bis Falsches beim Thema Internet rauskommt, von welcher 'intellektuellen und formalen Schärfe' sprechen wir denn dann da?

  • Benedikt

    25.05.09 (20:31:20)

    @Boing "geben Soboczynski damit indirekt recht" Klar, Selbstimmunisierungsstrategien haben z.b. alle großen Ideologien eingebaut. Das gehört dazu. Nur ist die Struktur dieser Bausteine dort sehr viel eleganter als die Sandkastenmethode eines Soboczynski, der sich beschwert, dass ihn niemand mag und dann den Leuten mitten ins Gesicht schlägt, um schließlich seine These des Nicht-Gemocht-Werdens zu belegen. Das ist nicht scharf, sondern kindisch. Die Haltung eines Kritikers, der von den Rändern her argumentiert, ist auch nichts neues. Das findet man aber bei Leuten wie Virilio sehr viel überzeugender. Aber die eigentliche Schwäche liegt in der zentralen Annahme, dass das Internet intellektuellenfeindlich sei. Das ist einfach nur Blödsinn. Ich halte mich da an die klassische Definition des "speaking truth to power". Das finde ich genauso (selten) in Blogs wie in Zeitungen.

  • Ralph Schäfer

    25.05.09 (20:53:43)

    @20 Boing Es ist natürlich richtig, dass Weblogs noch nicht die Reichweite einer auflagenstarken Zeitung haben und ja, nur die wenigsten Autoren können nur vom Schreiben von Blogartikeln leben. Alles richtig. Allerdings ist dieses Gerede vom Hass völlig überzogen. Trolle sind gar nix neues im Netz, die gibt es schon seit Z-Netz/UseNet-Zeiten, einfach nicht füttern.

  • Benedikt

    25.05.09 (20:57:46)

    @Ralph Ja, nur die wenigsten Autoren können nur vom Schreiben von feuilletonistischen Zeitungsartikeln leben.

  • Volker Davids

    25.05.09 (21:06:43)

    @boing (15) - auch wenn ich Benedikt, was die Aufmerksamkeit angeht, eigentlich zustimme. "...die intellektuelle und formale Schärfe eines Soboczynki ist im Netz doch wirklich viel zu selten zu finden, egal, was man von seinen Thesen inhaltlich hält..." Wenn die Weltkonstruktion von Adam Soboczynki im Netz viel zu selten zu finden sein sollte, mag das unter Umständen nicht daran liegen, dass sie - auch wenn gut sie dargeboten wäre - angefeindet wird, sondern „diese“ Intellektuellen dieses Medium ihrerseits - wie bei A.S. - kategorisch ablehnen; was weniger mit intellektueller und formaler Schärfe zu erklären ist, eher mit Trotz. Das manche Konstruktionen, wie hier, auf heftige Kritik stoßen, liegt nicht unbedingt an der Botschaft, sondern vielmehr an dem Selbstanspruch eines Intellektuellen etwas klug zu beschreiben bzw. zu kritisieren, von dem er anscheinend nur wenig Ahnung hat, was wenig klug ist. Wer die Keule schwingt, muss damit rechnen, von einer Keule getroffen zu werden - vor allem, wenn sich die Keule nur als Stöckchen erweist.

  • Sandmann

    29.05.09 (10:53:15)

    Meiner Meinung stellt der Artikel von Adam S. ein Provokationsversuch dar, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Dahinter steckt wahrscheinlich ein extrem ehrgeiziger Autor, wahrscheinlich mittelmäßig erfolgreicher Buchautor, der nicht damit fertig wird, nicht zu Großem geboren zu sein und sich nun über einfältige Artikel wenigstens ein bißchen Aufmerksamkeit sichert. Wenn es zm Überflieger nicht reicht, dann eben so. Von Nobelpreisträgern könnte ein Licht wie Herr S. lernen, schwierigste Zusammenhänge so auszudrücken, dass sie ein Erstsemester versteht. Ganz abgesehen davon, dass die wirklich Begabten nie so menschenverachtend auftreten. Es wirft auch nicht gerade ein gutes Licht auf DIE ZEIT, dass so unseriöse Artikel überhaupt abgedruckt werden.

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