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05.11.13Leser-Kommentare

Internationale Überweisungen: TransferWise setzt etablierte Finanzinstitute unter Druck

Er war der erste Mitarbeiter von Skype. Jetzt setzt Taavet Hinrikus mit seinem Startup TransferWise etablierte Finanzinstitute unter Druck. Wieder kommt ein Peer-to-Peer-System zum Einsatz.

Dank der sich fortsetzenden Globalisierung und der Einfachheit, mit der sich Menschen heute dauerhaft oder temporär in fremden Ländern niederlassen können, wächst der Bedarf an währungsübergreifenden Geldtransfers. Auch Startups, die Büros im Ausland eröffnen, stehen vor der Frage, wie sie Mittel am kostengünstigsten über Grenzen hinweg bewegen. Sobald Überweisungen nämlich die Umrechnung in eine andere Währung erfordern, entstehen zwei mitunter signifikante Ausgabenblöcke: Gebühren für den eigentlichen Transfer sowie Kosten, die als Folge ungünstiger Wechselkurse anfallen. Egal ob Banküberweisung, Western Union oder PayPal: besonders bei großen Summen wird es schnell teuer.

2011 trat das Londoner Startup TransferWise an, diesen Missstand zu beheben. Es erlaubt währungsübergreifende Geldtransfers zu ungewöhnlich niedrigen Gebühren von maximal 0,5 Prozent der überwiesenen Summe und ohne, dass Kunden durch schlechte Wechselkurse weitere versteckte Kosten entstehen. Versenden lässt sich Geld mittlerweile aus elf verschiedenen Währungen, der Empfang wird bereits für 18 internationale Währungen unterstützt. Seit 2011 sollen über 300 Millionen Euro über die Plattform bewegt worden sein. Seit kurzem ist sie auch in einer lokalisierten deutschen Version verfügbar.

Angesichts seines klaren Mehrwerts, des innovativen konzeptionellen Ansatzes und der gehörigen Portion Mut, die das Mitmischen im stark regulierten und von alteingesessenen Giganten besetzten Finanzmarkt voraussetzt, gehört TransferWise heute zu den spannendsten Jungunternehmen, die Europa zu bieten hat. Dass es sich beim Gründer Taavet Hinrikus um den ersten Mitarbeiter von Skype handelt, schadet auch nicht. Zumal sein einstiger Arbeitgeber und sein aktuelles Startup eine ideologische Gemeinsamkeit teilen, nämlich eine disruptiven Dienstleistung auf Basis eines Peer-to-Peer-Systems anzubieten.

Im Falle von TransferWise bedeutet dies, dass der Geldtransfer zwischen zwei Währungen, wo es geht, nur vorgetäuscht wird: Wenn ein Nutzer den Transfer von 100 Euro an einen Empfänger veranlasst, der dafür britische Pfund erhalten soll, dann schaut die Londoner Firma, ob zum gleichen Zeitpunkt ein anderer Kunde britische Pfund an einen Empfänger im Euroraum versenden möchte. Ist dies der Fall, kann TransferWise zwei parallele Überweisungsvorgänge in der jeweils selben Währung durchführen und so Kunden den jeweils aktuell besten Wechselkurs der Finanzmärkte anbieten, anstatt tatsächlich einen von Finanzinstituten mit Gebühren belegten währungsübergreifenden Transfer durchzuführen.

Dieser clevere Ansatz, der hier etwas ausführlicher erklärt ist, kann freilich für die Kalkulation der Briten nur funktionieren, wenn ein Großteil der über den Dienst eingeleiteten Transfers tatsächlich auf diesem Weg erfolgt und nicht mangels fehlender Peer-to-Peer-Partner doch traditionell umgetauscht wird. Dann wäre der Prozess für TransferWise ein Zuschussgeschäft, da Anwender immer die versprochenen niedrigen Gebühren zahlen.

Wie bei anderen Internetdiensten, die auf P2P aufbauen, etwa Tauschbörsen oder eben Skype, entfaltet sich das vollständige Potenzial erst ab einer bestimmten Anzahl an Teilnehmern. Dass sich TransferWise nun seit über zwei Jahre am Markt behaupten kann und das Portfolio unterstützter Währungen stetig erweitert, lässt darauf hoffen, dass das Verfahren tatsächlich skaliert. Und dann wiederum wäre das Unternehmen eine waschechte Revolution für den globalen Finanzmarkt und könnte teure Banken und existierende Dienstleister von Geldtransfers gehörig unter Druck setzen.

Mit dem PayPal Co-Founder Peter Thiel gewann TransferWise im Mai einen prominenten Co-Investor. Neben finanziellen Mitteln bringt dieser auch wertvolle Kompetenz im Bereich von Geldtransfers mit. Die insgesamt eingesammelten 7,3 Millionen Dollar Wagniskapital investierte TransferWise-Gründer Hinrikus unter anderem in eine Kampagne, in deren Rahmen 1000 europäische Startups jeweils bis zu 100.000 Dollar komplett ohne Gebühren transferieren konnten - eine gute Art, um von sich reden zu machen und parallel viele neue regelmäßige Anwender zu gewinnen.

Die Presse tituliert TransferWise gerne als "Skype für Geldtransfers". In einem Interview erklärte der aus Estland stammende Gründer des Unternehmens im vergangenen Jahr, dass er eine Analogie zu EasyJet oder IKEA eigentlich passender fände. Alle drei Vergleiche laufen aber auf das Selbe hinaus: Firmen, die Branchen oder gar die Welt verändert haben. TransferWise einen solchen langfristigen Effekt in Aussicht zu stellen, ist keinesfalls abwegig. /mw

Link: TransferWise

Kommentare

  • Andreas

    14.11.13 (16:30:06)

    Hallo, letzten Endes werden doch nur die Spitzen verrechnet - wie bei einem Intercompany Netting. Daher dürften die Kosten der FX Umwandlung überschaubar sein. Wenn Transferwise dann auch noch neue Anbieter wie beispielsweise "Kantox" einsetzen, dann rechnet sich das sicher. freundliche Grüße

  • Christoph B.

    09.12.13 (11:46:26)

    Zumindest zwischen den bedeutenden Währungen ist TransferWise teurer als viele Banken und würde auch bei Ausführung "echter" Überweisungen kein Zuschussgeschäft betreiben. Bereits als einfacher Privatkunde erhalte ich bspw. von USD, CHF und GBP zu EUR und retour günstigere Kurse als TransferWise sie anbietet. Verglichen habe ich nur mit Targobank und DAB Bank, potentiell bieten aber auch andere Institute günstige Überweisungen und Wechselkurse. Dass TransferWise günstiger als manche klassischen Banken (Spasskassen, VR Banken, die großen Geschäftsbanken), glaube ich aber ungeprüft. :-)

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