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28.11.13

Instapaper und Pocket: Ein Liebesbrief an Später-Lesen-Dienste

Sie bieten eigentlich nur spärliche Funktionen, können aber doch den Online-Alltag unheimlich verbessern - zumindest für Menschen, die gerne digitale Inhalte lesen: Später-Lesen-Dienste. Ein Liebesbrief an Instapaper und Pocket.

PocketFacebook testet eine Funktion, um Links in Newsfeed-Beiträgen für späteres Lesen zu speichern. Mir gibt das die Gelegenheit für einen Liebesbrief an die zwei bekanntesten Später-Lesen-Dienste. Denn dass derartige Apps eine wichtige Rolle in meinem Onlinealltag spielen, wäre noch eine Untertreibung. Ich bin regelrecht besessen davon und speichere dort 99 Prozent aller Texte, auf die ich im Web außerhalb meines RSS-Readers aufmerksam werden. Mindestens ein bis zwei Stunden verbringe ich täglich mit Lektüre, die ich zuvor beim Später-Lesen-Service meiner Wahl abgelegt habe. In meinem Fall ist dies Instapaper, Konkurrent Pocket bietet aber im Prinzip den gleichen Funktionsumfang und das im Gegensatz zu Instapaper auch für Android. Beide Services gibt es in Fassungen für iOS und Android. Insofern treffen diese Zeilen auf beide Anwendungen gleichermaßen zu. Meine Obsession für Später-Lesen-Apps rührt daher, dass ich nahezu grundsätzlich nur mobile lese, und dabei bevorzugt auf einem Tablet. Artikel jeweils in ihrem Originallayout auf der Ursprungsseite lesen zu müssen, macht jedoch wenig Spaß. Indem ich Texte zu Instapaper (oder Pocket) importiere, kann ich diese frei von jeglichem optischen Ballast der Quelle genießen, und das dazu in einem einheitlichen, augenfreundlichen Layout mit von mir festgelegter, stets identischer Schrift und Schriftgröße. Das zweite entscheidende Argument für diese Art von Anwendung ist das zeitversetzte Lesen. Rund um die Uhr komme ich mit lesenswerten Texten in Berührung, möchte jedoch nicht immer meine aktuelle Tätigkeit unterbrechen. Also sammel ich den kompletten Lesestoff des Tages sukzessive in meiner Später-Lesen-Anwendung und befasse mich damit dann, wenn mir danach ist und ich Zeit habe. Aus Erzählungen von anderen weiß ich, dass sie es nicht schaffen, diese Leselisten "abzuarbeiten". Ich nehme mir die Zeit dafür aber einfach, so wie andere eine Stunde für die Tageszeitung einplanen. Nichts anderes stellen die Inhalte für mich dar, die beim Öffnen der Instapaper-App auf mich warten. Meist freue ich mich regelrecht auf die Lektüre, auch weil ich mich nicht mehr erinnere, welche Texte ich in den Stunden zuvor gespeichert habe.

Während meiner gesamten aktiven Zeit im Netz, beruflich sowie privat, am Desktop oder mobil, halte ich nach vielversprechenden Inhalten Ausschau, die ich dann routinemäßig zu Instapaper importiere. Es spielt keine Rolle, woher sie kommen: Aus meinem Twitter- oder App.net -Feed. Aus Prismatic. Von Bekannten oder Kollegen per Mail oder WhatsApp. Aus anderen Artikeln, in denen sie verlinkt wurden. Aus mündlichen Empfehlungen, etwa beim Bier mit Freunden, oder Suchmaschinen-Ergebnissen. Von im Browser geöffneten Websites, auf denen ich etwas Lesenswertes vorfinde. Immer gilt: Sofern ich nicht unmittelbar eine Notwendigkeit an der jeweiligen Information habe, schicke ich den Link zu Instapaper. Entweder direkt aus unterstützten Apps (Twitter und hunderte andere Applikationen beinhalten eine "An Instapaper/An Pocket schicken"-Funktion). Über das Browser-Bookmarklet. Per E-Mail (beide Services erlauben das Einschicken von Links per Mail). Oder über den Import eines zuvor kopierten Links aus der Zwischenablage. Sowohl Instapaper als auch Pocket sind aufmerksam und fragen, wenn sie einen Link in der Zwischenablage erkennen, ob dieser für später vorgemerkt werden soll.

Weniger strukturiert agierende oder weniger lesefreudige Nutzer werden meine Schwärmereien für diesen Anwendungstyp wahrscheinlich nicht verstehen. Mir jedoch helfen Instapaper/Pocket sowohl beim produktiven Arbeiten als auch bei der effektiven und effizienten Informationsaufnahme. Und sie maximieren meinen Spaß am Lesen digitaler Inhalte.

Von daher werde ich natürlich neugierig, wenn Facebook Experimente in diese Richtung wagt. Allerdings ist es mehr als unwahrscheinlich, dass das soziale Netzwerk den zwei erwähnten Protagonisten ernsthaft das Wasser reichen können wird. Die Screenshots des Tests deuten an, dass Inhalte weder in voller Länge noch zum Offline-Konsum gespeichert werden. Insofern ist das geplante Feature, sollte es in dieser Form offiziell live gehen, wirklich nicht mehr als ein Bookmarking von Status-Updates mit integrierten Links. Durchaus praktisch aber nichts, was ernsthaft mit Instapaper oder Pocket konkurrieren würde. Besser wäre es freilich, wenn Facebook einfach wie Twitter Instapaper und Pocket direkt als Exportoptionen für Links aus dem Newsfeed anbieten würde. Doch im Wettrennen um die Aufmerksamkeit und das Zeitbudget der mobilen Nutzer ist derzeit nicht mit der Veröffentlichung von Funktionen zu rechnen, die User bereitwillig in andere, nicht eng mit Facebook verwobene Apps schicken. /mw

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