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17.11.11

Instapaper, Read It Later, Readability, Clearly: Der Aufstieg der Besser-Lesen-Dienste

Mit neuen Geräten für den bequemen Zugriff auf digitale Inhalte wächst bei Anwendern der Bedarf an Werkzeugen, die ein schöneres, flexibleres Lesen erlauben. Instapaper, Read It Later, Readability und Evernote Clearly wollen dieses Bedürfnis befriedigen.

 

Der Boom von Tablet-PCs und Smartphones mit großen Bildschirmen hat bei Lesern von digitalen Inhalten für veränderte Ansprüche gesorgt: Ging es in der ersten Phase der Internet-Ära vor allem darum, über Desktop-Rechner oder Notebooks zu jeder Zeit aktuelle Nachrichten und Berichte abrufen zu können, ist mit den neuen mobilen, die ästhetischen Aspekte der digitalen Welt hervorhebenden Zugriffsgeräten die optische Darstellung und Bequemlichkeit in den Vordergrund gerückt.

Dieser Trend hat einer neuen Klasse von Onlinediensten Aufwind gegeben: Tools zum zeitversetzten und besseren Lesen von Onlinetexten. Diese tragen sowohl der Tatsache Rechnung, dass Nutzer stetig über verschiedenste Kanäle (E-Mail, Skype/Instant Messenger, Facebook, Twitter, Google+, Blogs, Newsreader etc.) mit Leseempfehlungen überhäuft werden, die sie nicht immer sofort ab- bzw. bearbeiten können, und befriedigen gleichzeitig die gewachsenen ästhetischen Bedürfnisse an digitalen Content.

Instapaper

Einer der zwei bekannteren Besser-Lesen-Anbieter ist Instapaper, das wir bei netzwertig.com schon häufiger erwähnt haben. Nutzer platzieren das Instapaper-Bookmarklet in der Favoritenleiste ihres Browsers und betätigen es, sobald sie auf einen Text stoßen, den sie zum späteren Lesen online ablegen möchten. Haben sie dann irgendwann Muße, können sie sich die bei Instapaper im Laufe der Zeit angesammelten Artikel entweder im Browser oder über die iPhone-/iPad-App zu Gemüte führen (es existieren auch diverse, funktionell aber begrenzte Drittanbieter-Android-Apps) - über die mobilen Apps auch offline. Zur Erhöhung der Lesefreundlichkeit entfernt Instapaper sämtliche die meisten grafischen [Update: nicht unmittelbar zum Text gehörenden] Elemente der Originalquelle und präsentiert lediglich den Text in seiner Reinform. Seit einiger Zeit besitzt Instapaper auch Funktionen, um sich Artikelempfehlungen von "Freunden" servieren zu lassen.

Instapaper ist zwar in der Browservariante kostenfrei, entfaltet seine wahre Wirkung aber erst mit den iOS-Apps, für die 3,99 Euro fällig werden. Wer sämtliche jemals bei Instapaper gespeicherten Artikel im Volltext durchsuchen können will, muss dafür zusätzlich ein Abo abschließen, das im Quartal 2,39 Euro kostet.

Auf die Beine gestellt wurde Instapaper von dem ehemaligen Tumblr-Entwickler Marco Arment, der seinen etwa 1,8 Millionen Benutzer zählenden Service bisher als Ein-Mann-Firma betreibt. Über 140 iPhone- und iPad-Applikationen können über die Instapaper-Schnittstelle mit dem Werkzeug interagieren und so direkt Texte an Instapaper schicken, ohne dass dazu der Umweg über den PC und das Browser-Bookmarklet genommen werden muss.

Read It Later

Der andere populäre Anbieter zum zeitversetzten Lesen heißt Read It Later. Der von Nate Weiner gegründete Dienst ging einige Monate vor Instapaper online, im August 2007. Während Instapaper-Macher Marco Ament eher einen "Klasse statt Masse"-Ansatz verfolgt und kein externes Kapital aufgenommen hat, setzt Weiner mit Read It Later auf eine deutliche Wachstumsstrategie, will bis Jahresende bis zu acht Personen beschäftigen und auf so vielen Plattformen wie möglich vertreten sein. Vor einigen Monaten erhielt das Startup eine Finanzspritze von 2,5 Millionen Dollar.

Konzeptionell ist Read It Later seinem kleineren Konkurrenten sehr ähnlich, zeichnet sich aber durch eine Anpassung für mehr Plattformen und Browser aus: Statt einem einzigen Bookmarklet bietet Read It Later mehrere mit unterschiedlichen Funktionen, eine spezielle Firefox-Erweiterung sowie Apps nicht nur für iPhone und iPad, sondern auch für Android - bis auf eine Pro-Version für iOS sind diese Applikationen auch kostenfrei. Eine Social-Reading-Funktionalität, wie Instapaper sie mitbringt, fehlt - dafür gibt es anders als bei Instapaper eine Option zum Verschlagworten von Artikeln, wodurch das Archivieren erleichtert wird [Update: Instapaper bietet lediglich Ordner].

266 Applikationen und Drittanbieterdienste machen sich die Read It Later API zu Nutze und erlauben das direkte Speichern von Texten bei dem Tool. Mit rund 3,5 Millionen registrierten Nutzern beläuft sich die Mitgliederzahl ungefähr auf das Doppelte von Instapaper.

Readability

Ein neuer Mitstreiter im Wettkampf um die Gunst der organisierten Vielleser ist Readability. Ursprünglich handelte es sich dabei lediglich um ein Werkzeug, um Websites von all ihrem grafischen Ballast zu befreien und Texte isoliert darstellen zu können. Verschiedene Apps und Services nutzen die Technologie, so zum Beispiel die beliebte iOS-RSS-App Reeder. Später folgte eine Option, um über eine monatliche Pauschalzahlung den Medienangeboten einen Obolus zukommen zu lassen, deren Inhalte man mittels Readability konsumiert.

ReadabilityMittlerweile hat sich das aus dem New Yorker Digitaldienstleister Arc90 hervorgegangene Startup von einem ehemaligen Instapaper-Partner zu einem Konkurrenten entwickelt und einen Später-Lesen-Service inklusive iOS-Apps und Kindle-Support angekündigt . So richtig scheint dies alles aber noch nicht fertig zu sein - ich kann zwar über die Chrome-Erweiterung Artikel zum späteren Lesen ablegen, finde aber diese Texte im Mitgliederbereich nicht wieder.

Evernote Clearly

Der beliebte Online-Notizbuchdienst Evernote möchte sich das Treiben der aufstrebenden Startups nicht von der Seitenlinie anschauen. Mit "Clearly" hat das Unternehmen aus der Google-Stadt Mountain View eine Chrome-Erweiterung veröffentlicht, die sowohl die Entschlackung und formschöne Darstellung betrachteter Websites als auch das Speichern des jeweiligen Textes im eigenen Evernote-Account zum zeitversetzten Lesen erlaubt.

Fazit

Sowohl Readability als auch Evernote Clearly erfüllen derzeit nur Teilaspekte der von Instapaper und Read It Later abgedeckten Anwendungsgebiete. Es zeichnet sich jedoch ab, dass sich die vier Angebote zukünftig noch weiter einander annähern werden. Mit jedem neuen Tablet- oder Smartphone-Besitzer entsteht ein neuer potenzieller Nutzer dieser Produktkategorie, über deren Existenz bisher nur ein kleiner Anwenderkreis überhaupt informiert ist. Der zu erobernde Markt ist also groß, weswegen der Einstieg weiterer Anbieter nicht ausgeschlossen werden kann.

Je mehr digitale Inhaltekonsumenten jedoch Gefallen an derartigen Später- und Schöner-Lesen-Services finden, desto argwöhnischer werden manche Medienportale die Entwicklung beäugen. Dort dürfte man Instapaper, Read It Later & Co vor allem als Angriff auf die Werbeeinnahmen und Seitenaufrufe sehen - Konflikte sind damit programmiert.

Was habt ihr für Erfahrungen mit den genannten Tools gemacht?

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