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07.05.13Leser-Kommentare

"Ins Internet gehen" war gestern: 15 Millionen Deutsche praktizieren "always on"

49 Prozent der Smartphone-Besitzer in Deutschland sind immer mit dem Internet verbunden. Das wären rund 15 Millionen Menschen. Für sie tritt die Unterscheidung von "online" und "offline" in den Hintergrund.

MobileViele der Startups und Webfirmen, über die wir berichten, und auch eine Reihe der Trends und digitalen Entwicklungen, die bei uns zur Sprache kommen, drehen sich um Nutzungsmuster und Nutzergruppe mit dem Charaktermerkmal "always on" - immer und überall online. Bisher mangelte es allerdings an aussagekräftigen Zahlen dazu, wie groß der Kreis dieses Anwendertypus eigentlich ist. Eine repräsentative Untersuchung von TNS Infratest gibt nun Auskunft darüber (PDF, via). 49 Prozent der Smartphone-Nutzer sind always on

Die Befragung richtete sich an Smartphone-Nutzer in Deutschland ab 14 Jahren. Da das Prädikat "always on" zwingend ein mobiles Internetzugangsgerät erfordert, kann man mit gutem Gewissen konstatieren, dass nur Besitzer eines Smartphones überhaupt in der Lage sind, Always on zu praktizieren. TNS Infratest konstatiert nun, dass 49 Prozent der Studienteilnehmer ihr Smartphone "immer & überall" verwenden, um ins Internet zu gehen. Kombiniert man dies mit relativ aktuellen Zahlen von comScore, nach denen 31 Millionen Bundesbürger ein Smartphone ihr Eigen nennen, heißt dies, dass gut 15 Millionen Deutsche, oder etwas mehr als 18 Prozent der Bevölkerung, mittlerweile ein Surfverhalten an den Tag legen, das den Stempel "always on" verdient.

Diese Erkenntnis ist in sofern relevant, als dass sie speziell für ambitionierte Mobile-Startups im Social- und Location-Segment ein Indiz dafür liefert, wie groß ihre maximale Zielgruppe hierzulande momentan ist. Denn die meisten derartigen Services setzen voraus, dass Anwender eine konstante mobile Internetverbindung besitzen und nicht etwa ihr mobiles Gerät phasenweise nicht verwenden, abschalten oder WLAN und 3G/LTE regelmäßig deaktivieren.

"Reale Welt" und "Cyberspace" verschwinden

Auch aus als netzphilosophischer Sicht handelt es sich um eine interessante Statistik. Denn always on ist die Voraussetzung für eine Abkehr von der immer wieder gerne konstruierten Unterscheidung zwischen "realer Welt" und "Cyberspace". Während ältere Semester und leidenschaftliche Webkritiker diese Differenzierung gerne anwenden, um die vermeintlich dem Austausch im "echten Leben" unterlegene Interaktion und Kommunikation im digitalen Raum abzuwerten, machen die ganz jungen Nutzer keinen Unterschied mehr zwischen online und offline. Für sie existiert der Prozess des "ins Internet gehen" nicht mehr. Es ist ein selbstverständlicher Dauerzustand, über den sie nicht weiter nachdenken. Analog dazu, wie wir alle heute permanent elektrischen Strom verwenden, ohne uns dabei gedanklich vor Augen zu führen, dass wir gerade dabei sind, elektrischen Strom zu nutzen.

Nicht jeder Anwender, der sich in der TNS Infratest-Befragung den Stempel "always on" hat aufdrücken lassen, wird schon an dem Punkt angekommen sein, in dem die mentale Grenze zwischen online und offline komplett verschwunden ist. Doch sukzessive  dürfte jeder 24 Stunden am Tag mit dem Web verbundene Mensch dorthin gelangen. Es ist die logische Folge aus einem über einen längeren Zeitraum anhaltenden Zustand stetiger Connectivity, die sich ab und an durch aktive Nutzung, häufig aber durch passive Nutzung äußert, zum Beispiel in Form von Push-Nachrichten, gestreamter Musik, Location-Empfehlungen oder Google Now-Informationen.

Nutzer verwenden Smartphones vor allem zu Hause

Die TNS-Infratest-Untersuchung zeigt, dass iPhone-Besitzer häufiger always on sind (58 Prozent) als Nutzer anderer Smartphones, dass 60 Prozent der Social Networker mit Smartphone always on praktizieren, und dass sich bei den 20- bis 29-Jährigen ganze 67 Prozent als dauerhaft mit dem Netz verbundene User sehen. Die Ergebnisse weisen auch aus, an welchen Orten die meisten Smartphone-Besitzer ihr Gerät verwenden. Die durchaus bemerkenswerten Top 3: zu Hause, im Auto (als Beifahrer) und im Restaurant/Café. 94 Prozent der iPhone-Nutzer und 90 Prozent der Android-Nutzer setzen ihr Smartphone in den eigenen vier Wänden ein. Dies zeigt einmal mehr, dass der Begriff "mobile" sehr viel eher den Typ der Hardware beschreibt, als den Ort ihrer Verwendung. "Mobile" ist nicht gleichzusetzen mit "unterwegs". /mw

Kommentare

  • Nicole

    07.05.13 (09:15:13)

    Genau das macht ja alle so abhängig! Und dadurch auch mehr Stressanzeichen, die vielen Leuten richtig zusetzt. Da kann man nur hoffen, solche Chefs wie ich zu haben :) Grüße aus Nuewied

  • Michael

    07.05.13 (10:28:58)

    Die Realität des weitgehenden "Always on" kann ich eigentlich bestätigen. Sowohl in festen Gemäuern als auch außerhalb. Was sicher nicht bedeutet, dass man ständig on ist. Aber Internet und Gadgets sind zu sowas wie äußeren menschlichen Betriebssystemen als Organisations- und Informationssysteme für alles und jedes geworden. Quasi wie so eine Backup-Rückversicherungsplatte, in der man für fast alles und jedes eine Antwort und Lösung finden kann. Wobei ich das "Always on" gerade für Netz- und Informationsarbeiter keinesfalls auf Smartphones und Tablets reduzieren würde. Der PC bzw. Note/Netbooks spielen insbesondere für solche Produzenten sicher weiterhin eine wichtige Rolle (wie ja auch hier unlängst als Unterschied dargestellt). Was in der Vereinbarung von Netz- und Reallife aber m.M. weiterhin durchaus Probleme, auch neue Probleme bringt. Vor allem braucht die Vereinbarung von beidem ein strenges Zeitregime in der Netznutzung, weil man sonst Gefahr läuft, sich in seinen Fluten und Ozeanen zu verlieren und zu ertrinken. Hierbei muß wohl jeder selbst probieren und experimentieren. Mein neuester Versuch und "Errungenschaft" sind Zeitschaltuhren, die nach einer bestimmten Minutenzahl piepen und erinnern, zwischendurch was anderes zu machen. So kann man z.B. vielleicht auch schaffen, lästiges anderes "Reallife"-Zeug zwischendurch zu erledigen.

  • Jürgen

    07.05.13 (12:59:49)

    Auch wenn ich noch nicht dauer-on bin und das auch nicht vorhabe, geht der Trend auf jeden Fall in diese Richtung. Die interessante Frage dabei ist doch, ob und wann dieser Trend mal wieder zurückgeht. Wenn irgendwann die Mehrheit "always on" ist, gibt es bestimmt eine wachsende Gruppe von Internet-Sparern oder sogar Komplett-Aussteigern, die sich strikt gegen diesen Trend stellen. Vielleicht kippt die ganze Sache dann irgendwann...oder auch nicht?!

  • Herbert Peck

    07.05.13 (13:41:46)

    In der Studie heißt es "49% nutzen ihr Smartphone immer & überall", von 'On'line lese ich im Zusammenhang mit dieser Zahl nichts. Es sei den Ihr zählt auch telefonieren zu 'On'

  • Oliver Springer

    07.05.13 (14:56:51)

    Immer online zu sein, sagt meiner Meinung nach über die tatsächliche Nutzung überhaupt nichts aus. Ja, man kann jederzeit das Internet nutzen, und so manches läuft im Hintergrund (zum Beispiel die Übermittlung von Standortdaten via Google Latitude - wenn man das nutzt). Nutzung zu definieren, ist da schon nicht leicht. Aber was sagt das aus? Mit einem einfachen Handy ist man rund um die Uhr via SMS und Telefonanruf erreichbar. Wer würde da von Rund-um-die-Uhr-Kommunikation sprechen? Ob rund um die Uhr eine Internetverbindung besteht oder erst ein Gerät bzw. eine Datenverbindung bewusst aktiviert werden muss, hat daher für mich keine besondere Aussagekraft. Ich stimme allerdings insoweit dazu, dass Online das neue Normal ist - so wie man die Verfügbarkeit von Elektrizität heute nur im Zusammenhang mit Stromausfällen thematisiert, wird man bald auch bei Internetverbindungen nur noch den Problemfall bemerken, nicht den Normalzustand (online).

  • Martin Weigert

    07.05.13 (15:33:28)

    Im "Kleingedruckten" im PDF steht die dazugehörige Frage: "In welchen Situationen bzw. an welchen der folgenden Orte nutzen Sie Ihr Smartphone um ins Internet zu gehen oder Apps zu nutzen?" Sicher, es gibt einige wenige Apps die auch nur offline funktionieren. Aber ich kenne niemanden, der hier mit ja antworten würde, aber im Hinterkopf sich dazu denken würde "aber nur offline apps". Außer im Ausland.

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