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28.06.08Leser-Kommentare

Innovationszyklus sozialer Netzwerke: Warum Web-2.0-Startups ihre Existenzberechtigung verlieren

Web-2.0-StartupsSocial Networks, allen voran Facebook, integrieren verstärkt Funktionen, die bisher von Startups als Einzelprodukt angeboten wurden. Die Zeit junger Webanbieter ohne einen hinreichend eigenständigen Service könnte damit bald vorbei sein.

Seit einigen Wochen beschäftigt mich die Frage, ob die Zeit für "klassische" Web-2.0-Startups, wie man sie in den letzten drei bis vier Jahren zu Tausenden sah, bald abgelaufen sein könnte. Hintergrund meiner Überlegung ist die Tatsache, dass führende Social Networks immer mehr Funktionen integrieren, die bisher von unterschiedlichsten Anbietern als einzelne Services bereitgestellt wurden. In der Folge existieren für die User der Netzwerke verringerte Anreize, auch noch bei anderen Diensten aktiv zu sein.

Verstärkt wird mein Gefühl, die große Ära der Social-Web-Startups könnte in Kürze vorüber sein, von der Langeweile, die mich jedes Mal erfasst, wenn ich mir die neuesten Web-Projekte bei Katalogen wie dem Web 2.0 Sammelalbum oder MoMB anschaue: Nur noch sehr wenige der dort vorgestellten Startups scheinen interessant genug, damit sich ein näherer Blick lohnt. Der Großteil der neuen Dienste bietet irgendeinen Service, den schon zehn andere umgesetzt haben, nur mit einigen kleinen Modifikationen. Unwahrscheinlich, dass man so an das knapp bemessene, von allen Seiten umworbene Zeitbudget der Internetnutzer gelangt.

Während 2006 oder selbst 2007 noch eine Art Verteilungskampf herrschte, in dem Startups mit einer netten Idee, Hartnäckigkeit sowie gutem viralem Marketing relativ leicht auf sich aufmerksam machen und mittelfristig vom Verkauf träumen konnten, sieht es jetzt so aus, als würden die "neuen" Branchengrößen wie Facebook oder MySpace lieber eigenhändig ihre Featurepalette ausbauen und in die Schaffensbereiche anderer Dienste vorstoßen, als dafür auf Akquisitionen zu setzen. Anders als die bekannten Aufkäufer Google und Microsoft, die Dank ordentlicher Gewinne weiterhin ergiebige Mittel für Akquisitionen parat haben, müssen Facebook & Co erst auf Profitabilität getrimmt werden. Sie picken sich lieber die beliebtesten Funktionen anderer Anbieter heraus, um sie dann für die eigene Plattform nachzubauen.

Facebook, das laut ComScore nun das meist besuchte soziale Netzwerk der Welt ist, integriert fast jede Woche neue Features, und nicht selten solche, die schlagartig die Existenzberechtigung einzelner Webanbieter in Frage stellen. So hat Facebook erst vor wenigen Tagen den Mini-Feed der Mitglieder für Kommentare geöffnet. Kontakte können nun einzelne Aktionen anderer User kommentieren, genau so wie man dies von Lifestreaming-Anbietern wie FriendFeed kennt. Schon seit mehreren Monaten ist der Import von Aktionen in den Mini-Feed möglich, die man auf anderen Seiten wie z.B. YouTube oder Last.fm durchführt - auch das eine Kernfunktionalität von FriendFeed. Nebenbei lassen sich bei Facebook (und diversen anderen Social Networks) auch Statusmeldungen veröffentlichen - zuvor eine Domäne von Microbloggingdiensten wie Twitter.

Die Liste weiterer Facebook-Funktionen, die von anderen Unternehmen als Einzelprodukt angeboten werden, ist lang: Das Speichern und Teilen von Fotos, Videos, Musik und Links, das Versenden von Einladungen zu Veranstaltungen, das Einrichten für jeden Internetnutzer zugänglicher Seiten für Produkte, Personen oder Dienstleistungen (Facebook Pages), die Mail-Kommunikation (seit kurzem mit Suchefunktion für Nachrichten) oder die Kommunikation geschlossener Gruppen (Thread-Darstellung des Nachrichtenaustausch zwischen mehreren Personen) sind einige Beispiele, die mir auf Anhieb einfallen. Außer Acht lassen darf man auch nicht die Tausenden von Applikationen unabhängiger Entwickler, die Gaming, Shopping, Unterhaltung und zahlreiche andere Angebote zu dem sozialen Netzwerk bringen.

Natürlich handelt es sich bei nahezu jeder Facebook-Funktion, die an anderer Stelle im Netz als Einzelleistung zu bekommen ist, um eine sehr vereinfachte Umsetzung mit geringem Optionsumfang. Loyale Anwender von FriendFeed werden daher nicht sofort ihr Konto bei dem Lifestreaming-Service löschen, nur weil Facebook jetzt ebenfalls in diese Richtung geht. Doch für den Großteil der fast 100 Millionen Facebook-Mitglieder, die bisher keinen Account bei FriendFeed haben, gibt es nun noch weniger Anreiz, dies zu ändern. Die zunehmende Funktionsvielfalt sozialer Netzwerke sorgt nicht für eine Abwanderung der User von anderen Diensten, erschwert diesen jedoch die Beschaffung von Neunutzern.

Die Entwicklung der typischen Web-2.0-Startups, wie man sie in den letzten Jahren zu Hauf gesehen hat, läuft bzw. lief fast immer nach dem gleichen Muster: Ein sehr kleines Team mit einem geringen Budget stellt innerhalb einiger Monate einen Onlineservice auf die Beine, der sich - theoretisch - in ähnlicher oder abgewandelter Form schnell nachbauen lasst. Bei Facebook arbeiten mehrere hundert Angestellte, ein nicht unerheblicher Teil davon Coder. Für das Netzwerk ist es kein Problem, den Markt zu beobachten und innerhalb weniger Wochen (vielleicht sogar nur Tagen) neue Features umzusetzen. Ein kapital- und/oder ressourcenarmes Startup kann mit diesem schnellen Innovationszyklus ganz einfach nicht mithalten.

Was könnte also geschehen: Jungunternehmer, Business Angels und Kapitalgeber könnten (oder sollten) sich verstärkt auf Angebote konzentrieren, die nicht so leicht von den führenden Social-Web-Diensten nachgeahmt werden könnten. Es gilt zu vermeiden, Ressourcen in ein Web-Produkt zu stecken, das letztlich nichts weiter als ein "Feature" darstellt und sich mitunter innerhalb eines sozialen Netzwerkes besser machen würde als im Rahmen eines eigenständigen Angebotes. Natürlich kann man auch damit noch immer erfolgreich sein und irgendwann in den offenen Armen von Google, Microsoft, Yahoo oder eines anderen Web-/Medienhauses landen. Die Gefahr aber, dass die eigene Idee von einem Social Network aufgegriffen und imitiert wird, ist größer denn je.

Kommentare

  • Jochen Hoff

    28.06.08 (22:50:39)

    Du hast grundsätzlich Recht. Aber als jemand der kein soziales Netzwerk wirklich benutzt stellt sich mir immer mehr die Frage, ob nicht irgendwann aus den vielen Features der Bug wird. Es ist wunderbar was Facebook alles kann, aber letztendlich frisst Facebook immer mehr Zeit. In einigen Firmen wird ernsthaft überlegt alle diese Superdienste zu sperren. Ich merke gerade wieviel Zeit ich gewinne weil mein TwitterClient auf KDE 4.1 Beta zur Zeit nicht läuft. Ich werde nicht abgelenkt. Vielleicht wäre ein Netzwerk das nur die Kommunikation stützt das Startup schlechthin.

  • Dr. Azrael Tod

    28.06.08 (23:15:00)

    Entweder es wird alles wirklich immer mehr von großen Netzen dominiert oder das komplette Gegenteil tritt ein. Imho ist es nichtmal so unwahrscheinlich dass sich mit kleinen, untereinander vernetzten Platformen (Blogs auf der einen Seite, Dinge wie Twitter mit API und jeder Menge Mini-Apps von Drittanbietern auf der anderen) eine Art universelles Soziales Netz ausbildet, das quasi das gesammte Internet umfasst. Dies würde auch der Idee entsprechen dass "walled gardens" am Anfang einer derartigen Entwicklung ganz nett sind (wie früher z.B. AOL) später aber von offenen Systemen abgelöst werden.

  • biernot

    28.06.08 (23:29:44)

    Du hast meinen Blog gelesen. Gibts doch zu ;) http://biernot.wordpress.com/2008/06/15/twitter-the-next-hype/ Aber ich finde deinen Artikel klasse. Und in der Tat sehe ich das Dilemma für manche Start-Ups ähnlich wie du. Bevor man also seine Idee umsetzt, sollte man sich gut überlegen, ob man durch Big Player leicht zu ersetzen wäre. Sehr gute Beispiele, neben Twitter, sind z.B. Slide und Imageloop. Andererseits sind ja z.B. Yahoo! daran interessiert alles zu dominieren. Wie man z.B. bei Yahoo! Buzz gesehen hat.

  • biernot

    28.06.08 (23:34:48)

    "eine Art universelles Soziales Netz ausbildet, das quasi das gesammte Internet umfasst." Es geht einfach nur darum, dass die Big Player, vorallem Social Networks, mit ihrer Marktmacht andere Services/Widgets/Projekte/Websites überflüssig machen können.

  • Andreas Göldi

    29.06.08 (00:12:43)

    Was bei diesem Thema auch noch interessant ist: Ausgerechnet Google hat ja eigentlich mal (zumindest vom Geschäftsmodell her) als Feature, nämlich als reine Suchfunktion für andere Websites, angefangen und wurde erst später wirklich zum eigenständigen Vollwertdienst. Es ist eben schwer vorherzusagen, wie sich diese Dinge entwickeln. Aber für Firmengründer gilt immer noch der alte VC-Spruch: Be a company, not a feature.

  • Jens

    29.06.08 (01:05:23)

    Ein toller Beitrag! So siehts aus. Aber dessen war sich doch jeder bewusst denke ich :-). Ich würde es für sehr gut befinden wenn in so manche Idee, die natürlich nicht schlecht ist (aber eben nur ein Zusatz für bestehende Communitys ist), nicht hunderttausende bis millionen Euros von BA und VC investiert werden würden. Die Geldgeber sollten sich besser aussuchen in was sie investieren. Viele Grüße Jens

  • Markus Spath

    29.06.08 (03:39:46)

    Ein passendes (widersprechendes) Zitat von Buchheit dazu: building a product that is perfect for everyone is impossible. your two choices are: build a product that is tolerable for everyone; build a product that is perfect for a subset and then let others come around Niemand kann alles für alle sein. Eine Frage ist sicherlich auch, inwieweit es im Interesse von Facebook et al. wäre, so viel wie möglich selbst zu machen, wenn sie sich damit das Ökosystem kaputt machen, von dem sie selbst am meisten profitieren. Dass sie einige für sich offensichtlich unmittelbar Wert erzeugende Features einbauen und das es dabei Leichen gibt, ist klar, aber wer schreibt noch Facebook Apps, wenn sich herumspricht, dass sie die guten Ideen dann klauen? Ich glaube die US SNs sind da smart genug, dem StudiVZ kann man das wohl zutrauen. Bzgl. FriendFeed kann man sicher auch anmerken, dass FF selbst eine Weiterentwicklung des Mini-Feeds ist.

  • ben_

    29.06.08 (08:59:24)

    Dann erklär' mir doch bitte, warum Twitter nicht schon lange als Facebook Klon erfolgreicher ist.

  • Claudia Sommer

    29.06.08 (10:07:20)

    Sehr schöner Artikel und dem ist nichts hinzu zufügen. Der Kuchen ist verteilt: iGoogle, Facebook, MySpace und vielleicht noch einweiterer Player wie Yahoo o.ä. Oben genannte werden unser Hub für das Internet werden.

  • Frank

    29.06.08 (10:21:06)

    Endlich mal wieder ein Martin-Beitrag ;-) ... nur deshalb hab ich den Feed abonniert

  • Martin Weigert

    29.06.08 (10:58:41)

    Haha Frank ;) Ich war die letzte Zeit gedanklich mit der EM beschäftigt, hatte daher weniger Muße zum Reflektieren über das, was im Web passiert. Aber morgen ist's ja vorbei. ;) @ Claudia Interessant in diesem Zusammenhang, dass MySpace ja jetzt auch noch viel mehr sein möchte als nur ein SN mit Musik-Fokus. Im kress-Interview meinte MySpace-Mitbegründer Tom Anderson, dass man nun zur Startseite im Browser werden will, "vergleichbar mit Netvibes oder Pageflakes". @ Markus Stimmt, letztlich hat sich FriendFeed an Facebooks Idee bedient, und nun bedient sich Facebook bei FriendFeed. Irgendwie lustig. @ Dr. Azrael Tod Wenn man sieht, wie unzuverlässig Twitter ist, kann ich mir nur schwer vorstellen, dass derartige Anbieter ein durch APIs verknüpftes, universelles Netz aufbauen können, auf das man vertrauen kann. @ Jochen Du schreibst, du nun kein soziales Netzwerk so richtig, aber dennoch frisst Facebook deine Zeit? Letztlich kann man Facebook (oder andere SNs) schon sehr effektiv zur Kommunikation nutzen. Wer dann natürlich bei irgnedwelchen Game-Apps hängenbleibt oder sich die Partybilder seiner Freunde angeguckt, ist selbst schuld, dass es länger dauert :D

  • Bernd

    29.06.08 (11:18:13)

    Ich höre immer nur "Facebook"... Fakt ist doch, dass die meisten deutschen User bei StudiVZ abhängen weil a) alle Freunde dort sind und b) Facebook einfach zu kompliziert ist und zuviele Funktionen hat. Klar kann Facebook täglich neue Features adden, aber wo soll das dann enden? Mit jeder neuen App verwässert sich das Netzwerk selber. Und mal ehrlich: Was bringen abgespeckte Funktionen die von Startups zusammengeklaut wurden? Wenn schon dan richtig! Mit den engen Freunden kommuniziert man über ICQ und mit den weniger engen eben über Netzwerke :) Ich habe einige "echte" Freunde bei StudiVZ, allerdings bekomm ich da von kaum jemanden eine interne Mail. Wenn dann ist es meist nur Werbung in eigener Sache oder jemand brauch Hilfe beim Umzug usw. *g Bisher waren die großen SNs einfach nur lahm was neue Features anging. Aktiv mit dem Adden von Features sind eigentlich nur die Lokalisten. MySpace ist immer noch die alte Krücke von damals, Facebook investiert nun Zeit in ein schlankeres Design und StudiVZ ist nach wie vor ein statisches Ding. Ich log mich bei den meisten Diensten schon gar nicht mehr oder selten ein, weil ich dort nichts verpasse! Das liegt aber eher daran das die SN-Betreiber die direkte Kommunikation nicht sonderlich fördern (außer "gruscheln"). Auf langwierige Ping-Pong-Mails hab ich keine Lust und die "Messenger" von Facebook sowie Lokalisten kann man ja komplett vergessen. Es gibt jedenfalls noch viel zu tun... und wer sich auf seinen Lorbeeren ausruht, wird eben von einem Startup überholt und muss es dann teuer erwerben...

  • Martin Weigert

    29.06.08 (11:44:06)

    Na wir denken hier bei netzwertig auch gerne mal global. studiVZ ist statisch und bringt nur selten Neues, keine Frage. Aber andere (und Facebook ist da eben Vorreiter) sind anders. Und wieso sollte sich das Netzwerk (aka Facebook) mit jeder App verwässern? Hast du das irgendwo gelesen oder bist du selbst ein so aktiver Facebook-User, dass du das wirklich aus eigener Erfahrung beurteilen kannst? Das würde sich dann zumindest von meiner Erfahrung stark unterscheiden.

  • Thomas aka Jason

    29.06.08 (12:37:37)

    Gratuliere, Martin! Dieser Artikel und die damit verbundene Kernthese wird bestimmt noch für viel Aufmerksamkeit und Diskussionen sorgen! Dennoch glaube ich, dass es auch im Web 2.xyz oder Web 3.0 noch Raum für innovative Gründer/Gründungen geben wird. Billyboy hat ja gestern zu seinem Abschied so schön gesagt: Ich habe die Themen Internet-Suche und Onlinewerbung verschlafen. Google dankt. Und irgendwann werden Larry und Sergey auch etwas verpennen. Und die Jungs von Facebook auch.Zudem gelten ja nach wie vor die Grundsätze: KISS (Keep it simple and stupid) - oder warum ist Twitter so erfolgreich? "It´s the Usability, Stupid" - oder warum ist das iPhone / Apple so erfolgreich, obwohl es ja Nokia etc. bestimmt viel MEHR Ressourcen bei der Handyentwicklung gibt als bei den Jobs-Jungs... Dennoch: ich denke, Deine interessanten Beobachtungen beschreiben einen Trend, der viele Gründer zum Nachdenken anregen wird! Und auch ;-)

  • Bernd

    29.06.08 (12:54:41)

    Global... hm... ich will mich aber nur regional vernetzen und nicht alle möglichen Freunde auf der Welt in einem Netzwerk haben müssen. Aktuell interessiert mich nur was in meinem Freundeskreis und meiner Stadt abgeht. Da stören doch Newsfeeds von auswärtigen Leuten nur... Mit denen kann ich auch normal Kontakt via eMail halten. Zu Facebook und Apps: Ich wurde auch irgendwann eingeladen und fand die Features anfangs toll, merkte aber gleich das alles ziemlich unübersichtlich ist und daher eher für meine "normalen" Freunde keinen Anreiz zum Anmelden darstellt. Irgendwie wurde dort automatisch alles auf die Minifeeds und Apps beschränkt (von den Usern!), Profile nur halbherzig ausgefüllt und von den Fotos/Fotoalben ganz zu schweigen... Nach 2 Wochen intensiver Nutzung war das Fazit: Unübersichtlich, sinnlose Apps, zuwenig Freunde da und einfach nur Zeitverschwendung. Dann ging es wieder "zurück" zu StudiVZ + Lokalisten. Es reicht einfach nicht aus ein in den Staaten laufendes SN auf deutsch zu übersetzen und es auf die Leute loszulassen. Es ist was anderes wenn dies aber ein deutsches Clone-Startup macht und auf die Bedürfnisse der deutschen User zuschneidet (StudiVZ). Die Apps mit Funktionseinschränkungen schreien geradezu danach den engen Kontakten echte Alternativen zu empfehlen. Der miese Lokalisten- sowie Facebook-Chat hat bei mir schon mehrmals dazu geführt, dass sich Kontakte dann einen ICQ-Account zugelegt haben um einfacher mit mir kommunizieren zu können. Der Großteil der FB-Apps ist sinnlos und dient nur dem Zeitvertreib. Zudem schon x-fach in ähnlicher Form bei FB als App vorhanden. Der User verliert irgendwann das Interesse daran... Warum sollte ein Startup auch noch was für FB entwickeln wenn a) es gleich wieder Copycats gibt b) sie nichts daran verdienen c) die Möglichkeiten eingeschränt sind und d) FB ev. selber eine ähnliche App kurzfristig "fest" einbaut? Ich kann Dich ja verstehen das Du Pro-FB bist und es als das Zukuntsding ansiehst, aber für mich ist das nur noch ein Chaoshaufen der in Deutschland bei den normalen Surfern einfach nicht ankommt. Ich kenne die aktuellen Userzahlen nicht, aber glaub es sind derzeit 500.000 - davon haben schon wieder 1/3 das Weite gesucht...

  • Martin Weigert

    29.06.08 (13:04:44)

    Bernd, du hast völlig Recht, wenn du das aus einer rein deutschen Perspektive siehst - denn ohne seine Freunde macht ganz einfach kein Social Network Spaß, egal wie funktionell und innovativ es ist. Ich garantiere dir aber: Sobald du eine nennenswerte Zahl aktiver (!) Kontakte bei Facebook hast, wirst du es mit anderen Augen sehen. @ Thomas Danke. Ich habe ja absichtlich den mittlerweile abgewetzten Web-2.0-Begriff verwendet. Denn für Startups in anderen Bereichen (z.B. E-Commerce, Semantic Search, Musik/Video on Demand, Mobiles Web) ist sicher noch sehr viel zu holen. Allein für Neugründungen, die ausschließlich auf den "sozialen Aspekt" setzen, sehe ich wenig Zukunft. Und Twitter ist ja so ein ganz heißes Eisen - in unseren (Early Adopter)-Augen erfolgreich, aber absolut (auf die Gesamtzahl der Internetnutzer bezogen) völlig unbedeutend. Denke ich.

  • sascha

    29.06.08 (13:29:43)

    Das gällende: "Wozu soll das gut sein, das gibt´s doch schon / macht XY doch so ähnlich" ist älter als Facebook. Die Angst davor kopiert zu werden sowieso. Letzteres geht bekanntlich als Kompliment durch, beides ist kein Grund Diversität zu Opfern. Mein Fazit: Weiter machen, kritischer vielleicht, aber weiter machen.

  • Peter Grosskopf

    29.06.08 (13:38:36)

    Hier fallen immer wieder die Namen Facebook und Google. Ich sehe zwischen beiden Firmen einen riesengroßen strategischen Unterschied: Facebook packt alle Features in eine Plattform rein. Selbst ich als Web-affiner Mensch habe da schon Probleme bei der Bedienung. Sollte Facebook noch mehr Features implementieren dann käme es irgendwann zum usability-technischen Supergau. Google geht anders vor: Google baut einzelne "Features" wie Maps, Groups, Mail, usw und bietet diese zum Remixen an. In meinen Augen liegt da auch die Zukunft: Wir werden eine dezentrale Struktur von Social-Applications haben, die alle ein bestimmtes "Feature" wie Veranstaltungsteilnahme, usw implementieren. Wenn nun alle Anwendungen über Schnittstellen verfügen, kann man aus den einzelnen Plattformen neue Dienste kreieren. Dann können sich die einzelnen Plattformanbieter auch auf ihre Kern-USP konzentrieren und nicht Dinge implementieren, die es schon 1000 Mal im Netz gibt ... Die einzelnen Plattformen würden davon profitieren, dass andere Know-How in einem bestimmten Gebiet aufbauen und dieses Know-How teilen. Man nehme z.B. PayPal: Nicht jeder will sein eigenes Paymentsystem bauen, mal davon abgesehen, ob er das notwendige Wissen dafür hat. Mit Paypal gibt es nun eine Plattform, die Dienste für Geldtransfer anbietet und damit Geld verdient...

  • Jochen Hoff

    29.06.08 (14:58:56)

    @ Peter Grosskopf Ich sehe es genau so. Ich würde nur gerne noch einen Schritt weitergehen. Wenn Dienste wie OpenID es jemandem ermöglichen nicht nur in allen Diensten automatisch mit seiner Netzpersönlichkeit zu sein, stellt sich die Frage ob hocheistungsfähige Einzeldienste nicht besser sind als die Mischerei. Sobald meine "Netzfreunde" erkennen können wo ich neben dem Dienst in dem wir uns getroffen haben noch bin, bilden sich soziale Netzwerke ganz anderer Art.

  • Daniel Niklaus

    29.06.08 (16:25:36)

    Wie sich die Reifephase anfühlt, kann man bei etracker nachfragen... Unterm Strich sehen Web 2.0 Anwendungen die Reifephase am Horizont. Da steigen die Einstiegshürden und ein paar Mann-Monate Entwicklungszeit reichen nicht mehr aus.

  • Holger Benzer

    29.06.08 (16:44:01)

    Ich finde die Auswertung sehr treffend. Wir arbeiten selbst seit Monaten an einem neuen Affiliate System. Leider sind die großen Anbieter wie Zanox (Vollgestopft mit Geld) einfach schneller in der Entwicklung. Ich erlebe, dass viele deutsche Web 2.0 Seiten die Zukunft verschlafen. Beispielsweise MyVideo.de hat vollkommen den Markt verschlafen. Sie sind immer noch eine billige Abspielplattform für WebClips. Nur wenieg Unternehmen haben erkannt, dass Social Media Network die Zukunft ist. Facebook, MySpace, YouTube etc. gehen alle in die Richtung. Für mich ist das einfach erstaunlich, dass viele Web 2.0 Firmen in Deutschland (bis auf Xing, sevenload) kaum einer noch eine Chance im Internationalen Markt hat.

  • Joerg

    30.06.08 (11:30:40)

    Auch wenn der eine oder andere ebenfalls auf diesen Artikel stoßen wird, poste ich ihn für alle anderen trotzdem. Der Autor geht hier davon aus, dass Services die einem ganz spezifischen Zweck dienen (wie das streitbare, weil nur in der Tech-Szene verbreitete, Twitter) auch in Zukunft gute Chancen haben. Vorausgesetzt sie bieten eben eine Klarheit und Präzision, die in einer Flut von Funktionen, wie es sie etwa bei Facebook gibt, nicht mehr erkennbar ist. Ich geh mal davon aus, dass der Flow noch nicht draussen ist, dafür sind viele Services noch zu sehr ausbaufähig, insbesondere im Hinblick auf Usability. Hier der Artikel: http://mashable.com/2008/06/29/less-is-more-unlock-the-web/ Grüße J

  • Oliver

    30.06.08 (19:51:09)

    Schöner Artikel, gut geschrieben und prinzipiell eine interessante These. Aber... Zuviele Requests, zu wenig Zeit Ich schreibe kurz etwas aus der Sicht von mixxt (dem Social Network Baukasten). Klar, wir sind nicht im Geringsten vergleichbar mit Facebook, aber trotzdem gibt es hier ein "learning". Wir (und wir sind unbestreitbar viel kleiner als Facebook) bekommen ja schon täglich unglaublich spezifische Feature requests. Bei Facebook wird es noch x Potenzen mehr sein. Es ist unmöglich dem allem nachzukommen. Die einzige Lösung ist eben, andere ihr Glück versuchen zu lassen und die Plattform teilweise zu öffnen. Auch ein Facebook wird dem nicht nachkommen können. Wale sind langsam, Piranhas schnell Im Web sind einige Dinge sehr ähnlich wie in der realen Welt. Ich zitiere kurz Eran Davidson von Hasso Plattner Venture dazu: "Big companies will always be slow. Small companies are agile, fast, dynamic and can win if they have the killer instinct". Damit hat der Herr vollkommen Recht. Nicht ganz passendes Beispiel dazu: Trotz der Deutschen Telekom gibt es immernoch hunderte andere kleine und mittelgroße und große Telkos in Deutschland. Ok, man darf mittlerweile mit T-Mobile auch e+ anrufen und vice versa (was ja zwischen Facebook und MySpace nicht geht), aber dennoch ist da Platz. Und manche wollen eben nicht den großen Wust, sondern etwas für sich. Neutraler Boden für Collaboration Ein anderes Beispiel: Für viele ist Facebook nicht der Service der Wahl. Und somit bieten sich unabhängige Dienste wesentlich leichter für collaboration an, vor allem wenn sie eine heterogene Nutzerschaft haben, die eben bereits bei verschiedenen Diensten (oder keinen Aktiv). Motto: Neutraler Boden. Markus Spaths Argument: Oberflächlichkeit Noch etwas zu Facebook als eierlegende ... Facebook droht das Windows unter den Webdiensten zu werden. Es kann alles irgendwie, aber nicht vernünftig. Warum wechseln soviele Leute zum Mac/Linux oder zu spezialisieren Diensten für bestimmte Aufgaben? Weil viele nicht dieses Chaos und diese Oberflächlichkeit wollen. Innovation ist Produkt + business model Das Problem ist eher die Innovation der neuen Dienste. Zuviele Gründer machen nicht ihre Hausaufgaben und starten ein kaum unterscheidbares "neues" Produkt. Deswegen sind heute "sustainable USPs" wichtig. Na klar, kein USP ist wirklich sustainable, aber es gibt eben USPs, die es schwerer machen. Beispiel: die zahlreichen iPod Kopien, die ich selbst schon in China gesehen habe. (Viele deren Besitzer denken sogar, dass ihre Kopie das Original ist und hielten meinen Ipod für eine Kopie.) Die Hälfte des Produktes iPod ist das business model, und das heißt iTunes. Kopiere das mal! Beispiel mixxt Wir dachten, dass wir mit einer recht komplizierten Technologie (Der Baukasten Teil im Social Network Baukasten) etwas länger alleine bleiben. Pustekuchen, es gibt ca. 8 Wettbewerber in Deuschland alleine. Aber bei uns ist die Innovation eher im Backend, die Anpassbarkeit / Anbindung an andere Resourcen. Damit gewinnen wir viele Whitelabel Kunden, die das nicht bei anderen bekommen. Und dadurch sind wir zwar nicht riesig, aber wir machen Geld. Und damit kann man wieder mehr machen ;) Markteintrittsbarrieren Ein weiteres Beispiel für einen etwas sicheren Markt ist Online-Karaoke. Aufgrund des rechtlichen Kolosses bzgl. Verwertungsrechte gab es nur einen Wettbewerber für die netten Mikestar Jungs. Durchlauferhitzer Facebook kann nicht jede halbwegs spannende Funktion kopieren. Aber eines haben sie im Gegensatz zu fast allen anderen Social Networks verstanden: Social Networks sind nicht mehr als ein Durchlauferhitzer. Sie haben Traffic und irgendwann vielleicht auch Bindung. Das war es aber. Der Knackpunkt liegt jetzt daran, diesen Traffic an die richtigen Stellen zu routen, um daraus Geld zu machen. Drei Beispiele für sehr gute Startups, die nicht einfach so von Facebook nachgebaut werden könnten: FFFound.com, genau wie es ist. (Del.icio.us für Bilder) Du scrollst mit der Tastatur durch ("j" drücken) und die Zeit vergessen. Business modell: keine Ahnung, aber es ist wirklich verdammt schön. Für Grafiker / Künstler / Designer fast ein Muss für Kreativität. Qik.com ist radikal was die Umwälzung von Medienhierarchien angeht. Es ermöglicht eine Menge neuer Kommunikationskanäle und wird eine Menge bewegen. (Mobile Streaming) Viewdle.com ist noch ein beeindruckendes Beispiel. Auf der Plugg gab es mehr davon zu sehen, und alle waren so beeindruckt, dass die Viewdle Jungs und Mädels gewonnen haben. Es erkennt Gesichter in Videos, Inhalte aus Ton & Einblendungen und kann somit als Suche für Videos genutzt werden. Es kann aber auch Beziehungen zwischen Inhalten herstellen. Beispiele: Bush über Gesundheitsreform, oder Wer reder noch über die Gesundheitsreform? oder Wer redet über Bushs Gesundheitsreform? oder Wer aus dem Lager der Demokraten hat was über Bushs Gesundheitsreform gesagt? Absolut bahnbrechende und definitiv ein Killer. Weiter so mit dem Blog, ich bin schwer beeindruckt. Ihr (und Marcel) sind meine Hauptmotivatoren, meinen guten alten WebWorkBlogger wieder zu starten. Hut ab für Euch!

  • Martin Weigert

    30.06.08 (22:22:01)

    Schöner Kommentar, Oliver! Nur bei einer Sache würde ich grundsätzlich widersprechen: "Es [Facebook] kann alles irgendwie, aber nicht vernünftig" Würd ich nicht zustimmen. Kommt immer auf die Perspektive an. Für nen Fotofreak reicht Facebooks Fotofeature nicht aus, für mich schon. Für ne Gruppe von 100 Menschen wird die Threaddarstellung von Mails mehrerer Leute unübersichtlich, aber für die Kommunikation mit meinen in der Welt verstreuten engsten Freunden ist es optimal usw usw. Es gibt viel, was Facebook (noch) nicht so gut kann, aber auch viel, wofür es ideal ist.

  • Oliver

    30.06.08 (22:36:14)

    Klar. Ich nutze es ja auch. Mein Punkt ist eher: Für Nischen wird es immer etwas besseres geben und die werden auch immer woanders sein... :)

  • Nicole

    01.07.08 (11:29:43)

    Mir stellt sich bei vielen Web 2.0 Startups ganz einfach die Frage nach dem Geschäftsmodell: Ein Service, finanziert durch Werbeeinblendungen?! Also bitte... Die Zeiten des Wartens auf "the big day", sprich der Exit durch Übernahme / Verkauf an eine Mediengesellschaft für solche Gründungen so gut wie vorbei! Start-Ups, werdet erwachsen und überzeugt durch ein solides, innovatives Geschäftsmodell, durchdachte Finanzierung und Ausbaufähigkeit! Ein Service allein ist - wie Martin schon ausführt - schnell getickt. Hier braucht's ganz einfach mehr!

  • Daniel Thomaser

    01.07.08 (17:05:26)

    So, endlich mal Zeit auch etwas meinen Senf dazu zu geben. @Oliver: Kann man eigentlich so unterschreiben. Vor allem: "Aber eines haben sie im Gegensatz zu fast allen anderen Social Networks verstanden: Social Networks sind nicht mehr als ein Durchlauferhitzer. Sie haben Traffic und irgendwann vielleicht auch Bindung. Das war es aber. Der Knackpunkt liegt jetzt daran, diesen Traffic an die richtigen Stellen zu routen, um daraus Geld zu machen." Wenn man mal die Leidenschaft und die Begeisterung für die Idee hinter der eigenen Website beiseite legt, so ist das doch des Pudels Kern. Und hier muss ich Martin widersprechen. "Klassische" Web2.0 Start-Ups erreichen meiner Meinung nach gerade die Marktreife in Deutschland. Wir Web2.0-Huren gähnen natürlich nur noch, sobald der Begriff "Social Network" fällt. Aber für die breite Masse (und leider auch immer noch die Werbewirtschaft) ist es eben immer noch was Neues. Und ich bin mir sicher, dass die Monetarisierung im Online-Bereich deutlich besser wird, sobald die Vermarktung in dem Bereich mal aus den Kinderschuhen raus ist. Aber gut, wenn man selber noch in der Beta-Phase ist, sollte man den Mund nicht zu voll nehmen, daher lass ich mich zu dem Thema jetzt mal nicht weiter aus ;o)

  • soenke

    02.07.08 (11:37:19)

    Ein Aspekt, der bisher gar nicht erwähnt wurde: Myspace und Facebook sprechen in Ihrer gesamten Ausrichtung die junge Zielgruppe an -- ich ziehe bewusst keine Altersgrenze, aber Silver Surfer werden auf diesen SN kaum vertreten sein. Und was immer falsch dargestellt wird: es sind mehr als 90% der Leute unter 30 Jahren im Netz zu finden, aber bei der demografischen Entwicklung der westlichen Welt sind das in absoluten Zahlen einfach weniger User als 80% der 30 bis 39-Jährigen und 70% der 40 bis 49-Jährigen. Und während bei den Jungen das Potential nahezu ausgeschöpft ist, können bei den Onlinern im fortgeschrittenem Alter noch eine Menge neue Surfer dazu kommen. Das Netz ist gar nicht so jung, wie die Leute denken! Konsequenz: Startups, die gute Ideen für die Generation 35+ haben, brauchen die großen SN nicht zu fürchten. Was denkt Ihr?

  • Jochen Hoff

    02.07.08 (12:26:49)

    @SOENKE Jetzt weiß ich wenigstens warum die Facebook und Co. mich nicht anturnen. Es ist mein Alter. Du könntest recht haben.

  • Alexander Müller

    28.07.08 (11:30:25)

    Die USA können mit Facebook und Myspace ihre Dominanz im Web weiter ausbauen, dass ist richtig. Doch wer profitiert eigentlich im Besonderen davon? Der CIA? Macht es wirklich Sinn hier ein Oligopolmarkt zu züchten?

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