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07.10.10Leser-Kommentare

Innovationsoffensive: Wem Facebooks Neuerungen Kopfschmerzen bereiten

Mit dem Start von geschlossenen Gruppen sowie der Möglichkeit zum Download aller persönlichen Daten besetzt Facebook diverse neue Bereiche der Internetwelt - mit entsprechenden Konsequenzen für die dort aktiven Dienste.

(Vorweg: Falls euer Bedarf an Facebook-Artikeln für diese Woche gedeckt ist, dann bitte jetzt mit dem Lesen aufhören. Leider lässt uns das umtriebige soziale Netzwerk keine Verschnaufpause, was weitreichende Produktneuigkeiten betrifft.)

Ich weiß nicht, ob es abseits der Webbranche noch einen anderen Sektor gibt, in dem sich die Vorzeichen und Rahmenbedingungen für Unternehmen derartig rapide wandeln können. Heute noch gilt Dienst XY als Innovator und Hoffnungsträger, morgen schon kann er von einem anderen Service in seiner führenden Rolle abgelöst werden.

Neben Google und Twitter ist es immer häufiger Facebook, das die Rolle des Zerstörers von Visionen und Träumen aufstrebender Onlineservices einnimmt (einmal ganz davon abgesehen, dass es mit Akquisitionen diesen gleichzeitig neue Nahrung gibt):

Die am Mittwochabend vorgestellten Neuerungen unterstreichen dies eindrucksvoll. Mit dem auch in den Status-Updater integrierten Gruppen-Feature, das die geschlossene sowie versteckte Kommunikation mit einem spezifischen Nutzerkreis erlaubt, sowie dem nicht minder richtungsweisenden Schritt, Anwendern den Download sämtlicher ihrer bei Facebook gespeicherten Daten als .zip-Datei zu gestatten (eine dritte Neuheit ist ein überarbeitetes App-Dashboard), macht sich das in seiner Innovationskraft nicht müde werdende Social Network auf mindestens fünf neuen Schaffensfeldern breit - und wird von den dort bisher aktiven Diensten vermutlich argwöhnisch beobachtet:

Tools zum Verwalten von Gruppen

Facebooks neue Gruppen können unsichtbar, privat oder öffentlich betrieben werden. Befindliche Mitglieder einer Gruppe haben bei einer entsprechenden Genehmigung des Administrators die Möglichkeit, ihrerseits Kontakte in die Gruppe einzuladen. Während das Gruppenfeature durch die Betonung des Pages-Produkts in letzter Zeit in Vergessenheit geriet, verleiht Facebook der Funktion mit der Überarbeitung neue Bedeutung - und wildert damit verstärkt auf dem Gebiet von Angeboten wie Yahoo! Groups, Google Groups, Meetup oder Groops.

Social Networks für Unternehmen

Erst vor wenigen Tagen präsentierte das bisherige "Twitter für Unternehmen" Yammer seine neue Plattform, mit der es seinen Fokus erweitert und sich nun eher in die Rolle eines "Facebook für Unternehmen" begibt (es sieht auch so aus). Doch im Web folgt auf Begeisterung schnell die Ernüchterung: Denn mit der Option, Gruppen vor Blicken von außen zu schützen und sogar unsichtbar zu machen, empfiehlt sich Facebook auch als interne Kommunikationslösung zumindest für kleine und mittelständische Firmen - vorausgesetzt natürlich, deren Angestellte sind bei Facebook registriert.

Wir bei Blogwerk haben testweise eine geschlossene Gruppe gestartet und werden ausprobieren, ob diese für unseren internen Kommunikationsbedarf genügt. Da Facebook für Gruppen auch eine API bereitstellt, ist die Integration in externe (Desktop) Apps nur eine Zeitfrage. Neben Yammer sind von dem Facebook-Schritt auch ähnliche Angebote für Unternehmen wie Present.ly und Socialcast betroffen.

Anbieter zum Betrieb eigener Communitys

Bei Diensten wie Ning oder mixxt können Anwender eigene Social Networks starten, beispielsweise für ihren Verein, Studiengang oder Kochkurs. Während der gebotene Funktionsumfang über den von Facebooks Gruppenwerkzeug hinausgeht, könnte manch User dennoch darüber nachdenken, die interne Kommunikation lieber in Form einer geschlossenen Facebook-Gruppe abzuwickeln - speziell dann, wenn eine Mehrheit der involvierten Personen ohnehin aktive Facebook-Anwender sind, und auch deshalb, weil Aktivitäten aus der Gruppe direkt im persönlichen Newsfeed erscheinen, was sich positiv auf die Qualität und Intensität des Austausches auswirken könnte.

Twitter (Listen)

Twitters Listentool gehört auch ein Jahr nach dem Launch nicht zu den populärsten Funktionen des Microbloggingdienstes. Einer ihrer größten Fans ist US-Blogger Robert Scoble. Seine Sympathie für die Listen hindert ihn aber nicht daran, eine Reihe von Schwächen aufzuzählen, die bei Twitter Lists anzutreffen sind: Scoble bezieht sich auf die fehlende Integration der Listen in den persönlichen Twitter-Stream, auf Limitierungen bei der Zahl der Listen und darin maximal einsortierbaren Accounts sowie auf die fehlende Fähigkeit, innerhalb der Liste miteinander zu kommunizieren. In allen Punkten schneidet Facebooks neues Feature besser ab, so Scoble. Was er im Prinzip beschreibt: Facebook Groups sind die besseren Twitter-Listen.

diaspora

Das entscheidende Alleinstellungsmerkmal von diaspora und anderen alternativen Social-Networking-Lösungen ist die Kontrolle der Nutzer über ihre Daten. Mit der Einführung einer Option zum Herunterladen sämtlicher persönlicher Informationen nimmt Facebook diaspora, das sich in seiner initialen Umsetzung ohnehin einiger Kritik ausgesetzt sieht, kräftig Wind aus den Segeln.

Auch wenn Facebook weiterhin ein zentrales Netzwerk ist und bei einem vom Nutzer eingeleiteten Download der persönlichen Informationen im Besitz dieser Daten bleibt, machen Mark Zuckerberg und seine Mannschaft gerade einen großen Schritt auf ihre Kritiker zu und zeigen, dass sie nach den Fehltritten in der Vergangenheit ernsthaftes Interesse daran haben, endlich die Integrität der Anwender zu respektieren. Die Vision des dezentralen Social Networks bleibt zwar erhalten. Doch die bisher treibende Kraft hinter dem Vorhaben diaspora war die zunehmende Unzufriedenheit einer kleinen, aber lautstarken Gruppe an Facebook-Kritikern. Je mehr diese Gruppe verstummt (siehe, via), desto schwieriger wird es für das diaspora-Team, das notwendige Momentum aufrecht zu erhalten. Damit läuft das Projekt Gefahr, ein ähnliches Schicksal zu erleiden wie vergleichbare Initiativen zuvor.

(Foto: stock.xchng)

Kommentare

  • Andy

    07.10.10 (07:36:40)

    Ui toll, "seine" Daten als ZIP-Archiv herunterladen. Mit einer HTML-Navigation. Welche Freiheit! Und dann? Was soll das sein? Was soll man damit anfangen können? Ein Wechsel zu einem anderen Social Network wird damit kaum möglich sein. Dazu müssten die Daten in einem vernünftigen maschinenlesbaren Format vorliegen und nicht für den Menschen zum durchklicken. Sprich als Datensatz. Zudem müssten andere SN ihre Datenbankstruktur genauso aufgebaut haben wie Facebook oder zumindest extrem ähnlich, damit ein Import klappt. Man sieht ja gut an Adressbüchern und div. Formaten, daß selbst hier bei einem derart banalen Bereich im Jahr 2010 noch nix richtig einwandfrei klappt. Was ist mit all den binären Geschichten wie Fotos und Videos? Wie ist die Beziehungsstruktur aufgeschlüsselt? Über den Punkt Datenportabilität würde ich erstmal nicht allzu sehr jubeln. Vielmehr könnte dies sogar Facebooks Marktdominanz noch stärken. Ein "richtiger" Wechsel zu einem anderen SN wird weiterhin kaum möglich sein, allerdings zwingt FB diese dazu, zu überlegen, ob sie nicht ihre Datenstruktur an Facebook anpassen. Na herzlichen Dank auch. Was die getrennten Gruppen angeht - hurra, endlich. Doch das widerspricht dem "Jeder nur eine Identität"-Gewäsch von Zuckerberg. Naja, immerhin.

  • Wolf

    07.10.10 (07:55:54)

    Doch das widerspricht dem “Jeder nur eine Identität”-Gewäsch von Zuckerberg. Inwiefern?

  • ICEPIN

    07.10.10 (07:58:56)

    man könnte sich ja dort auch abmelden...

  • Andreas

    07.10.10 (09:34:53)

    Facebook wird immer mehr zum Web im Web, das alle Dienste auf sich vereinigt. Die einen finden's gut, andere finden's schlecht. Bin jedenfalls auf die weitere Entwicklung gespannt...

  • Felix

    07.10.10 (09:37:18)

    Auch wenn Facebook weiterhin ein zentrales Netzwerk ist und bei einem vom Nutzer eingeleiteten Download der persönlichen Informationen im Besitz dieser Daten bleibt, machen Mark Zuckerberg und seine Mannschaft gerade einen großen Schritt auf ihre Kritiker zu und zeigen, dass sie nach den Fehltritten in der Vergangenheit ernsthaftes Interesse daran haben, endlich die Integrität der Anwender zu respektieren. Diese Zeilen verniedlichen einen ganz wichtigen Aspekt. Nämlich die zentralisierte Speicherung der Daten. Egal in welcher "freien" Form diese dem Anwender zur Verfügung stehen, sie sind immer in der Hand eines anderen der damit versucht, wirtschaftlich zu Arbeiten. Einen Premium Account oder ein anderes Finanzierungsmodell ist mir seitens Facebook (und einigen anderen Cloud-Anbietern bei denen ich Bauchweh bekommen würde) nicht bekannt. Es läuft also hier immer auf das gleiche hinaus, egal wie viel Respekt sie der Integrität der Nutzer gegenüber zeigen. Hinzufügen möchte ich noch, das mit der Möglichkeit, seine Daten alle zu laden, dem weniger technikaffinen suggeriert wird, er sei in voller Kontrolle selbiger. Vielleicht ist das auch eine Art, die Integrität zu forcieren.

  • Martin Weigert

    07.10.10 (10:10:05)

    Ich sehe als Schritt in die richtige Richtung. Nicht mehr und nicht weniger.

  • CarstenK

    07.10.10 (11:38:35)

    Es gibt drei ganz große Vorteile, die Facebook gegenüber allen anderen Gruppenlösungen hat: 1) Kein Administrationsaufwand 2) Keine weitere Anmeldung bei einem der Mehrheit unbekannten Dienst 3) Die Durchdringung aller Altersstufen und aller Schichten und die einzige Möglichkeit, die Kommunikation unabhängig von einer anderen Firma zu machen, wäre das Aufsetzen eines eigenen dedizierten Servers in einem eigenen Gebäude mit gesicherter Kommunikation zu allen Teilnehmern. Diese Lösung bleibt größeren Firmen und kleineren paranoiden Gruppen vorbehalten. Ciao Carsten

  • Daniel Leisegang

    07.10.10 (21:38:39)

    Das entscheidende Alleinstellungsmerkmal von diaspora und anderen alternativen Social-Networking-Lösungen ist die Kontrolle der Nutzer über ihre Daten. Mit der Einführung einer Option zum Herunterladen sämtlicher persönlicher Informationen nimmt Facebook diaspora, das sich in seiner initialen Umsetzung ohnehin einiger Kritik ausgesetzt sieht, kräftig Wind aus den Segeln. Das verstehe ich nicht. Weil ich eine Backup-Möglichkeit besitze, erhalte ich Verfügung über meine Daten? Ist das ironisch gemeint? Diaspora hat tatsächlich nicht das "Backup" zum Ziel, sondern die Freiheit zu bestimmen, wer und zu welchen Bedingungen meine Daten einsehen und benutzen darf. Das aber ist weit mehr als ein Backup. Und doch: Ein Vorteil hat das Ganze mglw. doch. Denn nun können die Daten in Zukunft womöglich besser in andere, sichere Dienste importiert werden.

  • Martin Weigert

    08.10.10 (02:11:14)

    Das verstehe ich nicht. Weil ich eine Backup-Möglichkeit besitze, erhalte ich Verfügung über meine Daten? Ist das ironisch gemeint? Nein. Es geht primär um die gefühlte Souveränität als User, nicht um die tatsächliche Kontrolle. Dass letztere den meisten Usern egal ist, zeigen Facebooks Mitgliederzahlen.

  • Choukri Bijjou

    08.10.10 (06:43:15)

    Auch die Gruppen-Funktion wird nichts dran ändern, dass Facebook ein gefühltes "B-to-C"-Tool ist. Die gefühlte Nähe einer Business-Gruppe zu seiner Privat-Pinnwand, löst auch beim KMU-Nutzer unbehagen aus. Die vielen Skandale über die Datensicherheit, Privatsphäreneinstellung, und Facebook-Viren-Würmer tun ihr übriges. Die neue Gruppenfunktion wird ein super Marketing-Tool. Das heisst ich werde zur Nike-Gruppe eingeladen und komme mir vor wie ein V.I.P. Oder es entstehen geheime Gruppe mit Titeln wie:"Wie kann ich Justin Bieber mit Harry Potter-Zauberau dazu bringen sich in mich zu verlieben".

  • sureshot

    08.10.10 (09:42:20)

    In meinem (deutschen) Account kann ich (noch) keine Daten herunterladen. Gibt es hierzu konkrete Informationen?

  • Jo

    08.10.10 (19:35:37)

    Wer soziale Netzwerke für die Zusammenarbeit im Unternehmen sucht, sollte sich meiner Meinung nach deutlich von Facebook fern halten! Projekt- oder Kundendaten haben in einem Netzwerk wie Facebook, oder auch Twitter nichts zu suchen. Es gibt eine ganze Menge Anbieter von Collaboration Suites, die wesentlich besser für den Arbeitsalltag geeignet sind. Eine super Übersicht findet Ihr hier: http://socialsoftwarematrix.org/rising_vendors

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