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22.03.12

Infrastruktur in der Cloud: Amazon akzeptiert Verantwortung für Pinterest-Verstöße

Amazon hat sich grundsätzlich dazu bereit erklärt, Beschwerden über von Nutzern durchgeführte Urheberrechtsverstöße bei seinem Infrastrukturkunden Pinterest entgegenzunehmen. Ein neuer Konflikt bahnt sich an.

 

Anbieter von Cloud-Plattformen, die bedarfsabhängig skalierbaren Speicherplatz und Rechenleistung bereitstellen, gehören mittlerweile zu den wichtigsten Motoren des Internets. Nur wenige der jungen Startups und etablierten Onlinedienste, über die wir berichten, betreiben noch ihren eigenen, kostenintensiven Serverpark oder mieten lediglich dedizierte Server von Webhostinganbietern, die bei plötzlich erhöhter Zugriffszahl sofort in die Knie gehen.

Stattdessen wird ein Großteil der Prozesse sowie Datenmengen an professionelle Clouddienste wie Amazon Web Services, Rackspace, Google App Engine und ähnliche Anbieter ausgelagert. Internetnutzer selbst merken dies zumeist erst, wenn eine dieser Plattformen ausgefallen ist, woraufhin dann plötzlich viele ihrer Lieblingssites nicht mehr erreichbar sind.

Diese Abhängigkeit der digitalen Welt von einigen wenigen, über riesige Serverfarmen herrschenden Unternehmen bringt also auch Probleme mit sich. Der "Single Point of Failure" bei einem Ausfall ist nur eines davon. Die Speicherung von Anwenderdaten auf Servern in anderen, mit den heimischen Datenschutzgesetzen inkompatiblen Ländern ist ein weiterer Kritikpunkt.

Amazon nimmt Beschwerden über Pinterest-Inhalte entgegen

Der Urheberrechtskonflikt rund um die beliebte Bilder-Bookmarking-Site Pinterest zeigt nun noch eine weniger positive Facette des verbreiteten Einsatzes von externen Cloudplattformen. Denn am Wochenende hat "Bill Of Rights Supporters", eine Lobbyorganisation der Kreativwirtschaft, in einem Blogbeitrag verkündet, dass Amazon zugesagt habe, Beschwerden über Urheberrechtsverstöße bei Pinterest entgegenzunehmen (via).

Pinterest verwendet für die Speicherung der Millionen von Fotos und Bildern, die seine Mitglieder Tag für Tag aus dem Web zusammensuchen, die Serverkapazität von Amazon. Bill Of Rights Supporters hat daraufhin bei Amazon angefragt, an wen die Benachrichtigung über Verstöße gegen das Urheberrecht (wie ihm Rahmen des "Digital Millennium Copyright Act"-Gesetz definiert) bei Pinterest gerichtet werden sollen.

Amazon bevorzuge zwar eine DMCA-Benachrichtigung an Pinterest, heißt es in dem Blogbeitrag, äußerte aber die Bereitschaft, sich ebenfalls um entsprechende Beschwerden zu kümmern. Die Lobbyvereinigung ist nach eigenem Bekunden der Ansicht, dass Amazon als physischer Host der beanstandeten Pinterest-Bilder die Verantwortung für selbige trage.

Die Reaktion von Amazon auf die Anfrage der Bill Of Rights Supporter bedeutet nicht automatisch, dass der Konzern die betreffenden Bilder auch tatsächlich löschen wird. Dennoch klingt die Antwort, als sehe er zumindest ganz generell die Möglichkeit, bei der Lagerung von urheberrechtlich geschütztem Material auf seinen geschätzten 454.400 Servern einschreiten zu müssen, selbst wenn diese über externe Websites geschieht.

Potenzialler Konfliktherd zwischen Startups und Cloudanbietern

Würde sich daraus (freiwillig oder durch gerichtliche Urteile) gängige Praxis entwickeln, dann entstünde ein neuer, heftiger Konfliktherd zwischen Startups und Infrastrukturanbietern. Denn Pinterest ist bei weitem nicht der einzige auf User Generated Content basierende und dabei auf vorhandener Cloudinfrastruktur aufbauende Onlineservice, bei dem von Nutzern Urheberrechtsverstöße begangen werden (auch Dropbox nutzt Amazon). Bisher wehte der Gegenwind für derartige Dienste vor allem aus Richtung der Rechteinhaber. Wenn sich künftig auch die Infrastukturanbieter einmischen, könnte der Betrieb gewisser, durch die Nutzer selbst gestalteter Services ein Spießroutenlauf werden.

Schon bei der Frage, ob Internetunternehmen dafür verantwortlich gemacht werden sollten, wie ihre Kunden (Nutzer) die Plattform verwenden, scheiden sich die Geister. Im aktuellen Fall allerdings geht es nicht einmal um Urheberrechtsverstöße durch Kunden (Nutzer) eines Unternehmens, sondern durch Kunden der Kunden eines Unternehmens. Und spätestens da fängt der Sachverhalt an, richtig kompliziert zu werden.

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