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05.10.16

Digitalisierung bei Banken

Informationsmanagement-Strategien für Banken in Zeiten der Digitalisierung

Der „Retail Banking 2020“-Bericht von PwC weist die Top-Prioritäten der Banken auf dem Weg in die nächste Dekade aus. An vierter Stelle – nach Kundenorientierung, Vertriebsoptimierung und Vereinfachung des Geschäftsmodells – wird der Begriff „Informationsvorsprung“ aufgeführt.


(Bild: Pixabay)

Wichtige Veränderungen für Banken durch die Digitalisierung

Die Erhebung, Nutzung, Analyse und der Schutz von Kunden- und Transaktionsdaten zugunsten eines Wettbewerbsvorteils ist für sich genommen schon ein anspruchsvolles Ziel, doch es wird noch zusätzlich durch die derzeitigen Veränderungen der Finanzlandschaft erschwert. Diese bestehen in den neuen technologischen Möglichkeiten, den sich wandelnden Kundenerwartungen, noch strengeren Regularien und der neuen Konkurrenz in Form von Software-basierten Finanztechnologieunternehmen („Fintechs“).

Um sich in diesem Veränderungsprozess zurechtzufinden und Erwartungen zu erfüllen, benötigen Organisationen grundlegende Informationsmanagement-Strategien und Prozesse, die zugleich leistungsfähig und flexibel sind, um den neuen geschäftlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Die Herausforderung durch Wettbewerb

Es ist nicht zu übersehen, dass neue Marktteilnehmer mit erstaunlicher Geschwindigkeit und Agilität in klassische Industriebereiche drängen. Sie bieten Finanzdienstleistungen auf innovative und vernetzte Weise, bei geringeren Kosten und weniger Einschränkungen.

Google und Amazon haben neue Kreditprodukte lanciert; PayPal, Square und Intuit bieten Geschäfts- und Privatkonten, ACH-Überweisungen (Automated Clearing House) und Händler-Services an. Unter diesen Voraussetzungen, müssen traditionelle Banken dagegenhalten, und dabei könnten ihre Informationssysteme entscheidend sein.

Der Wert von Informationen

Jede etablierte Bank verfügt reichlich über Daten. Die operative Praxis Informationen zu Transaktionen, den Interaktionen mit Kunden, den Kursänderungen, den Risikobewertungen von Portfolio-Investitionen und zu anderen Ereignissen zu sammeln, generiert jede Menge Daten. Die meisten Banken haben ein zuverlässiges, dennoch skalierbares und responsives System implementiert, um die Informationen zu speichern, zu organisieren und darauf zuzugreifen.

Heutzutage sollten Methoden zum Priorisieren eingehender Daten auf Basis der Unternehmensziele und der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften hinzukommen. Die Banken sollten angesichts des hohen Datenvolumens eine Vorstellung davon haben, was sie auswerten möchten, was zu archivieren und was zu löschen ist.

Gut verwaltet können Informationen Muster im Kundenverhalten zeigen, was die Prognose und Vorwegnahme künftiger Bedürfnisse oder gar die Bereitstellung neuer Produkte und Dienstleistungen mit Mehrwert ermöglicht. Falls sie nicht sorgfältig verwaltet werden, kann dies hingegen ein potenzielles Risiko, verpasste Chancen und Herausforderungen im Bereich der Compliance darstellen.

Die richtige Balance finden

Das verstärkte Augenmerk darauf, enorme Datenmengen in intelligente Daten umzuwandeln –verbunden mit der Notwendigkeit öffentliches Vertrauen durch makellose Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und Risikominimierung zu schaffen – erschwert die Festlegung essentieller, dabei strikter und risikoarmer Rahmenbedingungen für eine Informationsstrategie. Im Zentrum dieses potentiellen Konflikts steht die Erfordernis, Daten zur Einsicht zu teilen, und die Forderung, diese zu schützen.

Eine solide, zukunftssichere Informationsverwaltungsstrategie berücksichtigt diese Spannung, indem sie den Zugang und die Analyse des Informationsflusses im Unternehmen ermöglicht, mit eindeutigem Tracking, Rechenschaftspflicht der Anwender, Verständnis für grenzüberschreitende Beschränkungen und der Anonymisierung privater Daten (sofern erforderlich). Diese Strategie sollte Maßnahmen enthalten, mit denen man erkennen kann, welche Informationen am wertvollsten sind und welche am sensibelsten, damit das Unternehmen entsprechende Beschränkungen vornehmen kann. Nutzungsprotokolle sollten kommuniziert und eingehalten werden.

Der vernetzte Kunde

Ein weiterer wichtiger Trend im Banking ist Kundenorientierung: die Kunden – egal ob Verbraucher oder Unternehmen – sollten bei allen Unternehmensaktivitäten an erster Stelle stehen. Im Hinblick auf das Informationsmanagement bedeutet das: Die verschiedensten Berührungspunkte mit dem Kunden, einschließlich Papier, müssen in einem einzigen Profil zusammengefasst werden, das zentral verwaltbar, aktualisierbar und auf Anfrage löschbar ist.

Sobald die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (EU-DSGVO) im Jahr 2018 in Kraft tritt, benötigen Organisationen funktionierende Maßnahmen, um effektiv mit Anfragen zur Löschung persönlicher Daten umgehen zu können, egal von wo aus und in welchem Format. Viele Banken würden sich heutzutage abmühen, einer solchen Anfrage nachzukommen. Der Aufbau dieser Leistungsfähigkeit in der Informationssteuerungsstrategie und -praxis sowie die Prüfung von deren Wirksamkeit kann schon heute eine reaktive Anpassung im Nachgang verhindern.

Risiko und Regulierung

Das regulatorische Umfeld für Banken und andere Finanzdienstleistungen, sei es in Europa oder den USA, ist bereits heute streng und komplex, und wird sich noch weiter in diese Richtung entwickeln.

Die EU-DSGVO wird strengere Regeln einführen, einschließlich einer Verpflichtung, alle Datenschutzverletzungen zu melden. Bei Finanzinstituten, die Geschäfte in den USA machen, wird die Dodd-Frank Wall Street Reform aus dem Jahr 2010 und der Consumer Protection Act die Verhaltensrichtlinien bei Geschäften an der Wall Street verstärken und zu neuen Berichts- und Aufbewahrungsanforderungen führen.

Die Sanktionen für ein Versagen bei der Erfüllung behördlicher Anforderungen waren noch nie so streng, und die Folgen sind nicht nur rein finanzieller Natur. Die potenzielle Rufschädigung eines Unternehmens kann sich existenzgefährdend auswirken, gerade in einer Branche, in der das Vertrauen der Kunden bereits stark beschädigt ist.

Um das Risiko zu reduzieren und die Einhaltung der Vorschriften zu unterstützen, müssen Informationsverwaltungsrichtlinien den Rahmenbedingungen gerecht werden. Dies bedeutet: Die Einführung eines Exzellenzanspruchs im Umgang mit Aufzeichnungen während ihres gesamten Lebenszyklus, von der Erstellung bis hin zu einer vertretbaren Verfügbarkeit, muss absolute Priorität haben. Nur so kann sichergestellt werden, dass bestehende und künftige Rechtsvorschriften erfüllt werden.

Im Hinblick auf das Unternehmensziel der Kundenorientierung schließt das eine strenge und lückenlose Nachweiskette und Auditierungen ein, um ein Maximum an Verantwortlichkeit- und Überschaubarkeit der Information in allen Phasen sicherzustellen. Idealerweise erfordert es einen leistungsfähigen Ansatz im Kundenbeziehungs-Management. Denn dieser bestimmt die Notwendigkeit zum Umgang und zur Löschung von Daten auf Basis von Vorschriften und Kundenanforderungen.

Schlussfolgerung

Die Banken befinden sich in einer Entwicklung, die von Technik, demographischen Wandel und regulatorischer Komplexität bestimmt ist. Die Einführung der richtigen Informationsmanagement-Strategien und -prozesse ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg. Um zu überleben und innovativ zu sein, müssen Banken ihre Datenpraxis zukunftssicher gestalten, effektiv einsetzen und häufig evaluieren.

Obwohl dies die Risikomanager und diejenigen, die überwiegend mit Risikominimierung befasst sind, beschäftigt, können Erwägungen über die Zukunftssicherheit und Best Practices infolge neuer regulatorischer Vorschriften, Banken dabei helfen, ihr Geschäft weiterzuentwickeln. So erhält eine taktische Angelegenheit strategische Bedeutung.

Ein Beitrag von Sue Trombley, Leiterin des Bereichs Thought Leadership bei Iron Mountain und Mitglied der ARMA International, und Dr. Joseph DiVanna, Geschäftsführer von Maris Strategies Ltd und Mitglied des Møller Centre am Churchill College, University of Cambridge.

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