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18.08.08Leser-Kommentare

Infoflut im Web 2.0: Überfliegen statt lesen

ZeitdruckMit der stetig steigenden Zahl von Informationen im Web sind Nutzer immer häufiger gezwungen, Inhalte nur zu überfliegen, statt sie sorgfältig zu lesen. Diese Entwicklung birgt Risiken.

Das Web 2.0 ist in vielen Aspekten eine Bereicherung für Internetnutzer. Ab und an stellt es Menschen aber auch vor große Herausforderungen. Eine davon ist die enorme Informationsmenge, mit der wir uns konfrontiert sehen. (Redaktionelle) Inhalte kommen nicht mehr nur von journalistischen Angeboten, sondern werden auch über Millionen von Blogs, soziale Netzwerke, Microblogging-Dienste und Lifestreaming-Services publiziert.

Während Kritiker des Social Webs gerne anprangern, eine Armee schreibender Amateure würde das Web mit schlechtem Content überfluten, liegt das Problem eigentlich ganz woanders: Wissbegierige User haben pro zu lesendem Artikel immer weniger Zeit zur Verfügung, weshalb sie verstärkt Texte scannen müssen, statt diese sorgfältig zu lesen.

Mit einem ordentlichen Zeit- und Informationsmanagement sowie der Fokussierung auf die von persönlichen Kontakten und Meinungsführern veröffentlichten Inhalte lässt sich zwar die Anzahl täglich verfolgter Quellen auf ein mehr oder weniger gesundes Maß begrenzen, aber das ist noch lange keine Garantie dafür, dass man auch tatsächlich sämtlichen Content in Ruhe verinnerlichen kann.

User, die beruflich oder privat aktiv am Social-Web-Geschehen teilnehmen, stehen meist unter Zeitdruck. Selbst wenn sie die Zahl der verfolgten RSS-Feeds, Twitter- und Friendfeed-Streams sowie Nachrichtenseiten minimieren, bleibt ihnen häufig nichts anderes übrig, als die einzelnen Artikel schnell zu überfliegen, um sie irgendwie abzuarbeiten. Notlösungen wie das "Markieren aller Feeds als gelesen" helfen, um sich temporär vom Druck des Newsflows zu befreien. Langfristig sinnvoll sind sie aber nicht, denn letztlich folgt man diesen Quellen ja, weil sie einen interessieren.

Gerade die Star-Blogger der US-Blogosphäre scheinen Experten darin geworden zu sein, eine enorme, tagesaktuelle Informationsmenge verarbeiten zu können. Ich weiß nicht, ob Michael Arrington oder Robert Scoble die Technik des Schnelllesens beherrschen, aber selbst damit würden sie es nicht schaffen, jedem gelesenen Artikel eine hundertprozentige Aufmerksamkeit zu schenken. Laut Wikipedia können Schnellleser bis zu 1000 Wörter und mehr pro Minuten aufnehmen. Der durchschnittliche, geübte Leser erfässt in diesem Zeitraum dagegen "nur" 200 bis 300 Wörter. Da ist es keine Überraschung, dass wir häufiger überfliegen müssen, je mehr Beiträgen wir lesen wollen.

Warum bezeichne ich die Entwicklung als problematisch? Superhirne ausgenommen, steigt mit dem verstärkten Scannen von Texten das Risiko, dass man wichtige Informationen überliest. Im Endeffekt könnte dies dazu führen, dass Menschen ihre Wissensgebiete zwar erweitern, diese jedoch lückenhafter werden. In vielen Fällen würde dieses nicht vollständige Know-how über Blogs und andere Kanäle weitergegeben werden, wovon die unter Zeitnot stehenden Empfänger wiederrum lediglich einen bestimmten Prozentsatz mitnehmen. Davon abgesehen macht es auch einfach mehr Spaß, wenn man sich in Ruhe einem spannenden Artikel widmen kann, ohne das Gefühl zu haben, innerhalb von 30 Sekunden das Wichtigste erfassen zu müssen.

Bleibt die Frage nach Wegen, um dieser Entwicklung gegenzusteuern. Generell dürfte es sich wohl für jeden Web-2.0-Freund lohnen, seine Lesekapazität und -geschwindigkeit zu erhöhen. Auch ein knallhartes Entfernen von Quellen und Content-Streams, die sich in der Vergangenheit als wenig relevant erwiesen haben, wird helfen, Raum und Zeit für die wirklich wichtigen Inhalte zu schaffen.

Und natürlich reicht es manchmal auch tatsächlich aus, Artikel lediglich zu scannen. Dennoch kann sich in jeder mittelmäßigen Ausführung irgendwo eine wissenwerte Information verstecken, die einem dann mit großer Wahrscheinlichkeit entgeht. Eventuell müssen wir uns im Zeitalter des sozialen und partizipativen Webs aber ganz einfach mit der Situation abfinden und abwarten, ob die Menge täglich veröffentlichter Informationen auch in den nächsten Jahren weiter steigen wird, oder ob die Evolution des Netzes am Ende eine Konzentration auf weniger, dafür hochrelevante Inhalte mit sich bringt.

Überfliegt ihr häufig Texte, die ihr im Web findet? Stört euch dies? Wie stellt ihr sicher, trotz Scannings alles Wichtige mitzubekommen?

(Grafikquelle: Iconfinder)

Kommentare

  • phil

    18.08.08 (08:26:42)

    dass die menge an informationen bis ins unüberschaubare wächst, liegt m.E. nicht nur an der existenz von bloggern und einer höheren zahl von online-medien, sondern vielmehr daran, dass blogger meist keine ausgebildeten journalisten sind und zudem keinen grenzen von druckseiten oder sendeminuten ausgesetzt sind. ergebnis: manche blogger erbrechen all ihre angesammelten informationen über ein thema, statt sich auf das wesentliche zu konzentrieren. ihr blogger habt es also in der hand. better be short and sweet...

  • Martin Weigert

    18.08.08 (08:34:57)

    Da ist sicher etwas Wahres dran!

  • Daniel Niklaus

    18.08.08 (08:39:25)

    Superhirne ausgenommen, steigt mit dem verstärkten Scannen von Texten das Risiko, dass man wichtige Informationen überliest. Gute Schreiber wissen, wie man Texte gliedert, so dass das wichtigste in kürze erfasst wird. Während die Armee schreibender Amateure oft dieses Verständnis fehlt. Und dann überfliegen die Leser den Punkt. Aber das wird kein langfristige Problem bleiben. Auch hier schlägt die natürliche Selektion zu.

  • Marcel Weiss

    18.08.08 (08:50:10)

    Sehe ich bisschen anders als Martin. Replik meinerseits folgt.

  • Ludwig

    18.08.08 (08:51:27)

    Frage: "Wie stellt ihr sicher, trotz Scannings alles Wichtige mitzubekommen?" Das Überfliegen kenne ich, und je mehr interessante Quellen man sich erschließt, umso größer wird die Zahl derer die man auch noch beachten möchte. Ich gehe damit folgendermaßen um: Tatsächlich meist die bestehenden Feeds "scannen", Lifestreams oder ähliches vermeide ich. Die wirklich interessanten Links speichern in thematischen Ordnern in der Lesezeichensymbolleiste. Die Artikel dann bei Gelegenheit thematisch sortiert lesen, Aktualität ist meist zweitrangig - 1 Woche hin oder her ist egal. Im Zweifelsfall ungelesen zu den normalen Lesezeichen stecken, wo sie wenigstens recherierbar bleiben. Und dort häufiger nach bzw. bei der Recherche unbekümmert aufräumen.

  • Martin Weigert

    18.08.08 (08:51:38)

    Ich reibe mir schon die Hände, Marcel ;)

  • shortee

    18.08.08 (09:24:21)

    Äh was jetzt, hab nur überflogen.. scheint irgendein pessimistisches blabla zu sein ;P Was ist daran jetzt anders als bei Print? Wer liest alle gedruckten Medien die ihm in die Finger kommen komplett? Warum sollte ich alles im Netz lesen? Fragen über Fragen die dieser Artikel komplett ausgeblendet hat...

  • David

    18.08.08 (09:27:43)

    Klar überfliegt man Artikel. Aber nicht nur im Internet, sondern auch in der Zeitung, in Lexika, etc. Simpel und einfach gesagt, überall wo verschiedene Informationen auf einem Haufen sind, die entweder für uns relevant oder eben nicht sein können beginnen wir zu scannen. Das ist nichts schlimmes. Wenn man einen wirklich interessanten Artikel hat wird ihn jeder lesen. Auf eine normale Art und Weise. Niemand scannt IMMER. Das wär ja noch schöner...

  • Martin Weigert

    18.08.08 (09:36:28)

    Dass man nicht nur im Internet überfliegt, stimmt zwar. Doch hat man nun statt der Tageszeitung mit max. XY Artikeln in X Ressorts eine im Prinzip unbegrenzte Menge an aktuellem Material. Deshalb bin ich der Ansicht, dass es diesen Zustand vorher so noch nicht gab. Dass das schlimm ist, habe ich nicht behauptet. Es ist jedoch zum Teil schwierig. Was natürlich immer davon abhängt, wie viel man im Netz liest. Wer sich auf SpOn und zwei-drei Blogs konzentriert, wird oben beschriebene Situation vermutlich nicht nachempfinden können.

  • mensch

    18.08.08 (09:43:45)

    War es nicht schon immer so, dass Texte im Internet im ersten Schritt nur überflogen werden? Man überliegt der Text bleibt ggf. bei irgendwelche Sätzen hängen und steigt dort ein. Deshalb immer schön wichtige Sätze highlighten und zu beginnt des Textes eine kurze Zusammenfassung über den Inhalt des Postings schreiben. Gruß ein mensch

  • Mike Schnoor

    18.08.08 (09:46:41)

    Ich bin ein Headlinescanner für meine RSS-Feed-Abos und insbesondere Pressemitteilungs-Abos. Die Artikel selektiere ich dabei konsequent nach "catchigen" Wörtern aus. Sobald etwas dabei ist, lese den ersten Absatz und entscheide dann ob es sich lohnt weiterzulesen. Wenn ich den Artikel lese, ist dann nach 50% Schluss oder es geht bis zum bitteren Ende. :)

  • Markus M. Müller

    18.08.08 (09:49:25)

    Ist diese Informationsflut nicht gerade auch eine Chance für neue Anbieter, welche Relevantes von reiner Unterhaltung unterscheiden können und dies dann in "gehirngerechten" Happen wieder z.Vf. stellen?

  • Thorsten von Plotho-Kettner

    18.08.08 (09:58:32)

    Ich reisse Artikel aus Zeitschriften, um sie in Zeitfenstern zu lesen, also scanne ich vorher und lese dann (bei Bedarf) genauer. Ist menschlich :-)

  • Daniel Thomaser

    18.08.08 (09:59:14)

    Also ich bin inzwischen schätzungsweise mindestens eine Stunde länger auf Arbeit, "nur" um meine tägliche Dosis Feeds, Friendfeed und Twitter zu verarbeiten. Mir ist aufgefallen, dass ich in Blogs Artikel meistens erst querlese, dann die Kommentare und dann ganz (oder gar nicht). Man wird schon schlampiger, das stimmt schon... Muss allerdings sagen, wenn man die Zeit und die Wochenendeausgabe der SZ liest, hat man Informationsflut auch ohne Internet ;o)

  • Claudia Klinger

    18.08.08 (10:00:45)

    Immer dieser Kulturpessimismus! Wer früher in einer öffentlichen Bibliothek stand, war ebenso von einer schier unfassbaren Menge möglicher Quellen und Inhalte konfrontiert und hat es trotzdem gepackt, das Relevante heraus zu filtern. Es ist heute durchaus angesagt, je nach beruflicher Tätigkeit sogar notwendig, größere Wissensgebiete zu überschauen. Dass es ein lückenhafteres Wissen ist, ist kein Problem, solange man weiß, wie man das Wissen bezüglich der wichtigen Punkte BEI BEDARF vertieft und vervollständigt. Geht anders als früher in der Bibliothek, aber geht - und sogar viel besser, da man locker die jeweiligen Experten und Autoren mal eben anmailen kann.

  • David Bowman

    18.08.08 (10:06:43)

    Zu viele Informationen? Qualität der Information? Finde ich alles nicht relevant. Auf meinen RSS-Reader laufen pro Tag ca. 1000 "News" auf. Kann ich die alle lesen? Wohl kaum. Aber genau mit mit der "Überfliegen-Technik" kann ich die Artikel filtern die mich dann im Detail interessieren. Die sende ich mir dann per eMail (benutze Google-Reader) und per Filter ab in die "ToDo-Liste". Das mache ich permanent über den ganzen Tag verteilt. So habe ich meist nur um die 100 Nachrichten auf einmal vor der Nase. Später bei dem normalen "abarbeiten" meiner TD´s merke ich dann sehr schnell ob mich der Artikel noch immer interessiert - erst dann gehe ich an die Detailrecherche zum Thema (jetzt erst zählt die Qualität). Ausnahmen bilden hier nur "zeitkritische" Artikel, die lese ich sofort. Und bei Informationen generell, halte ich es mit dem Satz: "Du musst nichts wissen, du musst nur wissen wo es steht". Und den "Ort" kennen wir ja alle ...

  • Robert Wünsch

    18.08.08 (10:28:55)

    Ich nutze Instapaper, um mir Informationen für spätere Zeitfenster zu merken. Viele der gemerkten Texte lese ich aber erst nach Wochen oder gar nicht, wenn ihre Relevanz inzwischen gesunken ist. Dadurch entsteht für mich eine natürliche Organisation. Was die Textmengen angeht, wird es aber bald noch "schlimmer" kommen, wenn das Wachstum von Textmengen nochmal einen riesen Sprung nach vorn (Englisch) machen sollte. Da birgt die Organisation relevanter Informationen ein enormes Potential. Ansätze wie Freebase Parallax können da helfen, Informationen zu extrahieren.

  • Martin

    18.08.08 (10:33:20)

    1. Ein Text, in dem sich wichtige Information versteckt, ist kein guter Text. 2. Ein Text, bei dem es auf jedes Wort ankommt, nennt man Lyrik. 3. Das Scannen ist eine alte Technik, die ich noch aus dem Studium beherrsche (ein Studium nur mit Büchern und einer Typenradschreibmaschine!) 4. Ich sehe da kein Riskio, oder versteckt es sich im Text? 5. Details und wichtige Informationen gehen verloren, wenn man sich auf Texte bezieht, und diese nicht verlinkt.

  • Christof

    18.08.08 (10:42:32)

    Meinerseits muss ich sagen dass ich Artikel fast nur noch überfliege, das wichtigste dabei ist der Titel, ohne einen interessanten Titel lese ich die Artikel gar nicht, auch wenn mir dabei vielleicht der eine oder andere interessante Artikel entgangen ist. Zusätzlich halte ich die Anzahl lesenswerter Blogs immer, natürlich wenn möglich, unter 10. Man hat ja auch noch anderes zu tun als nur Blogs lesen ;-)

  • 2hochn

    18.08.08 (11:08:49)

    Ich überfliege fast alle Texte und lese sie, sofern ich selbst über sie bloggen möchte, bzw. falls die Informationen relevant für mich sind, danach nochmals. So habe ich bei weichtigen Texten alle relevanten Informationen sowie eine breite oberflächliche Bildung, zu der ich weiß wo die Informationen zu finden sind. Ich lese allerdings auch sehr schnell

  • ben_

    18.08.08 (11:11:12)

    Hell, was ist denn hier los? Zweieinhalb Stunde online und schon mehr Kommentare als man lesen mag. "Information Overflow" würde ich sagen, wenn ich nicht anderer Meinung wäre: Ich glaube, dass die "Informationsflut" eine Lüge oder zumindest eine Illusion ist. Technik kann nur ein Verhalten ändern, wenn der gesellschaftliche und private Bedarf dafür da ist. Oder anders gesagt: Die Informationsflut existiert nur für diejenigen, die sich überfluten lassen wollen, für Information-Junkies wie uns, die nie genug bekommen können. Daran Schuld ist aber nicht die Droge sondern der Verwender. Ein anderes Beispiel: Ich hatte kürzlich das Vergnügen GEO Ausgaben aus den später 70ern in die Hände bekommen. Die GEO ist ja auch heute noch ein Hort das ausgiebigen und oppulenten Journalismus aber im Vergleich zu den 70ern ist das alles Stenographie. Reportagen auf 25 Seiten waren damals keine Seltenheit. Die sind deshalb aber nicht per Defintion besser. Im Gegenteil der größte Teil der alten Texte ist nur so lang, weil sie mit unerträglichem Geschwafel gestreckt sind. Kürzere und kürzeste Texte treffen derzeit einfach auf einen gesellschaftlichen Bedarf nach solchen Texten. Die Beurteilung, dass dem entgegenzuwirken sei, halte ich kulturtechnologisch für sehr gewagt.

  • Martin Weigert

    18.08.08 (12:46:31)

    Das sind sehr interessante, vielseitige Kommentare. Ich denke, es wird deutlich, dass dieses Thema schon einige User (euch) bewegt. Ich extrahiere, was Publizisten tun sollten, um Usern sowohl das Lesen als auch das Scannen leicht zu machen: Prägnante, einladene Überschrift; Einleitung; gute Struktur; eher zu kurz als zu lang; Hervorheben von besonders wichtigen Punkten. @ Markus M. Müller Vermutlich tun sich tatsächlich für derartige Anbieter Marktlücken auf. @ Claudia Klinger Hättest du den Text nicht nur überflogen, würdest du erkannt haben, dass es sich nicht um Kulturpessimismus handelt. Aber gut, vielleicht habe ich auch nicht ausreichend strukturiert ;) @ Ben Das Ding ist halt - geht man zu sparsam mit den Wörtern um, wird man leicht oberflächlich. Bestimmte Zusammenhänge lassen sich einfach nur schwer in weniger als XXX Wörter packen. Egal wie sehr man es versucht.

  • Rinaldo

    18.08.08 (15:05:34)

    Sorry, habe den Artikel nur kurz überflogen. Hier trotzdem meine Meinung: Wenn den Leuten etwas wichtig ist, lesen sie es ganz genau. Auch wenn es Texte von meist minderer Qualität sind. Man denke an die Bedienungsanleitungen neuer, schweineteurer Videorecorder oder an die Broschüre des neuen Star Bronzer, dem bräunenden Kompakt Make-up von Lancôme.

  • Martin Weigert

    18.08.08 (15:11:07)

    Rinaldo, nun sitzte ich hier und bin mir nicht sicher, ob das ein konstruktiver Beitrag oder lediglich ein extrem personalisierter Werbekommentar war. Wenn letzteres der Fall ist, wirst du bei unserer Leserschaft aber mit einem großen Streuverlust rechnen müssen.

  • Florian Fiegel

    18.08.08 (15:39:48)

    Also bei mir verhält es sich ähnlich, wie schon jemand oben beschrieb: Headlines scannen, aussortieren, ersten Absatz lesen, aussortieren und dann entweder sofort vollständig lesen, oder eben später, sofern der Artikel dann noch interessant ist. Zumal ich gerne die vielen Filtermöglichkeiten nutze um mir den unnötigen Doppelcontent vom Hals zu halten. Viele Blogs scanne ich sogar garnicht mehr selbst und vertraue auf die Leute, die es eh tun und sehr ähnliche Interessen haben. Ansonsten gewöhne ich mir das Schnelllesen an ... Gutes Scanning bzw. Quer- und Schnelllesen ist eben wirklich eine trainierenswerte Fähigkeit ...

  • Siegfried

    18.08.08 (16:46:19)

    Das rasend schnelle scannen unglaublicher Mengen an unvollständigen Informationen scheint tatsächlich eine neue Art Kultur zu sein oder zu werden. Nun ja, man kann das finden, wie man will, es ist wohl so. Und irgendwelche Überlebenstechniken sind ja angesichts der Informationsflut wohl auch notwendig. Ansonsten geht man in der schieren Menge der Informationen unter. Für mich selbst habe ich eine Lösung gefunden. Wenn ich etwas Interessantes finde, dann _schreibe_ ich darüber. Das hilft, die Gedanken zu sortieren.

  • Heiko

    18.08.08 (17:32:19)

    Oben genanntes Phänomen habe ich in den letzten Wochen auch an mir feststellen müssen. Meine momentane Methode, die zumindest bisher noch ganz gut klappt: - ein Feed-Beitrag hat ca. zwei bis max. 10 sek, mich zu überzeugen - ist er interessant genug, kriegt er im Google Reader ein Sternchen (markiert) - alle zwei Tage nehme ich mir dann eine Stunde Zeit und lese die markierten Feeds ab

  • Martin Weigert

    18.08.08 (19:29:23)

    @ Florian Stimmt. Fragt sich, ob man auch irgendwann an eine "Lerngrenze" stößt. Ich habe momentan nicht mehr den Eindruck, meine Lesekapazitität bei meinen Feeds (ohne echtes Schnelllesetraining) erhöhen zu können. @ Heiko Diese Methode gefällt mir gut, wenn ich auch i.d.R. nicht um tägliches Lesen der interessanten Artikel herum komme.

  • Andreas Hobi

    18.08.08 (21:43:29)

    Bei mir läuft es grundsätzlich so, dass ich die Titel im (Google) Reader anschaue und wenn mich ein Artikel interessiert nehme ich ihn per Maus-Rechtsklick in ein neues Tab. So habe ich dann pro Reader-Kategorie rund 20-30 Artikel offen, die ich dann "abarbeite". Macht pro Tag rund 100-150 Artikel. Die einzelnen Artikel werden von mir dann gescannt und nicht gelesen. Was ich überfliege / scanne sind die Kommentare. Die Anzahl abonnierter Feeds halte ich konsequent gleich hoch. Sprich: Wenn ich einen neuen interessanten Blog finde, lösche ich dafür einen bisherigen. Klappte bis jetzt ganz gut, auch wenn ich jedes Mal immer wieder denke, es gäbe keinen mehr, auf den ich verzichten kann. :)

  • Andrea

    19.08.08 (05:51:09)

    Nach all den Kommentaren trau ich mich kaum, auch noch meinen Senf dazuzugeben - aber der Artikel «Is Google making us stupid?» (http://www.theatlantic.com/doc/200807/google) ist zu gut, um nicht erwähnt zu werden. Er widmet sich (u.a.) den Veränderungen unseres Hirns durch die rasche Informationsverarbeitung - und ist LAAANG und spannend zu lesen.

  • Martin Weigert

    19.08.08 (07:06:42)

    Danke. In der Tat ein langer Text. Hoffe, ich finde die Muße, ihn zu lesen (überfliegen lohnt da wohl nicht).

  • ben_

    19.08.08 (08:45:28)

    @Martin Weigert: Fair enough. Natürlich gibt es Dinge, die nicht in 160, 320 Zeichen, einen Blogbeitrag oder ein RSS-Item passen. Aber das war ja auch noch nie anders. Deswegen schreiben Journalisten ja seit jeher nicht nur für Zeitungen sondern auch Bücher. Von Schriftstellern will ich gar nicht reden. ;) Aber die der beschleunigte Umgang vom Informationen, mit News, den Du ja völlig richtig konstatierst ändert daran ja nicht wirklich etwas. Man wird sich nur mit RSS ebensowenig ein Abitur oder einen Hochschulabschluß erarbeiten können wie man es mit Hilfe der Tagesschau oder der Know-How-Show könnte. Das führt aber nicht zwingend zu dem Urteil, dass die Tagesschau oder RSS eine "Enwicklung" seien, der man "entgegensteuern" müsste. D Dieses Urteil ist ergibt sich erst, wenn man erstens annimmt, dass schnelles Lesen "schlecht" ist und es zweitens das lange Lesen verdrängt. Beide Prämissen zweifele ich an.

  • Martin Weigert

    19.08.08 (08:49:38)

    Da bin ich ganz auf deiner Linie. Ich nehme weder an, dass schnelles Lesen schlecht sei, noch dass es das lange Lesen verdrängen würde.

  • konnexus

    19.08.08 (08:56:45)

    In den 1930ern(?) gab's das tolle Buch "How to read a book?" - das ein richtiger Bestseller wurde. Darin wird der Unterschied zw. Überfliegen und "akribischem" Lesen beschrieben, und wofür was wichtig ist. Sowas - nur für's Web - sollte im Deutschunterricht gelehrt werden heutzutage.

  • Oliver Springer

    19.08.08 (13:46:00)

    Schnell zu lesen, ist meiner Meinung nach nicht die Antwort auf das Problem der Informationsflut. Die Anstrengung sollte nicht darauf liegen, mehr Informationen aufzunehmen, sondern gezielter auszuwählen. Bloggern wie herkömmlichen Journalisten kommt dabei eine wichtige Filteraufgabe zu. Technische Filter bzw. überhaupt technische Lösungen, um für einen selbst relevante Informationen gezeigt zu bekommen, können eine sinnvolle Ergänzung sein. Wie viele Informationen braucht man eigentlich? Bis zu welchem Grad bringen zusätzliche Informationsmengen bessere Arbeits- und Lernergebnisse? Welche Informationen bringen uns weiter? Das sind aus meiner Sicht entscheidende Fragen. Die Möglichkeit, sich bei Bedarf Informationen im Netz suchen zu können, könnte man auch als Chance sehen, Informationen gerade nicht aufzunehmen, wenn man mit ihnen in Kontakt kommt. Man verpasst ja nichts auf Dauer, sondern kann sie auch später noch aufnehmen.

  • The Strategy Web

    19.08.08 (13:51:10)

    Zugegeben! Auch ich habe den Inhalt dieses Posts nur überflogen. Die Frage ist, ob man den Inhalt hätte kürzen können - wie so vieles, was die Web 2.0 Gesellschaft ans Tageslicht bringt. Oder wie Augstein schon sagte: Die Zahl derer, die durch zu viel Informationen nicht mehr informiert sind, wächst. Prinzipiell: Priorisierung heißt die Devise der Zukunft. Man muss weder als Blogger noch als Web 2.0 Medienmacher über alles Bescheid wissen oder berichten. Weniger ist mehr! heißt ein altes Oxymoron...

  • andreas

    20.08.08 (21:00:23)

    ich habe diesen artikel kurz überflogen, und muss sagen - ich wundere mich über die vielen kommentare. ich fand ihn ziemlich langweilig .. aber vielleicht habe ich aber auch nur was wichtiges (=neues) überlesen? (scnr;)) okay, dann doch noch mal ernsthaft: ich denke, die "informationsflut" nur auf das lesen von 3000 blogs oder nachrichtenseiten oder twitter zu reduzieren, ist zu einfach. für mich ist viel gravierender und entscheidender, dass zunehmend *verschiedene* inhalte auf einem desktop zusammenfinden. beispiel widgets & "atomisierung": alleine auf meiner netvibes/google-startseite finden sich widgets und schnippelchen zu allen möglichen inhalten wie kalendern, mailaccounts, blogs und nachrichten. das hier ist der 7. tab, den ich parallel über rivva (auch syndication) ansurfe. nebenher habe ich 3 skype chats geöffnet, in zattoo läuft fussball - und eigentlich korrigiere ich ja grade eine powerpoint folie ...

  • Martin Weigert

    20.08.08 (21:15:29)

    Andreas, ich habe auch nicht mit so vielen Kommentaren gerechnet :D Was du weiter beschreibst, ist für mich eine andere Problematik, die ebenfalls durch die Konvergenz der Medien und das Web 2.0 forciert wird: Multitasking.

  • Olaf Nieke

    20.08.08 (22:53:12)

    Ich empfinde, dass die iskussion einen Aspekt nicht berücksichtig und eigenlich vom Ursprung her schon einseitig ist. Ich kann nämlich nicht einsehen, wo hier das Problem ist. Wer hier jammert, macht dies auf höchstem Niveau. Der gemeine Medienkonsument wird ja mit Oberflächlichkeiten und bisweilen einseitig motivierten Informationen versorgt. Journalisten sind nach wie vor die stärsten Filter für den größten Teil der Bevölkerung. Keiner beschwerd sich, weil man es ja auch nicht besser wissen kann. Mir fällt das immer dann auf, wenn ich mich mit dem Auto mal außerhalb des SWR3-Landes bewege. Ich habe immer das Gefühl, dass viele von bestimmten Teilen der Musikkultur ferngehalten werden. Was ich damit sagen will. Auch wenn viele unterschiedliche Informationen zum gleichen Subject nur noch schnell und oberflächlich wahrgenommen werden, so ist das immer noch besser, als eine Meinung intensiver zu lesen.

  • andreas

    21.08.08 (11:07:41)

    martin - genau das ist mein punkt. ich denke, dass es halt nur einen eimer (zeit oder brain, das lass ich mal offen;)) gibt. und der ist irgendwann mal voll, egal womit er gestopft wird. vereinfacht gesagt: wer den ganzen tag vor dem rechner sitzt, wird ein anderes verhältnis zum information overload haben, als jemand der seinen tag in der spielothek verbringt. (au weia, schlechtes bild -- bitte nicht die digitale spaltung darin lesen)

  • :D

    25.08.08 (15:45:59)

    kann nicht kommentieren, da ich nicht genug verstanden habe um so zu tun, da artikel nur überflogen wurde ;-)

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