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24.05.12Leser-Kommentare

Indexierung von Verlagsinhalten: Echobot gerät ins Visier von SZ und FAZ

Nach perlentaucher.de und Commentarist gerät nun der Medienbewachungsdienst Echobot ins Visier von SZ und FAZ. Die Verlage mahnen das Karlsruher Startup wegen der Indexierung und Verlinkung ihrer Inhalte ab.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) und die Süddeutsche Zeitung (SZ) sind mittlerweile bekannt für ihre Abneigung gegenüber Onlineangeboten, die ihnen neue Leser und Seitenaufrufe beschaffen, indem sie mit Überschriften und kurzen Textanrissen oder Zusammenfassungen auf Artikel der zwei deuschen Nachrichtenportale verweisen. Sowohl gegen das Kulturmagazin perlentaucher.de als auch den Aggregator Commentarist sind die zwei verantwortlichen Verlage bereits rechtlich vorgegangen. Mit Echobot sieht sich nun erneut ein deutsches Startup der Abmahnfreude des streitlustigen Duos ausgesetzt.

Weil der junge Medienbeobachtungsdienst aus Karlsruhe unter anderem Zeitungswebsites duchsucht, Überschriften sowie Artikelanrisse zu Suchworten gefundener Artikel präsentiert und diese mit kleinen, wenige Pixel großen Logos der Medienmarken illustriert, hat er den Zorn von SZ und FAZ auf sich gezogen. Beide haben den Dienst, den wir Ende 2011 vorstellten, mit einer Abmahnung beglückt. Das Landgericht München bestätigte außerdem eine einstweilige Verfügung der SZ, nach der sechs verlinkte SZ-Beiträge aus dem Echobot-Angebot entfernt werden müssen. Sicherheitshalber hat sich Echobot-Gründer und -Geschäftsführer Bastian Karweg dazu entschlossen, bis zur Klärung des Falls alle SZ-Inhalte aus dem Index zu streichen. FAZ.net ist jedoch weiterhin vertreten. Spiegel Online berichtete wie schon damals bei Commentarist als erster über den Fall und scheint sich selbst nicht an der Aggregation durch Echobot zu stören.

Was Echobot in Bezug auf das Durchsuchen von Medienangeboten und Darstellen von Überschriften und Textanrissen macht, entspricht im Grunde der Praxis von Nachrichtenaggregatoren wie Google News. Lediglich die über einen externen Dienstleister offerierte Möglichkeit, einmal als iFrame auf der Originalquelle aufgerufene Texte von sie umgebenden Grafiken und Werbebannern zu befreien (ähnlich wie es Readability oder Instapaper machen) oder als Volltext-PDF zu speichern, unterscheidet sich von dem Treiben der Suchmaschine. Da Commentarist, der aus Hamburg stammende Aggregator für Meinungsjournalismus, aber kein derartiges Feature beinhaltet und trotzdem abgemahnt wurde, war dies wohl nicht Stein des Anstoßes.

Erwähnenswert is, dass Echobot seinen Service nur registrierten und - abgesehen von einer kurzen Testphase - zahlenden Nutzern anbietet. Eine massenhafte Verwendung des Dienstes ist somit grundsätzlich ausgeschlossen. Selbst wenn also das Aggregieren und Anteasern von Inhalten von Medienangebot den Verlagen Schaden zuführen würde (wofür es wenig Anzeichen gibt), wäre Echobot aufgrund seiner spitzen Zielgruppe und der recht hohen Preise (ab 125 Euro/Monat) garantiert keine Gefahr für SZ und FAZ.

Es geht den zwei altehrwürdigen Verlagshäusern also recht eindeutig ums Prinzip. Ein Prinzip, dessen Ausformung jedoch in der neuen digitalen Medienwelt auf viel Unverständnis stößt. Auch bei Echobot-Chef Karweg, der gegen die einstweilige Verfügung Widerspruch eingelegt hat. Er hoffe auf eine Einigung, sei aber auch bereit, den Konflikt vor Gericht auszutragen, so Spiegel Online.

Immerhin darf er sich über viel neue Aufmerksamkeit für sein Startup freuen. Echobot-Kunden erhielten heute bereits einen Newsletter mit einer ausführlichen Darlegung des Sachverhalts. Auf der Echobot-Website prangt an zentraler Stelle ein Hinweis auf den Rechtsstreit mit den Verlagen, inklusive Sonderseite und Empfehlung, den Newsletter zu abonnieren, um über die weitere Entwicklung informiert zu bleiben.

Die Karlsruher werden dank der Berichterstattung in den Medien sicher den ein oder anderen neuen Kunden gewinnen können. Und sollten sie im schlimmsten Fall dazu gezwungen sein, SZ und FAZ dauerhaft aus dem Index zu nehmen, so ließe sich das angesichts von 12.000 durchsuchten redaktionelle Internetseiten auch verkraften. Erst recht, wenn man bei jeder Suche explizit darauf hinweisen könnte, wieso keine Ergebnisse von SZ und FAZ in den Suchresultaten erscheinen.

Kommentare

  • Roman

    24.05.12 (12:13:45)

    Interessant. Mich würde interessieren welcher Anbieter die werbebefreiten Iframes ausliefert. Wird diese externe Dienstleister irgendwo genannt?

  • Bastian Karweg

    24.05.12 (12:28:19)

    Hallo Roman, klar gern - wir machen nichts anderes, als einen Link auf den Anbieter www.fivefilters.org zu setzen. Das kann jeder von jedem PC mit jedem Browser auch. Das kann man sogar an diesem Artikel selbst demonstrieren. Einfach die URL einer beliebigen Webseite an den Link anhängen: http://fivefilters.org/kindle-it/send.php?context=iframe&url=http://netzwertig.com/2012/05/24/indexierung-von-verlagsinhalten-echobot-geraet-ins-visier-von-sz-und-faz/ Lustig ist auch, dass Apple selbst diese Funktion schon standardmäßig im Safari Browser drin hat - einfach mal in der URL oben auf den "READER" Button achten!

  • Martin

    25.05.12 (08:56:44)

    SZ bringt ohnehin nur noch von Boulevard-Geschwätz aufgedunsene Beiträge. Vielleicht sollten sie sich mit dem SPIEGEL zusammentun und irgendwann einen großen Springer-Blödsinn-Feed bereitstellen.

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