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27.11.07Leser-Kommentar

Im Test: SLM - Das Second Life Magazin

Geben wir es doch zu: Auf ein Magazin zu Second Life haben wir schon ewig gewartet. Jetzt liegt eine erste Ausgabe vor.

SLM - Second Life Magazin

Im Test die Ausgabe 12/2007.

Allgemeiner Eindruck

Ein Heft für echte Fans. Wer nur ab und zu Second Life spielt, wird sich dieses Heft kaum regelmässig kaufen. Auf den ersten Blick wirkt das Heft recht oberflächlich, doch mit genauerem Lesen findet man doch informative Hintergründe. Haben sie zum Beispiel gewusst, was man tun muss, wenns laggt? Was Grid, Landmark, Noob, Prim, SIM, SLURL und Poseball sind? Mit diesem Magazin können sie es herausfinden.

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Zielgruppe

Das SLM schreibt in seinen Mediadaten:

 

Als weltweit erstes Printmagazin beschäftigt sich SLM - Das Second Life Magazin Monat für Monat mit der ständig wachsenden 3D-Welt im Internet und ihrer derzeit neun Millionen Bürger starken Community. Dabei hat es sich SLM - Das Second Life Magazin nicht nur zur Aufgabe gemacht, sowohl alteingesessene Second Life-Bürger mit stets aktuellen Informationen zu versorgen, sondern vielmehr auch Second Life-Anfängern den Einstieg zu erleichtern und ihnen dabei zu helfen, sich schnell in der neuen Welt zurecht zu finden. Für viele ist Second Life immer noch ein grosses, schwarzes Loch, ein Buch mit sieben Siegeln, das in ihnen tausend Fragen aufwirft. Gerade diese Leute sind es, die SLM - Das Second Life Magazin an die Hand nehmen und an die neue Welt heranführen will.

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Gerade das wird vermutlich schwierig bis unmöglich werden. Wer, der noch nie in Second Life war, möchte ein Heft darüber kaufen? Auch ein PR-Manager, der durch die Medienberichte aufgeschreckt den Anschluss an die neusten Entwicklungen nicht verlieren möchte und sich einen Überblick verschaffen möchte, wird das kaum mehr als einmal tun.

Anspruch

Den Lesern Second Life, das "Buch mit sieben Siegeln", wie es im Editorial beschrieben wird, näher zu bringen?

Titelseite

Zwei Second-Life-Tussis mit Ausschnitt, eine mit hellen und eine mit dunklen Haaren. Für die erste Ausgabe sicher keine schlechte Wahl. Man erkennt auf den ersten Blick, dass es um Second Life handelt und bei mir hat es ja schon gewirkt - ich habe das Heft auf der Stelle gekauft.

Aufmachung

Super-Hochglanz im A4-Format. Die Gestaltung spricht mich an, sie ist abwechslungsreich, aber doch stringent. Das Heft stinkt ein wenig, potentielle Leimschnüffler werden begeistert sein.

Auflage

Ist die erste Ausgabe, bei IVW ist noch nichts zu finden.

Erscheinungsweise

monatlich, jeweils Mitte Monat.

Verlag

Runway Verlag GmbH, Bendorf, Deutschland.

IMG 5641Seitenanzahl

100

Preis

3.99 Euro / Ausgabe, 35 Euro / 12 Ausgaben (einmaliges Einführungsangebot)

Preis / Leistungsverhältnis

Es ist ein Hochglanz-Spezialmagazin mit immerhin hundert Seiten, aber 4 Euro finde ich zuviel.

Onlineauftritt

slmagazin.com. Ein sehr dürftiger Auftritt mit einer Usability, bei der jeder Klick in ein neues Abenteuer führt. Mal öffnet sich überraschend ein ladeintensives PDF, mal geht überraschend mein Postfach auf, mal passiert gar nichts. Da ist ja Second Life einfacher zu bedienen (und das ist kein Kompliment). Man könnte so einen Auftritt verstehen bei einem webfernen Magazin wie Stricken heute, aber nicht bei einem Magazin, bei dem es um ein Online-Spiel geht.

Inhalt

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Die vier besten Läden, in denen man sich Frisuren kaufen kann. Die besten "Inworld Clubs" im "Second Nightlife", die besten Helikopter. Ist nur Geldverdienen sinnvoll oder kann es auch mal ein gutes Gespräch sein? Um sowas geht es, in den Kategorien Titelstory, Reportagen, People, Lifestyle, Workshops und Technik.

Ich kann mich gut erinnern, dass in der ersten Zitty, die ich hier in Berlin gekauft habe, das Thema war, wie man ohne Geld in Berlin möglichst lange überlebt. Das Gleiche ist auch im Artikel "Ohne Moos nichts los - oder doch? Von der Kunst, ohne Linden Dollar gut zu leben" Thema. Zum Beispiel kann man in den ersten 30 Tagen das Geld von den Geldbäumen pflücken. Oder man bettelt. Nimmt einfache Jobs an. Schlägt seine Zeit auf "Campingstühlen tot, die für Anwesenheit kleinste Geldbeträge auszahlen".

Fast schon wie in einem Frauenmagazin geht es in diesen Sätzen zu - den Shopperinnen wird der Unterschied zwischen den günstigen Textur- und den teuren Prim-Röcken erklärt:

 

Die Textur-Röcke sind die einfache Variante, bei der nur die Oberfläche das Aussehen bestimmt. Sie liegen in der Regel fest am Körper an, was gestalterisch wenig Spielraum für den SL-Modedesigner lässt. Die Prim-Röcke sind aus Objekten, die den Körper umhüllen und sich auch wie realistischer Stoff verhalten. Sie bewegen sich beim Gehen oder wenn Wind weht. Vom Rüschen-Mini bis hin zum aufwändigen Ballkleid ist alles möglich. Im gut sortierten Freebie-Shops findet man auch Prim-Röcke, die den Kaufprodukten oft in nichts nachstehen.

Highlight

Kommt erst nächsten Monat:

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Ok, spannend ist auch

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auf Seite 38/39. "Die sieben wichtigsten Grundregeln" wurden mittels Umfragen in der Community zusammengetragen. Man lernt, dass die beiden essentiellsten menschlichen Fragen, nämlich "Wanna have sex with me" und "Do you have a job for me" die ungeeignetsten Sätze sind, um ein erfolgreiches Gespräch zu beginnen. Man lernt auch andere böse Taten, auf die man nie gekommen wäre ohne das Magazin: "Neben der reinen verbalen Belästigung scheint es einigen Usern die grösste Freude zu bereiten, wenn sie mit Hilfe von Scripten ganze Sims lahm legen, Ländereien mit unsinnigen Prims verschandeln oder ahnungslose Avatare 'orben', also mehrere tausend Meter in den Himmel katapultieren." Kein Schubsen, keine Obszönitäten, kein Ärgern und bitte nicht das erste Geld für ein Gemächt ausgeben: "Auffällig ist, dass ein grosser Teil der männlichen SL-Anfänger das erste verdiente Geld in einen virtuellen Penis anlegt und diesen dann auch möglichst oft der hilflosen Umgebung präsentiert. Abgesehen davon, dass diese Objekte mangels Fertigkeiten oftmals falsch angebracht sind und somit den Newbie zur allgemeinen Lachnummer machen, fühlen sich insbesondere die weiblichen SL-User von diesem wirklich nicht schönen (und schon gar nicht erotischen) Anblick belästigt."

Lowlight

Sehr doof finde ich, dass das an sich interessante Interview mit dem "Psychotherapeuth" (so schreibt es SLM) mit Thomas Kopetzky mit zwei Schwarzweiss-Bildern illustriert ist. Das wäre kein Drama, aber dass er auf beiden Bildern die genau gleiche Handbewegung macht, schon:

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IMG 5640Äusserst unnötig auch die gesichtslosen und austauschbaren Musik- und Filmkritiken auf Seite 92/93, mit denen offenbar das werbearme Heft auf 100 Seiten aufgefüllt wurde. Was machen die im SLM? Tipps, damit sich die Avatare in ihrer SL-Videothek die richtigen Videos auswählen?

Werbung

IMG 5630Gerade gepflastert mit Werbung ist das Magazin (noch) nicht. Aber die eine oder andere Anzeige hat es schon. Nicht ganz so sicher, wie das ist mit bezahlter oder unbezahlter Werbung ist man zum Beispiel auf Seite 33, die sich mit einem PR-Bild von breitbandevent füllt. Und das unter dem Bild liest sich wie der hauseigene PR-Text dazu. Wenn man dann mal erfolgreich ist, wünscht man sich vermutlich, dass solche Seiten bezahlt werden. Bisher sind sie redaktioneller Inhalt. Aber bei einem Magazin, dass sich voll und ganz einem Produkt verschrieben hat, kann man ja eigentlich sowas kaum ankreiden. Second Life und PR passen gut zusammen und wer sich das Heft kauft und das Spiel spielt, sollte das wissen.

Sex-Appeal

IMG 5637Mittelmässig bis hoch. Als Frau kann man sich aber zurecht über die Einseitigkeit beklagen. Männliche Models gibt es kaum, während die Frauen auf fast 10 Seiten ihre Kleider vorzeigen dürfen. Aber bei Maxi im letzten Test war das ja nicht anders.

Zukunft

Je nachdem: Grossartig oder grottenschlecht. Die Begeisterung für Second Life ist nur schwer zu messen. Die ersten Absatzzahlen werden es zeigen. Das ganze Heft ist ausserdem von einem Produkt einer Firma abhängig - stellt die ihr Produkt ein, dann geht auch das Heft ein. Ein nicht besonders zukunftssicheres Geschäftsmodell.

Fazit

Man muss sagen, dass es gar nicht schlecht gemacht ist. Allerdings ist es mir auch noch nie so schwer gefallen, mich für den Inhalt eines Magazins zu interessieren, wie bei diesem hier. Ich glaube, langweiliger als Second Life zu spielen ist nur noch, über Second Life zu lesen. Ein trauriger Schluss für eine Rezension, ich hoffe, der nächste Test macht wieder mehr Spass.

Bewertung

4/10 Punkten

Update am 08.07.2008: SLM - Das Second Life Magazin wurde eingestellt, die Runway Verlag GmbH ist insolvent (magaziniac.de).

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Sarrerive

    03.01.08 (18:40:49)

    Das Uni-Fernsehen orga.TV hat sich diesem Thema auch einmal angenommen und das SLM sowie andere Magazine unter die Lupe genommen: http://www.orga.uni-sb.de/orgatv/vodcast/?p=77

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