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17.08.08Leser-Kommentare

Im Test: «Newsnetz»

Vor gut einer Woche ging das «Newsnetz» an den Start, ein neues Mantelkonstrukt hinter den Websites von Tages-Anzeiger, Basler Zeitung und Berner Zeitung. Wir testen Konzept und Umsetzung.

Wie die Zukunft der Zeitung aussieht, wird im Wochentakt diskutiert; die stets pointiert vorgetragenen Meinungen reichen je nach Interessenlage von: «Zeitungen auf Papier werden ganz verschwinden» bis zum eigentlich bereits widerlegten: «Es wird sich nichts ändern». Wie sieht aber die Zukunft der News-Websites aus, die meist aus denselben Häusern stammen? Einerseits informieren sich immer mehr Leser im Web, andererseits lassen die Werbeeinnahmen dort noch auf sich warten, was die Branche zunehmend nervös werden lässt.

Seit vorletztem Freitag kann man mit dem «Newsnetz» die Antwort der Tamedia auf diese Frage besichtigen. Unter der Hypothese, dass nur die Grossen im Netz Geld verdienen werden, hat man das seit Jahren überfällige Redesign von tagesanzeiger.ch nicht allein geschultert, sondern sich mit der Berner Zeitung (gehört seit 2007 ebenfalls der Tamedia) und mit der Basler Zeitung (mehrheitlich in Familienbesitz) zusammen getan.

Das Newsnetz bringt das Konzept des «Mantels» ins Web – und vollzieht damit den Trend nach, der bei Zeitungen seit Jahren publizistisch geschmäht, aber betriebswirtschaftlich durchgezogen wird. Eine gegenüber früher stark erweiterte Online-Redaktion in Zürich mit 26 Stellen macht die nationalen Inhalte; für Zürich, Basel und Bern ergänzen je 6 Leute die regionalen Inhalte, so dass die neue Redaktion auf 44 Vollzeitstellen kommt (Zahlen laut Schweizer Journalist, online nicht verfügbar). Damit ist man etwa so gross wie die Online-Redaktion von 20minuten.ch und deutlich grösser als alle anderen in der Schweiz. Laut Medienmitteilung vom letzten Herbst sollen noch weitere Zeitungen wie der Winterthurer Landbote dazu kommen, wofür allerdings kein Zeitplan angegeben wurde.

Den uninspirierten neuen Namen «Newsnetz» leistet man sich, weil er nicht kommuniziert wird (die zugehörige Flashhöllenwebsite enthält nur PR-Kram und Mediadaten): Jeder Leser nutzt «seine» Website von Tagi, BaZ oder BZ und merkt nichts vom neuen Zentralismus – theoretisch. Denn der entscheidende Unterschied bei der Frage, ob das Prinzip Mantel auch im Web funktioniert, heisst: Google. Dessen Algorithmen mögen keinen «duplicate content», sortieren gleiche Texte aus und zeigen gnadenlos nur einen -- oder keinen! -- der Texte als Treffer an. Auf den einzelnen Websites merkt man nichts, aber beim Zugang via Google oder Google News dürfte die stärkste Site, vermutlich also in Zukunft tagesanzeiger.ch, den anderen das Wasser abgraben. Ob sich die Juniorpartner in diesem Deal dessen bewusst waren?

Basler maximal regional

Die drei Homepages werden von den Redaktionen separat bestückt, wobei sich sehr deutliche Unterschiede zeigen: Tagesanzeiger.ch macht auf nationale News-Site, kaum verirren sich Zürcher Inhalte über die Scrollgrenze. Ganz anders die Basler, die mit Regierungsratswahlen, Rheinschwimmen und immer wieder dem FC Basel maximale Regionalität demonstrieren. Am Samstagmorgen habe ich nachgezählt: In der linken Hauptspalte von bazonline.ch zeigten 9 von 15 Artikeln regionale Basler Inhalte. tagesanzeiger.ch hatte zur selben Zeit nur einen Zürich-Artikel, die Berner Zeitung gar keinen lokalen.

Wie ist das zu interpretieren? Entweder aus der Innensicht: Im Gegensatz zur Berner Zeitung, die online in der ersten Woche keinerlei eigenes Profil erkennen liess, will die BaZ sich klar vom Partner Tages-Anzeiger abgrenzen. Oder aus der Aussensicht: Die Attacke auf NZZ Online, als die das ganze Newsnetz angelegt ist, traut sich nur der Tages-Anzeiger wirklich zu, die Basler flüchten sich in Themen aus ihrem eigenen, sprichwörtlichen Basler «Daig» (Teig).

Ohnehin ist die Positionierung der Schweizer Online-Medien eine immer unübersichtlicher werdende Gemengelage: 20minuten.ch ist mit strikter Klickfixierung (unter Peter Wälty, jetzt Chef Newsnetz) zur grössten Schweizer Online-Redaktion geworden, strengt sich aber inzwischen sichtbar an, ernsthafter werden. Nun hat Blick.ch die geringsten Hemmungen, muss aber mit dem Spagat leben, dass das Blatt hintergründiger werden will. NZZ Online war bei den seriösen News in der Poleposition, ist aber durch die Abwesenheit einer Online-Strategie und eine unterdotierte Redaktion zu wenig vorwärts gekommen.

Erstaunliche Unterschiede im Erscheinungsbild

Wer alle drei Online-Auftritte nacheinander durchklickt, dem fällt auf, wie wichtig Typographie ist, denn die eigentlich fast gleichen Sites wirken optisch erstaunlich unterschiedlich. Während der Relaunch für tagesanzeiger.ch auch optisch durchaus einen Quantensprung bedeutet und das neue Layout mit dem «Zeitungskopf» gefällig daherkommt, verströmt «baz.online» mit seinem einsnulligen Logo einen eher strengen Charme. Unverständlich ist, warum man nicht die Gelegenheit genutzt hat, sich vom separaten Online-Brand -- ein typisches Konzept der späten Neunzigerjahre -- zu trennen und die Website in «Basler Zeitung» unter der Domain «baz.ch» umzubenennen. Diese Domain besitzen die Basler selbst, redirecten sie aber auf die hässliche bazonline.ch. (Die auch in einigen Blogs etwas gar aufgeregt geführte Diskussion um die Domain baslerzeitung.ch wäre dann viel weniger wichtig, dann «BaZ» ist das etablierte Kürzel und unschlagbar kurz.)

Die Berner haben es zumindest aus Branding-Sicht besser gemacht und ihr wenig überzeugendes Online-Mischmasch «espace.ch» zugunsten von «bernerzeitung.ch» über Bord geworfen. (Wobei daran kritisiert wird, dass man nun die regionalen Inhalte nicht wiederfindet, aber das liegt wohl vor allem an der Führung der Homepage, siehe oben.)

In Zukunft wird es noch enger in der Deutschschweizer Online-News-Landschaft –- von der man nicht vergessen sollte, dass sie nur aus rund zwei Millionen Leserinnen und Lesern besteht. Als plakatives Beispiel für den Herdentrieb der Verlagsbranche gaben letzte Woche die «führenden Schweizer Regionalzeitungen», Neue Luzerner Zeitung, St. Galler Tagblatt (die teilweise oder ganz der NZZ gehören), AZ Mediengruppe und weitere ihren für Oktober (!) geplanten Launch eines weiteren Multi-Verlags-Konstrukts bekannt: «news1.ch» hat den noch dümmeren Namen und setzt ebenfalls auf das Zentral-/Regional-Konzept. Wie sich diese Sites dann noch untereinander und von den genannten Wettbewerbern abgrenzen wollen, steht in den Sternen. (Siehe dazu auch ein interessantes Kommentar-Pingpong hier bei uns.)

Was fiel sonst noch auf?

  • Domains: Der alte Tagi-Auftritt war jahrelang unter tagesanzeiger.ch. tages-anzeiger.ch und tagi.ch zu erreichen, ohne dass auf eine einheitliche Domain redirected wurde, was schlecht für den Google-Rank ist – diese Sünde wurde endlich behoben.
  • Werbung: muss sein, aber ob die Schaltung des maximalen Werbemittels «Brandweek», das alle drei Websites die ganze Woche mit Valser Bergen zustellte, gleich zu Beginn nötig war?
  • Redaktions-Mailadressen: kann sich vermutlich nicht mal die Redaktion merken: ta-lokal.newsnetz@tages-anzeiger.ch
  • Mobile Theme: Nur tagesanzeiger.ch hat eins, wohingegen BaZ und BZ auch auf dem Handy die kompletten Seiten inklusive Valser Bergpanorama mit 900 kB ausliefern – was sie unterwegs praktisch unbedienbar macht.

Zukunft der News-Portale unklar

Angesichts gross angelegter Projekte wie dem Newsnetz stellt sich wie eingangs erwähnt die Frage nach der Zukunft der grossen News-Portale als zentralem Einstiegspunkt. Wir blicken zehn Jahre Erfahrung mit Online-News zurück -- erst zehn Jahre, würde ich sagen -- und es könnte durchaus sein, dass sich alle noch als Übergangslösungen erweisen werden.

Auf der Website von barackobama.com kann man sich unter der Überschrift «Be the first to know» registrieren, um eine E-Mail zu bekommen, wer Obamas «Running Mate» für das Vizepräsidentenamt ist. Und weil man dort die 1.7 Millionen Online-Supporter ernst nimmt, dürfte diese Mail zeitgleich mit der Information der Presse rausgehen. Vor einigen Wochen verschickte Swisscom die Schweizer iPhone-Preise fast gleichzeitig als Pressemitteilung und per E-Mail an interessierte Privatpersonen. Fazit: Der zeitliche Vorsprung der professionellen Medien gegenüber dem Medienkonsumenten schmilzt dahin, wer wirklich interessiert ist, kann sich in Zukunft auch direkt informieren lassen.

Was bleibt? Das Kommentieren der News -- na ja, die spannendsten Kommentare liest man schon heute eher selten in der Zeitung. Die Auswahlfunktion der Medien aus dem riesigen News-Strom ist ebenfalls bereits unter Belagerung durch 2.0-Mechanismen, die allerdings noch nicht im Mainstream angekommen sind. Wie immer bei Innovationen überlappen die Entwicklungen sich zeitlich: Viele Menschen entdecken erst heute das Web als stetigen Begleiter durch den Alltag, sie verschieben ihre Informationsgewohnheiten und klicken sich mit immer noch wachsender Begeisterung durch die Newssites. Am anderen Ende aber brechen die Early Adopter durch Feeds, Twitter, Rivva & Co. schon wieder weg. Ich kann nur für mich sprechen: «Spiegel Online» habe ich vor zehn Jahren im Stundentakt aufgerufen, heute sehe ich die Homepage oft tagelang nicht.

Newsnetz weitgehend Web-2.0-frei

Den Machern des Newsnetz' scheint die zweite Entwicklung noch nicht relevant zu sein, denn «Web 2.0-Elemente» sucht man weitgehend vergeblich. Sie sind nur selektiv aktiv (Kommentare kann man nur bei wenigen, von der Redaktion bestimmten Artikeln anbringen), gut versteckt (die RSS-Feeds findet man erst nach langem Suchen in der Fusszeile) oder eventuell aus Zeitgründen nur verschoben. Diverse Blogger waren entsprechend enttäuscht, denn mit den nun angebotenen Funktionen hätte die Tagesanzeiger-Website auch schon 2005 an den Start gehen können. (Bugsierer hat Notizen zur ersten Woche zusammengestellt.)

Dieser wenig innovative Ansatz überrascht, denn zum einen wäre die auch online konservative NZZ hier am leichtesten zu packen gewesen, und zum anderen gehen der technologische Fortschritt und die Demokratisierung der Online-Newslandschaft wie beschrieben weiter. Die Gatekeeper-Funktion, die die Zeitungen früher innehatten, werden Onlinemedien nicht wieder erreichen können, daher täte ihnen etwas Experimentierfreude sicher gut.

Der Artikel erschien in einer kürzeren Version unter dem Titel «Nichts Neues im Netz» (PDF) in der SonntagsZeitung vom 17. August 2008. Siehe dazu auch hier.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Martin

    17.08.08 (20:22:43)

    Nun muss ich mich doch einmal für die NZZ und v.a. für NZZ Online ins Zeug legen. Peter schreibt NZZ Online war bei den seriösen News in der Poleposition, ist aber durch die Abwesenheit einer Online-Strategie und eine unterdotierte Redaktion zu wenig vorwärts gekommen und: [...] denn zum einen wäre die auch online konservative NZZ hier [Web 2.0 und Kommentare und so] am leichtesten zu packen gewesen. Was "Web 2.0" angeht - so man es denn mit Kommentiermöglichkeit gleichsetzen will -, sind auf "NZZ Online" meines Wissens nahezu alle Artikel bereits seit Längerem kommentierbar. (Wenn ich mir jedoch die Qualität der Kommentare - sowohl auf NZZ Online wie auf den Newsnetz-Websites - anschaue, frage ich mich mittlerweile schon, ob das allgemeine Kommentieren auf "General News"-Websites wirklich Sinn macht.) Was die Strategie angeht: Gut möglich, dass diese bei NZZ Online nicht messerscharf formuliert ist. Aber sooo falsch machen sie es m.E. an der Falkenstrasse auch wieder nicht. Sie sagen mir nämlich, was - ihrer Meinung nach - wichtig ist. Und das ist es, was ich von einer News-Redaktion erwarte. Und worin besteht denn eigentlich das (publizistische) Konzept von Newsnetz? Im grössten gemeinsamen (Boulevard-)Nenner oder in der Nachrichtenagentur- Imitation? Sowohl Ersteres wie Letzteres gibt's eigentlich schon. Ich möchte aber, dass mir auch am Nachmittag noch jemand sagt, was am Morgen Wichtiges passiert ist. Filtern und gewichten, eben!

  • Peter Hogenkamp

    17.08.08 (20:36:46)

    Lieber Martin, endlich mal ein Pro-NZZ-Votum bei uns. Beides zugegeben: 1. Nur die Leute alles kommentieren lassen ist noch keine Web-2.0-Strategie. 2. Die Strategie vom Newsnetz sehe ich auch noch nicht. (Unter ihre Eigenwerbung, heute z.B. ganzseitig in der SoZ, schreiben sie: "Von der kompetentesten Online-Redaktion der Schweiz." Keine Ahnung, woher sie das wissen wollen, wie man das überhaupt misst.) Bei der NZZ finde ich, wie schon verschiedentlich erwähnt, den Registrationszwang, den Real-Name-Zwang (der dann nicht durchgezogen wird) und vor allem das Löschen zahlloser vermeintlich irrelevanter Kommentare nicht wahnsinnig progressiv. Aber «2.0» ist ja nicht nur simples Kommentieren, da gäbe es doch noch viele andere Möglichkeiten. Bugsierer wundert sich im verlinkten Post etwa, dass «Facts» überhaupt nicht einbezogen wird. Dabei könnten die sich prima gegenseitig die Leute zuschieben. Vor allem aber finde ich, dass die NZZ über die Jahre einfach zu wenig Geld für die Online-Redaktion in die Hand genommen hat. Wieviel Leute hattest Du damals bei NZZ Online? Und wie viele sind es heute? Und um welchen Faktor hat sich in der Zeit der Internetkonsum erhöht? Ich kann's nicht ausrechnen, aber da wird man kaum im Gleichschritt marschiert sein. Tamedia/Newsnetz sind nun wirklich nicht gerade früh dran, aber die drei bisher eher mässigen Einzelauftritte haben aus dem Stand gleich viel Traffic wie NZZ Online (waren ja bei NET-Metrix schon letzten Monat gemeinsam ausgewiesen). Meiner Meinung nach könnte NZZ Online heute vielleicht nicht mehr Unique Clients, aber - Achtung, wüste Behauptung - doppelt so viele Page Impressions haben, wenn man einfach früher aufgestockt hätte und dann thematisch etwas in die Breite gegangen wäre.

  • Martin

    17.08.08 (21:21:16)

    Die Million+ Page-Impressions von Blogwerk in Ehren, lieber Peter, aber wie lange werden PIs noch die seligmachende Währung sein? Werden irgendwann in der nicht allzu fernen Zukunft nicht auch die "Qualität" der User und damit der PIs eine Rolle spielen? Und könnte da die NZZ - und Blogwerk, notabene! - dann nicht doch am längeren Hebel sitzen? Du weisst, ich bin weder Betriebswirtschafter noch Verlagsfachmann, und vielleicht machen meine Überlegungen deshalb keinen Sinn. If so, please advise/correct.

  • M.M.

    17.08.08 (22:20:36)

    Habe Ihren Artikel in der SonntagsZeitung gelesen und auch das hier. Ist ja schön und gut. Aber da gibt es doch ein paar Dinge, die ich völlig anders sehe: Basler Zeitung - Online ist keine Zeitung und die Inhalte sind nicht dieselben wie in der Zeitung, deshalb baz.online (der Punkt dient der besseren Lesbarkeit, aber simpler: das gefällt mir so.) Zudem: Die Basler Zeitung Medien (bzm) verfügen über einen zweiten starken Brand "baz", was liegt da näher, den zu nutzen. Der Ein- und der Zweisilber danach sind gut auszusprechen und wenn einer fragt, wo hast du das gelesen, ist die Antwort einfach zu geben. Und so weiter und so fort. Die Basler Inhalte - das bedeutet kein Absetzen vom Tagi, die machen ihre Sache hervorragen, sondern einfach das Interesse der Leser in der Nordwestecke des Landes befriedigen. Die interessieren sich halt nun mal zuerst für den FCB und dann erst für den Sämi Schmid. In dieser Landesecke klickt man auch zuerst auf baz.online und seltener auf tagesanzeiger.ch. Für uns ist das, was wir anstreben das Local Wide Web. Die World überlassen wir den anderen. Und schliesslich Web 2.0, also die Kommentarfunktion wird auf bazonline.ch rege benutzt, ganz Bloglike und sonst schauen Sie doch mal nach - Stichwort Blogs unter Basel. Das ist doch ein netter Anfang, oder?

  • Peter Hogenkamp

    17.08.08 (23:49:02)

    Martin: Hast schon wieder recht. Ich ersetze in meinem Votum «Page Impressions» durch «Visits». Die Klickhurerei bringt auf Dauer niemandem etwas. Aber mit häufigeren Aktualisierungen kann man mehr Visits erreichen, und das ist für mich ein legitimer Erfolgsausweis. Herr Messmer: Basler Zeitung - Online ist keine Zeitung und die Inhalte sind nicht dieselben wie in der Zeitung, deshalb baz.online. Wie gesagt, so hat man damals argumentiert. «Dual Brand»-Strategie hiess das, eine online, eine offline. Damals gab es ja Banken, deren Online-Banking einen eigenen Namen hatte; bei Swisscom hat man sogar mal das Login gebranded. Hat sicher beides Vor- und Nachteile, aber das duale Modell ist heute einfach nicht mehr sehr en vogue. Wobei die Unterschiede in diesem Fall eher winzig sind. «NZZ» oder «Spiegel» stellen ja auch ein «Online» dahinter, fahren aber mit der kurzen Domain. Erscheint mir sinnvoller. Was regionale Inhalte sind und warum die Leute die lesen wollen, hatte ich durchaus verstanden. Und dass Basler eher baz-online lesen als tagesanzeiger.ch, habe ich erst recht verstanden -- ich glaub, das ist der Kern des neuen Produkts, oder? Auch Zürcher interessieren sich für Zürcher Inhalte. Trotzdem tauchen die bei tagesanzeiger.ch viel weniger weit oben auf. Nicht mehr und nicht weniger.

  • Martin Diem

    18.08.08 (11:00:29)

    Martin deine Frage, «Und worin besteht denn eigentlich das (publizistische) Konzept von Newsnetz? Im grössten gemeinsamen (Boulevard-)Nenner oder in der Nachrichtenagentur- Imitation?» habe ich mir auch schon gestellt, aber noch nicht schlüssig beantworten können. Deine zweite Vermutung eine eigene «Nachrichtenagentur» für die eigenen (allmedia?) Newsangebote zu bauen macht natürlich strategisch durchaus Sinn, insbesondere wenn die Tamedia wirklich eine regionale Strategie verfolgt. Damit wird der SDA das Wasser weiter abgegraben und die diversen Regionaldienste, welche heute schon quersubventioniert sind, dürften durch die SRG alleine kaum mehr finanzierbar sein. Ohne SDA und deren Regionaldienste würden heute noch unabhängige kleine Titel der Tagespresse sehr empfindlich getroffen und sozusagen «sturmreif» ausgehungert.

  • Peter Sennhauser

    18.08.08 (11:51:00)

    Herr Messmer, als Heimweh-Fast-Basler stosse ich mich an diesem Satz: Die interessieren sich halt nun mal zuerst für den FCB und dann erst für den Sämi Schmid. Das ist ein peinlicher Selbstbetrug, dem man sich in den Cliquen der selbsternannten "Medienstadt" offenbar unterwerfen muss. Ich liebe Basel, aber diese penetrante mediale Nabelschau - nein: der Narzissmus! sucht in der Schweiz seinesgleichen und hat die BaZ zur bestgehassten regionalen Monopolzeitung gemacht.

  • bugsierer

    18.08.08 (20:36:12)

    kompetenter online journalismus ist der anspruch, ich sehe aber immer wieder sachen wie das hier. 4 zeilen über ein organsiertes besäufnis auf - immerhin - dem bundesplatz. 4 zeilen. super.

  • Bernard Maissen

    23.08.08 (13:16:17)

    Newsnetz als Nachrichtenagentur: Ein Hinweis zur SDA: Die Regionaldienste der SDA werden nicht quersubventioniert. Sie erbringen im Gegenteil eine durchaus stattlichen Deckungsbeitrag und sind seit Jahren auch finanziell erfolgreich. Die SDA pflegt ein transparente und offene Rechnungslegung. Quersubventionen sind nur dort erlaubt, wo es das Leitbild vorsieht und der VR zugestimmt hat: Vom deutschsprachigen Basisdienst zum französischsprachigen Basisdienst. Die SRG SSR idée suisse hat im übrigen mit einer kleinen Ausnahme die Regionaldienste nicht abonniert. Ob Tamedia, immerhin der grösste Aktionär der SDA, mit Newsnetz wirklich der Agentur Konkurrenz machen will, darf zumindest bezweifelt werden. Eine kurze Recherche hätte verhindert, dass im Blog irgendwelche Unwahrheiten verbreitet werden. Bernard Maissen Chefredaktor SDA

  • Peter Hogenkamp

    23.08.08 (22:19:02)

    Sehr geehrter Herr Maissen Danke für den Kommentar und die Klarstellung. Sie schreiben: Eine kurze Recherche hätte verhindert, dass im Blog irgendwelche Unwahrheiten verbreitet werden. «Im Blog» legt man umgekehrt wert auf die Tatsache, dass die «Unwahrheit», falls es denn eine war (was ich nicht beurteilen kann und will), nicht in meinem Artikel verbreitet wurde, sondern in Kommentar Nr. 6. Ich gehe davon aus, dass Sie das auch gesehen haben und sich nur etwas unscharf ausdrücken.

  • Micky Gross

    23.08.08 (22:36:56)

    Mir fällt zweierlei auf: 1. Schreibfehler über Schreibfehler. Falls bei Newsnetz wirklich Journalisten arbeiten, sollten ihnen das grundlegende Handwerk dringend beigebracht werden. 2. Ständiges Aktualisieren. Marc Bruppacher zum Beispiel scheint seit Stunden am Artikel über die Swiss-Bombendrohung zu sitzen, jedenfalls steigt die Zahl der Minuten, vor der letztmals aktualisiert wurde, selten in den zweistelligen Bereich. Bitte weniger hyperaktiv und dafür sorgfältiger, in jeder Hinsicht!

  • Micky Gross

    23.08.08 (22:38:45)

    Lernen bei medienlese.com! Ich wusste nicht, dass auch über die SDA eine Umverteilung stattfindet. Und ich wusste auch nicht, dass ein "stattlicher Deckungsbeitrag" ein Synonym für "finanziell erfolgreich" darstellt. Das klingt fast wie beim Staat!

  • Micky Gross

    23.08.08 (22:40:02)

    Frage an alle: Was geschieht mit den Tagi-Inhalten? Früher konnte ich auf tagi.ch viele Artikel aus dem gedruckten Tagi lesen. Erkenne ich sie jetzt einfach nicht mehr als solche oder wo sind sie alle hin? Auch gut: "RSS" ist auf Rang 1 der meistgelesenen Seiten. Könnte man die Website endlich so einrichten, dass in der URL-Zeile im Browser das RSS-Icon erscheint? Für die Profis von Tamedia und iA müsste das eigentlich zu schaffen sein!

  • Peter Hogenkamp

    24.08.08 (00:21:57)

    >> Lernen bei medienlese.com! Das wiederum wusste ich schon.

  • Micky Gross

    24.08.08 (14:01:53)

    "Die TV-Quoten bei Tagesanzeiger.ch/Newsnetzunserem Staatssender waren mässig, was sich mit der Zeitdifferenz von sechs Stunden nicht allein erklären lässt." Netter Verschreiber soeben bei tagi.ch.

  • Andi Jacomet

    08.10.08 (15:08:21)

    Erschreckend und störend sind die zahlreichen Flüchtigkeits- und Anfängerfehler auf den Newsnetz-Seiten: Unter die nach wie vor soliden Texten gestandener Journalistinnen und Journalisten mischt sich immer mehr holpriges und fehlerhaftes Schrott-Deutsch. Offenbar schreiben nicht nur Leute über Themen, von denen sie keine Ahnung haben - sondern man stellt auch Leute an, die "fiel" nicht von "viel" unterscheiden können, den Bindestrich nicht kennen oder aus zwei Toten schnell mal drei machen - Leichenmaximierung über alles! Ich komme mir beinahe schon wie ein alter, motzender Knacker vor, wenn mir angesichts solcher oder solcher Dinge Wörter wie "Sprachverluderung" in den Sinn kommen; auch in unseren journalistischen Basiskursen orte ich ab etwa Jahrgang 1982 leider gemeinhin schwindendes Sprachgefühl. Newsnetz leidet nicht als einzige Website darunter. Man schert sich aber auch kaum drum. Wenn wenigstens ein Korrektorat existierte, das diesen Namen verdient! Schade: Offenbar wird auf gut Glück angestellt, wer einen Computer bedienen und halbwegs einen Satz schreiben kann. Die paar Sprach Vetischisten die sich dan über Solche vehler nerfen, sind ja Wurst.

  • Peter Hogenkamp

    08.10.08 (15:26:01)

    In der «11» (1985) hatten wir eine Jahrgangsstufensprecherin, Kerstin B., die einen handschriftlichen Aushang an unserem schwarzen Brett machte, der vor Fehlern jeder Art nur so strotzte. In einer Freistunde markierte ich heimlich alle Fehler rot. Eine Pause später wurde das entdeckt. Die meisten lachten, aber ich kann mich bis heute an zwei Mitschülerinnen erinnern, die sich lauthals darüber aufregten, wie man so kleinkariert sein könne. Argument: «Man versteht doch alles!» (Exklusiv-Outing bei medienlese.com, 23 Jahre später.)

  • Andi Jacomet

    08.10.08 (15:36:08)

    Dann sind Kerstin oder die beiden Mitschülerinnen heute vermutlich entweder bei Newsnetz oder beim PC-Tipp-Newsletter angestellt und halten immer noch nichts von einer anständigen Qualitätssicherung ;)

  • bugsierer

    08.10.08 (16:43:21)

    stimme mit andi völlig überein. misst man newsnetz mit dem anspruch, die kompetenteste online redaktion der schweiz zu sein, ist die nach zwei monaten sich latent ausbreitende vertrashung (statt qualitätssteigerung nach einarbeitungsphase) ziemlich ernüchternd. die drei ehemaligen quali brands demontieren sich so schnell wie die finanzbranche grad eben. im übrigen ist die abdeckung im lokalen schlechter als vorher. vorher konnte man den inhalt von berner zeitung print online lesen, jetzt nicht mehr. man kann das immer noch beim bund, wenn auch mit einem antiken interface, aber immerhin gibts da den erstklassigen print content.

  • Andi Jacomet

    08.10.08 (17:03:33)

    "Vertrashung" triffts recht gut. Wer aber haufenweise Trash auf der Seite zulässt, wird vermutlich weniger bereit sein, den "Bund" zu erhalten, befürchte ich. Und leider wird voraussichtlich am 11. November auch der "Bund" ins Newsnetz integriert. Mist. Immerhin wurde heute beim Tagi das peinliche "viel vom Dach" nach einigen Stunden durch "fiel vom Dach" ersetzt - also doch so etwas wie Qualitätssicherung?

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