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22.08.07Leser-Kommentare

Im Test: Matador

Der Matador zwingt wilde Stiere in die Knie und wird dafür mit Blumen beworfen. Wir haben getestet, ob das bei der gleichnamigen deutschsprachigen Zeitschrift auch so ist.

Matador Cover

Im Test: Die vor Mitte August erschienene Ausgabe September 2007.

 

Allgemeiner Eindruck

Matador, das klingt für mich nach stolzen und furchtlosen Südländern in schicken Kleidern, die ihr Geld damit verdienen, grosse Tiere vor Publikum abzuschlachten. Mit diesen sollen sich offenbar deutschsprachige Männer identifizieren und darum das Magazin kaufen. Wieviele davon wohl Stiertöter sind?

Zielgruppe

Männer, die sich für Miezen, Maschinen und Monster interessieren.

Anspruch

Matador StyleDie Tagline der Zeitschrift lautet "Männer wollen's wissen". Wort 1 ist gleichzeitig Zielgruppe und Selbstidentifikation. Angesprochen werden Männer, die sich als echte Männer sehen (und die sich wie ein Matador fühlen, wenigstens einmal im Jahr oder so). Wort 2 ist eine weitere männliche Manifestation. Männer denken, fühlen, spüren, lieben und weinen zwar manchmal, aber das wollen Männer nicht wissen. Männern reicht es, zu wollen (und es ab und zu auch zu kriegen). Der Apostroph nach dem wollen ist nötig, da der Satz sonst zu ernst klingt. Der bringt etwas Lockerheit rein. Denn Männer, die verbissen etwas wollen, wirken nicht optimal. Wort 3 bringt die Vertiefung rein, denn Matador soll auch bilden.IMG 4566

Das Magazin selbst sieht sich so :

 

MATADOR-Männer wollen nur das Beste. Sie lieben

selbstbewusste und schöne Frauen, fahren gerne

Traumautos, interessieren sich für die neuesten Mode-

Trends und pflegen sich mit hochwertiger Kosmetik. Sie mögen das Leben so sehr, dass sie genau Bescheid wissenwollen. Deswegen legen sie Wert auf erstklassigen Journalismus, mitreißende Fotografie und profunden Service.

In MATADOR finden moderne Männer alles, was ihnen hilft, ihre Welt zu entdecken: packende Reportagen, spannende Wissens-Geschichten, anspruchsvolle Erotik und kompetente Beratung über die neuesten Technik-Gadgets und die aktuellen Style-Trends. MATADOR ist überraschend, lebendig, mutig, unterhaltsam und intelligent – eine Arena für moderne Männer.

Titelseite

Eine TV-Moderatorin (Alexandra Polzin), die ich Ignorant nicht kenne. Sie ist jung, hübsch, fast nackt und mutmasslich gephotoshoppt. Dazu wirkt sie intelligent und hat schöne Hände. Wenn mich nicht alles täuscht, dann trägt sie eine Miniversion der DFB-Meisterschale um den Hals. Klar, steht man beim Zeitschriftenhändler, dann sieht man vor allem eine halbnackte Frau und fragt sich, ob man mit so einem Magazin jetzt rumlaufen möchte - schaut man aber genauer hin, merkt man, dass die Titelseite echt gut gemacht ist. Gut, die wehenden Locken auf Nierenhöhe sind etwas dramatisch. Aber das darf es doch auch sein. Die Fragen "Was kostet ein Orgasmus?", "Was passiert, wenn man seine One-Night-Stands wieder trifft" und "Klappt Marathon auch ohne Training?" haben mich angesprochen. Darum hab ich das Heft gekauft. Kurzfazit: Titelseite gelungen.

Aufmachung

Format A4? Papier, Geruch, Glanz etwa wie der Spiegel, wenn ich das in all meiner Unkenntnis der Sachlage mal so behaupten darf.

Auflage

164.727 (2/2007, gemäss IVW)

Erscheinungsweise

monatlich

Seitenanzahl

164

Verbreitungsgebiet

Hauptsächlich Deutschland, Schweiz, Österreich.

Preis

Matador Abo

4.60 Euro / 1 Ausgabe, 55.20 Euro für 12 Ausgaben . Dazu gibt es Taucheruhren, Uhrenradios, Trolleys oder einen Mini-Taschenschirm in einer Box.

Wirbt man einen Freund an, dann kann man auch einen H&M- oder Saturn-Gutschein im Wert von 50 Euro abstauben. Im Kleingedruckten heisst es dazu:

 

Mein Abonnement läuft mindestens 1 Jahr, wodurch der Werber seinen Prämienanspruch erwirbt. Bei vorzeitiger Vertragsbeendigung wird die Prämie vom Werber zurückgefordert. Das Abonnement verlängert sich jeweils nur dann um ein weiteres Jahr, wenn ich nicht bis spätestens 3 Monate vor Ablauf des Lieferjahres schriftlich kündige. Der derzeitige Frei-Haus-Bezugspreis beträgt für Matador (572) vierteljährlich Euro 13,80 inkl. Zustellgebühr und Mehrwertsteuer. Die erste Zeitschrift kommt in ca. 4 Wochen. Matador erscheint monatlich. Liefern Sie bitte an:

Preis / Leistungsverhältnis

Eher teuer, wenn wir mit den vorher besprochenen Blond oder IQstyle vergleichen. In der Schweiz kostet das Ding sagenhafte 9 Franken. Wiederum kriegt man dafür in Zürich ja auch nicht viel mehr als einen Kebab. Wobei man in Berlin vier essen könnte für eine Ausgabe.

Onlineauftritt

Da , aber eigentlich nicht existent. Es sei denn, man sieht das Angebot, sich gegen Geld nackte "Models" aufs Handy zu laden, als einen Mehrwert.

Inhalt

ONS MatadorWir nehmen die Titelgeschichte: "Eine Reise in die Vergangenheit - was passiert, wenn ein Mann die One-Night-Stands seines Lebens wieder trifft." Stefan Wimmer, ein vermutlich unwiderstehlicher Typ, schreibt Frauen, mit denen er mal für eine Nacht was hatte, SMS oder E-Mails. Etwas überraschend für den Durchschnittsmann kriegt er mit jeder ein Date und mehr. Zum Beispiel "Dagmar, die mittlerweile ernsthaft an meinem Hosenlatz herumfummelte". Oder Emilia, die ihn so nervt, "dass ich sie einfach packte und mit einem Zungenkuss zum Schweigen brachte". Das ist alles höchst unterhaltend geschrieben ("Am Morgen erwachte ich vom sanften Schaben der Theo-Waigel-Augenbrauen auf meiner Brust", "I möcht, dass du mi jetzt in Grund und Bode figgsch!" oder "Dorle, do is doch jemand drin! Wenn ned glei aufsperrst, foid da Watschenbaum um!"), aber auch komplett unglaubwürdig. Aber wen interessiert das schon. Es geht um Unterhaltung und Beflügelung von Fantasien. Zwischen den Zeilen blitzen einige Wahrheiten und mutmasslich eigene Erfahrungen auf. Kann man sich sparen, muss man aber nicht. Sein Fazit: Triff keine wieder, du wirst es bereuen.

Highlights

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Für mich ganz klar der Matador-Textchef Jesko Priess (sorry, Schweizer Tastatur, kein Doppel-S), der OHNE vorher zu trainieren die Marathondistanz von 42,195 Kilometern gelaufen ist (Seiten 100-103). Die obligate Warnung für die Kinder und andere Leute steht beim Bild:

 

Einen Marathon ohne Training zu laufen ist unverantwortlich, lebensgefährlich und böse. Daher bitte nicht nachmachen. Niemals!

Auszug aus dem Text, Abschnitt "Unter der Dusche":

 

Die schlechte Nachricht: Das ganze warme Wasser wurde von den Leuten weggeduscht, die vor mir ins Ziel gekommen sind. Die gute: Ich schaffe es, nicht zu ertrinken.

Matador schlafenDazu passt auch der Text auf der letzten Seite (162) über Tony Wright, 42, der nach elf Tagen ohne Schlaf mitten in einem Interview ohnmächtig wird (Ressort: Männer/Extrem). Bitter: Die Rekordlatte für den längsten Schlafentzug war höher, als er gedacht hatte.

Lowlights

Schwierig. Es hat wohl einige durchschnittliche Beiträge drin, doch auch die Short Bits sind ok oder gar spannend. Nichts fällt durch, nichts ist unterirdisch, nichts ist einfach doof. Vielleicht hab ich nicht lange genug gesucht, aber ich habe keinen Blödsinn gefunden.

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Werbung

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Werbung ist nicht im Übermass drin, aber wenn, dann gut gewählt und passend, wie hier im Beispiel der bezahlte Hinweis auf die Sendung Survivor von Pro7. Geworben wird für Video-on-Demand (Fussball), Männerkosmetik, Pokerportale, Whiskey, Autozeitschriften, Multimediazeitschriften, Autos, Möbel und Bier. Und die sind von den redaktionellen Beiträgen relativ sauber abgegrenzt. Einmal steht über einem ziemlich redaktionell wirkenden Beitrag das Wort "Promotion".

Sex-Appeal

Hoch, aber für mein Empfinden nicht unangenehm. Die portraitierten Frauen, die nicht mehr als ihre sekundären Geschlechtsmerkmale exponieren, wirken schlau und schön. Und sind mit den Fotos von sich zufrieden. Alexandra Polzin:

 

Ich bin stolz auf diese Bilder. Das Einzige, was mich gestört hat, war, dass ich nicht reden konnte, während ich fotografiert wurde. Am liebsten hätte ich mein eigenes Shooting moderiert.

Dass ausschliesslich junge, schlanke, hübsche Frauen fotografiert werden, kann in einem Magazin für Hetero-Männer nicht erstaunen. Dass "Biologin" Svantje (Masse 90-60-90, 173 Zentimenter, 53 Kilogramm, BMI 17.7) gemäss meinem subjektiven Eindruck von den im Heft abgebildeten Frauen noch, wenn man das so sagen kann, eine der Beleibtesten ist, ebenfalls nicht.

Fazit

Ein Magazin, von dem ich vermutlich nicht die beste Ausgabe erwischt habe. Ich kann mich erinnern, im letzten Winter im Matador eine hervorragende Story über die verschiedene Frauentypen gelesen zu haben. Sowie eine ebenfalls grossartige Story über Ameisen. Das Magazin besticht jedenfalls im Detail und ist echt informativ, was für eine Zeitschrift mit einer fast nackten Frau drauf überraschend ist. Ich halte Matador für ein unterhaltendes Männermagazin mit Tiefgang. Die Frage, ob es an den selbst gestellten Anspruch herankommt, würde ich mit ja beantworten.

Bewertung

7/10 Punkten

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Peter Hogenkamp

    23.08.07 (05:57:56)

    Das "ß" (Eszett, scharfes S) sollte man bei Eigennamen wohl in der Tat verwenden. Auf Schweizer Tastaturen (und allen anderen weltweiten Windows-Tastaturen): "Alt-0223". Auf dem Laptop ist es allerdings unangenehm, wenn man erst auf Numlock umschalten muss. Daher würde ich dort "Windows-R" - "charmap" machen und es aus der Zeichentabelle einfügen.

  • Ronnie Grob

    23.08.07 (11:32:53)

    @Peter: ßßß - hat geklappt! Ich hoffe nun, dass ich das Wort "charmap" nun nicht gleich wieder vergesse. Oder dass eine Copy-Paste-Möglichkeit besteht. Aber stimmt natürlich. Namen sollte man wenn immer möglich richtig schreiben. Also: Jesko Prieß heisst der Held.

  • Peter Hogenkamp

    23.08.07 (15:37:28)

    Kannst sonst auch Start - Alle Programe - Zubehör - Systemprogramme - Zeichentabelle machen. Aber bei so vielen Schritten habe ich meist in der Mitte wieder vergessen, was ich wollte.

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