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30.07.07Leser-Kommentare

Im Test: IQstyle

Wir versuchen uns an einer neuen Rubrik und testen jeweils eine Ausgabe eines Medienprodukts ausführlich. Zuerst an den Start darf IQstyle, eine Zeitschrift für Leute, die von sich glauben, sowohl Stil als auch einen wie auch immer gearteten IQ zu haben.

IQ Style Emily Haines

Im Test ist die Juliausgabe, eine Jubiläumsausgabe, weil es sich dabei um die hundertste IQstyle handelt.

 

Allgemeiner Eindruck

Ein ganz nett gemachtes Monatsblatt für junge Städter, die etwas auf sich halten.

Zielgruppe

Leute, die IQ-Tests machen und gut aussehen (möchten).

Anspruch

Das IQstyle selbst sieht sich so:

 

Monat für Monat schreibt IQstyle über alles, was junge Menschen an- und aufregt. Taugt das neue Madonna-Album? Welche Farben trage ich diesen Sommer? Und im nächsten? Welche Filme muss ich sehen? Wer ist der größte Freak zur Zeit? In jeder neuen Ausgabe steht?s drin. IQ ist das Magazin für alle, die Szene leben und es nicht so nennen. Die besser Snowboard fahren als einen Benz. Die Vibes wollen und keine One-Hit-Wonders. Für die Kleidung eine zweite Haut bedeutet. Für DJs statt Boygroups.

Titelseite

Mit der wunderbaren Emily Haines vorne drauf kann man fast nicht verlieren. Eigentlich nur, wenn man dazu die etwas doofe Frage "Sind Fans die besseren Menschen?" stellt. So eine Frage, die weder mit ja noch mit nein beantwortet werden kann und wird, sollte einen eigentlich dazu zwingen, das Heft wieder zurückzulegen. Dazu sagen muss man, dass dieser Satz natürlich genau die Zielgruppe anspricht, also wohl darum dort steht. Und nicht, weil er etwas zu sagen hätte.

Aufmachung

Geschätzt ist das Format etwas grösser als A4. Viel weisse Fläche und angenehme Fonts in schwarz machen mir einen angenehmen Eindruck. Das mit dem Style scheint ganz gut zu klappen.

Auflage

70.944 (Verbreitung 1/2007, gemäss IVW)

Erscheinungsweise

monatlich (10 x jährlich)

Seitenanzahl

124

Verbreitungsgebiet

Die Redaktion des Hefts sitzt in Deutschland und Österreich (natürlich in den Hauptstädten). Und dort wird dieses Heft wohl auch verkauft. In der Schweiz hab ich es noch nie gesehen. Aber vielleicht war ich einfach blind dafür.

Preis

Günstig. Ich dachte zuerst, das sei ein Spezialpreis, weil es eine Jubiläumsausgabe ist, aber nein, das kostet immer so wenig. 1 Ausgabe gibts für 2 Euro. 10 Ausgaben gibts für 17 Euro. Als Probeabo gibt es sogar 3 Ausgaben kostenlos.

Preis / Leistungsverhältnis

Gut. Für zwei Euro gibt es viel Lesestoff und auf den Seiten 118 bis 121 Gratisprodukte dazu, die man angeblich mit einer E-Mail oder einer Postkarte an die Berliner Redaktion gewinnen kann.

Onlineauftritt

Kein Grund für einen Besuch ( iq-world.com ). Ausgenommen die Möglichkeit, ein Gratis-Probeabo zu bestellen.

Inhalt

IQ Style Digital ist besserPicken wir einen Text über die Digitale Boheme auf Seite 90 heraus. Digitale Boheme ist für viele Leser dieses Blogs sicher nichts neues, für IQstyle -Leser auch nicht, denn die haben bereits im November 2006 ein Interview mit Holm Friebe und Sascha Lobo lesen dürfen. Dennoch ist der Text ganz gut gelungen. Man erfährt nicht nur die vielerseits bekannten und überall breitgetretenen Fakten, sondern auch etwas über Menschen mit Laptops in Argentinien (die ihre Laptops nur in sicherer Umgebung auspacken) und über Menschen mit Laptops in New York (die schon um 6 Uhr morgens aufstehen, damit sie mit ihren deutschen Auftraggebern kommunizieren können).

Erklärt werden auch jene Gruppen, die nicht zur digitalen Boheme gehören: Die urbanen Pennern (dauernd Projekte, aber keine Auftraggeber), die transglobale Elite (in Designerhotels schlafende Chefs, die digitale Bohemiens ausbeuten) und die ganz normale Boheme (Uralt-PC-Besitzer, die ihre E-Mails nur alle paar Tage checken).

Highlights

IQ Style AnalsexSehr gut gefallen hat mir der Text von "Dörte Diggler" über Analsex. Obwohl Frau Diggler sauber im Impressum aufgeführt ist, ist nicht anzunehmen, dass es sich dabei um einen Echtnamen handelt. Beste Sätze: "Wenn ich alles verstehen würde, was Männer gut finden, wäre ich wahrscheinlich selbst einer." - "Denn, klar, zum Analsex gehören zwei, ein Penis und ein Hintern, und da ich keinen Penis habe, muss ich zwangsläufig die sein, die ihren Hintern zur Verfügung stellt." Und noch einige mehr, aber da hier sicher Pfarrerinnen und Kinder mitlesen, lassen wir das.

Lowlights

IQ Style BravoEin Ausfall ist der Fragebogen ("Multiple Choice Test") mit Sängerin "Mieze" von der Band Mia. Die Fragen sind banal, die Antworten beliebig. Das könnte gut auch in der Bravo stehen. "Ist auf Tour sein wie ...Urlaub, ...Klassenfahrt, ...wie eine Schachtel Pralinen - man weiss nie, was kommt?" (Frage 1). Sowas soll Leute mit IQ und Style interessieren?

Werbung

IQ Style Werbung Becks

IQ Style ImpressumDas links ist Inhalt, das rechts ist Werbung, hätten Sie's gemerkt? Ich nicht. "Alle redaktionellen Sonderwerbeformen sind mit dem Wort 'Promotion' gekennzeichnet" steht dazu im Impressum auf Seite 3. Stimmt nicht auf Seite 49, es sei denn, man meint damit weisse Schrift auf weissem Grund. Vom Umfang her ist weder unangenehm viel, noch bedrohlich wenig drin.

Sex-Appeal

IQ Style Underwear IIIQ Style Underwear I Ziemlich hoch. Um ihn hochzuhalten, sind viele im Heft vorkommende Personen entweder sehr stilvoll oder sehr spärlich bekleidet. Links sehen wir ein Foto der Unterhose "Greta" von Schiesser Revival . rechts ein Bild zum Thema "Komplexzone Körper". Die Köpfe der Personen sind ebenfalls schön, leider habe ich sie beim Fotografieren abgeschnitten (was hab ich mir dabei bloss gedacht).

Fazit

Die Seiten sind herrlich weiss und das Heft riecht ganz gut. Die Bilder sind fesch. Das Korrektorat ok. Das Niveau der Texte über dem von Vanity Fair. IQstyle ist vielleicht nicht mit überbordender Liebe, aber doch sorgfältig und solide gemacht. Kann man sich durchaus mal kaufen.

Bewertung

7/10 Punkten

Die hunderterste Ausgabe (August) ist bereits an den Kiosken. Beim nächsten Mal geht das auch aktueller, versprochen.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Jean-Claude

    30.07.07 (16:41:10)

    Obwohl mich dieses IQ Style nicht die Bohne interessiert: die neue Rubrk ist gelungen! Gratuliere. Ueblicherweise schreiben Journalisten über Produkte der Konkurrenz mit Häme. Das ist hier nicht der Fall. Ist ausbaufähig.

  • Claudio

    04.08.07 (18:24:29)

    Interessante Idee, diese neue Rubrik. Trotzdem scheint mir die Bewertung ? wie die Antworten auf die Multiple-Choice-Fragen ? beliebig. Wie wäre es mit der Offenlegung der Testkriterien wie dies sonst in Tests der Fall ist?

  • Jean-Claude

    05.08.07 (07:32:52)

    Da bin ich anderer Meinung. Man sollte es nicht zu sehr formalisieren und "objektivieren", sondern so handhaben wie eine Restaurant-Kritik: ein grobes Raster mit ein paar Grundkriterien und durchaus mit subjektiver Wahrnehmung - eben, wie ein unbefangener Gast. Die Küche kann mal einen schlechten Tag haben, dann hat das Restaurant eben Pech gehabt, wenn der Kritriker genau an dem Tag da war. Aber diese individuelle Erfahrung macht der Gast ja auch. Es gefällt ihm grundsätzlich nicht - und er kommt nicht noch einmal. War hingegen bloss die Suppe versalzen, wird er es ein weiteres mal probieren. Genauso ist es mit Medien. Journalisten neigen dazu, ihre eigenen und andere Medien nur mit den Augen des Journalisten zu beurteilen. Interessanter und letzlich ergiebiger ist es, sowas mit den Augen des interessierten Lesers zu machen. Also: ihr könnt ruhig mehr von den Dingern bringen. Muss keine Doktorarbeit sein. Uberigens ist aufschlussreich, wie wenig Journalsten über ihre Leser wissen, darum wirken viele Medien so künstlich und treffen nicht den emotionalen Punkt ihrer Leser. Darauf kommt es aber letzlich an. Und nicht auf meistens untaugliche Marktanalysen.

  • Claudio

    05.08.07 (08:30:52)

    So objektiv wie eine Dissertation zu sein, habe ich auch gar nicht gemeint mit der »Offenlegung der Testkriterien«. Aber wenn zum Schluss eine Bewertung kommt mit 7/10 Punkten, die schliesslich eine gewisse Objektivität suggeriert, wäre es schön zu wissen, für was denn diese Punkte vergeben wurden. Freue mich schon auf den nächsten Test!

  • Ronnie Grob

    05.08.07 (13:20:56)

    @Claudio: Gute Idee mit der Offenlegung der Kriterien, für Offenlegungen bin ich ja stets. Im vorliegenden Fall liegt die Schwierigkeit aber darin, dass ich das ganz ohne Kriterien gemacht habe. Es ist, wie auch schon Jean-Claude geschrieben hat, eine Heftkritik, die wie eine Gastrokritik ist. Ich kauf mir eine Ausgabe und bewerte die ganz nach meinem spontanen und momentanen Urteil. So ein Test ist persönlich und kann auch unfair sein (zB wenn der Gastgeber was auftischt, was zwar total gut gemacht ist, mir aber aus irgendwelchen Gründen widerstrebt). Ich denke, dass sowas ganz gut in ein Weblog reinpasst - auch meine Punktebewertung dabei möchte ich als rein subjektives und unreflektiertes Urteil verstanden haben. Für Testurteile nach nicht persönlichen Kriterien muss man sich wohl auf die Stiftung Warentest oder ähnliche verlassen. Aber trotzdem danke für den Anstoss, ich überleg mir mal, ob ich die vergebenen Punkte nicht doch nach Kriterien ausrichten möchte. Der nächste Test folgt übrigens bald, ist bereits in Arbeit...

  • Griffith30Courtney

    11.07.10 (15:29:02)

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