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12.04.08Kommentieren

Im Test: hörbücher

Hörbücher sind weiterhin populär und beliebt, ein Hoffnungsmarkt mit zweistelligem Wachstum für die Verlage. Orientierung will das Magazin hörbücher liefern – und seit der Einführung vor einem knappen Jahr macht es das fast perfekt.

hörbücher

 

Im Test: Ausgabe 3/2008 vom April

Allgemeiner Eindruck

hörbücher überzeugt auf allen Ebenen: ein breites Themenspektrum, gut aufbereitete Geschichten und Interviews, kompetente Orientierungs- und Kaufhilfe. Eine fast perfekte Zeitschrift, für die auch nach längerem Überlegen wenig Notwendigkeit zur Verbesserung besteht. Hörbuch-Fans können nichts Besseres finden. Nur bei der Website gibt es noch viel zu tun.

Zielgruppe

In erster Linie werden wohl alle Fans von Hörbüchern und Hörspielen zu diesem Magazin greifen. Die Artikel und Interviews im Magazin geben Einblick in alle möglichen Themen rund um das Medium Hörbuch – vom Vorlesen und Sprechen bis zum persönlichen Zugang zu Hörbüchern. Alle Leser, die sich nur irgendwie für Hörbücher oder auch Literatur interessieren, kommen mit hörbücher auf ihre Kosten.

Anspruch

Das Magazin-Layout ist einfach und übersichtlich. Die Aufmachung unterstütz den Anspruch des Magazins, seinen Lesern Beratung und Übersicht über den undurchdringlichen Dschungel an Neuerscheinungen am Hörbüchermarkt zu geben. Hauptelemente der Gestaltung sind Weißraum, Farbflächen, schwarze Linien und Bilder. Für mich suggeriert das Design eher Seriosität und Qualität statt Masse.

Die Texte selbst sind verständlich geschrieben, die Interviews gehen auch in die Tiefe. Einige Rezensionen sind nüchterne Inhaltsangaben, andere dagegen voll mit lebendigen Zitaten und mitreißend geschrieben. Persönliche Meinungen fließen ebenfalls ein und das ist absolut legitim und erwünscht, denn Rezensionen sind nun mal subjektive Texte. Vom Anspruch her ist hörbücher also ein Nischenmagazin mit breitem Themenspektrum und einer Aufmachung, die auch eine breitere Leserschicht anspricht.

Titelseite

hörbücher setzt auf Prominenz: die Hälfte der Titelseite nimmt das Portrait von Jörg Pilawa ein. Sein Kopf überdeckt sogar den Namen des Magazins – keine elegante Lösung! Das Design der Titelseite ist recht einfach: eine rote, kursive Schrift in verschiedenen Größen kündigt die Top-Stories an, darunter sind kurze Anreißertexte in Schwarz. Der Titel wird also eher durch den prominenten Kopf ins Auge springen als durch besonders geschickte Gestaltung.

Verlag

hörbücher erscheint im Verlag falkmedia.

Erscheinungsweise, Verbreitungsgebiet

Das Magazin erscheint sechsmal im Jahr in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Die Auflage beträgt laut eigenen Angaben 65.000 Stück. hörbücher ist eine relativ neue Zeitschrift, die nun bald ein Jahr auf dem Markt ist.

Seitenanzahl

Die aktuelle Ausgabe hat 106 Seiten.

Preis und Leistungsverhältnis

In Deutschland und Österreich kostet hörbücher ? 4,50, in der Schweiz CHF 8,50. Dafür bekommt man das Magazin, eine Audio-CD und drei Hörbücher zum kostenlosen Download (mehr dazu weiter unten). Für den gebotenen Inhalt und die Extras ist das ein tolles Preis-Leistungsverhältnis.

Werbung

Doch erstaunlich viel für so ein Special-Interest Magazin. Anders könnte man hörbücher wohl kaum um diesen Preis anbieten. Natürlich inserieren auch die Verlage, deren Produkte rezensiert werden. Das beeinträchtigt die Unabhängigkeit des Magazins allerdings nicht – auch beworbene Titel haben schon mal eine schlechte Bewertung erhalten.

Journalistisch problematisch sind aber gewisse Kooperationen. Das "Chopin Manuskript", einer der drei Gratis-Downloads, kann zum Beispiel nur über die Hörbücher-Plattform audible.de heruntergeladen werden. Außerdem wird audible.de im Heft mehrere Male positiv erwähnt. Ohne solche Kooperationen kommt heute zwar kein Medium mehr aus und diese PR wird auch weitgehend geduldet. Ein gutes Bild macht das aber nicht.

Online-Auftritt

Die Website hoerbuecher-magazin.de lässt leider zu wünschen übrig. Inhalte aus dem Magazin gibt es online nicht. Allein das Bild der Titelseite und ein kurzes Inhaltsverzeichnis zeigt die Startseite. Wenigstens hat man auf Informationen zum Magazin, Kontakt- und Abodaten nicht vergessen. Ein Online-Archiv wäre aber grandios, vor allem für die Rezensionen. Es scheint allerdings an einer gewinnbringenden Geschäftsidee fürs Web zu fehlen.

Inhalt

Die Rezensionen

Das wichtigste in hörbücher sind die Rezensionen. Rund 80 Hörbücher und Hörspiele aus verschiedenen Genres bewerten die Redakteure in jeder Ausgabe. Eine einfache Bewertungsskala mit CD-Symbolen lässt gleich erkennen, wie der Titel bewertet wurde. Das Spektrum reicht von einer CD (Zeitverschwendung) bis zu sechs CDs (Grandios). Kriterien für die Bewertung sind Stimmung, sprachliche Leistung, Aufnahmequalität, Ausstattung und Inhalt.

hörbücher

Jeder Titel wird ausführlich vorgestellt: Dazu gehören ein Bild des Covers, Autor und Titel, wer liest und die eigentliche Rezension in Form eines Textes mit rund drei längeren Absätzen. Jede Rezension ist am Ende mit einem Redakteurskürzel gekennzeichnet. Neben der Bewertung mit den CDs gibt es zum Schluss noch die Grundinfos: Preis, Verlag, Format (gekürzte oder ungekürzte Lösung, Hörspiel, etc.), Umfang (wie viele CDs) und Dauer.

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Außerdem sind die Rezensionen je nach Genre in verschiedenen Rubriken kategorisiert. Den Beginn machen Erzählungen & Romane, gefolgt von Thriller & Krimis. Danach folgen Klassiker, Sachbuch & Ratgeber und Biographien. Die Rubrik Kinder & Jugend hat die meisten Rezensionen. Recht wenige Titel wurden in Fantasy & Science Fiction, English Books, Gedichte & Balladen sowie Humor & Satire bewertet.

Diese Einteilung und das übersichtliche Bewertungssystem sind gut durchdacht. Man bekommt alle nötigen Informationen, eine kurze Inhaltsangabe und natürlich ein Urteil – besser kann man es in einem Magazin nicht machen.

Die Stories

Die ersten Seiten des Magazins sind mit Hörbuch-News, einer Bestseller-Liste und Lese-Terminen von Sprechern (leider nur für Deutschland) gefüllt. Die Editor?s Choice präsentiert Hörbücher, die der Redaktion besonders gut gefallen haben. In der Rubrik ?Aus dem Netz? sind Podcasts und Websites um das Thema Hörspiele und –bücher aufgelistet.

Zwischen den Rezensionen gibt es Lesestoff: ein Interview mit Christian Brückner, der Stimme von Robert de Niro und ein Portrait inklusive Interview mit dem Autor Ken Follet (?Die Säulen der Erde?, ?Die Tore der Welt?). Beides graphisch und inhaltlich gelungene Beiträge, die auch in die Tiefe gehen. Zu Wort kommen auch Elke Heidenreich (Lesen!), Moderator Jörg Pilawa, der Schweizer Autor Urs Widmer, Hörbuchautorin Maja Nielsen und die deutsche Schauspielerin Ulrike Grote.

Auf den letzten Seiten stellt ?Rückblick & Ausblick? ?grandiose Hörbücher vergangener Ausgaben? vor und ?verheißungsvolle Neuerscheinungen?, auf die sich die Redaktion freut. Außerdem gibt es die obligatorische Vorschau aufs nächste Heft.

Highlights und Lowlights

Besonders gelungen ist das Spezial über Geschichts-Hörbücher. Ein kurzer Einführungstext liefert Infos zum Thema. Das Interview mit Jörg Pilawa ist recht unterhaltsam. Im Anschluss gibt es 20 Rezensionen über Geschichts-Hörbücher. Freunde von Sherlock Holmes können sich über ein Spezial mit zehn Rezensionen zu Lesungen und Biographien freuen.

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Eine gute Idee ist die Doppelseite mit Hörspielterminen im Radio (auch hier leider nur deutsche Sender). Hilfreich auch eine Liste mit jenen Hörbuch-Sprechern, deren Stimme zwar bekannt sind – im Gegensatz zu den Namen. Die drei Gratis-Downloads (Das Chopin-Manuskript, Die Schatzinsel und Musikgeschichten) kann man nach einer Registrierung problemlos herunterladen. Allein beim Chopin-Manuskript muss man sich eine spezielle Software downloaden, wegen des Copyright-Systems von audible.de.

Eine vielleicht unzeitgemäße, aber dafür charmante Idee ist die beigelegte Audio-CD mit sechs ausgesuchten Märchen vom Hörbuch ?Der Zauber von Afrika?. Und obwohl es sich um Märchen handelt, bringen die von Promis vorgetragenen Geschichten auch Erwachsene zum Nachdenken und Schmunzeln.

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Ein Vergleich von 15 Download-Portale im Internet gibt eine gute Übersicht zum Hörbüchermarkt im Netz und der Zukunft des Hörbuchs. In einer Tabelle sind hilfreiche Infos zusammengestellt über Angebot, Formate, Zahlungsmöglichkeiten, sowie Vor- und Nachteile der Online-Portale.

Der Test ?Wie hörbuch-tauglich sind Luxus-Mobiltelefone?? vergleicht das Nokia N81 mit dem Sony Ericsson W960. Hier wurde darauf geachtet, ob die Handys Lesezeichen für Musikdateien anbieten und Copyright-geschützte Formate abspielen können. Besonders vom Hocker reißt dieser Test nicht, aber im Hinblick auf das Zielpublikum hat sich der Autor wohl auf die richtigen Fragen konzentriert. Dasselbe gilt für einen Kurztest zu In-Ear-Hörern und einer Kompaktanlage.

Fazit

hörbücher ist ein Traum für alle, die sich für Hörbücher, Hörspiele und Lesungen interessieren. Auch nach längerem Überlegen fällt mir nichts ein, was das Magazin besser machen könnte. Der Mix an Themen, die verschiedenen Formate von Rezension, Bericht, Spezial und Interview sowie das übersichtliche Design machen hörbücher zu einer sehr guten Zeitschrift. Abzüge gibt es einzig für die karge Website. Die Kooperation mit audible.de sehe ich neutral: Das Portal wird zwar öfters erwähnt, aber nicht in den Himmel gelobt.

Positiv zu erwähnen ist außerdem, dass man zwei Ausgaben ohne weitere Verpflichtung und kostenlos testen kann. Allein das zeigt: Hier wird mit Qualität überzeugt. Und das zu einem wirklich günstigen Preis. Absolute Kauf- und Aboempfehlung!

Bewertung

9/10 Punkten.

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

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