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08.08.07Leser-Kommentare

Im Test: blond

Ist das blond magazin nur was für Blonde? Wir haben es getestet.

blond

Im Test die Ausgabe 08/2007.

 

Allgemeiner Eindruck

Blond Uni LeipzigDer Name der Zeitschrift, blond, wird wohl soviele danach greifen lassen, wie es Leute davon abschrecken wird. Entweder findet man blond super oder schrecklich, dazwischen ist wohl nicht viel Platz. Es entscheidet sich am Wort "blond", ein Farbton zwischen gelblich und bräunlich, das vielleicht mit dem Wort blind verwandt ist, aber auch oft mit Worten wie hübsch, schlank, schön, gross, jung, blauäugig und langbeinig zusammen verwendet wird (siehe Grafik).

Zielgruppe

Eine orientierungslose Jugend, die sich an Haarfarben festhält.

blond selbst schreibt :

 

Die junge Zielgruppe ist überdurchschnittlich markenbewusst; ihre Marken-Präferenzen bleiben bis in das Erwachsenenalter stabil. Sie ist ambitioniert, interessiert und anspruchsvoll. Wer sie glaubwürdig und authentisch ansprechen will, muss ihre Codes und Lifestyles verstehen und sich ihrer Opinion-Leader und ihrer Medien bedienen. Dies sind die Magazine und Medien-Produkte der b&d-Verlagsgruppe.

Anspruch

blond sieht sich selbst so :

 

Das junge Magazin für Street- und Popkultur mit den Themenschwerpunkten Musik, Mode, Sport und Lifestyle spricht die Zielgruppe der 18- bis 35-Jährigen an. Für seine Leser ist blond "Auslöser" für neue Trends und Styles, und in seiner Zielgruppenansprache einzigartig und unverwechselbar.

blond kommentiert, fokussiert und polarisiert. blond vereint eine Generation, deren individueller Style Statement ist. Mit exklusiven Interviews, ausgefallenen Foto- und Modestrecken sowie eigenwilligen Porträts berichtet blond über die Protagonisten der Szene, informiert über Events, Clubkultur und Sportereignisse, und kennt die Trends von morgen. Frech, humorvoll, direkt und immer einen Schritt voraus.

Jede Ausgabe behandelt ein prominentes Titelthema aus der Gefühls- und Lebenswelt der blond-Leser. Mit "Frühlingsgefühle im Herbst", "Lebe deine Nächte" oder "Urlaub von der Realität" reagiert blond auf aktuelle Phänomene der Jugendkultur.

Neu in blond: "Unterwegs". Neben den angesagtesten Sportereignissen und Spots stellt blond in Zukunft die Stadt des Monats vor, präsentiert ungewöhnliche Reise-Reportagen und Roadtrips. Außerdem: der blond Wegweiser. blond empfiehlt die "Must haves" des Monats mit den wichtigsten CDs, Filmen, Games, Büchern, Mode- und Design-Accessoires im Überblick. blond steht für Glaubwürdigkeit und Authentizität, für Spaß und Akzeptanz. blond magazin, das heißt heute: für die Leser Navigator in Sachen People und Lifestyle; für Marken und Märkte glaubwürdiger Kurs in die Zielgruppe. blond: Wir gehen schon mal vor?

Titelseite

Ein blonder, blauäugiger Typ mit einem V-Gesicht, dessen T-Shirt mit Hosenträgern an praktisch nicht sehr sinnvollen Orten aufgehängt ist. Aber das muss gar nicht sein, es geht um die Visualisierung des Hefttitels "Hängen geblieben". Ich frage mich, ob jede Ausgabe von einem blonden Covermodel geschmückt werden, oder ob andere Haarfarben auch mal ran dürfen. Grundsätzlich ist der Titel ganz ansprechend. Vermutlich werden einige Mädchen vom Boy hypnotisiert ihr Geld zur Kasse tragen.

Aufmachung

breakers

Exakt gleich gross wie IQstyle im letzten Test. Leuchtend weisse Seiten, pechschwarze Schrift. Das Heft sieht etwas so aus, als wären die Designer in der Redaktion eine starke Fraktion. Für mich wirkt es etwas überladen mit verschiedenen Fonts, Zwischentiteln und grafischen Ideen. Manchmal wechselt die Schriftart mitten im Satz, ja mitten im Wort. Das Aussehen wird offenbar schwerer gewichtet als der Inhalt (was mich in diesem Fall nicht überrascht).

Auflage

45.402 (Verbreitung 2/2007, gemäss IVW)

Erscheinungsweise

monatlich

Seitenanzahl

100

Verbreitungsgebiet

Hauptsächlich Deutschland, Schweiz, Österreich.

Preis

2.90 Euro / 1 Ausgabe, 30 Euro / 12 Ausgaben (frei Haus, zurzeit inkl. einer hochwertige Quarzarmbanduhr von MADISON). Wieso bei der Online-Abo-Bestellung ein Button ist, auf dem "Für nur 21.- Euro" steht, ist mir nicht klar.

Preis / Leistungsverhältnis

Für eine Ausgabe nicht schlecht, für ein Jahresabo hervorragend. Wenn diese MADISON-Armbanduhr wirklich so hochwertig ist, dann ist die doch alleine schon den Abopreis wert. Oder das Doppelte, ach was sag ich, das Dreifache! Oder etwa nicht?

Onlineauftritt

blondmag.de schreibt über sich:

 

blondmag ist die Topadresse für aller trendinteressierten User, um alles zum Thema Lifestyle, People und Musik zu finden: blondmag berichtet über Extremsportarten, die angesagten Events, News aus der Musikszene und die neuesten Modetrends. blondmag ist die Szeneplattform für junge Lifestyler.

Ausschnitte aus dem Heft sind online, als Teaser. Man kann sich aber auch anmelden und dann zum Beispiel einen Leserbrief absondern, so wie es eine Userin getan hat:

 

Liebes blond-team.

ich will mal was klarstellen !

in eurer letzten ausgabe habt ihr

das Thema MYSPACE.COM ziemlich

platt getreten und die vorzüge eines wahren

cliquen-lebens hervorgehoben ! ich war sehr

beeindruckt von dem artikel, weil ich es

echt süß finde und diese ganzen internet-plattformen

wirklich scheiße sind.

und was muss ich in der aktuellen ausgabe sehen :

www.myspace.com/blondmagazin

??? what the fuck !?

Inhalt

hängen geblieben

Nehmen wir doch gleich mal die Titelgeschichte, "Hängen geblieben", die bei mir Erwartungen über Drogenmissbrauch weckt. Von den 33 kleinen Geschichten, bei der jemand irgendwo hängengeblieben ist, geht es aber nur bei zwei um Drogen. Bei Cannabiskonsument Juan (zurzeit in Therapie) und bei Betty, die wegen einer "e" das "Casting meines Lebens" verpasst hat. Online sind zehn der Geschichten, was einen guten Einblick gibt. Gut gefallen hat mir die Geschichte von Conny (hängen geblieben an einer Wäscheleine): "(...) Fünf Kinder hinter mir her, ich drehe mich um - und da lag ich schon. Plötzlich. Einfach umgenietet. Mir blieb die Luft weg, ich schaute nach oben und sah den Übeltäter: eine Wäscheleine, die mich genau am Hals getroffen hatte. (...)".

Ich finde die Story ganz ok. Eine Sammlung persönlicher, kleiner Geschichten, mit Bildchen illustriert, die durchaus was aussagen über die Leute, die sie sagen. Ein wirrer Althippie mit LSD-Vergangenheit hätte da wirklich nicht dazugepasst.

Highlights

Seite 22, "die schlechtesten Scherzartikel der Welt": Es werden 7 Scherzartikel vorgestellt, von denen alle ausser den runden Würfeln aus der gleichen Produktionsserie stammen: Blutkapseln, Wurmpillen, Kaffee Pille, Money Snatcher, die verflixte Zuckertüte und das Schraubenpflaster. Dank den dazu verfassten feschen Hasstexten kann man die armen Scherzartikel schon fast wieder gut finden. Beispiele: "Der Erfinder dieses Anti-Gadgets gehört in den Knast. Lebenslang." oder "Diese Pille sieht so scheisse aus, dass wir sie schon im Grundschulalter beim Mixen einer buten Tüte nicht mit dem Arsch angeguckt hätten."

Lowlights

Natürlich mal wieder der obligate Web2.0-Artikel. Hier eine Auswahl von Sätzen, die drinstehen:

 

MySpace.com. Zweck des Portals: Sich darüber darzustellen, wen man kennt. Man ist nur jemand, wenn man mit einer ordentlichen Anzahl an "Freunden" aufwarten kann.

Da wäre zum Beispiel StudiVZ.net, das mit "gruscheln", abgeleitet von "grüssen" und "kuscheln", das Gleiche wie MySpace mit "adden" meint und somit die Kontaktaufnahme mit anderen Studenten aus aller Herren Länder zum Ziel hat.

Oder der Einführungstext zu einem Interview mit Mieze, Sängerin von Mia:

 

Mieze, die Elektro-Göre von Mia, ist mit Herz Berlinerin. Doch manchmal packt auch sie das Fernweh, um ihre kreative Betterie aufzuladen. blond war mit Mieze per Taxi in New York unterwegs. Unter Trip ging quer durch Manhattan: von unserem Treffpunkt in Soho südlich Richtung Wasser, wo wir bei einem Latino-Festival gelandet sind, und dann wieder bis nach Harlem, wo wir ein Jazzkonzert in einer Privatwohnung besucht haben. Ein wilder Mix der Kulturen, so wie es Mieze am liebsten hat.

Werbung

quatsch dich leerDiese Werbung von Max Friends von T-Mobile ist mehrmals im Heft platziert. Mal männlich, mal weiblich, mal ganzseitig, mal halbseitig, mal mit diesem Spruch, mal mit jenem. Passt hervorragend.

Von den vielen redaktionellen Produktempfehlungen abgesehen scheint mir Werbung und Inhalt gut getrennt. Überhaupt, es hat viel Werbung drin. blond bedient eine Gruppe von Lesern, für die sich die Werber interessieren.

Sex-Appeal

Fast schmerzhaft hoch. Viele Seiten, die ohne sexuelle Themen oder Anspielungen auskommen, gibt es nicht. Sexy ist aber noch lange nicht.

Thema der nächsten Ausgabe: "Liebst du noch oder fickst du schon?":

 

Orgasmen, Phantasien, Schweiss und andere Körperflüssigkeiten. Fellatio, Cunnilingus und Porno - blond im September wird heiss und dreckig. Pärchensex mit Blümchen ist was für Münchener Spiesser, wir besorgen es euch richtig. Ihr wollt es doch nicht anders! Zieht euch schon mal aus!

Fazit

kitschEin Magazin, von dem ich schon beim Kauf wusste, dass es mir nicht gefallen würde. Viele nervige kleine Texthäppchen, gefolgt von längeren Texten, die ich nicht lesen will. Bilder und Themen, die mir nichts sagen. Schauspieler, Maler und Rapper, die ich nicht kenne (und leider auch nicht kennenlernen will).

blond ist aber ein Heft für die Zukunft, ganz egal, wieviele Blonde oder Brünette das kaufen werden, denn es gefällt den Werbern.

Bewertung

3/10 Punkten

Dieser Beitrag wurde ursprünglich im Blog medienlese.com veröffentlicht. Im September 2009 wurden medienlese.com und netzwertig.com zusammengeführt.

Kommentare

  • Jo

    08.08.07 (15:44:16)

    Gibt es da noch einen Unterschied zwischen Natur und Wasserstoff Blond? Jo

  • Claudio

    12.08.07 (16:07:22)

    Was es nicht alles für Magazine gibt... Vor allem der Artikel mit dem speziellen Reisebürobesitzer, der auch online lesbar ist, fand ich interessant. Danke für den Testbericht Ronnie! Das Magazin trifft seine Anforderungen mit Popkultur wohl ziemlich gut?

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