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13.08.13

IFTTT: In kleinen Schritten vorwärts

IFTTT, das "digitale Klebeband" fürs Web, setzt verstärkt auf die Integration von Medienangeboten. Für das beliebte Startup geht es darum, die breite Masse der Anwender vom praktischen Nutzen zu überzeugen.

Es gibt vielleicht keinen anderen Webservice, bei dem Begeisterung und tatsächliche Nutzung so weit auseinanderklaffen wie beim "digitalen Klebeband" IFTTT. Der US-Service, der Dutzende Apps miteinander interagierbar und verknüpfbar macht, erfreut sich zwar in Webkreisen einer großen Beliebtheit. In Artikel-Kommentaren, Tweets und User-Äußerungen an anderer Stelle liest man aber immer wieder die gleiche Feststellung: Viele Nutzer finden das Konzept von IFTTT toll, verwenden das Angebot im praktischen Alltag jedoch kaum. Zumeist, weil sie sich nicht hinreichend intensiv mit den Möglichkeiten auseinandergesetzt haben, die IFTTT bietet, um Onlinetools zu verbinden und automatische Prozesse zu definieren.

Das Beste, was das Gründerduo Linden Tibbets und Jesse Tan tun kann, ist fleißig neue "Kanäle" - also von IFTTT unterstützte Dienste - hinzuzufügen und darauf zu hoffen, dass sukzessive immer mehr Anwender einen genaueren Blick auf IFTTT werfen und von Sympathisanten der Idee zu hartgesottenen Alltagsnutzern avancieren. Die aktuelle Offensive des kalifornischen Startups, Medienunternehmen zu integrieren, passt gut in dieses Schema. Sie bietet nicht nur neue Einsatzszenarien, sondern hat auch eine gute PR-Wirkung. Medienangebote eröffnen neue Einsatzszenarien

Mit der New York Times ist mittlerweile der dritte Medienanbieter an IFTTT angeschlossen, weitere sollen folgen. Seit längerem schon können IFTTT-Nutzer verschiedene "Trigger" für BuzzFeed und ESPN erstellen und damit Aktionen bei anderen Webservices auslösen, etwa Inhalte aus spezifischen Kategorien automatisch zu einem Später-Lesen-Dienst wie Instapaper oder Pocket hinzufügen oder sie direkt zu Evernote oder Google Drive importieren. Die New York Times bietet unter anderem auch eine Suche als IFTTT-Trigger. Damit können User Alerts für beliebige Suchbegriffe anlegen und sich auf einer Vielzahl von Kanälen über die von der NYT publizierten Artikel informieren lassen.

IFTTT soll zur Plattform werden

Jeder Anwender hat sein eigenes Informationsmanagement und Verfahren zur Verwaltung von bestimmten Inhalten. Für die Medienhäuser wäre es eine unnötige Ablenkung vom Kerngeschäft, wenn sie diese sehr individuellen Bedürfnisse mit eigenen Lösungen bedienen müssten. IFTTT nimmt ihnen hier einiges an Arbeit ab und schafft es mitunter sogar, gelegentlich neue Leser an den jeweiligen Anbieter heranzuführen - solange nicht irgendwann alle Publikationen dieses Planeten eine eigene IFTTT-Unterstützung erhalten. Komplett abwegig ist der Gedanke, dass künftig alle namhaften Netzmedien bei IFTTT vertreten sein werden, nicht - gegenüber The Verge erklärt Gründer Linden Tibbets, dass er den Dienst zu einer Plattform machen will, auf der jeder einen Kanal anlegen können wird. Ende des Jahres soll dieser Schritt vollzogen sein, bis dahin ist mit weiterhin "händischen" Ergänzungen des Kanalangebots zu rechnen.

Monetarisierung hat keine Eile

Im gleichen Beitrag läßt Tibbets auch wissen, dass irgendwann in der Zukunft eine Monetarisierung mittels kostenpflichtiger Premium-Funktionen angedacht sei. Für mich - jemand, der sich im vergangenen Jahr besorgt darüber äußerte, dass IFTTT das Geld ausgehen könnte - klingt das beruhigend. Auch die Ende 2012 eingestrichenen sieben Millionen Dollar Venturekapital werden den Kaliforniern genug Luft verschafft haben, um nicht in akute Geldnot zu gelangen. Vor einigen Monaten fragte ich Tibbets per Mail, inwieweit die mit eigenen Kanälen vertretenen Medienunternehmen für ihre Partizipation und die damit verbundene Sichtbarkeit Geld zahlen, eine Antwort erhielt ich jedoch nicht. Insofern bleibt nur die Spekulation, dass zumindest zum Start beide Seite gleichermaßen von der Integration profitieren und deshalb eine zusätzliche Vergütung eher unwahrscheinlich klingt.

Große Chancen beim Internet der Dinge

Zum aktuellen Zeitpunkt ist noch nicht klar, welchen Weg IFTTT beschreiten wird. Ein vorzeitiges Ende oder ein Pivot aufgrund fehlender Nachfrage der breiten Masse sind ebenso vorstellbar wie eine Etablierung als eine der wichtigsten Firmen der vernetzten Ära. Speziell was das Internet der Dinge angeht, gibt es für IFTTT als Schnittstelle zwischen Dingen und Webservices viel zu holen. Hersteller von Haushaltsgeräten und anderen, Schritt für Schritt smarter werdenden Apparaten und Maschinen könnten IFTTT nutzen, um mit wenig eigenem Aufwand ein breites Spektrum an Onlinediensten anzubinden und ansprechbar zu machen. Bereits heute unterstützt IFTTT eine Reihe von Hardware-Produkten.

Das Potenzial von IFTTT ist riesig. Doch Potenzial allein macht Startups nicht zu großen Erfolgen. Zeit, wieder einmal zu prüfen, ob einem IFTTT nicht weitere spezifische Arbeiten im Netz abnehmen kann. /mw

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