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08.02.11

ifttt: Das Internet für sich arbeiten lassen

ifttt - "if this, then that" - mit diesem eigenwilligen Namen will ein neuer US-Webdienst Nutzern Werkzeuge an die Hand geben, um das Internet für sie arbeiten zu lassen. Das Ergebnis ist anspruchsvoll und beeindruckend.

Silicon-Valley-Kenner und Tech-Evangelist Louis Gray hat vor einigen Tagen in seinem Blog einen Dienst vorgestellt, der den inneren Geek bei passionierten Internetnutzern anspricht wie kaum eine andere Webanwendung der letzten Jahre (von Ausnahmen wie  Yahoo Pipes oder  Dapper abgesehen).

ifttt nennt sich der eigenwillig bezeichnete Service des in San Francisco beheimateten Software-Entwicklers Linden Tibbets. Dieses Akronym steht für "if this, then that", übersetzt "wenn dies, dann das", und beschreibt eigentlich ganz gut, was sich mit dem minimalistisch gestalteten Tool anstellen lässt: Anwender können bei ifttt Regeln für Aktionen definieren, die durchgeführt werden sollen, wenn spezifische Szenarien eintreten.

ifttt soll es Nutzern ermöglichen, das Internet für sie arbeiten zu lassen, so beschreibt es Initiator Tibbets in einem Blogpost zum Launch des Angebots. Er vergleicht ifttt mit digitalem Klebeband, mit dessen Hilfe Anwender Applikationen, Prozesse oder Situationen verbinden und auf vielseitige Weise miteinander interagieren lassen können.

Was etwas kryptisch klingen mag, lässt sich am besten am plastischen Beispiel beschreiben: ifttt erlaubt es Anwendern, zu einem beliebigen Zeitpunkt automatisiert einen Tweet, eine E-Mail oder einen Blogeintrag bei posterous oder Tumblr zu veröffentlichen. Es ermöglicht auch das Anlegen einer Regel, die den Google Reader veranlasst, eigenhändig die RSS-Feeds von per Tweet publizierten URLs zu abonnieren - oder nur solche, die mit einem vorab definierten Hashtag versehen wurden. Und ifttt kann auch dafür eingesetzt werden, um jedes Mal, wenn ein User bei Flickr ein öffentliches Foto oder ein Set hochgeladen hat, den Link dazu automatisiert beim Bookmarking-Service pinboard zu speichern.

Die Grundlage von ifttt sind 22 so genannten "Channels" - ausgewählte Onlinedienste sowie einige Events und Eigenschaften wie Uhrzeit, Wetter oder Aktienkurse. ifttt unterteilt diese Channels in "Trigger" (Auslöser) und "Action" (Aktionen). Nutzer, die eine der z.B. gerade beschriebenen Regeln kreieren möchten, legen dafür eine neue "Task" an, wählen zuerst den Trigger (z.B. einen neuen Tweet oder eine Direktnachricht) - definieren also, WANN ein Ereignis ausgelöst wird - und anschließend die Aktion, die ifttt daraufhin veranlassen soll.

Manche Channels existieren als Trigger und Action (wie z.B. Facebook, Twitter oder Delicious), andere fungieren entweder als Trigger (z.B. eine bestimmte Uhrzeit, Wetterlage oder ein beliebiger RSS-Feed) oder als Action (z.B. Evernote, Instapaper oder Read It Later).

Jeder Channel muss einmalig autorisiert werden, damit ifttt zukünftig mit diesem interagieren und Aktionen initiieren kann. Entweder geschieht dies per OAuth, oder ifttt speichert die Benutzerdaten selbst (betrifft Angebote, die keine OAuth-Authentifizierung erlauben, was leider immer einen faden Beigeschmack hat).

ifttt bietet hunderte Kombinationsmöglichkeiten für Auslöser und Aktionen. Allein der Twitter-Trigger beinhaltet neun Szenarien, vom eigens verschickten Tweet über Tweets von anderen Usern, von in der persönlichen Timeline auftauchenden Links bis hin zu allen Erwähnungen des eigenen Twitterkürzels in Tweets von anderen - und ein oder mehrere jeweils dazu passende Aktionen.

Wer möchte, kann mit dem Tool die skurillsten Prozesse veranlassen, z.B. automatisch eine Status-Nachricht bei Facebook veröffentlichen, wenn die Außentemperatur des aktuellen Standortes unter einen bestimmten Wert fällt (leider umfasst der Wetter-Channel zur Zeit nur die USA) oder jeden Tweet eines beliebigen Twitter-Kontos automatisch retweeten lassen.

Auch ein SMS- und ein Telefon-Channel werden angeboten, allerdings nur für US-Nummern. Ich könnte aus Spaß eine Regel für meine US-amerikanische Google-Voice-Nummer angelegen, die mich dann anruft und eine von mir gewählte Mitteilung abspielt, wenn der Wert der Netflix-Aktie unter 200 Dollar fällt (nein, ich besitze keine Netflix-Aktien), und eine weitere, die mir eine SMS schickt, wenn Google-Noch-CEO Eric Schmidt einen Tweet publiziert (was nicht oft der Fall ist).

Bedingt sinnvolle Beispiel-Prozesse zur Illustration

ifttt kann sich zu einem ziemlichen Zeitfresser entwickeln - im positiven Sinne. Das Arsenal an denkbaren Verknüpfungen ist derartig umfangreich, dass für den Nutzer die Herausforderung vor allem darin liegt, die wirklich sinnvollen, produktivitätsfördernden Regeln ausfindig zumachen. Nicht jede über ifttt realisierbare Aktion bedient eine Nachfrage. Doch gerade die Suche nach den absoluten "Killer-Regeln" macht den Einsatz von ifttt so unterhaltsam und kurzweilig - eine anfangs gewöhnungsbedürftige, aber dennoch sehr benutzerfreundliche Oberfläche tut ihr Übriges.

Selbst wenn die Zahl unterstützter Channels noch ausbaufähig ist (mein bevorzugter Social-Bookmarking-Dienst Diigo fehlt zum Beispiel momentan noch, steht laut ifttt-Macher Linden Tibbets aber auf der Roadmap) und der Dienst zu allerlei Unfug und kontraproduktiven Regeln animiert, ist er für mich bereits jetzt eines der großartigsten Webtools seit langem, und dürfte, sofern sein mittlerweile auf zwei Personen angewachsenes Team nicht vorher von Facebook oder Google aufgekauft wird (die Gefahr ist groß), in den innneren Social-Web-Kreisen in nächster Zeit für viel Furore sorgen. Ob ifttt auch das Zeug zum Mainstreamprodukt hat, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Ohne ein hinreichendes Maß an Internetkompetenz werden Anwender mit ifttt eher wenig anfangen können.

Wir haben 20 Einladungen für ifttt. Die ersten 20 von euch, die einen entsprechenden Kommentar unter Angabe ihrer E-Mail-Adresse im dafür vorgesehen Feld hinterlassen, erhalten Zugang zu dem kostenlosen Service (maximal zehn Tasks pro Person sind möglich).

Update: Die Einladungen zur Beta-Phase sind weg. Bei ifttt könnt ihr euch in die Warteliste eintragen.

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