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17.06.14Leser-Kommentare

IDnow: Die Amiando-Gründer wollen das Postident-Verfahren überflüssig machen

Das Postident-Verfahren ist im Online-Zeitalter nicht mehr zeitgemäß, finden die einstigen Gründer von Amiando. Mit ihrem neuen Startup IDnow glauben sie, eine bessere Lösung gefunden zu haben.

IDnowWenn man online einen geschäftlichen Prozess durchführt, der einen Vertragsabschluss beinhaltet, dann ist dabei wenig irritierender als ein erzwungener Medienbruch - oder genauer ausgedrückt ein Gang zur Post, um per Postident-Verfahren die Identität zu verifizieren. Die Gründer der Münchner Eventplattform Amiando, die ihr Unternehmen im Jahr 2010 an Xing veräußerten, wollen die Identitätsfeststellung nun ins 21. Jahrhundert befördern. Heute präsentieren sie dazu ihr neues Startup IDnow. In gleicher Besetzung wie zu Amiando-Zeiten haben es sich Felix Haas, Sebastian Baerhold, Armin Bauer und Dennis Ferenczy zum Ziel gesetzt, einen neuen Standard der digitalen Identitätsprüfung zu schaffen.

IDnow richtet sich als B2B-Produkt an sämtliche Firmen, die online Dienstleistungen anbieten, bei denen entweder per gesetzlicher Vorschrift oder aus Gründen der Risiko-Evaluation eine Identifizierung der Kunden notwendig ist. Durch eine Integration in ihre Bestell- und Vertragsabschluss-Prozesse ersparen Firmen den Kunden den Gang zur Post. Stattdessen müssen Nutzer lediglich ein Ausweisdokument in den Sichtbereich ihrer Webcam halten. Die von IDnow entwickelte, laut Firmenangaben patentierte Bilderkennungstechnologie extrahiert dann die Personenangaben. In einer zweiten Stufe wird direkt im Browser ein kurzer Videochat initiiert, in dem ein "IDnow-Identifizierungsexperte" die Identität nochmals "persönlich" prüft. Das Resultat wird dem Anbieter und Kunden dann sofort mitgeteilt.

Die Idee, mittels Webcam und Bilderkennungstechnologie eine Verifizierung von Personen durchzuführen, ist nicht ganz neu: Das österreichisch-amerikanische Startup Jumio bietet seit einigen Jahren entsprechende Dienstleistungen an. Wie IDnow-CEO Felix Haas gegenüber netzwertig.com erläutert, entspricht aber nur IDnow den regulatorischen Anforderungen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Die damit zusammenhänge Legitimationsprüfung nach dem "Know- your Customer"-Prinzip ist Voraussetzung für verschiedene Arten von Vertragsschließungen, etwa bei Kreditinstituten und Versicherungen.

Aktuell befindet sich die IDnow-Technologie, die sowohl für Desktop-Browser als auch den Einsatz auf mobilen Geräten entwickelt wurde, in der Implementierungsphase bei "zahlreichen führenden Anbietern der Finanzindustrie", sagt Gründer Felix Haas. Ab dem vierten Quartal werden User seiner Aussage nach erstmalig während des Online-Vertragsabschlusses mit den neuen Funktionen in Kontakt kommen.

Finanziert wird IDnow aus den privaten Mitteln des Gründer-Quartetts. Externes Kapital wurde bislang nicht beansprucht. Die Monetarisierung erfolgt wie beim Postident-Verfahren über eine Gebühr pro erfolgreicher Identifizierung, die von dem abermals in München angesiedelten Startup partizipierenden Unternehmen in Rechnung gestellt wird. Der semi-automatische Charakter der IDnow-Technologie hat zwar zur Folge, dass die junge Firma um den Einsatz menschlicher Arbeitskraft für den Legitimationsprozess nicht ganz herumkommt. Aufgrund der vorab erfolgten automatischen Prüfung reiche jedoch eine kurze Sichtprüfung durch einen IDnow-Agent, weshalb es sich um einen sehr effizienten Vorgang handele, so Haas.

Vorausgesetzt, die Technologie von IDnow funktioniert reibungslos und stößt bei der anvisierten Zielgruppe, die zu Beginn vor allem Anbieter aus dem Finanzsegment umfasst, auf positive Resonanz, so könnte das Startup einen großen Einfluss auf den Anwendungskomfort bei Online-Vertragsabschlüssen und auf andere Einsatzfelder haben, in denen für das Beziehen bestimmter Leistungen ein Ausweisen des Konsumenten erforderlich ist. /mw

Link: IDnow

Kommentare

  • Lukas Rosenstock

    17.06.14 (22:13:13)

    Sicherlich eine gute Idee. Vorteil dieser Identifizierung ist dass fast jeder Rechner heute eine Webcam hat aber kaum jemand z.B. einen Kartenleser für die E-ID im Personalausweis, mit der man ja auch eine Postident-äquivalente Identifizierung machen könnte. Wünsche den Gründern viel Erfolg!

  • Stephan

    19.06.14 (17:54:45)

    Finde die Idee ebenfalls spitze. Bestimmt die beste Idee die ich seit langem gehört habe, inklusive einem praktisch perfektem Management Team dahinter.

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